Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 30 Sep

„my place in the sun“

von | Kategorie: Blog | Tags:  | No Comments


 

„I’m having my day,
my place in the sun –
I’ll grow to resemble
the man I’ve become …“

(David Sylvian, A History of Holes)

 

a u d i o

 

“At fifteen you had the radiance of early morning, at twenty you will begin to have the melancholy brilliance of the moon, and when you are my age you will give out, as I do, the genial golden warmth of 4 p.m.”

F. Scott Fitzgerald, This Side of Paradise

 

Ein seltsamer Tag voller Überraschungen und Wiederentdeckungen. Es begann mit einem ganz schlechten Traum, aber dann korrigierte ich den Nachtschocker und buchte eine Winterreise nach Kreta. Ich wurde ein wenig übermütig und kontaktete ein befreundetes Paar, ob sie im Frühling Lust auf den indischen Ozean und die Seychellen hätten. Sie sagten Tobago. Ich sagte: wir machen es wie F. Scott Fitzgerald. Dann brachte der Postbote die „creamy white“-Vinylversion von Wilcos Klassiker „yankee hotel foxtrot“ (remastert nach 20 Jahren), und es klang phänomenal. Ich hatte  das Album zwölf Lenze nicht gehört, und verliebte mich sofort in seine gesammelten Dunkelheiten. Ewig war es meine Nummer 3 im Wilco-Werke-Kosmos, und sprang nach Candlelight & Kakao auf die Pole. Zwischendurch wanderte ich meinen Berg im Naturreservat rauf und runter, und hörte hernach Neil Youngs „Hitchhiker“ und fand mich mit geschlossenen Augen in einem Lagerfeuer aus den Siebziger Jahren wieder. Da gehöre ich, ausser ins Hier und Jetzt, sowieso hin. (Und wenn wir schon bei Gitarren und Zeitreisen sind: gestern lauschte ich „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“, und es schoss von Null in meine Top Twenty Twenty Twenty Two. O, mein Gott, ist das Album gut!)

 

 


 
 


Not forgetting all things lost  

in the fire of our lives  
(as far as we can remember).  
Sometimes, from a distance, everything    
(losses first, and hands still to hold)    
falls into place. No catchy songs,    
no singalongs, no fairytale parallel worlds,    
no hooks, no future evergreens, oh,    
hold on, in their own peculiar way    
these modern day lamentations are  
a collection of future „everblues“,
haunting, uncanny, anti-
grandiose, epic, enigmatic &   
beautiful in a dark way.    

 

And how then could it be
That we appear at all?
In all this rock and fire
In all this gas and dust
Are we not each a flame?
All born to live in light
All born to give our light 

 

 
 

Kaum haben die Pioneer und Voyager Sonden den Kuiper-Gürtel durchbrochen und haben unser Sonnensystem verlassen, meldet das Universum den Empfang der vergoldeten Tafel und der bemerkenswerten Schallplatten mit den Best-Forever-Hits unseres Planeten als wahrhaftiges Weltkulturerbe und sendet uns die drei Kuriere der kosmischen Tankstelle durch ein Wurmloch auf diese Welt, um den nächsten Schritt musikalischer Evolution einzuleiten. Sie treten als heller Komet in Erscheinung und reiten auf dem Hyper-Dimensional Expansion Beam. Ihr gleissendes Licht dringt bis in die Unterwelt und lässt sogar die apokalyptischen Reiter erzittern.

 
 

 

 

Als The Comet is Coming schlagen Danalogue, Betamax und Shabaka ein neues Kapitel unklassifizierbarer Musik auf, das (nur vage andeutbar) zwischen afrofuturistischen Soundscapes, minimalistischem Hyperdrive und interstellarem Jazz unduliert, zwischen Musikalischem und Mystischem swingt und in den 11 Instrumentalstücken extrasolare Codes versteckt. Mit Synthesizer, Schlagzeug und Saxophon erweitern sie Ereignisräume, die vor ihnen in vergleichbarer Konsequenz wahrscheinlich nur Can je betreten haben. Stoisch, stakkatoartig treibend mit kurzen repetitiven Phrasen und voller kryptischer Elemente. Damit keine Missverständnisse entstehen haben die Künstler ihre Stücke in Videoclips dann auch gleich noch visualisiert:

 

Code

Technicolor

Lucid Dreamers

Pyramids

 

Innovativ und mit unbändigem Ideenreichtum und vor allem unglaublich intensiv, mal wie Filmmusik zu einem Science Fiction, mal bizarr, wie wenn bei Aftermath eine Shakuhachi zu eigenartigsten synthetischen Klängen aus dem Hyperspace erklingt und schließlich programmatisch mit dem eigenwillig-jazzigen Mystik endet. Ja, The Comet ist Coming und diesmal mit dem Hyper-Dimensional Expansion Beam, der auf der Frequency of Feeling Expansion schwingt und nicht nur das Gefühl, sondern vor allem das Bewusstsein mächtig expandieren lässt. Ein retrofuturistischer Klassiker von Übermorgen. Beam me up!

 
 

 

Chère Uschi,

 

Je n’ai jamais vu ce film, mais je me souviens vaguement de petits livres de poche rouges et noirs de rororo. Il y a quelques années, j’ai lu avec enthousiasme le livre de Sarah Bakewell sur l’existentialisme, un travail remarquable sur la cohabitation de la pensée, de l’histoire, du quotidien et de la fascination. La philosophie y était enlevée de tout ce qui était académique. Et bien sûr, j’ai aussi échoué au Café de Flore. Mais au lieu de faire la connaissance d’une inconnue à couper le souffle, j’ai bu seul, à la mode existentialiste, un chocolat chaud lourd et trop sucré, servi dans un petit pot en argent.

Damals, vor unserer Zeit, sassen sie da, liebten und zankten sich. War Jean Pierre Leaud auch Stammgast, und Truffaut, Godard? Jedenfallls, und noch viel früher, bereitete Jean Paul (nicht der Schreiber des herrlichen Siebenkäs) eine Reise nach Berlin vor, um vor Ort eine neue Richtung der Philosophie zu studieren, die Phänomenologie, die allen in die Irre führenden Geisteskonstruktionen aus dem Weg gehen wollte, indem sie sich auf „Phänomene“ einlässt, statt sie permanent zu hinterfragen.

Tatsächlich hat Sartre nach dieser Zeit, nur wenig überspitzt von Sarah Bakewell in ihrem Buch „At The Existenzialist Cafe“ formuliert, Phänomenologie in eine Philosophie der Aprikosen-Cocktails verwandelt – und der Kellner, die sie servierten. Ebenso eine Philosophie der Erwartung, der Müdigkeit, der Erregung, der Leidenschaft für eine begehrte Geliebte, des Thrills eines Fussballspieles, eines Films oder Jazzsongs – eine Philosophie des momentanen Aufleuchtens, wenn zwei Fremde sich unter einer Strassenlaterne begegnen.

 

 

 

Sartre hat Philosophie gemacht aus Vertigo und Voyeurismus, Scham, Revolution, Musik und Sex. Sehr viel Sex. Ist der Existenzialismus die Auflösung des scharfen, auf Systeme trainierten Nachdenkens, in eine rauschhafte oder detailbesessene Studie der Reichhaltigkeit von Empfindungen? Kann Philosophie stimmungsbesessen sein – „mood philosophy“? So etwas schreit geradezu nach einer Mode – demnach könnte der Existenzialismus einmal schrecklich „in“ gewesen sein, dann wieder „down and out“. Nein, „in“ und „out“ sind ganz schlechte Schubladen, die man am besten „in die Tonne haut“. Alles Sinnliche war im übrigen gekoppelt an das Sein und das Nichts, an die Verantwortung, an die unzähligen Arten, sein Ich neu zu erfunden.

Der Geist – kein Widerspruch – lässt sich auch in tiefer Entspannung schärfen: ich empfehle den Erwerb des auch im Original leicht zu lesenden Buches von Sarah Bakewell oder die deutsche Übersetzung bei C. H. Beck – und nach jedem Kapitel intuitiv eine Musik auszuwählen, um die Lektüre nachwirken zu lassen – bei Existenzialismus liegt der Jazz immer nahe, von Sidney Bechet bis Miles Davis. Nach Kapitel 1, „Sir, What a Horror, Existenzialism!“, kann es durchaus erhellend sein, eines der letzten beiden fantastischen Alben des Carla Bley Trios zu lauschen, „Andando el Tiempo“, oder „Trios“. Und, en passant, was für ein luftig-schwirrendes Umherfliegen der Gedanken in deiner Vorstellung eines Filmes, den ich nie gesehen habe.

 

A bientôt, Michel!

 

Leicht angestaubt, aber durchaus charmant und in gewissem Sinne zeitlos – wie ja auch dem Existenzialismus eine gewisse Zeitlosigkeit anhaftet – präsentiert sich der einzige Film nach einem Drehbuch von Sartre (F, 1947, Jean Delannoy), der sich mit der Tragik in Form des griechischen Dramas, der Freiheit der Wahl und der moralischen Verantwortung des Menschen auseinandersetzt – besetzt mit einer zeitlos hinreissenden Micheline Presle (im August übrigens 100 geworden) – denn Sartre verstand etwas von Frauen und hat sich beim Casting sicher eingemischt, wie man ihn kennt – und einem etwas gegen den Strich besetzt wirkenden jungen Anführer des gegen eine faschistische Regierung oder Besatzung revoltierenden Proletariats, der ständig mit Anzug und Krawatte agiert, opulente Blumensträusse in seiner Bude herumstehen hat und nicht so recht in seine Rolle passen will – man fragt sich ob ihn vielleicht die Simone ausgesucht hat.

Beide agieren etwas somnambul, ist aber bei der Darstellung von Frühverstorbenen durchaus passend. Heute würde man mit Til Schweiger und Hanna Schygulla besetzen, die würden sich dann leicht verpeilt durchs Skript nuscheln. Aber jetzt etwas mehr Ernst und Ehrfurcht: Ich mag diesen Film einfach – er führt in ein altertümlich – verschnörkelt wirkendes beschauliches Städtchen und ein ebenso ausgestattetes fast liebenswertes Jenseits, das eigentlich das Diesseits ist nur dass hier Unsichtbare in altertümlicher Kleidung herumgeistern. Der Reiche ist ein Gangster, der Proletarier aufrecht und integer, die Kapitalistenfrau ist anständig, vornehm, hübsch und bewahrt durchgehend die Contenance. Das Paar, beide wurden ermordet, treffen sich nach ihrem Tod im Jenseits, das in ihrer gewohnten Umgebung angesiedelt ist, nur sind sie unsichtbar. Das Leben ist in der Ober – wie der Unterschicht für die beiden Klassenrepräsentanten gleichermassen gefährlich, offenbar. Sie verlieben sich und erwirken an der Rezeption zum Hades einen Aufschub: Sie dürfen als Paar ins Leben zurückkehren wenn sie es schaffen für 48 Stunden ausschliesslich ihrer Liebe zu leben. Wie das aussehen soll wird nicht näher erläutert.

Ist dieser Film existenzialistisch? Sartre verneinte das – das Paar scheitert an diesem Auftrag, erfüllt somit nicht die Vorgaben des Existenzialismus, dass jeder sein Glück selber schmieden könne und müsse, zu dieser Freiheit verurteilt sei. Somit konterkariert der Film diese Vorgabe, indem er das Paar als nicht für fähig erachtet, diese Freiheit gemäss ihren Wünschen zu nutzen, sondern sie in antiker tragischer Unausweichlichkeit an der gegebenen Freiheit scheitern, den alten Anhaftungen erliegen lässt und es kein neues Leben als Paar gibt. Was sich der Alte wohl dabei gedacht haben mag? Und welche Diskurse er mit seiner Freundin darüber geführt haben mag – die beiden haben sich in dieser Hinsicht ja nichts geschenkt; wie Zeitzeugen zu berichten wissen haben sie im Café de Flore die meiste Zeit gestritten.

 

 

Dabei konnte ich diese pessimistische Lesart des Filmes nie teilen und denke die beiden Verliebten haben sehr wohl den Freiraum genutzt. Ihre Entscheidung, wenngleich auch vielleicht nur „unbewusst“, war das Entscheiden gegen das persönliche bourgeoise Glück contra das Wohl des Kollektivs, das dem Alten auch sehr am Herzen lag. In der Unmenschlichkeit der Natur und der Abwesenheit Gottes obliegt es dem Menschen menschlich zu sein: Pierre kümmert sich um das weitere Schicksal seiner bedrohten Kameraden, Eve versucht ihre kleine Schwester vor den Nachstellungen ihres mörderischen Ehemannes zu schützen, es bleibt keine Zeit, „Liebe zu leben“. Diese Entscheidung ist zutiefst human. Ein tragischer Verzicht: Tragik ist Unausweichlichkeit des Handelns sagte mal jemand über das griechische Drama.

Und hier beisst sich der Determinismus mit dem Existenzialismus: Freiheit der Wahl oder Unentrinnbarkeit des Schicksals? Beides ist hineininterpretierbar. Die Freiheit der Wahl ist eine nur scheinbare, denn als sozial verantwortliche Wesen können Eve und Pierre nicht anders als einzugreifen und Schaden zu verhindern. Hat der Determinismus gesiegt? Traue ich dem findigen Sartre nicht so recht zu. Auch das romantische Motiv des Füreinander – Bestimmtseins fehlt nicht – und wie wenig es nützt wenn dann doch das Schicksal die Kugel rollen lässt. Ein existenzieller Konflikt, geklemmt zwischen zwei philosophische Systeme.

Somit rückt Sartres Aussage in die Nähe der Philosophie seines Freundes (später haben sie sich verzankt) Camus, der die Welt als lediglich absurd empfand. Absurd ist auch die Situation des Paars – sie können es nicht „richtig“ machen.

Und die „freie Entscheidung“ ist angesichts innerer Begrenzungen der menschlichen Natur (von den äusseren mal gar nicht zu reden) ohnehin eine Fiktion und ein Konstrukt privilegierter Bürgersöhne die ihr Leben mit Denken verbringen konnten. Das schmälert aber nicht meine Sympathie für das existenzialistische Gedankengut.

Und das Sein bestimmt das Bewusstsein und selbiges wiederum das Sein. Das sind ohnehin nicht 2 gegenläufige philosophische Maximen sondern – bei Betrachtung der menschlichen Entwicklung – eher ein eternal circle beziehungsweise ein Atommodell, in dem Quantensprünge jederzeit möglich sind, wenn die dazu nötige Energie von aussen zugeführt wird. Damit macht das Leben vermutlich auch mehr Spass.

 

Nicht alles, was von BILD kommt, ist schlecht. Der Fussballtalk der Herren Brügelmann und Reif in „Reif ist Live“ gehört zum gehobenen Sportjournalismus, der Durchblick, Analyse, Humor bestens vereint. Mein Kritikpunkt an Marcel Reif ist, dass er postkapitalistische Strukturen im Fussball als neue und endgültige Fakten hinnimmt. Es hat schon was, wenn Ex-Knacki Hoeness den integren und politisch engagierten Andreas Rettig als „König der Scheinheiligen“ tituliert. Aber es muss ja nicht jemand nur das plappern, was man selbst denkt. Die zwei knapp einstündigen Veranstaltungen pro Woche sind ein feines und kostenfreies Gegenmittel gegen das Überangebot verbissener politischer Fernsehdiskurse. Zuletzt ging es u.a. um den Gegenwind, der dem Trainer von Bayern München derzeit ins Gesicht bläst, und dass manche die Spiele von  Bayern  daheim gegen Leverkusen und auswärts bei meinem BVB für zwei Schicksalsspiele für Herrn Nagelsmann halten. Nun, natürlich, ohne Gewähr, aber mit meinem fussballerischen Sachverstand und meiner verblüffenden Intuition für zeitnahe Entwicklungen in der Bundesliga habe ich hier einiges zu prognostizieren. Nagelsmann bleibt in dieser Saison Trainer von Bayern München, Bayern wird zudem beide Spiele gegen Leverkusen und Dortmund gewinnen, und sich die Herbstmeisterschaft vor den Eisernen und Freiburg sichern, Dortmund wird vor der WM in Katar nur Fünfter oder Sechster sein (riesiges Verletzungspech!), und obendrein am Wochenende in Köln wieder mal patzen – am Ende der Saison wird Leipzig auf den Champion League Plätzen landen. Freiburg, Union, der BVB und Gladbach werden um die zwei verbleibenden Plätze für den lukrativsten Wettbewerb rangeln, Bayern wird nicht nur Herbst-, sondern auch Deutscher Meister. Welche Überraschung. Urs Fischer wird zum Trainer des Jahres gewählt, „The nice surprises of the season“ sind die erstarkte Borussia aus Gladbach (ihr neuer Trainer Daniel Farke ist ein Fuchs, ein exzellentes Interview findet sich in der aktuellen Ausgabe  von „11 Freunde“), die Top-Leistungen von Union und Freiburg, und der problemlose Klassenerhalt der Bremer (wo auch Füllkrug und Duksch bald wieder das Runde ins Eckige befördern werden). Wenn sie aufgrund meiner Vorhersehungen bei den Wettbörsen zuschlagen, wäre es nur fair, mir im nachhinein zehn Prozent Provision zukommen zu lassen.

 

A propos Sport und Politik: Dänemark will bei der WM (20. November bis 18. Dezember) unter anderem in ganz in Schwarz gehaltenen Trikots auflaufen und damit ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Arbeitern und die Menschenrechtsverletzungen setzen. Auf den Shirts sind das Markenzeichen des Ausrüsters und das Verbandsemblem nur auf den zweiten Blick erkennbar. „Wir wollen nicht sichtbar sein bei einem Turnier, das Tausende Menschen das Leben gekostet hat“, hieß es dazu von Morten Lund von Ausrüster „Hummel“. Gute Aktion, aber sie werden das leider nicht durchziehen können. Hierüber würde ich trefflich mit Marcel Reif streiten.

 

 

Wer Michael Manns Film mit Robert DeNiro und Al Pacino mochte, in dem auch Brian Eno und viel ECM-Musik zu hören war, der kann jetzt „Heat 2“ lesen. Und es ist der gleiche atemlose Adrenalinrausch. Spannend, heftig, dreidimensional! Michael Mann und Meg Gardiner sind ein exzellentes Gespann. Da ist sehr viel Hype um dieses Buch herum, aber das wird niemanden interessieren, der einmal (und das geht rasend schnell) in den Sog und „Sound“ dieses Kriminalromans geraten ist. Was  mir fehlt, ist eine beiliegende Cd zum Buch, mit Musik von Eno, Rypdal, Pan Sonic, Pärt und Cash.

 

H
k
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In the late sixties, my uncle was a restless kid in our hometown of Halden. Just like many young men, he dropped out of school and went to sea. Uncle was particularly good at peeling potatoes, and very soon he got hired on the fruit freighter M / S Kingfisher. He worked aboard the freighter for several years, and he rose through the ranks at a steady pace. The work took him increasingly further south. Among many other missions, the boat carried bananas from Kingston to the ports of Baltimore and Brooklyn. Sometime in the seventies, when my uncle was no longer a young and pale novice mariner, but an experienced and tanned sailor with an unfathomable gaze, he decided to return to the motherland.
He came back to Halden with two large ships chests, in which he had stuffed his two special interests. One was packed with exotic women’s shoes. With this booty, my uncle opened the store Hi Heels!; a business focused solely on selling these items of footwear. The other chest was full of LPs. When my interest in music awoke a few years later, it was partly because my uncle, on several occasions, had rested his enigmatic gaze on me, and then led me to the ships chest to behold the treasures within. For a long time, merely looking was sufficient. The record sleeves, with their flashy colours, beautiful women with far-out hairdos, and magic mushrooms, was unlike anything I had laid my eyes on.
I inherited all these records when I turned sixteen. There were first pressings by American artists and bands such as Rick Derringer, Allmann Brothers and Jerry Lee Lewis, alongside LPs by the inimitable Frenchman, Serge Gainsbourg. The collection also had several Jamaican records including Lee Perry & The Upsetters, Augustus Pablo, Max Romeo, The Aggrovators and King Tubby. These albums have inspired this new album, The Studio Intim Sessions, Vol.1.
Whenever I make music, I always strive to make something that is me; pure self-expression, my own favourite music, or even better, something I’ve never heard before. I wanted to make a record without too much thinking involved; less head, more heart. This time, I think I succeeded. What my first four albums have in common is that they come from somewhere above the waist.
This record, on the other hand, comes from a place below the waist. I never set out to make a reggae album, and perhaps it’s not. Rather an ambient raga-country reggae-beat record! As always, I’m playing the American pedal steel and the Indian Shankar guitar. On this album, I’m also handling most of the keyboard and bass playing.
The name Studio Intim refers to the fact that, in our humble beginnings, we shared a building with a rather dubious massage parlour. Ever since ’97, we have been making records under this moniker. Thanks to my lack of technical talent, and the recording rooms’ limited acoustics, Studio Intim has its own, distinctive sound.
K
l
k
(Geir Sundstol‘s cd / lp „The Studio Intim Sessions Vol. 1)  is out on Hubro on September 30. It is a fantastic (and, well, „groovy“) album, with a quite enigmatic cover. I first expected ancient northern songs performed by an old choir and surrounded by Geir’s broad collection of instruments. I was wrong. Rare enough, this is an album with humour, thrills, and depth, and surely one of my favourite twenty albums of 2022. – m.e

 

The Perfect Armchair Traveler (for Geir Sundstol)


i had to stop all my plans of crossing real oceans
when king crimson’s b‘boom (1995) (the surround trip)

hit my ears (in a night with black satin)
(psychoacoustic bondage) – flying to places unseen,
freshly remembered,

just sitting on my sofa
(like in that kinks song about stealing a day, 1965, mono),
but, hurraye,
in whirlwind carousel mode –

green passport, blue sun, white heat
(the sand), all framed by
mellow yellow (i love donovan)

(the psychedelic overkill of
this poem, and the cool counterpoint now:)

postcard nostalgia, old seasides, ah, yes,
the dorset coast, northern lanzarote, finally

with a blink of the eye, south of kattegat
(who would believe that) – joining
geir sundstol‘s dream team (2022) –

homegrown horizon stuff
for the perfect armchair traveller.

2022 26 Sep

„In These Times“

von | Kategorie: Blog | | 7 Comments

 

 

Wie die meisten seiner Werke hat der in Chicago lebende Komponist, Produzent und Multiinstrumentalist Makaya McCraven sein neues Abum aus einer Reihe von organisierten Jam-Sessions und Live-Auftritten zusammengestellt und damit das Erbe des legendären Produzenten Teo Macero und seiner Arbeit an Miles Davis-Alben wie Live-Evil von 1971 und On the Corner von 1972 fortgesetzt. Wie immer fällt seine Musik vordergründig unter das Dach des Jazz, aber selbst McCraven selbst empfindet diesen Begriff als etwas unzureichend, um genau zu beschreiben, was er tut.

 

In These Times hat fast so viel mit Library-Funk, instrumentalem Hip-Hop und Bartok’schem Folk gemeinsam wie mit kodifizierten, traditionellen Vorstellungen von Jazz. Es funktioniert wunderbar auf einem Kopfhörer an einem leeren griechischen Strand (s Foto), wie beim Betrachten des Nachthimmels über Langeoog, oder in einem prunkvollen Konzertsaal, würdig einer strengen intellektuellen Prüfung, aber genauso leicht einzusetzen, um high zu werden.

 

Das Werk entstand bei Sessions in vier verschiedenen Live-Räumen und fünf verschiedenen Studios mit Talenten wie Junius Paul (Kontrabass, Schlagzeug, E-Bass usw.), Jeff Parker (Gitarre), Brandee Younger (Harfe), Lia Kohl (Cello), De’Sean Jones (Flöte), Matt Gold (Gitarre, Schlagzeug und Baby Sitar), Marquis Hill (Trompete, Flügelhorn)  und Joel Ross (Vibraphon, Marimba). Musikalisch treibend und fesselnd, scheinen ihre neu kombinierten Bemühungen wie aus einer anderen Vergangenheit zu stammen, ein wahr gewordener Big-Band-Traum.

 

Geschmackvoll in Applaus gehüllt, als ob das Album live vor einem Studiopublikum aufgeführt worden wäre, saugt die nahtlose Mischung den Hörer in eine Welt, in der sich diese Art von unwirklicher Szene möglicherweise abspielen könnte. Irgendwas ist hier sehr seltsam, der mal verwaschene, mal glasklare Sound, die Raffinesse, die sich ein Quantum smooth jazz gönnt,  das elegische Flair, das auch in einer Strandbar auf Ibiza kaum Stirnrunzeln hervorrufen würde. Irgendwas fasziniert mich fast durchweg und lässt mich andocken, an diesem Album, aus dem ich aber nicht so ganz schlau werde. Olaf, die Scheibe liegt auch dir vor. was wird in deinen Empfindungen vor sich gehen, nach ein, zwei Hörrunden?


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