Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

 
 

Simon Fisher Turner / Vox Clamantis / Jon Balke / Sophie Tassignon (thanks to Ingo) / Ulrike Haage / Sonar & David Torn / Tony Allen & Hugh Masekela / Die Wilde Jagd (thanks to Hans Rollmann) / Neil Young / Lucinda Williams / Bob Dylan / Einstürzende Neubauten / Benjamin Moussay / Roger Eno & Brian Eno / Randy Newman / Franz Schubert / Max de Wardener (thanks to Uli) / Ian William Craig / Misha Alperin / Hans Joachim Roedelius / Yumiko Morioka / Arvo Pärt / Steve Tibbetts / Andrew Tuttle / Richard Skelton / Boards of Canada / „The dying sounds of Sylt“ (thanks to „The Source“) / The Kinks / The Mamas & The Papas / Jean Louis Matinier & Kevin Seddiki / Richard Horowitz / Kraftwerk / „The Westerland dawn chorus“ (thanks to Rosato‘s remix) / Lee Perry / Eric Malmberg (thanks to Der Interaktionist)

 

Der wesentliche Grund, warum ich nie in Versuchung geriet, über meine Schulsprachen hinaus, eine weitere Fremdsprache zu lernen, lag an den Dingen, die ich bei unserm Englischlehrer Dr. Werlich erfuhr. Noch heute hallt vieles nach, was er uns damals erzählte, mitteilte, z. B. diese Verwandlung des Denkens und Empfindens, die eintritt, wenn man von einem Sprachraum in den anderen wechselt, bei Reisen von Deutschland nach England, oder, wenn man lernt, englisch zu denken. Diese Verwandlungen empfand ich stets dermassen faszinierend, dass ich lieber in den englischen Modus wechselte als mich in einer Vielzahl von Sprachen so nett wie anfängerhaft zu verzetteln. Auf mein Airport-Spanisch kann ich gerne verzichten.

Etwas anders liegt der Fall, wenn man von der eigenen Sprache in die gleiche wechselt, ich meine nicht den Übergang vom Westfälischen ins Friesische, dergleichen, sondern die schöne Unheimlichkeit der Erfahrung, wenn man ein altes Lieblingsbuch in neuer Übersetzung liest. Solches war in den den letzten zwanzig Jahren möglich, als mir Neuübersetzungen alter Favoriten von Georges Simenon, Mark Twain, Dostojewski und anderen auf den Tisch kamen. Nicht immer nahm ich das Angebot wahr, aber wenn, dann wich der alte Zauber einem neuen, und die Freude ging weit darüber hinaus, einem jüngeren Ich zu begegnen, das sich grossenteils ohnehin aufgelöst hatte.

Wunderbar das zweite Lesen von Don Quixote, oder Günther Ohnemus‘ betörender Transfer von Richard Brautigans „Forellenfischen in Amerika“. Diese zweiten Begegnungen mit unvergesslichen, und nun auch noch leicht verwandelten, Büchern, sind Zeitreisen der besonderen Art, und einer der Gründe, wieso ich John Passos‘ „USA Trilogie“ entgegenfiebere. Nur, wann finde ich die Zeit, mich in diesen Schmöker für alle Sinne hinein fallen zu lassen? Ich visiere die Adventszeit an.

2020 26 Mai

Have a Good Trip

von | Kategorie: Blog | | 1 Comment

 
 

Es muss etwa 40 Jahre her sein. Ich erinnere, wie ich ein paar Leute auf den wunderschönen Sonnenaufgang hinwies, dann aber von denen gesagt bekam, es sei 2 Uhr nachts.

Von ungefähr dieser Qualität ist die Netflix-Doku Have A Good Trip — Adventures In Psychedelics, die im US-Netflix zu sehen ist. Wer ernsthaft den Nerv hat, dem sich auf dem Sofa räkelnden Sting dabei zuzuhören, wie er sich daran erinnert, einmal nach dem Genuss einiger Magic Mushrooms einer Kuh beim Kalben geholfen zu haben, der ist sicherlich auch reif für den Rest: die durchweg kichernd dargereichten Drogenerlebnisse einiger prominenter und vieler nicht ganz so prominenter Künstler. Optisch ist das manchmal ganz hübsch gemacht, mit Zeichentricksequenzen und kurzen Parodien „wissenschaftlicher“ Warnungen, wie sie in den 1960er Jahren als After-School-Specials im US-TV gesendet wurden („This is your brain on drugs“), unterbrochen von kurzen Reportagebeiträgen der Marke „das versteht nur, wer dabei war“. Star Wars-Prinzessin Leias Erlebnisse führen ebenso ins Nichts wie die Bekenntnisse irgendeines Rappers. Das Ganze läuft knapp 90 Minuten; nach 30 spätestens hat man das Gefühl, einer Washmaschine beim Rotieren zuzuschauen.

„Getretner Quark wird breit, nicht stark“, schrieb, glaube ich, schon Goethe im Westöstlichen Divan. Hier ist der Trailer. Die Substanz des ganzen Films in zwei Minuten.

 

2020 26 Mai

Wunderkind-Jazz

von | Kategorie: Blog | | 1 Comment

 

Eine als Blitzgedanke maskierte Fragestellung gestern lautete: „Was macht eigentlich Joey Alexander?“ Vorzeiten schon bekam man ja den Tipp, sich dieses Wunderkind des Jazz mal anzuhören und reihte sich daraufhin ein in die Riege derer, die nicht fassen konnten, was ein Junge mit gerademal neun Jahren am Piano zelebrierte. Mittels YouTube entdeckte man das Stück „Warna“ aus dem in diesem Jahr erschienenen gleichnamigen Album des mittlerweile Siebzehnjährigen. Da man in diesen Tagen Carlos Santana näher unter die Lupe nahm, passte, was man hörte, wie die Faust aufs Auge: allerfeinster latin stuff. Die Recherche-Maschine namens Internet startete auch prompt – man muss ja heute nicht mehr pilgern, nicht einmal das Haus verlassen, um sein Instant-Wissen anzuhäufen – und enthüllte einige interessante biografische Details. Der Pianist kommt aus Bali, ist dann aber mit seinen Eltern irgendwann der musikalischen Kontakte wegen nach New York gezogen. Als Kind schon traf er Herbie Hancock, der zu ihm sagte, dass er an ihn glaube. Das stärkte den Entschluss, sein Leben der Musik zu widmen. Man hört es selbst, was auch seine namhaften Mitmusiker bestätigen: er kann alles antizipieren, hat ein fantastisches Gefühl für rhythmische Nuancen. Wen wundert es, wenn einer mit gerademal Sechs ein Stück von Thelonius Monk entdeckt und auf dem Spielzeug-Keyboard dann gleich spielen lernt!

 

Sie musste fliehen vor einem gnadenlosen Feuer in Kalifornien, verlor so vieles, und ging zurück nach Japan. Verblüfft war sie von anderen Dingen, etwa davon, dass ihr Klavieralbum von 1987 neu entdeckt wurde. Eines von vier Pianoalben, die jüngst herausgekommen sind, oder, in einem Falle, kurz vor der Veröffentlichung stehen. Und die einen besonderen Platz einnehmen in den kommenden „Klanghorizonten“. Neben dem von Yumiko, das entweder in meiner „Sylt-Robinsonade“ auftauchen wird, am 20. Juni, oder in der „etwas anderen Klavierstunde“ der gleichen Radionacht, gewiss auch die so reichhaltigen Klaviermusiken von Benjamin Moussay (wieso gefällt mir das Cover so sehr, leerer kann es ja kaum sein, wahrscheinlich deshalb), sowie (mit ausführlichen Interviewpassagen ausgestattet) Ulrike Haage und Jon Balke. Man wird dort, am Rande, etwas von ausgestopften Eisbären hören, auch von den Halluzinationen, die ein Wasserfall auslösen kann. Und von jeder Menge Kaffee aus Plastikbechern.

 

Die Coronakrise hat die Lyrik nicht unberührt gelassen. Nach kurzer Zeit gab es Aufrufe, sogenannte Coronagedichte zu schreiben, which is not my cup of thrills, ´cause it seems to be too much one-way meaning to me: If you only put Corona in, you´d only get Corona out of the poem. Wo bleibt dann der Mehrwert? Ich bin eher der Auffassung, dass es Kennzeichen eines guten Gedichtes ist, in verschiedenen Zeiten jeweils etwas anderes auszudrücken. Vor einigen Wochen erhielt ich die Anfrage, ein Gedicht als sogenanntes Corona-Trostgedicht auszuwählen und es zu kommentieren. Ich dachte sofort an ein Gedicht von W.S. Merwin, den ich vor einiger Zeit hier auf dem Blog vorgestellt habe. Und, nein, W.S. Merwin hat Corona sicherlich nicht vorausgeahnt. Er hat sich einfach auf einer Insel, auf der er lebte, umgesehen und nachgedacht. Nun ist das Gedicht in meiner Übersetzung mit Kommentar in der Rheinpfalz erschienen, hier nachzulesen. Keine Sorge, ich habe das C-Wort im Text nicht erwähnt.

 

 
 

As you know, I’ve written about several RareNoise album releases over the last couple of years. And it’s actually kind of surprising now to find someone like you on the label, isn’t it? How did your album end up there with RareNoiseRecords?

 

When I was trying to find a label for this record, I looked at a lot of jazz labels and I thought this is not really a typical jazz record, it’s just not going to fit. I kind of had the feeling it won’t fit anywhere. Then I stumbled across RareNoise by accident. I read about what they go for, and I thought, “This is it! This is the label!“ They go for styles of music that don’t really fit anywhere. And then I was very happy when Giacomo [Bruzzo, head of the label] said he really loves it. He’s great to work with, very reliable, positive, and respectful.

 

So the album was already finished then.

 

Yes. That was one year ago. I finished the mix on my birthday last year. That was my deadline. And then I thought, “okay, now I can celebrate!“. I went with my gut feeling on this album for every decision, and I’m very happy about how it turned out.

 

Their description fits with what you do—although the name RareNoise addresses something else.

 

Totally. I know. This album is really not representative of “noise“ music, but I quite like the label’s name, although it might be a bit misleading for my music. I see the label name as meaning more ‚rare sound‘ which I feel better describes my album. I was not originally familiar with many of the bands on the label, probably because I’m not somebody who checks out a lot of music in general. I always listen to the same stuff over and over.

 

Such as?

 

Johnny Cash. Ligeti—but just this one piece on the piano, Fanfares, it’s just fantastic. David Bowie—Ziggy Stardust is my favourite. Some Fado music … It’s very selective. There’s a lot I can’t hear, because it’s too painful—because it’s so beautiful. I spoke with a friend about it because I wondered, “why am I not listening to all these beautiful albums?“ I can’t. Like Jeff Buckley’s album, his only album: For me, it’s just out of space. It’s so deep, emotionally. Or Joni Mitchell, Blue—can’t hear it anymore. I also love the one with Vince Mendoza’s arrangements. I listen to Chopin’s first concerto regularly. And I really love what Bowie did with Donny McCaslin, the final album, it’s really great. I have it on vinyl, but I don’t put it on very often. It’s also so beautiful.

 

Bowie did a lot of interesting things with his vocals, too. I’ve been listening to a podcast a lot, by a friend of a friend of mine. He invites lots of people to talk about all Bowie albums—one person at a time to talk about one specific Bowie album. And then he puts out the conversations as podcasts. At times they’re rather long, up to three hours, but it’s immensely inspiring to hear these different perspectives and all sorts of different thoughts and background information on this complex body of work, including how Bowie used vocal performance, how he used all those different characters and approaches in each song. I guess you know that he started out working with theatre and performance, and then he used those elements in his stage productions and his recordings throughout his life. So most of his recordings are in a way very close to acting, even though they’re not always about characters, but he performs each song with a specific character and a specific approach to singing. He always puts on a persona. His singing style is very different on all the different tracks and albums. I am fascinated by the way he was using his voice as a unique instrument.

 

I just bought myself a record of Russian Orthodox choir music. And I find that so beautiful. I went to Russia many times and I used to go to the orthodox church just to listen to the choirs. And sometimes I incorporate that in my music, especially on this album.

 

I was thinking of something like that, although I couldn’t specify it. You’ve been here in Berlin for about 12 years and done lots of different projects. So would you say that this album is kind of a culmination of your work over the last 10 or 12 years?

 

Yeah. Thinking about it, I realized that this is really a mixture of all the influences since I was a child. And it’s, in a way, funny to think, “Oh yeah, I put it all in a box. There it is.“ It feels so good when you do something that’s really personal. I just thought, “I want it like this,“ and that’s what mattered most. Of course I am hoping people are going to like it, but it was not made to please someone else. So for me, it’s the first one that’s really true and honest. I think other albums were hiding a certain part of me.

 

I think I can sense that it’s the result of a long development over years and also a very personal approach, but on the other hand it’s also very simple. Working with loops and different layers, you can always do a whole lot of things. Was it difficult to achieve this simplicity and not include too many elements?

 

I had a big rule when I started this project: I just wanted to use the voice, I didn’t want to use any MIDI elements or effects. So when I say “voice and electronics,“ there are a few loops here and there that I have worked on, and they’re embedded, they’re not obvious. Nothing has been changedmaybe one note: There’s a very low D in Descending Time, and I think the sound engineer pitched it, or he did something else that makes it sound one octave down. But that would be the only thing that has been changed. All the low notes I recorded at like four o’clock in the morning after a party or something. I would wake up at four or five in the morning and record those low notes, because then they would come out. That was my basic rule and that was also a big constraint. You say there’s a simplicity, but I think this is the most complicated thing I’ve ever done. It’s full of complexity, but of course I hope that no-one hears it. For example, in Cum Dederit, there are 88 different voices that at some point come in and out. So this is really complex, but I’m glad that it sounds simple to you, because there’s nothing worse than listening to music and thinking, “Oh my God, that sounds hard!“

 

Okay, if we take the song “Jolene,“ it’s almost pop, it’s basically just the tune. Others, like “La Nuit,“ do sound rather complex.

 

Yes, it’s true. Don’t Be So Shy With Me is fairly simpleand Witches as well.

 

They are, but I can hear that there was a long process behind them. I also heard these different layers, although I didn’t exactly hear 88 of them. I always admire people who are so versed with working with these loops, using layers of sounds and then singing and playing on top of them. So this must be something you’ve been doing for many years.

 

Yes, that’s the thing. I think I bought my loop station in 2006, so it’s been, yeah, 14 years! Back then I started building something up with it. You want to do something interesting, not just repetitive. Then in 2009 I was lucky to work with a Japanese dancer just for one short thing, at a tea ceremony in Prenzlauer Berg in a tiny cafe that doesn’t exist anymore. I was doing tons of sound stuff with this loop station. That evening a woman was there, she was curious about how I was doing that and asked for my phone number. And a year later she said, “I need your voice, I need to work with you on a theater project.“ That was Elzbieta Bednarska. I’ve done six theater pieces with her since. And that work inspired me to research and try out a lot of stuff, because you rehearse a lot when you work in the theatre field. On the first piece we did, there was one actress doing a monologue, and I had to do all the music by myself. So I was constantly looking for different things that work so that the audience wouldn’t get bored with just hearing the voice all the time. Working with Elzbieta has always been very inspiring and so much fun. And a lot of that ended up somewhere in here, on this album; for example, the birds in the beginning of Jolene, they’re mixed very softly, because I’m in this little churchI wanted it to be an Orthodox churchand the sound engineer said the birds are outside. That’s why they’re so quiet. Those were inspired from the theatre piece. And the beginning of Descending Tide, that melodic line, was also part of that first piece that I improvised.

 

La Nuit comes from a longer improvisation I did with Simon Vincent, an electro-acoustic composer I’ve worked with for years in the improvisation project Charlotte & Mr. Stone. It was like a composition within a composition, I took that out and slightly changed it when I listened back to it. I always thought this was a cool melody. Cum Dederit comes from a very different place: I had learned it during my years of classical training, but I never really developed the classical singing. Obviously I got something out of that technique, but I don’t really know how it works. The piece has haunted me for about 20 years, especially with its chromatic development.

 

Was it a deliberate choice to use all those different languages?

 

No, because starting with this album, I decided that I wanted to have a project similar to what I do in the theater, but do it alone. It was more like a dare, because in some ways I have a bit of a shy personality. Especially on stage, I’m not always that confident. But when I perform in theatre I feel much more confident and people like it a lot. So I planned to make myself one set and to perform it on my birthday six months later or something like that. Then I thought, as it’s going to be my birthday, I’m going to choose all the songs that I want to do just for myselfas my own birthday present. I chose only songs that for some reason really touched me. That explains why the selection is very unique. It was very complex to record this on my own. I had always dreaded that because I’m not so good with software and all that.

 

So these are all songs you had performed a lot in your shows?

 

Yes. It was so nice that often after my solo concerts people came up asking for a CD and said, “I want to take that home with me.“ And I replied, “But I don’t have a CD.“ They suggested, “You could simply record what you just did live.“ And I thought, no, it’s not going to be the same. It’s not going to sound like what you hear because you’re in that specific room. You don’t actually hear the little mistakes and the loops that are glitching, the pops, you know. So when I started to work on the album I had to redo 90% of the loops that I had created over time. I had to deconstruct, transcribe and rerecord everything using a different microphone. It took me about a hundred hours per song to recreate what I was doing live.

 

Wow. It does sound very meticulous. One can hear the long process, but it’s not overpowering. It’s obviously not just like you went in front of a microphone and did some singing.

 

In 2015 I learned Ableton Live, so I could do a lot of more complex things that I prerecorded and prepared. There are some textures, for example in La Nuit, which I could create with higher notes. I would record one note and then I would copy that note and place it slightly underneath but in a different track. And then that would be looped. So it would sound like one long thing. Or I would just record the same note five times and place them next to each other. So I would have one note and then I would do that with another one and another one. And I would record those notes louder and softer so that I can create this moving texture with these long notes. That was super fun. So then I had that texture, which I could bring in and out whenever I wanted to.

 

So basically you knew what kind of sound you needed. And then it was a lot of work constructing the different layers.

 

Exactly. Mysteries Unfold is actually one that I composed a while back, in 2015. I composed it on the piano. I had the chords and the melody, and I took that with me when I went to the International Centre for Composers in Visby (VICC). First I recorded the A section; I wanted some melodic lines that create harmony and sort of develop the melody. And the second part was a total experiment. I just cut some notes short and placed them in a way that it created some sort of rhythm.

 

When you choose these songs from different origins and in different languages, is the content of the lyrics important to you? The first song, “Gubi Okayannie,“ for example, I guess many people won’t understand anything you sing there, as it’s in Russian. And even more so the song in Latin. And there are other parts on the album where the voice is not even conveying lyrics but turns into something abstract, it’s not just a song anymore. “Jolene“ works almost like a story, whereas others don’t.

 

Actually, whenever I listened to songs, I never used to pay attention to lyrics. I still don’t really. My ear is not drawn to words but to the harmony and the melody and the sound. For me lyrics don’t really matter. Gubi Okayannie has touched me particularly, because I saw it in a movie and I transcribed it from the video because I wanted to sing it. I love the film, Five Evenings by Nikita Mikhalkov. There’s this guy who takes out his guitar and sings this song, super gently. It’s beautiful. But of course when I took it, I just couldn’t do it in a similar way. I’m not him and it’s so beautiful the way he does it, so why should I try to do it like him?

 

But that’s true for all the songs. “Jolene“ is a song that many people have heard. When I heard your recording of “Witches“ it sounded very familiar, I had to check where it’s from, but I don’t think I actually ever heard the [Cowboy Junkies] original. Your whole approach is a very personal one. You’re using these songs to turn them into something personal, even though they might be familiar in another context or in a film. A Dolly Parton audience might also be a different audience from those who buy RareNoise records.

 

Yeah, frankly, I must say I didn’t know Dolly Parton and I didn’t even check out her version until a few years ago. I started singing it in 2009 with a band I had with three other singers and we would write arrangements. And I absolutely loved these lyrics, they were just so amazing. So I decided to sing just the lyrics, because they’re so powerful. And for me, this song was always a slow one, and now I made it even slower than it was before, by doing it a cappella with no time. When I heard the original, I was like, “Wow!“ I didn’t even know she was so famous and that song was so famous. And Witches, too; actually, I don’t think I’ve ever heard the original.

 

I really like this idea of taking something from either a different culture or another genre, like country music, and turn it into something very different, like Orthodox choir music. That’s what people like Johnny Cash and or, at times, David Bowie have done, too.

 

Now with Jolene, when I used to sing it, a lot of people said they cried, as it was just one voice singing these lyrics that are so powerful, so sensitive. I love that. But when I recorded it at home, I thought that’s not going to work. Something was missing. It’s an album. It’s not a live performance. You can’t just do what you do on stage and put it on a CD as it is. Then these chords came to me, like Orthodox church kind of chords, I wanted to have this kind of holiness. But then the question was, how much of it? You know, I could write a huge arrangement with more voices and all that, but I still wanted it to be pure. So that’s why the beginning is still with nothing but the birds, and then these chords come in.

 

One final question: What’s the story behind that painting on the album cover?

 

The Cover was designed by ROK, an artist living in Budapest. I really loved what he did for previous albums on RareNoise so I was very happy to work with him. I suggested Fernand Khnoppf as he’s one of my favourite artists. He’s Belgian which is a coincidence! So ROK decided to use a photo of me taken by Peter Van Huffel and did an amazing job reworking it joining the idea of Khnoppf’s mysterious painting style to the different layers and deapth of the album.

 

The conversation between Sophie Tassignon and IJ.Biermann, recorded in Berlin, April 2020, has been edited and condensed for clarity. more… »

 
 

Ich bin zwar kein Landei, aber ich schätze mich glücklich, am Rande eines Naturreservats zu leben. Viele erfahren die Natur anders derzeit, nicht wenige lauter. Ein Freund aus den Vororten rund um London erlebt in den dortigen Grünflächen eine „Kakophonie des Vogelgezwitschers“ und erfreut sich daran. Als ich in Westerland nachts um 4.35 Uhr das Mikrofon aus dem Fenster meiner Behausung hielt, mitten im harten Lockdown, schien mir die Lautstärke auch immens. Und, woran dachte ich, an Hitchcocks „Die Vögel“. Man kann eben auch erschrecken, angesichts der ihren Raum hier und da zurückerobernden Flora und Fauna. Ich dachte allerdings auch an den Ohrwurm des Jazzbassisten Dave Holland, „Conference of the Birds“. Zwei Eisvögel auf den Friederichstrasse, auch das kam vor. Zu der Geschichte dieses Blogs zählt auch, dass der eine oder andere von uns zu einem Hobbyornithologen mit Feldstecher mutierte, oder eingehend den von Arien unserer zwitschernden Mitbewohner inspirierten Klavierkompositionen Olivier Messiaens lauschte. Und das neue Buch von David Rothenberg hat, wie der Rowohlt-Verlag es kundtut, „der Nachtigall ein musikalisches Denkmal gesetzt“, und der gute David „jammt mit den Vögeln“. Diese „Kulturgeschichte der Nachtigall“ hat die Natur- und Romanschriftstellerin Melissa Harrison bereits im Original gelesen, und in ihrem neuen Podcast (s. comment 1) entdeckt sie das volle Orchester der britischen Landschaft vor ihrer Haustür, in jenem britischen Hinterland, das der wunderbare Darren Heyman vor Jahr und Tag abenteuerlustig erforschte. Wem das alles allzu pittoresk anmutet, dem kann ich den vorzüglichen Kriminalroman „The Birdwatcher“ empfehlen, der allerdings auch ins grüne, grüne Kent entführt.

 

Ich war vielleicht neun oder zehn Jahre alt, stand im Fahrradkeller und blickte mich um. Mein schilfgrünes Rad, das ich so liebte, weil die Übersetzung des einzigen Ganges einfach perfekt war, lehnte gegen eine weißgekalte Mauer. Immer, wenn ich die Mauer berührte, waren meine Hände mit einer knochenfarbenen feinen Staubschicht überzogen, und es war nicht so gut, die Hände dann an der Hose abzuwischen. Ich war jeden Tag mit dem Rad unterwegs und ich suchte am liebsten Feldwege auf, die nicht asphaltiert waren. Es gab nur ein paar davon. Ich hatte den Hausschlüssel in der Hand, und ich überlegte, wie es wäre, wenn ich einfach abhauen würde. Ich fühlte mich auf eine Art einsam, die ich immer noch gut nachfühlen kann, und wie in einem System gefangen und ich fragte mich instinktiv, was die Freiheit, die in unserem westlichen Gesellschaftssystem so hoch gehandelt wurde, praktisch bedeutete. Später stand auf meinem großen Wanderrucksack „born to be wild“. Anfang der Neunziger war ich mit P losgezogen Richtung Wales. Per Mitfahrgelegenheit gelangten wir bis auf die britischen Inseln. Der Mann und die Frau, denen das Auto gehörte, tranken in jeder Pause Bier und abends bekifften sie sich. Wir hatten nichts gebucht, weder Unterkunft noch Fähre, und schlugen das Zelt am Ufer von Flüssen auf. P rauchte Benson & Hedges, und er mochte es nicht, wenn ich einfach nur mal einen Zug nehmen wollte; er wollte die Zigarette für sich allein. Der Blick war frei bis zum Horizont, das Gras wuchs hoch, die Felder waren kurz vor der Ernte, sie waren voneinander abgetrennt durch Gatter aus dunklem Holz, auf denen wir sitzen und ausruhen konnten. Es war etwa in dieser Zeit, als Jon Krakauer eine kurze Notiz in der New York Times las. Ein Wanderer war im Denali Nationalpark in Alaska nahe des Wentitikasees in einem ausrangierten Schulbus von Elchjägern tot aufgefunden worden. Er hatte tagebuchartige knappe Skizzen und einen Abschiedsbrief hinterlassen. Sein Name war Christopher McCandless. (Er war im gleichen Jahr wie P geboren.) Krakauer, der selbst im Alter von 23 Jahren drei Wochen allein in Alaska verbracht hatte, begab sich auf das intensivste Schreibabenteuer seines Lebens. Das Buch Into the Wild erschien im Jahr 1996. Sean Penn entdeckte es in einer Buchhandlung in einem Innenhof in Brentwood, L.A., er las es in einer Nacht und erkundigte sich am nächsten Morgen nach den Filmrechten. Into the Wild kam elf Jahre später, 2007, in die Kinos. Als ich selbst Anfang 20 war, hatte ich den Eindruck, dass Männer in dem Alter (jedenfalls die, die ich kannte) etwas Verbohrtes und Unbedingtes an sich haben. Sie hatten vielleicht endlich ein Ziel für sich definiert, es liegt jedoch in der Ferne. Sie wollen etwas verkörpern, was sie nicht sind. Und steht die Zahl 23 nicht in Verbindung mit Verschwörungstheorien und unerklärlichen Flugzeugabstürzen? Christopher McCandless fand seine Träume in Büchern. Es ist die klassische Outsiderlektüre, heute nennt man es Nature Writing und es ist hip.

 
 

 
 

Ein intelligenter junger Mann aus einer Mittelstandsfamilie mit sehr guten Abschlussnoten macht nicht mehr mit, steigt aus, verweigert sich dem System. Er zerschneidet alle Ausweise, wirft das Familienfoto, das er im Geldbeutel hatte, in den Papierkorb, er spendet seine Ersparnisse einem wohltätigen Zweck, verbrennt seine letzten Dollarscheine und hält Karriere für eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Ein krasses Abenteuer. Als ob das Innere der Seele ein Paar abgetragene Wanderschuhe sind: Auf einem Hügel zu stehen, Wildnis bis weit, weit über den Horizont, der Ruf des American spirit, von der Kamera umkreist. Über den Film möchte ich nicht mehr sagen, als dass nicht nur die Landschaftsaufnahmen von grandioser Schönheit sind. Vor allem die Schnitttechnik ist auffallend ausgezeichnet. In der Bildbearbeitung wird mit slow motion Effekten gearbeitet und Rückblenden sind mit Super 8 gedreht, was die Authentizität unterstreicht, auch wenn der Film trotz der beratenden Mitwirkung der Eltern und der Schwester von McCandless keinen Anspruch auf einen dokumentarischen Charakter erhebt. In Alaska schmilzt im Sommer das Eis auf den Bergen, die Ströme verbreitern sich. Der letzte Satz, den Christopher McCandless schrieb, lautete: „Happyness is the most important thing, only real when shared.“

„Gleich verschwinde ich“, sagte der Gast nüchtern und begann zu zählen: „Fünf … vier … drei …zwei … eins …“ Gurdjieff hatte zwar eindrucksvoll gezählt, kurz auch eigenartig gewackelt, wie ein Fernsehbild bei schlechtem Empfang, doch er verschwand nicht. Lediglich ein Klicken in seinem Bauch war zu hören, und schwarzer Ruß stieg ihm aus den Ohren, begleitet vom Geruch verbrannten Gummis. … Immer mal wieder sprang er auf, verkündete, er glaube zu verschwinden. Er schloss die Augen, rülpste etwas Ruß hervor und murmelte leise „Drei … zwei … eins …“ Er verschwand nicht. Irgendwann gab er auf. … Er erwies sich als guter Erzähler, märchenhaft und phantastisch, wobei nichts davon im Internet ausfindig zu machen war. Auch in der zeitgenössischen Popmusik war er verdächtig gut informiert …

 
 

Diese Passagen aus Zaza Burchuladze‘s skurrilem und höchst lesenswerten Roman Der aufblasbare Engel, in dem der bisweilen absurde Zustand der georgischen Gesellschaft bizarr und voller schwarzem Humor persifliert wird, geben auch dem Schatten Gurdjieffs (wörtlich: „Der Georgier“) bis in die Gegenwart hineinreichend eine Rolle als Gaukler, Trickster, der es mit den traditionellen Werten nicht so ernst nimmt, dafür aber umso mehr vor originellen Einfällen sprüht.

Georgien hat eine der ältesten und reichsten polyphonen Musiktraditionen dieses Planeten, deren Erforschung G.I. Gurdjieff einen gewichtigen Teil seines Lebens widmete und vieles davon in den Klaviertranskriptionen Thomas de Hartmanns hinterließ, wovon hier ja schon häufiger die Rede war. Jetzt hat sich der georgische Keyboarder Giorgi Mikadze in seinem amerikanischen Exil in seine Fußstapfen gewagt und versucht den musikalischen Traditionen einen zeitgemäßen und jazzigen Rahmen zu geben. Dabei hat er die mikrotonalen Stukturen, die feinen Ornamente und Melismen orientalischer Musik, die komplexe Polyphonie und Polyrhythmik neu interpretiert indem er mikrotonale Keyboards in Verbindung mit bundloser Gitarre (David Fiuczynski), bundlosem Bass (Panagiotis Andreou) und Schlagzeug (Sean Wright) zusammen jammen lässt. Gemessen an der bei uns vorherrschenden temperierten Stimmung (die übrigens von den meisten Ethnien dieses Planeten als grob verstimmt erlebt wird, etwa so wie für uns eine chinesische Oper klingt) hört sich das Ganze oft „knapp daneben“ an, gezogen, diskret dissonant, wobei genau das ungewohnte Spannungsbögen aufbaut und uns in ungewohnte Hörgefilde mitnimmt. Diese Klangräume, die Giorgi Mikadze bisher mit seinem Ensemble Basiani, das auch hier bei drei Stücken mitwirkt, noch eher traditionell umsetzte, gelingen hier durch den Kontext eines Jazzrockensembles deutlich weniger traditionell, obwohl Fragmente und Zitate lokaler, aber auch globaler Musikkultur reichlich aufgegriffen werden. So entstehen Spannungsbögen und innovative Figuren, treibend, tanzend, exotisch. Im Mittelpunkt des Albums steht ein rockig interpretiertes traditionelles Klagelied, in dem die Sängerin Nana Valishvili den Opfern des kriegerischen Konfliktes mit Russland 2008 in schleppender, verinnerlichter Traurigkeit ein Andenken setzt. Ein eigenwilliges Gefüge, in dem im wahrsten Sinne des Wortes die feinen Zwischentöne ein kleines Stückchen Neuland gestalten: Georgian Microjamz

 
 


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