Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 22 Jan

Serieller Humor

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 3 Comments

Eine kleine, spontane Betrachtung von Fernsehserien unter dem Aspekt des Humors scheint lohnenswert, auch wenn sie vorerst lückenhaft bleiben muss. Es ist aber gar nicht so einfach: zählen beispielsweise auch die feinen Nuancen des Schwarzhumors dazu? Dann nämlich käme es zu einer Vielzahl und diese Rubrik wäre prall gefüllt. Fangen wir also an mit dem Subtilen und nehmen hierbei die Gelegenheit zur vergnüglichen Rückschau wahr. Es war gewiss nicht Friedemann Schulz von Thun, auch niemand aus dem Hause Thurn und Taxis, vielmehr der lobenswerte, höchst erfolgreiche, tiefsinnige und prägnante Ferdinand von Schirach, der unsereins mit seinem Statement, das wirkliche Leben zeige sich ja immer erst in der Rückschau, ein zutiefst zustimmendes „Genau!“ entlockte. Wo also waren wir gewesen, als wir wiedermal nicht Musik hörten, noch Bücher lasen, sondern Serien schauten? Es beginnt mit Fargo – die Staffel Eins für mich besonders gelungen. Hierzulande nicht im Streaming, trotzdem gut war Justified. Erstklassig auch Breaking Bad, ebenso die daraus entwickelte Weiterführung bzw Parallelgeschichte Better Call Saul. Gut sind auch Sneaky Pete, Dr House und Glow. Aus England kommt viel Witz: Detectorists, Fleabag, The End of the f***ing World. Und dann dieser Mann, dessen Frau starb und der seinen Hund über alles liebt, gespielt in der Serie After Life von einem Schauspieler, der auf die Frage, woran er denn glaube, wenn nicht an Gott, nach kurzem Zögern konterte: „An Hunde!“ In jüngster Zeit war dann auch The Marvelous Mrs. Maisel von verblüffender Qualität und zählt zu den Serien, die staffelweise immer besser werden, on top was number three. Aber was ich momentan schaue, das ist die Krone des Vergnügens, zu genial. Lauthals wird gelacht, nicht nur vornehm geschmunzelt. Bis die allerletzte Episode daheim verköstigt wurde, bleibt das aber geheim. Denn über alle Staffeln, die wir noch nicht zu Ende geschaut haben, müssen wir schweigen. Das wusste ja schon Wittgenstein. Oder war es von Thurn und Taxis?

 
 

Positiv: die empor rankende Pflanze ist gar kein Lorbeer, sondern Efeu. Negativ: mit dem Kränze flechten wird es also vorerst nichts.

 
 

 

ich habe eine frage und eine bitte

 

FRAGE
wer kennt den mann oder etwas über ihn?

 

BITTE
die Frage in den comments beantworten mit j oder n (ich meine mit Ja oder Nein)

 

ich habe getestet, wie viel zeit man für die antwort aufwenden muss
ich habe es in 15 sekunden geschafft und dabei zweimal an der kaffeetasse genippt

mich interessiert lediglich, ob sich jemand für einen beitrag interessiert
wenn ja, würde ich eine story aus den 90er (neunziger) jahren erzählen

 

wenn ja ist möglicherweise verwirrend
nicht die zahl der „j“-antworten ist maßgeblich
nicht die zahl der „n“-antworten ist maßgeblich
die gesamtzahl der antworten ist maßgeblich

 

hätte ich Keith Jarrett als Titel gewählt
wären FRAGE, BITTE und der rest überflüssig

 


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2020 15 Jan

Belated best of 2019

von | Kategorie: Blog | | No Comments

Fellow Manafonistas, and regular readers of the site: apologies for my prolonged absence. I am still alive, still kicking. And I’ll aim to post some stories here more often in this new year of a new decade. Forwards, onwards, upwards, etc.

But for now, though, a quick look backwards to my best of 2019. There’s not an awful lot here as I suffer from temporal dyslexia so date stamps on recorded music are nonsensical to me. 1988 may as well be 1899. Know what I mean? Either way, here’s what I believe may be my records of what I think may have been 2019:

 
 

Upon Reflection – Wretch 32
EDM Vol. 2 – Jodey Kendrick
Igor – Tyler, the Creator
Sonne und Wasser – H. Takashi
Komachi – Meitei
Forgotten Hill – Chihei Hatakeyama
Dreams Never End – Spangle Call Lilli Line
i,i – Bon Iver
Intoxicate – George Pannell
Quantized Angel – Alberich
37 Minute Workout Vol. 2 – Russell Haswell
John Luther Adams‘ Canticles of the Sky + Three High Places – Oliver Coates

 
 

Do have a listen. These weren’t picked for any critical reasons, they were picked because they are fun to hear.

El Hierro es muy bonito

 

Unlängst stieg eine Frau in die Straßenbahn ein, sie pfiff die ganze Zeit. Alle Fahrgäste schauten in ihre Richtung, ich auch. Mir gefiel ihr unbekümmertes Treiben. Pfeifen hat was Fröhliches, Beschwingtes, aber nicht immer. Der schrille Pfiff, der zur Ordnung ruft, kann durch Mark und Bein dringen. Welcher Fussballnarr kennt nicht das bange Warten auf den erlösenden Schlusspfiff des Schiedsrichters. Das Pfeifen als Sprache ist mir auf El Hierro begegnet. Bei der Ankunft auf dem kleinen Inselflughafen lernte ich einen alten Mann kennen, der mir unter anderem erzählte, dass er die Pfeifsprache von früher beherrsche. Ich bat ihn spontan, mir mehr über „El Silbo“ zu erzählen. Wir verabredeten uns in einer Bar. Folgende Fragen hatte ich für das Treffen vorbereitet:

 
 

Von wem haben Sie die Sprache gelernt?

Wer kann das Pfeifen heute noch?

Wann und wo wird die Pfeifsprache benutzt?

Wie wird die Sprache ins Pfeifen umgesetzt?

Können auch Frauen so kommunizieren?

Lernen Kinder in der Schule „El Silbo“?

 
 

 
 

Der alte Herreño hatte sichtbare Freude an unserer Unterhaltung. Er zeigte mir die drei Methoden des Fingeranlegens am bzw. im Mund. Er sagte, dass man bei bestimmter Wetterlage und Stille in der Umgebung das Pfeifen bis zu 3 Kilometer hõren, verstehen und beantworten könnte. Es seien vor allem die Priester gewesen, die ihre „Schäflein“ zur Messe zitierten und natürlich die Hirten, die ihre Ziegen zusammentrieben. Früher gab es Warnpfeifer, die die Inselbewohner mittels Pfeifen zum Strand riefen, wenn die Insel vom Meer her angegriffen wurde. Die Silbensprache ist eine alte kulturelle Tradition und es gleicht einem Wunder, dass einige noch in dieser alten Guanchensprache über weite Distanzen kommunizieren können. Ich hatte grossen Respekt vor dem alten Mann, der stolz auf das Weitertragen seiner Kultur war. Er sagte mir, dass bei ihm zu Hause die Silbensprache gesprochen wurde und er sich noch gut an die Kommunikation seiner Mutter mit seinem Vater in der Küche erinnere:

 
 

Domingo! – Què? Ya voy, ya voy. – Bueno, bueno.

 
 

Die Basis der Silbensprache ist das gesprochene kastilianische Spanisch . Die Vokale werden erhõht, die Töne werden durch die Kraft der Luft in der Lunge erzeugt, die im Mund mehr oder weniger stark zirkuliert.

 
 

 
 

Der Herreño erzählte mir, dass er am Vortag in einer Schule war und erstaunt war, wie die Kinder die Technik der Silbensprache so selbstverständlich erlernten, fast wie ihre Muttersprache. Er hätte den Schulkindern erklärt, dass die Pfeifsprache auf Silben basiert. Dass ein kleiner Mund kleine Pfeifvokale herausbringt und ein grosser Mund die schweren Töne bewältigt. Es brauche sehr viel Übung, um den richtigen Pfeifton der Silben zu treffen und dann zu kommunizieren.

 
 

 
 

Also – mano a la boca: „yi-yo-ye-yo-ya-yo …“

2020 14 Jan

Medienphrasen 2019

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 4 Comments

 

Und hier wieder meine jährliche Blütenlese der abgegriffensten, schiefsten und tötesten Phrasen in den (vorwiegend deutschen) Medien:

 
 

Frauen und Kinder
eine Fülle
wie durch ein Wunder
crushing defeat
an der Preisschraube drehen
entzaubern
toxic/toxisch
Kandidatenkarussell
die Eliten
Morgenluft wittern
Schlag ins Gesicht
Gegenfinanzierung
Rosenkrieg
hochkarätig
proaktiv
Kiss-and-Go-Zone
Bärendienst
Land der aufgehenden Sonne
Reich der Mitte
den Namen tanzen
Man cave
Kompetenzteam
Brücken bauen
Vordenker
Trauma
politische Klasse
Aktivist
Schnappatmung
Starke-Familien-Gesetz
Gute-Kita-Gesetz
Faire-Kassenwahl-Gesetz
Geordnete-Rückkehr-Gesetz
Respekt-Rente
neoliberal
gläserne Decke
Kellerduell
offenes Geheimnis
Framing
Spaghettiwestern
Frauenpower
Powerfrau
Funktionsjacke
Rock-Röhre
Bestsellerautor
der geneigte Leser
X-Bewegung
Sprech
stellar

 
 

Wir treffen uns wieder nächstes Jahr zu noch stellarerem Sprech.

 

2020 14 Jan

Only (one) Sky

von | Kategorie: Blog | Tags: , | No Comments

 

„Only One Sky“ – Todd Neufeld

 

„Only Sky“ – David Torn

 

2020 14 Jan

Neues Feld

von | Kategorie: Blog | Tags: , | 1 Comment

Manchmal taucht ganz unvermittelt eine Neugier oder ein Interesse auf und schon ist man drin in einem selbstgestrickten Film („XYZ ungelöst“). Es muss so zwischen Nikolaus und Weihnachten gewesen sein, das Tablet war zur Hand, die Körperhaltung war entspannt und wie ein Trojanisches Pferd stand die entscheidende Frage im Raum: „Gibt es eigentlich Alben von Tyshan Sorey?“ Sorry, what, mag sich jetzt der Leser fragen, zumal jener, der sich in der politischen Parteienlandschaft besser auskennt als in der Jazz- und Avantgardeszene New Yorks. Und so kommt der Schreiber dieser Zeilen um eine Statement nicht herum: der gesuchte Interpret ist ein Schlagzeuger von imponierender Gestalt, recht jung noch, spielt ebenfalls Posaune und Klavier. Man sah ihn einst in Hamburg live und fand ihn gut. Das Ergebnis einer durch einen Streamingdienst des Vertrauens gestützten Internetrecherche führte flugs zu einem Album namens Koan, dass mit Zen erstmal recht wenig zu tun hat. Dort musiziert im Trio neben Sorey am Schlagzeug und Thomas Morgan am Bass auch Todd Neufeld an der Gitarre. Dieser Gitarrist war auf meiner Karte bislang nicht verzeichnet gewesen und ist insofern eine Überraschung auf dem Gebiet massgeblicher, hörenswerter und richtungsweisender Gitarrenmusik. Genau der Klang, der mir seit langem auch vorschwebt beim Spielen. Jedem, der irgendein Instrument spielt, steht es frei, einen Vertrag zu kündigen, der so auch nie abgeschlossen wurde, nämlich Dienstleister zu sein im Feld akustischer DIN-Normen, als Sklave des Rhythmus, mit dem jeder mit muss, und als hart ackernder Mojo im begrenzten Feld strikt vorgegebener Funktionsharmonik, wie man sie aus simplen Schlagern kennt, aber auch den höherwertigen Jazz Standards oder dem reizvollen Bossa Nova. Wer hier die Flucht ergreift, tut gut daran, lässt Altes hinter sich, und entdeckt Neuland. Oder eben Todd Neufeld. Vorbilder hinsichtlich gelungener Ausbruchsversuche gab es ja schon immer. Sein Spiel kann man als eine verblüffende Mixtur verschiedener Einflüsse hören, in Wahlverwandschaft zu David Torn etwa, Mary Halvorson, Derek Bailey, Marc Ducret, vor allem auch John Abercrombie. Als Gitarrist für mich die Entdeckung des Jahres Zwei-Null-Neunzehn, und bis auf Weiteres, was das eigene Musizieren angeht, die Referenz. Vorhang auf und alle Klänge offen, zu hören ist „Embed“.

 
 


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