Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

 

Mark Smotroff und ich erzählen einander gerne kleine Variationen dieser Story, aber heute ist er an der Reihe, keine Frage. Und letztlich ist „Swindon Andy“ unsere Quelle. 


1967 entdeckte (zumindest die Älteren unter euch werden sich erinnern) das aufstrebende Label Instantaneous Records, das befürchtete, in den sich rasch verändernden, swingenden und zunehmend psychedelischen 60er Jahren abgehängt zu werden, eine junge Band, die sie mit ihrer neuesten technologischen Innovation, dem Pserumic Psurround Psound, aufnehmen wollten. Die Idee war, ein Klassik-Rock-Fusion-Album zu machen (Gerüchten zufolge sollten sie eine Version von Nikolai Rimsky Korsakovs Märchen vom Zaren Zultan aufnehmen), das über ihre neue Tochtergesellschaft Pserum Records veröffentlicht werden sollte. Die fast bankrotte Band freute sich über diese Gelegenheit, war aber dennoch ein wenig dreist und gab das Budget wahllos aus, um stattdessen zwei reichhaltige, bahnbrechende psychedelische Meisterwerke, 25 O’Clock und Psonic Psunspot, zu schaffen.

Das Label war verblüfft und verblüfft, aber in der Zeit, in der man sich abmühte, das Angebot zu überdenken, brachte der Erzkonkurrent Deram Records Days of Future Passed von The Moody Blues heraus, das zu einem internationalen Hit wurde und die Bühne für psychedelische Musik für die nächsten Jahrzehnte bereitete. Niedergeschlagen, angewidert und empört wurde das brillante Surround-Sound-Album der Dukes in einem versteckten Bunker in den Chalkhills außerhalb von Swindon, England, vergraben (angeblich in der Nähe des Hodensacks des Uffington Horse, aber das muss noch bestätigt werden).

Bis jetzt, denn nach einer großen archäologischen Ausgrabung unter der Leitung des bekannten Dukes-Biographen Andy Partridge von den Swindoner Popsensationen XTC und des Super-Fan-Produzenten Steven Wilson haben die beiden die lange verschollenen Psurroundabout Ride-Bänder ausgegraben, die diese Woche von Ape House Records auf einer neuen 5.1 Surround Sound Blu-ray Disc veröffentlicht wurden.“

 
 

Elke schoss das Foto. Das war gut, heute Abend, richtig gut, und anfangs wackelten die Wände in der Lanxess Hall ohne Unterlass. Wie Neil Young & Crazy Horse rührt die Bande mit dem wunderbaren Warren Ellis in der Ursuppe der Rockmusik, und auch wenn die Balladen da waren, fegte Cave, der Ekstatiker, mit zahlreichern Krachern durch die Manege, und wir dankten es ihm. Hinter meiner Maske musste ich anfangs schallend lachen, so überrumpelte er mich mit der rohen Gangart, hatte ich ihm zuletzt in der Höhle allein kammermusikalisch gelauscht oder als Cave, den Trauerarbeiter, erlebt. Was waren meine besten Rockkonzerte der letzten zehn Jahre, und fast auch die einzigen: Neil Young, Wilco, Lucinda Williams und Mr. Cave. Gute Gesellschaft, Underworld wären noch dazu gestossen, ganz sicher, aber im ersten Lockdown fiel Karl Hyde und seine Gang aus, wie so vieles. Aber heute Abend, heiliger Bimbam, Punkt 8 gings los, kalt erwischt und bang bang! Mehr ist dazu nicht zu sagen.

 

Auf dem Weg zum nördlichsten Punkt des Landes stoppten mich, es ist nun auch schon länger her, ein paar Schafe auf dem holprigen Weg, die aber nichts am Fluss der Gedanken änderten. Ich liess ihnen alle Zeit der Welt und dachte über die Umstände des Suizids von Ulrich Wildgruber nach, dessen Leiche vor Ewigkeiten morgens am Strand von Westerland gefunden wurde. Ich hatte ihn, etliche Jahre zuvor, in dem Film „Die Hamburger Krankheit“ gesehen, in dem die BRD von einer todbringenden Seuche heimgesucht wurde. Am Vorabend war mir der Tod des Schauspielers zum ersten Mal durch den Kopf gegangen, als ich allein in einer Sauna am Meer war und später im Stockdunklen ins Wasser ging, aber nicht weit, aus Respekt vor den Buhnenresten. Schliesslich trotteten die Schafe dahin, wohin sie gehörten, auf ihre Weide, und ich fuhr weiter, schön langsam.

Das Radio blieb, während meiner Tage auf der Insel, weitgehend aus dem Spiel, aber in diesem Moment hatte ich das dringende Bedürfnis, irgendeinen alten, gut abgehangenen Song zu hören. Ich zappte mich durch die Sender, und, hey, da war er, ein „fucking golden oldie“, und ein altmodischer Schauer des Glücks durchfuhr mich. „Sunny Afternoon“. Wir haben das schon auf dem Schulhof gesungen. Ich sang die paar Zeilen lauthals mit, die mir besonders gern im Kopf rumschwirren. Und ich imitierte die absteigende Basslinie.

 

 

 

 

 

 

Selten habe ich in einer Radiostunde langsamer gesprochen, zumindest stellenweise. Das war die Zeit des ersten knallharten Lockdowns, und nachdem ich zuvor auf Lanzarote schon in den Mauern der Hotelanlage bleiben musste, besorgte ich mir nun über die Pressereferentin der Kieler Landesregierung (mir der ich bis heute Krimitipps austausche) eine Akkreditierung für eine Inselreportage. Unvergessen der kauzige Polizist, der in Hörnum jeden Fremden in Empfang nahm, bevor der Blaue Autozug bestiegen werdem konnte. Zu dem Zeitpunkt mussten auch alle Zweitwohnungsbesitzer Sylt verlassen. Als ich da einmal eine frende blonde Frau traf, auf einem Parkplatz, sie in ihrem Sportwagen, ich ein meinem Toyata, kurbelten wir die Scheiben runter, und wir wechselten Worte miteinander geradezu wie alte Freunde am Ende der Welt. 

 

 

 

 

Gestern fiel mir die neue HörZu in die Hände,  mit einer Coverstory über die Lieblingsinsel der Deutschen, und ich konnte an dem Luftbild so ungefähr erkennen, wo ich mich in jenen Tagen  rumgetrieben hatte. Was ich erlebte, war eine kleine Sylter „Gespenstergeschichte“, und alles, was ich erzähle, ist wirklich passiert. Aus Braderup machte ich Brederup, so what! Wenn man so seltsam allein über eine ansonsten hypertouristische Trauminsel stromert, werden manche Dinge von allein etwas dunkler, und in die Reportage des Aussen spielt immerzu das Innen hinein. Die Zeitzonen verschieben sich. Auch die Räume. (Eine kleine mp3-Aufzeichnung. Alles live, deshalb die kleinen Pausen, wenn etwas nicht gleich anspringt  wie es sollte, und ab und zu liess ich dem Reden freien Lauf, verliess die Notizen und das Skript. Dass es nachts Räume gibt, solche Stimmungen entstehen zu lassen, weg von den genormten Empfindsamkeitsstandards, rechne ich dem Deutschlandfunk hoch an.)

 

 

Anders als der sympathische und angenehm authentische Michael Ludwigs, dessen YouTube-Kanal „45 rpm audiophile“ nun  auf unserem Blogroll erschienen ist, bin ich zwar auch grosser Vinylfreund, und ziehe des öfteren die Schallplatte der Cd und (sowieso) reinem Streaming vor, halte aber die gute alte LP nicht für das ultimative Medium des Musikhörens. Allerdings mein liebstes:). Selbstredend  können auch Cds überragend klingen, von wegen kalt, analytisch, Nullen und Einsen. Das Definitive gibt es für mich nicht, ich bin ein Swinger, ein Switcher, zwischen CD, Vinyl (da ordne ich mich bei den Manafonisten nach Olaf und Ingo an dritter Stelle ein, und würde unserer einstiger Plattenschranköffner noch dabei sein, an vierter), Sacd, Bluray-Audio, Dvd-Audio, musealen Jukeboxen etc. (und ich weiss auch, wie hochauflösend Quobuz sein kann). Jeder hat eine andere Hörgeschichte. Brian Enos dezente Epiphanie zur Ambient Music verdankt sich u.a. einem beschädigten Lautprecher.

Eine besondere Vorliebe meinerseits gehört exzellenten Surroundmixen, und bei manchen Kinofilmen, die ich mir in der elektrischen Höhle ansehe, neige ich dazu, so verrückte Sätze von mir zu geben wie: 60 % eines guten Films macht der Sound aus. Muss man nicht wörtlich nehmen, aber da ein guter Teil meiner Seelennahrung über die Hörkanäle abgewickelt wird, habe meine ganze eigenen Empfindsamkeiten, was die Vertonung und das Soundtracking von Filmen und Serien angeht.

Unvergesslich bei alldem, dass in der Kindheit beachtliche shocks of recognition (etwa das erste Hören von „All Day and All of the Night“) über billige Transistorradios zustande kamen. Man kann mit betagten „Drehern“, museumswürdigen Kassettenrekordern, und Kopfhörern aus dem letztem Jahrhundert glücklich sein. True love never dies

Über Michael L. bin ich zuletzt (beispielsweise – er ist sehr weit „aufgestellt“, was Neil Young betrifft, funken wir auf absolut gleicher Wellenlänge) aufmerksam geworden auf die jüngst remasterten Blue Note-Alben der „Classic Series“, und, was das Gesamtpaket angeht, ziehe ich bei diesen Zeitreisen in die ferne Vergangenheit in der Regel das Vinyl vor. Vor allem, wenn da so exzellente Arbeit geleistet wird. Meine letzte Errungenschaft: Blues Walk“ von Lou Donaldson (look at the photo and click on it, for the love of great covers.) Nun ist mir der Jazz des elektrischen Miles, des späten Coltrane und des Labels ECM viel näher (emotional) als die einstigen Blue Note-Schätze, aber in bestimmten Stimmungen entpuppt sich da manches als idealer Stoff für „blaue Stunden“.

(Eine gute Einführung zu des andern Michaels Denkungsart liefert sein auf comment 1 verlinkter Vortrag, der zufällig recht zeitgleich mit meinem Text entstand. Es gibt gute Gründe, auch in dunklen Zeiten seinen Passionen treu zu bleiben. Sollte es dazu kommen, dass ich M.L. bald mal in Düsseldorf besuche, findet sich hier der „Sound Walk (2)“ ein.)

 

Erstmals auf Vinyl, endlich, frisch gemasterte Audioaufnahmen und restauriertes Artwork. Seite 4 enthält gar eine Mondradierung. Wer die Musik hört, hält Schuberts  Winterreise für eine Butterfahrt mit Weihnachtskugeln. Aber der Reihe nach. Im Jahr 2003 reiste ich in das verschlafene Rentnerstädtchen Weston-super-Mare (nicht weit weg von Bristol und Portishead), und setzte bei der Stadteinfahrt, in der Dämmerung, meinen alten Toyota in einen Graben voller Matsch. Fuck! Unfreiwillig musste ich eine Woche in dem verschlafenen Ort bleiben, auf Ersatzteile warten – aber ich hatte Glück, zwei Musiker kennenzulernen, die sehr gastfreundlich waren, und womöglich die unheimlichste Musik Grossbritanniens fabrizierten.

Das Duo richtete sich in einem palastartigen Anwesen mit acht Schlafzimmern ein, um ihre kabbalistische Chemie weiter zu vertiefen. Mit Hilfe eines walisischen Multi-Instrumentalisten stiess das Duo noch tiefer in die Tiefen der surrealistischen Electronica vor, die als „Mondmusik“ bezeichnet wird – post-industrielle Zauberei auf der Achse von narkotischen und nächtlichen Energien. Not funny, you‘re right!

 

 

 

 

Was uns da erwartete, von diesen ausgewiesenen Freunden der Gruselgeschichten von H.P. Lovecraft, war eine aussergewöhnliche Geisterstunde aus schleichendem Acid-Sounddesign, Synthesizer-Reisen, opiumhaltigen Balladen, luziferischem Glitch und unterschwelligen Hymnen, die abwechselnd bedrohlich, orakelhaft und absurd waren. My goodness. Es gibt darin ein Spoken-Word-Experiment für windgepeitschte Leere, zudem einen luftigen Strudel aus kosmischen Synthesizern,  eine Übung in Trauerzug-Piano und berauschendem Wortspiel, während andere Stücke wie liturgisches Gemurmel auf dem Sterbebett lauern, eingerahmt von Granular-Effekten und flackerndem Kerzenlicht.

Die Formation hat auch eine komödiantische Seite, etwa eine Spieldosen-Halluzination: über einem verzerrten, wackeligen Beat entwickelt sich eine undurchsichtige Erzählung über Gelassenheit, den heiligen Petrus, und selbstmörderisches Gemüse, begleitet von einem spiralförmigen Cembalo und stotternden Elektronikquietschern. Holy moly. Es wird berichtet, dass sogar hartgesottene Fans von The Cure (gemeinhin gewohnt an Trübsal, Weltschmerz und Baudelaires „Blumen des Bösen“) reihenweise aus Live-Darbietungen dieser fantastischen Band geströmt sind, einfach, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben, und ein tiefes Caravaggio-Schwarz die helleren Zonen ihrer Empfindungsräume zu besetzen drohte.

2022 24 Jun

Oh, dear!

von | Kategorie: Blog | | 1 Comment

 

 

Der Tag begann mit der intensivsten Regendusche seit der schwarzen Wolke von Sylt. Ich war so nass, dass ich nur die Klamotten auszog, und auf der Couch jene Sacd ungebremst vom Stapel liess, auf die ich lange warten musste: die Quad-Version von „Bitches Brew“. Sony, Japan. Was war machtvoller: der prasselnde Regen oder das wilde  Gebräu des Dark Magus? „From an immersionist perspective, Bitches Brew ranks at the top, with fantastic use of all four channels, along with plenty of ear candy for quadroholics. In true 70’s fashion, parts float around the room and Davis’s trumpet blasts across the entire soundstage with delayed echoes reverberating across the back channels.“ Die Worte von Wesley Derbyshire sind fast schlicht gehalten, und ich neige dazu, dem Hörer eine kleine Warnung mit auf den Weg zugeben: nichts für schwache Nerven. Ein wahnsinniger Mix, basierend auf analogen Masterbändern, nichts klingt digital, analytisch, kalt. So habe ich Miles Davis’ Musik aus der Zeit zwischen 1969 und 1975 noch nie gehört. Und gerade der „elektrische Miles“ erscheint mir ein Fest für Surroundfreunde zu sein. Wer ohne Surround hört, bekommt die erstklassige Stereospur serviert, die m.E. keine Vinylausgabe toppen wird. Allerdings kenne ich nicht die Version von Mobile Fidelity. Und, interessant, das Cover von Mati Klarwein ist so berühmt, dass man gar nicht mehr dazu tendiert, es sich genau anzugucken. Vielen reicht das Wiedererkennen. Aber wer es nur in eine Schublade packt, verfehlt das Wilde, das Unheimliche, das ihm nach wie vor zueigen ist. Und das, was es über die Musik „aussagt“.

Der Oppo 103 ist der preiswerteste Teil meiner Anlage, und über diesen Alleskönner  werden die unterschiedlichsten Formate verarbeitet, die Bluray bietet gestochen scharfe Bilder, die Dvd das, was eine Dvd kann, und alles andere von Bluray Audio bis Sacd wickelt den Surroundsound ab.  Eine gute Surroundanlage muss nicht teuer sein.  Bei den Umbauarbeiten in meinem Archiv habe ich nun eine eigene Ecke eingerichtet für meine Sourroundmixe, und hier kommen gleich meine relativen Favoriten: nicht dabei ist Pink Floyds „Dark Side of the Moon“, was zwar eine allerfeinster 5:1-Abmischung bietet (die bei meinen vier Lautsprechern stets vom Trinnov Ametyhst auf 4:0 runtergerechnet wird, und zwar „lossless“), aber ich mag nur die Hälfte der Musik. Anders als bei dem lang nicht so gerühmten Opus „10000 Hz Legend“ des französischen Duos Air, derzeit meine Nummer 13.  Und hier geht es um WERKE, in denen mich der Surroundmix genauso flasht wie – durchweg – die darauf enthaltene Musik. Die Profis des heute nicht mehr in der Form existierenden Essener Ladens „Studio für aktiven Hörgenuss“ haben meinen Raum ca. 2014 nach allen Regeln der Kunst so eingerichtet, dass Vinyl so immersiv zu erleben ist wie Cd, Bluray wie Bluray Audio.  Das Schöne an dieser Liste ist, das jederzeit die zwölf Ränge im Wandel begriffen sind, und ab und zu ein Überflieger aus meiner restlichen Sammlung durchstartet. Und so würden an manchen Tagen drei King Crimson-Alben auf den ersten drei Rängen stehen, morgen ist fraglos „Discipline“ der Olymp der Surroundmixe. Gäbe es nur endlich Brian Enos On Land im 5:1-Gewand! Aber das wäre das Ende der Sehnsucht.

 

1) King Crimson: Lark Tongue‘s  In Aspic   
2) Robert Fripp: Let The Power Fall   
3) The Beatles: „White Album“    
4) Miles Davis: Bitches Brew       
5) The Dukes Of Stratosphear: Psurroundabout Ride
6) America: Homecoming    
7)  XTC: Black Sea    
8) Herbie Hancock: Sextant   
9) Miles Davis: Sketches Of Spain     
10) The Beatles: Abbey Road    
11) The Allman Brothers Band: Live At Fillmore East   
12) Robert Fripp: Exposure

 

 

2022 23 Jun

Kraftwerk, New York

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 10 Comments

 

 

Manhattan, Radio City Music Hall, 17. Juni 2022. Seit acht Jahren nicht mehr in den USA gewesen, die für 2020 geplante Jubiläumstour wegen Covid verschoben, aber jetzt sind sie da: Kraftwerk. 1971 sah ich sie zum ersten Mal live, seinerzeit in der Hamburger „Fabrik“ vor vielleicht 50 Zuschauern, die ebensowenig wie ich oder die Band selbst eine Vorstellung davon hatten, was aus diesen Typen einmal werden würde. Damals mussten sie ihre eher bescheidene Anlage noch selbst aufbauen, heute stehen drei Trucks vor der Halle und die transportable Bühne ist speziell für die Band designt.

„Sold out“ sagt das Billboard. Das stimmt wohl nicht ganz, links und rechts sind noch freie Plätze zu sehen, wenn auch nicht viele. Die längste Schlange im fast kathedralartigen Foyer dieser wunderbaren Halle mit Zwanziger-Jahre-Touch steht interessanterweise nicht vor dem Getränke-, sondern bereits eine knappe Stunde vor Konzertbeginn vor dem Merchandise-Stand.

 

 

 

 

Ich habe Kraftwerk im Laufe der Jahre nun achtmal gesehen, mit wirklichen Überraschungen war nicht zu rechnen, und es kommen auch keine. Das Konzert beginnt mit dem üblichen elektronischen Wimmelsound, zwölf Minuten lang, dann der bekannte elektronische Spruch: „Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, heute abend die Mensch-Maschine Kraftwerk“. Nachdem vor acht Jahren der Auftritt mit „The Man Machine“ begann, hat man sich diesmal wieder für „Nummern“ entschieden, wie man es schon 1981 gemacht hat. Nur gab es damals noch nicht die 3-D-Projektion, und die heute synchron zur Musik quer durch den Saal fliegenden Ziffern packen einen dann doch. Besonders eine Viertelstunde später, als zu „Spacelab“ ein Satellit mitten im Raum zu stehen scheint und auf der Leinwand ein Raumschiff vor der Radio City Music Hall landet. Auch wenn man das alles schon gesehen hat: Es funktioniert. Der 3-D-Effekt wird teils sehr plakativ, teils aber auch recht subtil eingesetzt und trägt eine Weile, lässt dann aber nach. Kraftwerk geht es nicht anders als den vor einigen Jahren etablierten 3-D-Kinos: Der Effekt ist nett, ersetzt aber die künstlerische Substanz nicht.

Kraftwerk hat keine neuen Stücke im Programm, und ich bin sicher, dass wir auch keine mehr erleben werden. Ralf Hütter hat sich auf das 1-2-3-4-5-6-7-8-Schema festgelegt, für eine 9 ist da kein Platz mehr. Die Band spielt „Greatest Hits“, wie immer mit subtilen Veränderungen der Arrangements, Hütter greift wie immer ein paarmal die falschen Tasten, seine Stimme ist inzwischen hörbar gealtert (der Mann ist 75, dafür bewegt er sich noch sehr munter), und was die drei anderen Herren an ihren Pulten machen, bleibt wie immer ein Rätsel. Auch die mit den Armen rudernden „Roboter“ haben ihren Auftritt. Auf geheimnisvolle Weise werden sie im Strobelight aus dem Boden hochgefahren, und alle Smartphones leuchten auf:

 

 

 

 

Das gibt der Band die Gelegenheit, für ein paar Minuten von der Bühne zu verschwinden — „pee break“ nennen das die Amerikaner, schließlich sind die Jungs alle nicht mehr die Jüngsten. Das Ganze endet nach rund zwei Stunden mit dem „Taschenrechner“ als Zugabe

 

 

 

 

und der „Music Non Stop“-Routine, die man schon lange kennt: Jeder der Vier hat ein kurzes Solo, nacheinander gehen sie mit einer Verbeugung von der Bühne ab — Ralf Hütter als Letzter, für ihn erhebt sich das gesamte Publikum von den Sitzen.

Was kann man sagen? Die Musik von Kraftwerk ist zeitlos, nicht zuletzt, weil sie immer wieder aktualisiert wurde, ohne dass die Substanz verloren gegangen wäre. Lediglich „Trans Europa Express“ und „Neon Lights“, früher zwei ihrer stärksten Stücke, hängen heute ein bisschen flach in den Seilen, „Autobahn“ ist mehr als nötig gekürzt worden. Ein erstaunlich diszipliniertes Publikum, die meisten Zuschauer 40+, einige hatten ihre Kinder mitgebracht. Ein wunderbarer Abend, schönster Retrofuturismus mit leichtem Augenzwinkern, einzig der Sound war nicht ideal, obwohl Kraftwerk eigentlich gerade dafür bekannt ist — der Bass glich einer Herzmassage und überlagerte etwas unbalanciert die latent verwaschenen Mitten. In der zweiten Hälfte des Konzertes besserte sich dies ein wenig. Einige eingestreute Quadro-Effekte waren wahrnehmbar, gingen aber irgendwie unter, ebenso hatten einige Teile der Projektion Doppelkonturen, die sicher nicht beabsichtigt waren, aber das mag meinem Platz zuzuschreiben sein.

Wer weiß, ob es ein neuntes Mal geben wird.

 

 

 


One of my favourite bands, The Mountain Goats, have announced their next album. Remember, the last one, „Dark In Here“, was an absolute gem, a highlight in lyrical and musical terms, even for the band‘s high standards. 
Bleed Out is inspired by action movies from the 1960s, ’70s, and ’80s, in which Mountain Goats frontman John Darnielle found comfort toward the end of 2020. Cozied up in his North Carolina home, Darnielle watched French thrillers like 2008’s Mesrine, vintage Italian Poliziotteschi, and 1974’s The Freakmaker starring Donald Pleasence.

 

 

 


“So, heads up. I got this idea to write a bunch of songs where they were all uptempo mini-action movies. Plots, characters, heists, hostages, questionable capers, getaway cars, all that stuff. Gas pedal glued to the floor. Eventually as you might guess I wanted at least one song where the tempo relaxed a little and that’s the title track but otherwise buckle up. We hid out in the woods in Chapel Hill and made this album with nobody knowing about it. Proper secret-soldier style. It has been pretty hard keeping this under our hats, we are really proud of what we got here.”


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