Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

 

2021 14 Apr

„La Ola Interior“

von | Kategorie: Blog | | No Comments

Lieber Michael!


Ich verfolge hier ja schon längere Zeit den Blog, auf dem mir in letzter Zeit, wegen der Frau aus dem Eric Clapton-Song, einiges spanisch vorkommt. Da lese  ich gerne die eine und andere Geschichte. Für alles Spanische, auch das Obskure, habe ich ein Faible, seit ich in jungen Jahren Paco de Lucia auf seiner Gitarre zaubern hörte, während grosser Ferien in Barcelona. Und 
weil ich selber oft  auf Fueteventura war, und mich an den entlegenen Küsten abseits des Rummels immer wohlgefühlt habe.

Über alles zu sprechen, was in Spanien auch nur vage gegenkulturell ist, von Mitte der 1970er Jahre bis zu den letzten Atemzügen des letzen Jahrhunderts, scheint einem Freifahrtschein für die Kunst des Bluffens nahezukommen: denn man kann alles – Empörung, Insularität, Multikulturalismus, gute Laune – als Produkt der Post-Franco-Ära wahrnehmen, wenn man so will. Ein kleines Loblied möchte man ich hier anstimmen auf die CD „La Ola Interior“.  Die Frage ist ja , wie haben diese Künstler getickt, die auf dieser neuen Compilation des global orientierten Schweizer Labels Bongo Joe abgedeckt werden?

Die hier versammelten 12 Acts sind ganz klar das Produkt erschwinglicher Synthesizer und kompakter Aufnahmetechniken. Es wird ein Licht auf eine Szene geworfen, die zwischen Ambient, der Berliner Art, gedämpftem  Industrial-Sound und loopbasierter Proto-Techno-Musik driftete, und größtenteils über ein DIY-Kassetten-Netzwerk verbreitet wurde (die Spanier scheinen bis in die 90er Jahre hinein an den Kassetten festgehalten zu haben, als die ursprüngliche Kassetten-Kultur ansonsten verschwunden war).

Wie in den Sleevenotes kurz eingeräumt wird, fällt die Zeitspanne dieser sehr bunten Mischung mit der Entwicklung des „balearischen Sounds“ auf Ibiza zusammen, aber am nächsten kommt diesem chilligen Sound allein der Track  „Trivandrum“ von Miguel A. Ruiz, mit einer Kernmelodie, die man entweder trillernd tropisch finden wird  – man kann auch an Möwen denke  während eines morgendlichen Katers.

Das schlendernde Tempo von ‚Hybla‘ und der Verschmelzen von Glocken, Shakern und Holzbläsern wirkt wie ein Cousin des Absurdismus von Current 93 oder das, was die Incredible String Band hätte werden können, wenn sie nie ihren Hardcore verloren hätte; ‚Hombres Lluvia‘ bietet eine kriechend-langsame arabische Instrumentierung, vergrabene und undeutliche Vocals und eine Art wässriger Feldaufnahmen, die immer wieder in den Vordergrund treten.

Zu jedem Stück fallen mir zahlreiche Referenzen ein: Spanien war nun nie der Nabel der Popkultur, aber dort entstanden eben auch seltsame, verrückte Töne, die dann tatsächlich etwas besassen von der Freiheit und den wunderbaren Möglichkeiten der Post Franco-Ära. Heute schiessen die Despoten wieder aus dem Boden, auch im Raum des  alten  Europas. Grund genug, die eigene Resilienz zu schulen, mit Fundstücken, die nie den Anspruch hatten, Meilensteine zu sein, und doch durchaus bezaubern können. Darum empfehle ich „La Ola Interior: Spanish Ambient & Acid 1983 – 1990“ sehr!

 

Herzliche Grüsse, Noel!


 
 

 
 

2021 13 Apr

Umkreisungen

von | Kategorie: Blog | | 2 Comments

 

In meinem Homeoffice arbeite ich nicht zuletzt an Musiksequenzen, ein einziges Filtern und  Meditieren. Heisst: verweilen im Klang … Das Urteil kommt idealerweise nach dem Erleben. Die Livesendung, etwa in der Radionacht zum kommenden Samstag, hat einen anderen Flow. Wenn heiss erwartete, neue Musik eintrifft, wie zuletzt von Aguirre Records aus den Niederlanden, werden noch am hellichten Tag die Rolläden runtergelassen, und ich bin dabei, wenn die „Natural Information Society“ zum Tanz der Töne bittet, im November 2019, im Café Oto in London. Wenn wir Musik hören, sind wir alle Zeitreisende, und wenn wir wieder Live-Konzerte live erleben, wird es uns wie ein Traum vorkommen. En passant nehmen die JazzFacts im DLF Form an, und derzeit sieht die Sendung am 6. Mai um 21.05 Uhr so aus, das ist aber – noch – Zukunftsmusik. Der erste Kreis: Thomas Stronen (ECM) am Anfang und Ende. Vielleicht schickt er mir ein paar Anmerkungen zu „Bayou“. Im Zentrum drei Zeremonienmeister: Sam Shephard, Joshua Abrams – und Nik Bärtsch erzählt, was er zur Zeit besonders gerne hört. Drumherum stellt Karl wahrscheinlich das aktuelle Album von Fire! vor, und Marie wohl das „Power Trio“ von Vijay Iyer. Bleibt noch Raum, an zweiter und vorletzter Stelle, für zwei Neuvorstellungen: ich favorisiere Pino Palladino und Michael Formanek. Zwei Bassisten.

 

 
 

Es leuchtete ein schwarzes Licht. Schwebend leicht und unbeschwert kam eine Musik daher, aus deren Umfeld namens Tunng man vorher noch nicht einen Ton vernommen hatte, die also gänzlich unbekannt war, sodass man staunend innehielt: Ausweitung der Klangzone. Man setzte den Kopfhörer auf, nachdem die CD zunächst erstmal aus dem Briefkasten befreit wurde, dann aber auch von der Cellophanfolie und dem farblich schönen Karton. Endlich dann legte man sie in den Player, zur allabendlich ritualisierten Hörstunde in der Dämmerung, und liess sich überraschen. Vermutete man im schwarzen Raben auf dem Cover eine Reinkarnation von Aleister Crowley und assoziierte daher Black Light von Diagrams mit den Enneagrammen der gurdjeffschen Tiefen-Psychologie, so stellte man erleichtert fest: die Musik war völlig frei von Schwarzmagie und Esoterik. Sie kam eher fröhlich und sehr säkular daher. Von Alltäglichem wurde gesungen: „In the morning light, I was baking bread in the afterglow, of a long night spent …“, so klang es im Ohr mit angenehmer Gesangsstimme, klang mal wie Roxy Music, dann wie Kraftwerk (im Song „Tall Buildings“), wie die Folk-Rockband Amerika (auf „Night All Night“) oder wie die Gruppe Prefab Sprout. Feingewebt war der Gesamtklang. Lyrics und Gitarre waren wohl zuerst dagewesen, in bester Singer/Songwriter-Manier, dann fügten sich elektronische und hybrid-musikalische Sounds ein, ohne das Ganze zu überladen: das genau ist ja die Kunst. So wunderte man sich: nach kurzweiligen knapp vierzig Minuten war die Schallplatte schon durchgelaufen. Man drehte sie um und spielte sie erneut. Moment mal, wieso denn jetzt Vinyl – das war doch eben noch eine CD gewesen? Ein kalter Schauer lief über den Rücken: also doch Crowleys Schwarzmagie!

 

 
 
… and now for something completely different: Seit 1970 produziert Klaus Schulze Platte um Platte — unmöglich fast, auch nur einen Teil davon zu kennen, wenn man nicht wirklich „die-hard fan“ ist. Zu denen zähle ich nicht, gleichwohl ist die Musik Klaus Schulzes für mich ein Wegbegleiter durch die Jahrzehnte gewesen.

Verblüffend, dass es in all den Jahren keine vernünftige Biografie gegeben hat. Es mag damit zusammenhängen, dass Schulze sein Privatleben privat hält. Auch in dieser vor kurzem erschienenen Biografie von Olaf Lux (den man sicher als „die-hard fan“ bezeichnen darf) findet sich darüber eher wenig. Das schadet aber nichts; das Wenige, das man erfährt, lässt darauf schließen, dass Schulzes Leben im Prinzip relativ unspektakulär verlaufen und er selbst bei allem Erfolg ziemlich bodenständig geblieben ist.

„Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ ist ein Ausspruch, den Klaus Schulze Journalisten und anderen Fragern entgegenhält, die den Synthesizer für kalte Technik und auf ihm gespielte Musik für „künstlich“ oder „tot“ halten. Dieses Argument trägt schon deshalb nicht, weil auch Gitarren oder eben Geigen Produkte einer hochstehenden Technologie sind, außerdem spielen Synthesizer nicht von allein, sondern bringen nur das an den Lautsprecher, was ein Musiker aus dem Instrument macht. Das bedeutet: Man muss auch das Spielen auf einem Synthesizer erlernen, und bis man das Instrument beherrscht, stecken hunderte, wenn nicht tausende von Stunden darin.

Elektronikfans haben allerdings leicht mal die Tendenz, die elektronischen Instrumente zum Fetisch zu erheben. Die manchmal ellenlangen Listen des verwendeten Equipments auf LP-Covern (auch Schulzes) sprechen Bände. Olaf Lux weiß die Instrumente einzuordnen, fällt aber dieser Fetischisierung nicht anheim. Platte für Platte wird in chronologischer Reihung vorgestellt, gelegentlich kurz von Exkursen unterbrochen, die auf Weggefährten, Plattenfirmengründungen und -pleiten, Live-Situationen, Schulze als Produzent und andere Dinge eingehen, auch Schulzes jahrelange Alkoholprobleme werden nicht verschwiegen. Das meiste war mir nicht neu, aber trotzdem findet sich zu fast jeder Platte irgendeine Hintergrundinformation, die ich noch nicht gehört hatte. Die Arbeit, das alles zusammenzutragen, muss enorm gewesen sein (zumal Schulze selbst für den Verfasser nicht zu sprechen war).

Wenn ein Fan die Biografie seines Stars schreibt, ist das immer ein Seiltanz. Der ist hier im Großen und Ganzen geglückt. Das eine oder andere kritische Wort zu Schulzes überbordender Veröffentlichungspolitik hätte ich mir schon gewünscht, und für mein Gefühl sind viele Platten Schulzes einfach zu lang. Aber das ist Geschmacksache. Wenn ich sagen sollte, welche Platten von Schulze ich für wirklich wichtig halte, dann fallen mir fünf oder sechs ein — die allerdings sind dann wirkliche Meilensteine.

Wer sich für Klaus Schulze interessiert, kann unbesorgt zugreifen, wer ihn nicht mag, wird mit diesem Buch nicht viel anfangen können. „Violinen wachsen nicht auf Bäumen“ ist gut geschrieben und handwerklich gut gemacht, auch wenn man sieht, dass es kein professionelles Satzbild ist. Das Buch hat — was bei selbstpublizierten Werken aus Kostengründen nicht immer selbstverständlich ist — eine gut lesbare Schrift (mein Tipp: Century Schoolbook oder eine ähnliche) in gut lesbarer Schriftgröße (die meisten Leser werden schließlich nicht mehr die jüngsten sein), ist parallel in deutscher und englischer Sprache erhältlich, hat 540 Seiten, kostet 39,99€ und ist nur hier erhältlich.

Z. lebte in einem Zelt im tiefsten Wald, nicht weit vom Flughafen entfernt, der an guten Tagen seine Lebensader war, wenn er nicht von einem Obrigkeitsvertreter verscheucht wurde. Meist trug er eine große verspiegelte Sonnenbrille, die er nur äußerst selten absetzte, meist wenn er einen der seltenen Momente hatte in denen er den Kontakt zu seinen Mitmenschen suchte. Er lebte abgeschieden in seiner eigenen Welt und leise vor sich hin murmelnd, seltener einmal klagend oder gar schimpfend. So kreuzten sich unsere Wege an einem seltsamen Ort, einem Gebäude dessen endlos lange Gänge fast labyrinthartig ins Leere liefen. Er war nicht sehr gesprächig, hatte dicke Kopfhörer auf und eine tief ins Gesicht gezogene Schirmmütze, die er Schirmmütze hieß, weil sie ihn vom Rest der Welt abschirmen konnte. Manchmal mochte er sprechen, meist langsam und etwas unsicher, wenn er von seinen Gesprächen mit den kleinen Vögeln im Wald, die er liebevoll fütterte sprach und ganz leise und geheimnisvoll, als er bekannte fast einmal eine Maus, die in sein Zelt eingedrungen war mit einer gußeisernen Pfanne erschlagen zu haben. Die Maus aber schaute ihn tief an, erkannte ihn und so entspann sich ein eigenwilliger Dialog zwischen ihnen, fremd den Menschen, die in bedeutungslastigen Begriffen die Welt erleben und voll absurder Schönheit für die, die die Freiheit des Augenblicks hörend erfahren können. Meist verbrachte er seine Zeit aber in einer Schlafwandlerexistenz und sein Zelt stand auf einem Ort, der das Gegenstück zu der hintersten Ecke eines vorzeitigen Friedhofes, an dem die Aufschriften auf den verbliebenen Grabsteinen schon lange nicht mehr lesbar waren, darstellte. Dort lebt der Protagonist der kleinen Geschichte von Peter Handke, die er „noch keinem Menschen erzählt hat“, einer Dämonengeschichte, aber weniger einer, die von Besessenheit als von Welt- und Selbstverlorenheit berichtet.

 
 

Wie das: Wir endgültig Durchgedrehten von einem öffentlichen Interesse? Ja: in dem Sinn daß wir, ohne uns dessen bewußt zu sein (wie denn auch?), der übrigen Bevölkerung als Spiegel dienten. Spiegel wovon? Spiegel des eigenen gefährdeten Inneren: „So bin ich insgeheim auch, und ebenso könnte es, morgen früh oder schon heute nacht, von einem Moment zum anderen aus mir herausschreien, und dann so weiterschreien, -kreischen, -toben ohne Ende.“ Aber derart gefährdet ist, nicht wahr, höchstens eine kleine Minderheit und keinesfalls die gesamte Bevölkerung? – Doch: die Bevölkerung, die ganze! – Und was war deren Interesse, sich von uns Besessenen gespiegelt zu sehen? – Sich so gespiegelt zu sehen, konnte, wenn nicht heilen, so doch, für den Augenblick, zurechtrücken, wie auch die Dinge einen selber, die Form und die Formen wahren, insbesondere hier draußen vor all den anderen, und zwar im, wie gesagt, Interesse der Öffentlichkeit!
 
 

Das Schreckliche ist ja nicht die Finsternis, vielmehr das viele Licht drinnen in mir, und um mich herum. Wie böse ist es, dieses Licht. Eingekerkert bin ich in es … Lichtumzingelt allerwärts, bis hinein in die letzten Seelenwinkel … Hilfloser, ich Hilfloser!

 

Von dem Anblick eines bislang Fremden, diskret, selbstlos teilnehmend und freundschaftlich wird er aus seiner Zeit des luziden Wahns herausgerissen, der Dämon weicht und er kann seine Reise weg von den alten Räumen für einen Tag in eine Welt des Namenlosen, des Unbenannten mit dem Gefühl von Erleichterung und Befreiung begehen. In fast skizzenhaften Fragmenten durchstreift der namenlose Protagonist seinen neuen Tag, begegnet Trug und Täuschung und weiß sie aber mit skurrilem Regelwerk als vorgeschobener Handlungsanleitung zu bannen, findet Freude an den Hindernissen und erschließt sich das Zentrum einer fiktiven – und doch so realen – fremden Stadt. In diesen Momenten setzte auch Z. seine verspiegelte Sonnenbrille und die Schirmmütze ab, sah mir lachend in die Augen und pointierte den Augenblick mit einem kleinen Vers (wie auch der Protagonist die Sprüche und Reime der Anderen wiedergibt), mitunter auch von Ringelnatz oder Karl Valentin. Da war er ganz anwesend, einfach hier. Eine kleine Initiation, deren reduktionistische und wunderbar beobachtend-teilnehmende Betrachtungsweise dem wertenden Geist einen der Plätze jenseits des wahren Erlebens zuweisen. Mein Tag in einem anderen Land.


 
 

In 2020, I was probably at only two concerts – Silent Fires in February, and Pericopes in October – both of which are bands with pianist Alessandro Sgobbio, who graduated at music academies in Parma and Oslo, and that is why many of his projects have been taking place between Norway and Italy. The striking Silent Fires album, Forests, was one of my top Nordic releases 0f 2019, available through the enthusiastic (predominantly) jazz label AMP Music and Records, founded in 2014 and managed solely by Oslo-based jazz drummer Anders Thorén. To this date, AMP has released more than 70 albums, among them such highly recommended favourites of mine as Ayumi Tanaka’s debut trio album, Memento, the original project Modes for all Eternity by WAKO & Oslo Strings, or the highly inspired trio Ground 71 from Northern Italy. Just recently, AMP changed the logo and design approach, and Alessandro is back on the label with the debut album of his project Hitra, Transparence, described as a genre-fluid journey into imaginary, lost and hidden places.

 
 

I see that you wrote all the music and are mentioned as producer. So is Hitra rather a project based on your ideas or more like a full-band project of four equals?

 

Yes, I produced the album and wrote the music, but I think that the best way to describe this project is an open musical encountering of four musicians and their own personal voices. It’s nice for me to see and hear how this polyphonic dialogue could well re-shape the compositions (and the improvisations, of course) with a deeper level of a creativity and meaning. Also, some of them are quite structured, some other are wide open, but overall there is «zen» freedom in the way we can approach, interpret, dismantle or improvise in between our repertoire.

 

That „zen“ approach of the music is something I feel is very strong on this album. Interestingly, it reminds me of another recent Italian-Norwegian project: Michele Rabbia, Eivind Aarset and Gianluca Petrella released an album called “Lost River”. There’s no piano on that album, though. You mixed the music with Stefano Amerio in Udine, who also recorded and mixed the “Lost River” album. In any case, your album is a beautifully unique one, stylistically, and also quite different from lots of other albums in the contemporary jazz section, on AMP as well as in general. Which references did you have in mind when you developed the music? 

 

During that period I was mainly working on my own self-perception and development of my musical ideas. The challenging situation of moving every six months (!) to a new city, music academy, apartment and spoken language (Norwegian, Swedish and Danish languages are so similar and yet so very different!), has played an important role in  pushing me towards that direction. That being said, the music on this album has a quite strong connections with my busy daily book-reading activity of that period. I remember that, for many days, I was deliberately stretching my days between silence and reflection, with a book in my hands or a grand piano in front of me, with paper and pencils ready for writing down ideas. But – of course – I was listening to a lot of music during that process, mainly checking out artists who have been developing a clear, energetically strong and personal voice. And it was definitively a wide range of intense listenings – from Arvo Pärt to Robert Glasper, with PJ Morton and J. S Bach in between – and multiple inspirations from specific works from Misha Alperin, Jon Balke, Anouar Brahem, Joni Mitchell, Christian Wallumrød, Kaja Draksler, Kayhan Kalhor and Vijay Iyer, among others.

 

What was the initial inspiration for the album?

 

A few years before moving to Oslo, I was reading a book by French writer Georges Perec and I noticed his curious mention to the lost city of Lebtit: such a fascinating story that resonated in my mind for a while. After that, other related references and readings surfaced and made that first inspiration more solid and valuable. The hidden, abandoned, demolished or imaginary places became the leitmotiv of the album, and I feel that the music included in Transparence organically matches this vision.

 

So how did Hitra as a band start? 

 

It took me some time to find the «right» musicians, but today I can say that I like a lot this line up! [Drummer] Øyvind Skarbø and I shortly played together a mini trio set (with trumpeter Hilde Marie Holsen) at my master admission at the Norges Musikkhøgskole in early 2016. In 2017, a few months after my arrival in Norway, I met [bassist] Jo Berger Myhre and asked him to be part of this project. We started rehearsing a bit in that first trio format, pretty much improvising, with no composed material at all. We just set up the instruments and started jamming for some hours. When the Norwegian Music Academy offered me a «concert + daily recording session» combo, I felt that could be a good opportunity to work on more composed material. Øyvind, Jo and I agreed on adding a fourth member to the band, and the choice immediately came to [guitarist] Hilmar Jensson, who was teaching at the Academy. I asked him if he would have been interested in joining this project – as you know, he said yes!

 

When you first told me about this project about a year ago, I was surprised to encounter the island Hitra again. It’s a fairly big Norwegian island, but it’s located in a region that not a lot of people outside Norway know much about. What is your connection with Hitra — or why did you choose that name for the band?

 

I have never been to Hitra, but I was immediately and enormously inspired by the sound of the word Hitra itself: such an enigmatic perfect word for our metaphoric island of foggy lights, hidden places and sunken cathedrals.

 

I very much like the concept of the multilingual track titles. How come you have two German titles among them?

 

Those two titles carry a special weight in the imaginary journey painted in this album. That’s actually due to my admiration for the work of poet Rainer Maria Rilke. The term “Künftiges” (future things) has a quite eschatological message, and “Lebenslauf” suggests a “life path” that can be physical and spiritual at the same time.

 

We spoke about your ideas for a cover image last autumn, when you were in Berlin to perform your previous album. I remember the title “Transparence” had been there already. The photo on the cover connects pretty smoothly with another AMP album released around the same time, by Pål Nyberg. When and how did you come across Anita Soukizy’s work in the first place? 

 

We had a first connection more than a year ago, during the promotional tour of my previous album Forests. Anita has a particular predilection for the Scandinavian music scene, so we were already in touch regarding that specific topic. Last February — after some concerts in Oslo, Berlin, Paris and Porto — with Silent Fires we finally landed in Milan for our last tour gig, but on that same day our concert got canceled (and the first official Italian lockdown started). Since the gig was not happening, we took the opportunity to make a long band interview with Anita, and also a mini video shooting. That was the beginning of our collaboration.

The first album cover reference I had in mind for Transparence was a foggy, undefined night cityscape. I asked to a few photographers for options in that direction, including Anita Soukizy (and yourself). What happened is that Anita sent me also an extra selection of more-abstract shots. While I was sharing these options with Anders Thorén, we both agreed that, among all options, there was one image in particular that felt quite accurate in visually delivering Transparence’s liquid atmospheres, so we went for it. I agree with you — its style matches the Pål Nyberg album cover, but it is only a (very good) coincidence.

 

What’s the idea behind the video teaser for the album?  

 

The idea of a night cityscape reference came back only after the album artwork was finalized. I was starting to think about an album EPK video, but then I remembered that Anita Soukizy mentioned, during a phone call, the existence of some unreleased night video shots she took in Milan. That footage has been included in the video teaser (where you can hear the opening track, “Lebtit”, played in its entirety), and I am happy I could finally materialize my very first visual intuition for this album.

 

Mechtild Borrmann ist eine Schriftstellerin, die darauf spezialisiert ist, abgerissene Zeitlinien der (weitgehend) deutschen Geschichte zu verbinden. In ihrem zurecht mit dem Deutschen Krimipreis 2012 ausgezeichneten Roman „Wer das Schweigen   bricht“ zeichnet sie die Geschichte von sechs Freunden, die sich im Nazi-Deutschland schworen, immer füreinander da zu sein. Das geht gründlich schief.

Ein erfolgreicher Arzt stösst im Nachlass seines Vaters auf das Foto einer unbekannten, attraktiven Frau, und wünscht sich insgeheim, dem selbstgerechten Vater endlich eine kleine Unvollkommenheit in dessen perfekten Vita nachweisen zu können. Das geht ebenfalls gründlich schief.

Der Roman bewegt sich zwischen den Zeitzonen des Zweiten Weltkrieges und des Jahres 1998. Jede Person  ist lebendig gezeichnet, meine Lieblingsfigur ist der kauzige Polizist, der nur darüber schmunzelt, wenn man ihn „Dorfsheriff“ nennt, und seine Liebe zur Langsamkeit mit einer Sammlung von Sanduhren kultiviert.

Muss man noch extra erwähnen, dass Mechtild Borrmann sehr feinsinnig mit Sprache umzugehen weiss, ob es sich um Naturschilderungen handelt, die immer auch Seelenzustände skizzieren, um Dialoge, oder das angemessene Tempo des Plots?! Ihre Kenntnis der deutschen Historie (und ihrer dunkelsten Zeit) erzeugt Schrecken mit klaren, alles Pathos vermeidenden Schilderungen, in denen das Grauen zu  irrationalem  wie irrsinnigem  Alltag gerinnt.

 
(eine bearbeitete Besprechung aus dem Jahr 2012) 


 

„Peace on my mind
If I’m dreaming
Make this dream reality
Peace on my mind
A cool light streaming
Let it be …“

 
 

Es sind die bridges, die verbinden. Zu meinen all-time-favorites zählt ein Song von Joni Mitchell mit dem Titel Sex Kills“ aus dem Album Turbulent Indigo. Er lief vor Dekaden in permanenter Dauerschleife, im Kassettenrecorder meines weissen Polos, alterierend mit zwei Songs der Pat Metheny Group. Was mir damals schon auffiel, war die Mitwirkung eines gewissen Michael Landau. Den Namen habe ich nie vergessen und auch seinetwegen höre ich „Sex Kills“ immer noch gerne. David Torn hätte seine Freude an dieser Art Gitarrenspiel. Noch eine Zeitreise: Joni Mitchell spielte zusammen mit Robben Ford auf dem Album Miles of Aisles. Zuletzt hatte ich einige Ford-Titel in Augenschein genommen, unter anderem das von mir favorisierte Stück Peace On My Mind“ aus dem Album Truth. Dort gibt es eine bridge, jenen Teil eines Songs, der zwischen zwei Strophen eines Liedes als Zwischenspiel intermittiert, das Leichtigkeit ins Ganze bringt. Grosse Meister dieser raffinierten Brückenbaukunst waren aus meiner Sicht auch Steely Dan gewesen. Robben Fords Seelenfriedenbrücke jedenfalls hatte ich bislang umgangen, weil sie mir zu windig erschien, doch ausgerechnet jener Gitarrist aus alten Tagen tauchte plötzlich wieder auf: via Mausklick und YouTube stand er als hilfreicher Wegbegleiter zur Seite. In meinem Elfenbeinturm in Klausur erklärte mir der (einst) gefragte Studiomusiker kenntnisreich die Baukonstruktion: G Minor 7, E Minor 7, B Flat Major 7, B Minor 11, C 11, E Minor 7, F Major mit E Flat im Bass. So, das hätten wir im Kasten! Es steht jetzt auf Papier notiert, denn der Mensch will Klarheit. Längst vergessen ist jene Epoche, in der man irgendetwas für nicht spielbar hielt. Ich muss es hören und dann weiss ich, was es ist. Und falls nicht, das Internet und all-time-folks wie Michael Landau können helfen.

 


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