Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

Auf Gleis 6 abfahrbereit: der ICE. Es steigt wer ein, es steigt wer aus. Wann sehen wir uns denn wieder? Kinderfragen, unausgesprochen. Das Gefühl von Sehnsucht ist stärker geworden in diesen Tagen. „Solange noch Züge gehen“ …, so wird es sein.

 

 
 

Meine etwas andere Hitliste stammt aus dem Jahrhundertroman von Dietmar Dath, an dem er 10 Jahre geschrieben hat und ich sehr lange darin gelesen habe. Dietmar Dath schreibt mit Unterbrechungen für die FAZ. Dort habe ich ihn auch vor langer Zeit entdeckt. In seinem dicken Sciencefictionroman geht es um die Suche nach einer neuen Gesellschaft, die auf der Verbindungsbasis von Literatur (Goethe‘s Faust) Philosophie (Hegel), dem Mathematikgenie (Gentzen) zu entwerfen möglich wäre.

 

Ich bin im Laufe der Lektüre auch den von ihm erwähnten Musiktiteln nachgegangen. Das war sehr spannend für mich.

 
Hier die Titel der Songs und ihre Interpreten:
 
 

The Clash: This is England auf Cut the Crap 1985
The Clash: White Riots auf The Clash 1977
The Clash: Somebody got murdered auf Sandinistal 1980
Sudan Archives: Iceland Moss auf Athena 2019
Rhihanna: Desperado auf Anti 2016
Laurie Anderson: Ramon auf Angels 1989
Björk: Stonemilker auf Vulnicura  2011
Janelle Monāe: Cybertronic Purgatory auf Metropolis 2008
Sex Pistols: Holiday in the sun auf Never mind the Bullocks 1977
Luigi Nono: Post-Prae Ludium per Donau 1987
Miley Cyrus: Can‘t be Tamed 2010

 

7.30 Uhr. Wir sind zweistellig. Ich habe eine Wellensteyn-Jacke an, die mich wärmt wie ein Kamin. Bernd, der Freund von Susanne, hatte zwei Sonos Speaker mitgebracht. Die BluTooth-Variante einer Performance am Meer. Höchste Düne, Max Frischs Naturmediationen ganz in der Nähe, in Kupfer graviert. Es beginnt mit einer Begrüssung und dem Herumreichen von heissem Tee mit Zitrone. Alle geimpft, die Hälfte geboostert, alle getestet.

 

 

Herzliche Umarmungen mit den Mädels von dem Harmonia-Cluster-Weekend in Forst, ist auch schon Jahre her. Leider kein Manafonist dabei. Das „C-60-Tape“ (die playlist vom Ipad) beginnt mit dem Stück „Nimbus“, aus Ralph Towners ECM-Platte „Solstice“. Und meiner Story dazu. „Once upon a time in Wangerrooge, I heard a radio show with Michael Naura. With Elke Marie tom Dieck, hand in hand, and a transistor radio on our way to the shore, the rain came tumbling down and suddenly, „Nimbus“ was in the air. Goose skin minutes. First encounter. We listened and looked to the clouds.“ Hier, im Morgendunkel, schauten wir auch zu den Wolken, die Blicke kamen nicht weit, am Fernrohr machte sich niemand zu schaffen. Und dann der Rest des Mix-Tapes von Todd Barton bis Alison Krauss (siehe unten), und ein paar Stories, über die Fantasiesprache von Ursula K. Le Guin, und akustische Halluzinationen mit „Discreet Music“. Susanne liest zwei kleine Texte von Richard Brautigan.


Und noch ein Zeitsprung. Zwei Morgen zuvor. Flashback und Flashforward. 5.40 Uhr in der Nacht, men kleines Sendestudio im Kölner Funkhaus, der Pressespiegel ist vorüber, ich trinke einen Schluck grünen Tee, und auf geht‘s zu den letzten zwanzig Minuten. Das spielt man automatisch in der Fantasie durch, immer auf einem Zettel, die Sequenz der letzten Tracks. Bis  vor zwei Tagen sah das so aus:

 

Ursula K. Le Guin & Todd Barton: Music and Poetry from The Kesh (1985) / Brian Eno: Discreet Music (from: Discreet Music, 1975) / talking ten / Brian Eno: Discreet Music (cont. & fade out) / Robert Plant & Alison Krauss: Quattro (World Drifts In) (Raise The Roof, 2021)

 

Aber dann lag ich nachts wach, das Kopfkino arbeitete. Ich dachte über die letzte Moderation nach, das Farewell, und in Minuten ordneten sich die Tracks neu, andere verschwanden, wieder andere tauchten aus dem Halbbewussten auf. Man könnte ja auch eine Nacht lang lauter letzte Songs spielen, eine Ladung Jukeboxmusik. Das Album von Robert Plant und Alison Krauss ist meine unsichtbare Nummer 21.

 

Aber leider hat die Hörnumer Kneiper dicht gemacht, und allein S. bringt mich auf Ideen, wenn er abends am Bösendorfer (wieviele Bösendorfer gibt es wohl auf der Insel?) sitzt, und „Misty“ spielt, mit ein paar Verzierungen a la Errol Garner. Und so ist nun der Job erledigt, die letzten Stücke ganz andere, und wenn ich auf die Jahresrückblicke der Manafonisten schaue – allein Jan aus Pittsburgh hat mit Sicherheit jenes letzte Lied schon gehört in diesem Jahr – „the last cut is the deepest“. See you on December 18.

 

Aber heute ist Nikolaus, und wir sind alle in der Brederuper Heide verabredet, um 14 Uhr. Auf zur Kupferkanne. Love and peace! 

Neuerscheinungen

 

1. Portico Quartet: Terrain (Terrain lief in diesem Jahr am Häufigsten, in allen möglichen Lebenslagen und mir ist noch nicht langweilig dabei geworden. Außerdem: beeindruckendes Live-Erlebnis.) 2. Floating Points w/ Pharoah Sanders & LSO: Promises (Ladies and Gentlemen, we are floating through Time and Space.) 3. Sons Of Kemet: Black To The Future (Im dritten Jahr hintereinander viel Shabaka Hutchings auf den Ohren. Jetzt würde ich gerne mal ein ruhiges Album von ihm hören. Fire Music!) 4. Little Simz: Sometimes I Might Be Introvert (Beats, Rhymes & Life.) 5. Nik Bärtsch: Entendre (Diese Musik endet nicht.) 6. Jeb Loy Nichols: Jeb Loy (Summer Nights, Rainy Days.) 7. Timo Lassy: Trio 8. Linda Frederiksson: Juniper (Zwei sehr gute Wejazz Veröffentlichungen, zweimal Saxophon: einmal zerbrechlich, einfühlsam, off the beaten track, einmal energetisch, flirrend, fast schon Riff-lastig.)  9. Shai Maestro: Human (Soul Food.) 10. Fleet Foxes: Shore (In diesem Album bin ich häufig verschwunden, gegen Ende werden die Songs immer besser – und rätselhafter.) 11. The Notwist: Vertigo Days (Vertigo indeed. Into The Ice Age. Vor allem die zweite Seite ist großartig.) 12. Damon Albarn: The Nearer The Fountain… (Ich bin gespannt, ob dieses Album mit der Zeit eher gewinnen wird, oder einfach im Regal verschwindet.) 13. Nova Materia: Xpujil (Another Bush Of Ghosts.) 14. Masha Qrella: Woanders (‚In einem Saal aus Stille. Hier treiben Geister ihren Tanz gegen die Uhr.‘ Kurz nach dem Album habe ich mir endlich ein Buch mit Gedichten von Thomas Brasch gekauft.) 15. Kari Ilkonen: Impressions, Improvisations And Compositions (Piano-Jazz-Exotica from Helsinki.) 16. Portico Quartet. Monument. (Symmetry.)

 

Potentiell dabei, aber nicht oder kaum gehört, wären noch Alben von Nick Cave & Warren Ellis, Sleaford Mods, Low, Mathias Eick, Lambchop, William Doyle … und dann wäre da mindestens noch das Album Forfolks von Jeff Parker, das erst nächste Woche erscheint.

 

Wiederveröffentlichtes

 

Radiohead: Kid A Mnesiac. (You Want It Darker? Timeless.) Ian Carr‘s Nucleus: Roots. (Groovemonster.) Tortoise: Millions Now Living Will Never Die / TNT (Stoned Constructionist Soundscapes from Chicago). Lewis Taylor: Lewis Taylor (Verlorenes Puzzlestück zwischen Massive Attack und D‘Angelo, dazu ein unverschämt gutes Gitarrenalbum. Lewis Taylor hat mich ausserdem zu Be With Records und damit zu Ian Carr (auf Platz 2) geführt.)

 

Hier fehlen Don Cherry, Alice Coltrane, Leslie Winer, Sun Ra … aber ich hatte mich bei dieser Patience ja auf 16 & 4 Karten festgelegt.

Außerdem fehlen noch zahlreiche Songs, Bücher und sonstige Entdeckungen – da kommt dann zwischen den Jahren noch etwas.

2021 5 Dez

Favoriten 2021

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ANDREW CYRILLE QUARTET
THE NEWS
(ECM 2681)
 

Andrew Cyrille ist ein genialer Unbeachteter respektive ein unbeachtetes Genie. For sure Andrew is A DANCER OF THE NUANCES. Zur tiefen Wirkung des Albums tragen alle Bandmitglieder bei. Bill Frisell habe ich lange nicht mehr gehört. Herrlich sein GO HAPPY LUCKY – ein Blues, der Eberhard Webers Worte zum Blues aus einem Interview vom Dezember 2009 konterkariert. Dass beim Blues durchaus Kluges herauskommt demonstriert David Virelles. Selten habe ich in den letzten Jahren einen derart fantasievollen Pianeur gehört.

 
 
SHAI MAESTRO, JORGE ROEDER, OFRI NEHEMYA, PHILIP DIZACK
HUMAN
(ECM 2688)
 

Es gibt nur wenige Alben, die mich genauso beeindrucken können wie ein live erlebtes Konzert. Jarretts Bremen/Lausanne 1973 ist ein solches, und HUMAN reiht sich ein in diese Clique. „GG“ (Track 4) ist mein Liebling des Jahres 2021. Am 07.11.2021 spielten sie es Live at the Bimhuis, Amsterdam (VIDEO) – GG beginnt bei 11:14.

 
 
ALEXANDRE KANTOROW PLAYS BRAHMS (BIS-2600 SACD)

 
In 2019, when Alexandre Kantorow, at the age of 22, became the first French pianist to win the Gold Medal at the Tchaikovsky competition, his programme included no less than three works by Johannes Brahms. Alexandre Kantorow ist für mich neben Daniil Trifonov der faszinierendste Pianist des letzten Dezenniums. Am 15. Mai 2021 spielte er das Programm dieses Albums live bei der Moscow Philharmonic Society (VIDEO)

Wer ihn lieber kürzer und leichter – wenn überhaupt – hören möchte, kann es damit versuchen:
Saint-Saëns: Piano Concerto No 2 in g-Moll, op. 22 (VIDEO)

Tapiola Sinfonietta, conducted by Jean-Jacques Kantorow (Alexandres Papa)
 
 
CATEEN

 
CATEEN ist kein Album. Ich würde ihn als ‚Japanese Jewel‘ bezeichnen, dafür wahrscheinlich Widerspruch ernten. Er heißt Hayato Sumino und unterhält als CATEEN einen erfolgreichen YouTube Channel auf dem er seine Abonnenten und die Laufkundschaft unterhält. Ich würde ihn nicht kennen, hätte ich im Oktober 2021 nicht mit Ausdauer den auf YouTube präsentierten 18. Chopin Klavierwettbewerb Warschau verfolgt. Sumino wurde nicht mit einem Preis belohnt, schaffte es immerhin fast bis in die Final Round. Nun denn,

Morgen kommt der Weihnachtsmann
Ah ! vous dirai-je, maman
Twinkle Twinkle Little Star

VIDEO

2021 5 Dez

Meine Tops 2021

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Albums:
 

 

 
 
1. Steely Dan: Northeast Corridor / Donald Fagen: The Nightfly Live
2. Lana Del Rey: Chemtrails Over The Country Club / Blue Banisters
3. Nick Cave & Warren Ellis: Carnage
4. Marc Johnson: Overpass
5. Mathias Eick: When We Leave
6. Can: Live in Stuttgart 1975
7. Floating Points, Pharoah Sanders & London Symphony Orchestra: Promises
8. Pittsburgh Symphony Orchestra, Ltg. Manfred Honeck: Brahms: Symphony No. 4; MacMillan: Larghetto for Orchestra
9. Asmus Tietchens (Hematic Sunsets): Aroma Club Adieu
10. Daniel Lanois: Heavy Sun
11. András Schiff, Orchestra of the Age of Enlightenment: Brahms: Piano Concertos 1 & 2
12. Konstantin Semilakovs: Scriabin: Couleurs Sonores
 
Potenzielle Kandidaten wären noch gewesen:
 
Balmorhea: The Wind
Bryan Ferry: Live At The Royal Albert Hall 2020
Moby: Reprise
Neil Young & Crazy Horse: Way Down In The Rust Bucket

 

Re-Issues:

 

 
 
1. Dave Pike Set: At Studio 2, March 11, 1971
2. Pet Shop Boys: Discovery — Live In Rio 1994
3. Klaus Doldinger: The First 50 Years Of Passport
4. Gentle Fire: Explorations (1970-1973)

(Ziemlich geringe Ausbeute, dieses Jahr. Dafür war es ein Jahr der Wiederentdeckungen:)
 
Wiederentdeckt:
 
Januar: 801 Live (1976)
Februar: Cat Mother & The All Night Newsboys: The Street Giveth … And The Street Taketh Away (1969)
März: Albert Mangelsdorff: Three Originals (The Wide Point, 1975; Trilogue, 1977; Montreux, 1980)
April: David Shea: Tower of Mirrors (1995)
Mai: Hans Zimmer: The British Years (My Beautiful Laundrette, A World Apart u.a.) (2005)
Juni: Miles Davis: Big Fun (1974)
Juli: Hot Tuna: Hoppkorv (1976)
August: Ketil Bjørnstad, Bjorn Kjellemyr, Jon Christensen, Per Hillestad, Terje Rypdal: Water Stories (1993)
September: Hanns Dieter Hüsch: Abendlieder (1976)
Oktober: Kraan: Live (1975)
November: Ougenweide: Herzsprung (2010)
Dezember: The United States Of America: s/t (1968)

 

 

 

1. Lambchop: Showtunes

Ein Wunderwerk, und wenn ich die gute halbe Stunde höre, etwa auf weissem Vinyl mit 45 Umdrehungen pro Minute, gibt es keinen überflüssigen Moment – all diese Samples, akustischen Vignetten, dunklen Winkel, Midi-Verwandlungen, Murmelmelodien etc. fesseln und entfesseln ohne Ende. Von den lyrics und dem Hund auf dem Cover ganz zu schweigen. Verwegen, wie Kurt Wagner Motive des Erhabenen (Oper, Broadway, Sinatra)  in eine erfüllte Leere laufen lässt. „Maybe I’ll break into the movies / Become a star upon the screen / And blow a kiss to a song.“

Flüchtig gehört, könnte „Showtunes“ arg fragmentiert wirken (ein wildes Puzzle verlorener Momente aus verlorener Zeit), dabei ist es formvollendet. Man stelle es ins Plattentegal neben „Mark Hollis“, „Trio Tapestry“ (das erste Album), „The Marble Index“,  „Open, to Love“, „Nerve Net“, „I Trawl The Megahertz“, „Music For A New Society“, „You Want It Darker“, und Jacques Brels letztem Studioalbum, das mit den Wolken und dem blauen Himmel. In genau diesen Regionen bewegt es sich, und bleibt doch ganz bei sich. „It‘s so hard / the air has second thoughts.“ 

 

2. Floating Points w/ Pharoah Sanders and The LSO: Promises
3. Nik Bärtsch: Entendre
4. Portico Quartet: Terrain

5. The Coral: Coral Island
6. Blake Mills & Pino Palladino: Notes with Attachments
7. The Mountain Goats: Dark In Here
8. Low: Hey What

9. Jon Hopkins: Music for Psychedelic Therapy*

 

*“Long after I finished playing ‘Music For Psychedelic Therapy’ I was still trying to work it out. So much so that I played it straight away to try and delve deeper into it. The album isn’t ambient, chillout, downtempo, classical, drone, or bio-music but what, like all of Hopkins best work, it distils those into something breath-taking.“ (Nick Rosenblade, Clash)

 

10. Damon Albarn: The Purer The Fountain…
11. Lana del Ray: Chemtrails over the Country Club
12. Marc Johnson: Overpass
13. Anthony Joseph: The Rich Are Only Defeated When…
14. Richard Dawson and Circle: Henki**
15. Trio Tapestry: Garden of Expression
16. Allison Russell: Outside Child
17. Sons of Kemet: Black To Africa
18. Nova Materia: Xpujil
19. Andrew Cyrille Quartet: The  News
20. Marianne Faithfull with Warren Ellis: She Walks In Beauty

 

**There’s often a paradox in Dawson’s songs that if you read them off a sheet of paper they’d be as depressing as hell, yet on record they sound absolutely triumphant. It resonates with Voltaire’s grappling with existential scaled misfortune. In Candide, the French writer depicts a world which always seems determined to heartlessly throw up a new obstacle to happiness, yet somehow the story never feels melancholic. Dawson and Circle don’t have the French satirist’s cynicism; none of the characters in Henki naïvely believes they’re living in „the best of all possible worlds.“ Most of them seem to know they’re having a terrible time of it, yet their stories are flipped into strange fables of the triumph of the human spirit.“ (Daryl Worthington, The Quietus)

 

 
 

Hörzu ist älter als Brian Eno, meine Güte. Und viel älter als mein neuer alter VW Golf 4, Baujahr 1998. Ich habe mir gleich die Jubiläumsausgabe gekauft und werde, wie in Kinderzeiten, „Original und Fälschung“ spielen. Medienpädagogisch wertvoll, wurde da der scharfe Blick geschult. Die drei Film- und Serienerlebnisse, die mir aus diesem Jahr, made in Germany, in Erinnerung bleiben werden, sind eine True Crime-Doku, deren Namen ich gerade vergessen habe (die mit dem mysteriösen roten Auto), „Ein Hauch von Amerika“ (eine Art deutscher „Spielberg“, fast märchenhaft ausdekoriert, etwas vorhersehbar, und doch auf altmodische Art einnehmend, mit einem neuen Star am „Fernsehhimmel“, Elsa Schott), „Sörensen hat Angst“, und „Die Toten von Marnow“.

 

Im Rückblick ist es tröstlich, dass in all den Vorabendserien, die man in Kindertagen und in der Jugend schaute, alles immer ein gutes Ende nahm. In jeder Folge allerlei Verwicklungen, mitunter dramatische Musik und ebensolche Ereignisse: und doch ein Happy End und eine leicht geknickte „Happy Ever After“-Karte. Später erst, durch die Jahre, verstanden, wie grotesk es ist, dass die Prinzessin den Frosch tatsächlich erhört. Once upon a long ago.


 
 

Thomas Strønen – Bayou. Portico Quartet – Terrain. Big Red Machine – How Long Do You Think It’s Gonna Last? Monder / Malaby / Rainey – Live at the 55 Bar. John Mayer – Sob Rock. Kristjan Randalu & Ben Monder – Equilibrium. James Mainwaring – Mycorrhiza. Linda Frederiksson – Juniper. Crump / Davis / McPherson – Wandersphere. Vijay Iyer – Uneasy. Dave Holland – Another Land. Jakob Bro – Uma Elmo. Sting – The Bridge. Shae Maestro – Human. Chris Potter – Sunrise Reprise. Grete Skarpeid – Beyond other Stories. Alex Sipiagin – Upstream. 

 

Aus guten Gründen habe ich in diesem Jahr viel mehr Musikalben gehört als in den Jahren zuvor. „Deep Listening Sessions“ waren oft Teil einer Übung zur Entspannung einer cervikalen Malaise: auf dem Rücken liegend, den Kopf auf eine weiche Unterlage ruhend, von meinen Lieblingskopfhörern umschmeichelt. Eine Art Yoga mit einem Kuss von Koss. Die Musik entfaltete sich voluminös und intim, in einem körperlichen und sehr materiellen Sinn. Gemäß dem Titel des Albums Wandersphere des Borderline Trios – mit der New Yorker Pianistin Kris Davis (höre ich in ihrem Spiel Reminiszenzen an Alexander von Schlippenbach?) – begannen Reisen in akustisch unbegangene Landschaften, oft gewürzt durch überraschende Wendungen. Der neue Sting klingt erstaunlich gut und Gitarrist Dominic Miller, sein stets treuer Weggefährte, ist bekanntermassen ein Juwel. Abmischung und Aufnahme der ausgereiften Songs sind feinsinnig und ausgefeilt. The Bridge verbindet kunstvoll die Ufer des Rock, Jazz, Fusion, Irish & British Folk. Aber solche sweets brauchen immer auch ein ausbalancierendes Gegenstück, und sei es alleine deshalb, um die Ohrwürmer wieder loszuwerden, die sich einschleichen mit dem Komfortablen und Gefälligen: den Swifts und Mayers stehen immer ausgleichend die Monders, Zorns, Torns, Bernes und anderen Mitstreiter freierer Formen der Musik gegenüber. Aber von den rough roots bis über alle erhabenen Baumwipfel hinaus gibt es ein spezielle Genre, zu dem auch die junge japanische Pianistin Ayumi Tanaka gehört: LehrmeisterInnen in der Kunst der Stille. Zusammen mit dem Schlagzeuger Thomas Strønen, zudem der Klarinettistin, Sängerin und Perkussionistin Marthe Lea hat sie ein dichtes und intensives Werk geschaffen. Ein Mantra für das Yoga. Feinste Improvisationen umrahmt von einem norwegischen Volkslied. Bayou, mein Album des Jahres.

 


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