Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 4 Aug

A Praise

von | Kategorie: Blog | Tags:  | No Comments

 

Small wake-up call from the television-muezzin: „Succession!“ it sounds from the onion dome and praised is a highly acclaimed masterpiece: the portrayal of a patriarchal media mogul and his family-entourage. The heirs, his children, are four freaky, more or less troubled sibblings. Watching this is a must, according to Quawali-singer Nusrat Fateh Ali Khan actually a „Musst, Musst“. For me it is one of the few series I would even watch for a second time. The story is: my Netflix summer break alternative offered a ticket to Sky but did not provide subtitles, so I had to watch it „pure“, in the original version. First a bad surprise („Wow, is my English still that patchy?“) it soon turned to be a win situation: you don’t get all dialogue details, maybe half of them, but on the other hand valences of attention become free for other things, like the faces, the venues, the film-cuts. The flow is guarantied, anyway. And brilliant acting transports a main part of the plot by itself. The rest do the episode-guides. Someday, if circumstances allow, on a second run the dialogue subtilities will certainly be re-adjusted. Already looking forward to that point. In the meantime I tune in with a reviewer hiding out somewhere in the widespread cotton fields of Rotten Tomatoes: „My regrets to all those who have missed this ambitious shakesperean show.“

 

 

Der erste Entwurf für den Film Paris, Texas basierte auf einer Sammlung unzusammenhängender Prosatexte von Sam Shepard, Motel Chronicles, 1982 erschienen. Die Storys, manchmal nur Skizzen, sind in einem Westen der USA angesiedelt, der nach schrankenloser Selbstbestimmung schreit. Was sich beim Lesen überträgt, ist das, was die Protagonisten am dringendsten zum Überleben brauchen: Instinkt und ein Gespür für Magie. Der erste Text wirkt wie eine autobiographische Erinnerung. Der Icherzähler ist als Kind in einer Winternacht in South Dakota mit seinen Eltern in deren Plymouth unterwegs. Sie halten an einer Stelle in der Prärie, in der es nichts andere gibt als ein paar riesige Dinosaurier aus Gips, die von unten angestrahlt werden. Die Mutter summt eine Melodie, die Augen der Dinosaurier bestehen aus kleinen blauen Lämpchen. Seine Umarbeitung des Shephard-Buches zu einem Drehbuch hat Wim Wenders verworfen. Ein Element des ersten Textes aus der Motel Chronicles-Sammlung taucht jedoch in Paris, Texas auf, in Minute 119. Der siebenjährige Hunter hat in einer Telefonzelle eine wichtige Lektion von seinem Vater gelernt. Wenn man nicht mehr weiß, was man sagen soll, und wenn´s brenzlig wird, hängt man den Hörer auf. Eben noch befanden wir uns in der Abenddämmerung an einer Raststätte, alle Parkplätze waren besetzt. Nach dem kurzen Telefonat ist der Himmel tiefschwarz. Alle Autos sind verschwunden. Am Horizont steht neben einem roten Totempfahl (Rot ist die Leitfarbe des Films) ein Dinosaurier, der ein bisschen blass geraten ist. Wir betreten jetzt eine Welt, in der ein Kontakt zur Urzeit möglich ist.

 

 

„Ausgetheilet erfreut solch Gut und getauschet, mit Fremden, wirds ein Jubel …“

(Hölderlin)

Dass sich international bekannte Jazzmusiker jeden Sommer auf den Kanaren treffen, ist seit langem bekannt. Dass es jährlich ein Bimbaches Festival gibt – die Bimbaches waren die vorspanischen Einwohner der Insel El Hierro – erfuhr ich von Uli auf unserem letzten Manatreffen in Stuttgart. Er erzählte mir von einem deutschen Jazzmusiker, der auf Hierro lebt und dieses Festival ins Leben gerufen hat. Dass nun international bekannte Musiker anlässlich des 29. Jazzfestivals auf den Kanaren ihren Weg in das auf 900m Höhe gelegene, 1200 Seelen zählende Bergdorf El Pinar gefunden haben und zudem eintrittsfrei auftraten, ehrt die ganze Musikszene. In dem kahlen Raum des kleinen Kulturzentrums, das an seiner Außenwand an die unter Franco Verfolgten erinnert, waren die schwarzen Lautsprecher wie Lavabrocken auf den Vulkanfeldern lose verteilt. Der Einlass war streng, Masken das ganze Konzert über Pflicht, der Eintritt nur mit Registriernummer möglich. Es verteilten sich etwa 50 Gäste in großen Abständen, um dem Konzert zu lauschen. Es traten auf: THE NORTH SEA STRING QUARTET aus Rotterdam zusammen mit dem Gitarristen JAVIER INFANTE aus Gran Canaria. Ihr Programm nennen sie „Electric Amazigh.“ Amazigh steht für Berber. Und so hört sich auch gleich das erste Stück an, das unüberhörbar nordafrikanische Klänge aufweist. Die Spielfreude von Pablo Rodriguez ist ansteckend. Er experimentiert an seiner Geige und hat es wahrlich nicht leicht, sich gegen die hinreissenden, ECM-würdigen Klänge von Javier Infante zu behaupten. Javier spielt dann ein langes Solo auf seiner elektrischen Gitarre. Die beiden Meisjes an den Violinen sitzen zunächst etwas steif an ihren Instrumenten, entlocken ihnen aber dann aller höchste Töne, die mit dem Schrei eines Muezzin konkurrieren könnten. Das nächste Stück ist ein langes Solo von dem schon hervorgehobenen Pablo an der Geige. Er entlockt ihr hohe leise Töne. Später wird er bei der einzigen Zugabe noch seine kreativen Geist präsentieren. Mir hat das siebte Stück am besten gefallen. Javier Infante spielt zusammen mit Yanna Pelser ein stilles, zartes Stück, das sie mit leiser Vokalstimme beendet. Beim letzten Stück wirken die Musiker auf mich freier, weniger konzertant, improvisieren mehr, besonders der Cellist kommt sehr schön zum Einsatz. Die Musiker bekommen viel und lautstarken Beifall. Und stehen dann anschließend fast familiär mit uns vor dem Centro Cultural del El Pinar. Es war ein beeindruckender, schöner Musikabend auf der Insel, auf der ansonsten „El pito“, die Metallflöte, den Ton vorgibt.

 

2020 29 Jul

Ein Triptychon

von | Kategorie: Blog | | 4 Comments

 

 

2020 29 Jul

Auf Pfadfinderwegen

von | Kategorie: Blog | | 3 Comments

 

Vor einiger Zeit erhielt ich über ein Literaturportal eine Nachricht mit dem Betreff „Ihr Artikel im Deutschlandfunk“. Absender war Stephan Reimertz,  der zustimmend davon schrieb, wie sich die Stimmhöhe der jungen Frauen in den vergangenen Jahrzehnten verändert hätte und ein paar Thesen dazu aufstellte. Er lobte die „vorzüglich ausgewählten Tonbeispiele“ im Radiobeitrag und zeigte sich imponiert davon, „dass Sie ein Ohr für eine solche `Soziophonetik´ haben“. Es war ein begeistertes Feedback, wie man sich es nur wünschen kann. Leider kannte ich den Radiobeitrag nicht einmal und bat um den Link. Bei meinem Namen ist es nicht ganz erstaunlich, dass es „eine andere“ gibt, die sich für ähnliche Themen wie ich begeistert. Weniger Verwechslungsgefahr besteht mit der Basketballspielerin, die bei New York Liberty in der US-amerikanischen Profiliga WNBA unter Vertrag steht. Stephan Reimertz ist nicht nur ein vielseitiger Schriftsteller, sondern Mitautor auf einem Blog, der sich ähnlich wie wir, die Manafonisten, als „beyond mainstream“ versteht. Der Feuilletonscout ist ein Kulturmagazin, das sich der künstlerischen Avantgarde auf den Bereichen Literatur, Musik, Kunst und Film verschrieben hat.

 

2020 28 Jul

The Tree

von | Kategorie: Blog | | No Comments

 


 

2020 26 Jul

Song of the Day

von | Kategorie: Blog | | 1 Comment

 

Yes

&

me

 

Nach dem Poesie- und Briefmarkenalbum kam die Singles-collection, aufklappbar, Zellophantasche um Zellophantasche. Eines Tages hatte ein Freund, der kein Freund war, als erster „Summer in the City“, und wir krochen mit den Ohren fast in die Autohupen und Lautsprecher. Er hatte auch, ich erinnere mich jetzt, „Oh, Well“ (hiess das so?) von Fleetwood Mac. Irgendwann verschwanden die Singles aus dem Leben, weil es so grossartige Alben gab, und man länger in einer Musik leben wollte als drei, vier Minuten. Jahrzehnte später, fällt mir ein, wurde David Sylvian nach Singles gefragt, und er sagte, was auch sonst, er hätte sich ewig keine Single mehr gekauft, und nannte dann doch die eine Ausnahme, „Wonderful Life“ von Black. Das war fraglos ein grosser Song mit Lust aufs Wieder- und Wiederhören. Ein One-Hit-Wonder zudem. Und ich komme da nur drauf, weil auch ich mir nun eine neue gute alte Single gekauft habe, mit zwei tollen Songs, A- und B-Seite, wie es eben sein  soll. Vor vierzehn Jahren, mitten im Sommer, sass ich mit dem Singer / Songwriter (dieser Single) in Berlin, und er lieferte ein beeindruckendes Interview ab, zu einem beeindruckenden Album. Aber seit 2006: Fehlanzeige. Schon vorher waren seine Werke rar gestreut, und ich hatte sie alle. Er war einer aus der Reihe mit langem Schweigen über die Jahre, wie Robert Wyatt früher, wie Mark Hollis, Scott Walker, oder den ewigen Pausen zwischen Eno-Alben mit Gesang. Ich spiele mindestens die A-Seite in den Klanghorizonten am 15. August, und ich liebe diesen Song, seine Stimmwanderungen, und wie er die „landscapes“ im Laufe der vier Minuten verwandelt. So, als könnte man eben doch sehr lange in einem einzigen Lied leben. Dazu braucht es nicht mal ein Ohrwurm zu sein. Machen Sie mal etwas Neues: kaufen Sie sich diese Single von Green Gartside, dem Mann, der Scritti Politti ist, „Tangled Man“ / „Wishing Well“ (Songs of Anne Briggs). Rough Trade. Und dann fallen Ihnen bestimmt all die Stories ein (wenn Sie in dem Alter sind), Singles das erste Mal hören, und Singles tauschen, und durch eine Single (was für eine Spielfreude!)  in eine andere Welt treten, und dass es mal eine Zeit gab, in der man auf neue Singles der Kinks wartete, mehr als auf den Weihnachtsmann. Der schon ausgedient hatte. Es kann auch sein, dass Sie einfach nur Scritti Politti entdecken. Robert Wyatt liebte damals schon sein erstes Album Songs to Remember. Ich auch. Und von Robert gibt es auch Neues, demnächst, leider kein Album, keine Single, dafür ein kleines Buch, von ihm und Alfie. Eine andere Geschichte.

 

Am Schönsten ist die Vorfreude: für den kommenden Samstag sind wir jetzt wieder verabredet. Vier Stunden lang, um 20.00 Uhr geht’s los. Das ist unser neuer Termin; im letzten Jahr gehörte uns immer der frühe Sonntagmorgen von 6 Uhr bis 10 Uhr. Freilich, am Samstag wird sich mein Eintreffen verzögern wegen meiner Rückreise. Aber Du wirst da sein; ich werde Dir und der Musik, die Du ausgesucht hast zuhören, sobald ich zu Hause eingetroffen bin. Und gemeinsam werden wir Erinnerungen nachhängen und an Zukünftiges denken – bis uns um Mitternacht die neuesten Nachrichten wieder in den Alltag zurück holen. Immerhin ist dann erst Sonntag. Und noch nicht wieder der Alltag.

 


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz