Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

Als Wim Wenders einst „Der amerikanische Freund“ drehte, war ich sehr gespannt auf den Film, und schon damals, im Kino, leidlich enttäuscht. Hanebüchen war die Psychologie der Protagonisten, der Film hatte eine Langsamkeit, die viel zu selten in einen Reichtum der Wahrnehmung umschlug. „Etwas Totes, Seelenloses geht von diesen Figuren aus, Menschen, die ihre Eigenschaften wie Kostüme tragen. In Wenders’ Kinowelt haben Leidenschaften keinen Platz und Gefühle nur, insoweit sie Einsamkeit heißen. In dieser Welt kann er seine eigenen, ganz persönlichen Geschichten erzählen. Alle anderen jedoch, so scheint es, erfrieren darin.“ So stand es damals im „Spiegel“, und  traf meine Wahrnehmung genau (ohne die darin enthaltene Verallgemeinerung zu teilen). Sehr viel früher, im Jahr 1963, ist der neue Kriminalroman von Kerstin Cantz angesiedelt, in der „guten alten BRD“, die unter der Oberfläche von frischem Wohlstand und Heinz Erhardts Klamauk jede Menge Rassismus parat hielt. Dieser kleine, durchweg konventionell gestaltete Roman mit einem ähnlich lautenden Titel ist soviel fesselnder als Wenders‘ lethargische, angestrengt „kunstvolle“ Verfilmung einer Vorlage von Patricia Highsmith. Ein Lob dem ruhigen wie spannenden Erzählfluss, welcher der Zeitreise von Frau Cantz und Fräulein Zeisig zueigen ist.

 

Das Schreiben eines Blogbeitrags beginnt mit dem Erfinden einer Titelzeile. Ich hätte den Artikel sicher schon vor 4 oder 5 Wochen geschrieben, wäre mir eine bessere eingefallen. Ob Steven Wilson freundlich oder vornehm ist, weiß ich nicht. Für einen Giganten halte ich ihn schon.

Ich kenne zwar kaum seine Musik, aber ich habe vor Jahren bei einem Manafonistischen Preisausschreiben per Losglück ein Album gewonnen, nämlich King Crimson Three of a Perfect Pair. Das Titelstück gehört zu den 10 Number-One-Pieces des Prog-Rock. Ich bekam nicht das Original-Album, sondern den Remix von Steven Wilson mit exzellenten Stereo & Multichannel Abmischungen.

 
 

 
 

Eigentlich hätte mir Steven Wilson schon viel früher bekannt sein können, denn ich hatte einige Gentle-Giant-Vinyls nachgekauft, und zwar digitalisierte Versionen mit 4.0 bzw. 5.1 Abmischungen. Weil auf diesen Datenträgern das Kleingedruckte noch kleiner ist, fiel mir der Name Steven Wilson in den Druckbeilagen nicht auf. Im Frühjahr diesen Jahres wurde die Steven-Wilson-Edition des Albums Free Hand von Gentle Giant annonciert. Ich habe sofort bestellt und das Kunstwerk pünktlich am Tag des Erscheinens erhalten.

Nach Gentle Giant hat mich keine Band aus dem Bereich Pop-Rock-oder-wer-weiß-wie-das-heißt mehr interessiert. 1971 habe ich sie kennengelernt und das gleich live. Ich wusste damals gar nicht, dass eine Band diesen Namens überhaupt existiert. Am 6. April 1971 war Colosseum in der Meistersingerhalle zu Nürnberg zu Gast. Die Bühne betraten aber zunächst 4 Musiker mit Streichinstrumenten. In meiner Erinnerung wurde daraus ein Streichquartett. Das kann jedoch nicht stimmen, denn nur Ray Shulman und Kerry Minnear spielen Violine bzw. Violoncello. Die Überraschung war groß bei diesem Anblick, noch vor den ersten Tönen. Was machen die Nichtstreicher? Sie traktieren das Violoncello wie ein Perkussionsinstrument, während Kerry Minnear fiedelt. Artrockig wurde es auch noch. Als sie Platz machten für Colosseum war ich überwältigt. Mein Urteil beim Verlassen des Saals: die Vorband war das absolute Highlight dieses Abends. Ob eine Mehrheit dieser Ansicht war, ist ungewiss. Schließlich kam das Publikum Colosseums wegen. Gentle Giant versuchte gewiss als Warmup renommierter Bands in der Rockszene Fuß zu fassen. Ray Shulman erzählt:

 
 

 
 

Dass ich derart hingerissen war und es immer noch bin, liegt an meiner selbstgewählten musikalischen Sozialisation. Ich komme von der Klassik her, Kerry Minnear ebenfalls. Er ist aber keiner jener unsäglichen Klassikrocker, die es um die 70er Jahre zu Hauf gab und denen es prächtig gelang, Bach und Beethoven und Tschaikowsky und … zu versauen. Minnear beherrschte polyphone Satztechniken, mochte offensichtlich Musik der Renaissance und bediente sich nie bei den alten Meistern.

Wenn einer Band das Attribut Art Rock verliehen werden darf, dann Gentle Giant. Eines der brillantesten Stücke dieses Genres ist On Reflection. Es weist eine übersichtliche A1-B-A2 Form auf. Der A-Teil ist ein virtuoses, vertracktes Fugato. B erinnert an englische Vokalmusik der Zeit um John Dowland.

 

A1 vokal und vokal/instrumental colla parte
B
A2 instrumental, einen Halbton höher als A1

 
On Reflection Steven-Wilson-Remix 2021 – YouTube Video
 

In einem wunderbaren, berührenden Interview spricht John Weathers – Drummer von GG seit 1972 – über dieses bedeutende Album, über die Musiker, die alle virtuose Multiinstrumentalisten sind. John ist ein Perkussionist, der tief im Rock verwurzelt ist und der intellektuellen Dimension dieser Musik herrlich erdigen Groove schenkt.

 
 

 
 
Just the Same Steven-Wilson-Remix 2021 – YouTube Video

Free Hand ist das erste Album, welches in meiner Jahresliste 2021 erscheint. In comment#1 stehen weitere Links, u.a. zu den vollständigen Interviews mit Ray Shulman und John Weathers, zu einem Liveauftritt der Band 1974.

 
 

 
 
Riff – public domain

Der neue Band mit Graphic Novels von Adrian Tomine, „The Loneliness of the long-Distance Cartonist“, kommt im schwarzen Umschlag und mit Gummiband äußerlich wie ein Moleskine-Notizbuch daher. Auf der Vorderseite eine Skizze mit einem Selbstportrait des Künstlers am Zeichentisch, im Seitenprofil, er hält inne, schwitzt. Von welcher Art Einsamkeit handelt dieses Buch? Die Zeichnung suggeriert, es ginge um den kreativen Prozess an sich, vielleicht Themenfindung und Technik? Das ist aber nicht so. Adrian Tomine beschreibt in knapp zwei Dutzend Kapiteln Episoden aus seinem Leben, die er ohne seinen Beruf als Künstler nicht erlebt hätte – chronologisch geordnet von 1995 bis 2018 und mit Ortsnamen. Vorangestellt ist eine vielsagende Geschichte aus Fresno aus dem Jahr 1982. Der achtjährige Adrian kommt in eine neue Schule und soll sich vorstellen. Nach Hobbys gefragt steigert er sich in seine Comicleidenschaft hinein, wird ausgelacht, gemobbt und isoliert. Hier zeigen sich Eigenschaften Tomines, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichten des Buches ziehen: Er ist ein Nerd, verbissen und rechthaberisch, leicht cholerisch, aber auch sensibel, intelligent und reflexiv und er ist lernfähig. Die Geschichten des Erwachsenen handeln von Comic-Messen, Lesungen, Interviews, einem privaten Treffen mit etablierten Comicautoren, der Hoffnung auf Preise, einem Comic-Kurs für Kinder, einem Stalker oder einem Fan in einer Pizzeria, der Adrian Tomines Familie Nutellapizza spendiert, sie dann aber bezahlt haben will. Ganz gleich, ob die Geschichten tatsächlich so erlebt wurden oder nicht: Sie wirken glaubhaft und authentisch. Einmal sitzt Adrian Tomine mit seiner Frau in einem japanischen Restaurant und direkt neben den beiden sitzen ein Mann und eine Frau, die sich über Tomines Buch Summer Blonde unterhalten. Der Mann kritisiert nicht nur die Struktur der Geschichten (leider auf eine ziemlich intelligente Art, wie Tomine einräumen muss) sondern beleidigt auch die Frau, die ihm das Buch geliehen hat. In der ersten Geschichte, San Diego 1995, erhalten wir Einblicke in den Comicbetrieb. Auf einem Fest wirft jemand Adrian Tomine vor, er sei in seinen frühen Arbeiten gut gewesen, hätte dann aber den realistischen Stil von Daniel Clowes nachgemacht. Ein weiterer roter Faden betrifft eine Frage, die ich mir stelle, seit ich Adrian Tomines Werk entdeckt habe. Wie spricht man seinen Nachnamen korrekt aus? Für Tomine, der aus dem asiatischen Raum stammt, ist das ein ernsthaftes Problem. Auf einer Nennung der Nominierten plus Preisverleihung in San Diego (1996) weigert sich der Moderator Frank Miller, Tomines Nachnamen als Nominierten auch nur zu äußern. „Pink Frosting by … Adrian … I´m not even gonna try to pronounce that one.” – Lachen im Publikum. Der Moderator einer Lesung in Toronto (2004) hat es genau aufgeschrieben: Toe – Mih- Nay! Die soziale Einsamkeit verschwindet, als Tomine seine spätere Frau kennenlernt und eine Familie gründet. Als Single hätte er sich geweigert, die aufgedrängte Nutellapizza zu bezahlen, zumal jeder Tomine-Fan von Tomines Nahrungsmittelallergien weiß. Als Familienvater zögert er, blickt auf seine Frau und die beiden Mädchen, gibt dem Restaurantangestellten die Hand und bedankt sich.

Tatsächlich ist damals der Rummel um Billie Eilishs ersten Wurf komplett an mir vorübergegangen, und ich bin auch in einem Alter, in dem einem das, was exaltierten Teenagern durch den Kopf geht, und dann Musik wird, tendenzell schnuppe ist. Aber dann hörte ich das Ding mal in Ruhe, was im Titel schon mal die spannende Frage stellte, wohin wir gehen, wenn wir träumen – und war sehr beeindruckt. Nicht gönnerhaft beeindruckt. Ich musste öfter schmunzeln, aber das war schon cooler heisser Scheiss. Und nun bin ich, nach der ersten Session mit „Happier Than Ever“, noch etwas beeindruckter. Seltsam eindringlich, und authentisch (echt jetzt, ich sage, „authentisch“, ich sage „organisch ausgereift“). Und ein Vergnügen, es durchzuhören. Ein absoluter Kopfhörer-Trip. Ein Wahnsinns-Kopfhörer-Trip (wie Nova Materias Reise durch die Ruinen am Rande eines Dschungels). And, besides, hoppla-hoo-hoo: this is music for grown-ups, too. “Things I once enjoyed/Just keep me employed now/Things I’m longing for/Someday, I’ll be bored of/It’s so weird/That we care so much until we don’t.” Es hat diesen aalglatten Bossa-Nova-Stil, der sowohl Stil als auch Substanz hat. Eine langsam brennende psychedelische Atmosphäre schleicht umher. Zusammen mit der hervorragenden Produktion und Eilishs fantastischer Gesangsarbeit ist das einfach ein gefährlich perfektes Album, ein  intimes Projekt, das die knallige, ängstliche Teenager-Attitüde des Debuts eintauscht gegen eine düstere und konzentrierte Sammlung von Songs. Immer noch hypereklektisch und doch ein raffiniert eigenständiges Album. Hier und da richtet es sich Billie mit ihrem Produzenten-Bruder durchaus etwas zu behaglich in diversen Gesten der Innerlichkeit und Soundspielereien ein, aber das ist auch ein Angebot für den Hörer, es bei Scotch und Candlelight zu hören, (oder nach zwanzig Corona-Schnelltests an einem Swimmingpool in Gran Canaria), in bester Nachbarschaft von Joao Gilberto und den neuesten Streichen von Lambchop und Lana del Ray, die mich dann doch noch etwa tiefer berühren. Und, ähem, sie ist immer noch Teenager. Nennen wir es das „Rimbaud-Phänomen“. Möge ihre Kerze nicht an beiden Enden brennen. Der erste Song heisst „Getting Older“. Kennen wir alle, woll!? Four stars.

Wie immer, gibt es auch heute mehr als einen Blumenstrauss zu gewinnen, nämlich die neue, vielgerühmte, und beeindruckende CD von Alice Coltrane, das später im Herbst erscheinende Soloalbum von Damon Albarn, und die kommende neue Arbeit von und mit Brian Eno. Ob das Eno-Teil 2021 oder erst im folgenden  Jahr  erscheinen wird, ist unklar. Der Gewinner dieses Musikrätsels erhält also sage und schreibe dreimal Post. Hier die vier Fragen. Alle vier müssen richtig beantwortet werden, der Rechtsweg ist eingeschlossen. Sollte innerhalb der kommenden Tage bis zum 7. August, 21.00 Uhr abends, kein Quizfuchs (keine Quizfüchsin) das Rennen  machen, wird der zum Sieger erklärt, der drei der vier Fragen als erster richtig beantwortet. Details im ersten Kommentar. Natürlich dürfen auch alle Manafonisten teilnehmen. 

 
 

1) Die Kinder von Künstlern der Rock- und Pophistorie haben das Leben ihrer berühmten Mütter oder Väter oft hautnah miterlebt, inclusive mancher Schattenseiten. Seit der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts hat sich ein Name eingebürgert für etwas, das unserem alten Sofa sehr nahekommt. Es gilt als Sitz- und Liegemöbel für eine Person. Nun ist eine Lebensgeschichte in Buchform erschienen, die genauso heisst wie dieses Mobiliar, geschrieben von einem dieser Künstlersöhne, der später selbst Songschreiber wurden. Wie heisst das Buch, und wie der Künstler, der tatsächlich eine sehr bewegende Geschichte zu erzählen hat? 

 

2) Wie heisst der Musiker, dessen Album aus den Veröffentlichungs-Zeitraum 2020 und 2021, neben Eigenkompositionen auch drei Fremdkompositionen enthält, und zwar – was für eine Kombination – von Johann Sebastian Bach, The Doors, und Carla Bley? 

 

3) In der deutschen Jazzgeschichte gibt es eine witzige Ankedote. Auf einem Konzert, besonderen Umständen geschuldet, erhielt die Gruppe von Gary Burton den längsten Applaus seit Beginn der Konzertberichterstattung. Und wir reden hier nicht von zehn Minuten. Wo ereignete sich dieser Vorfall?

 

4) An einen kühlen Oktoberabend im Jahr 1974 führte die Polizei eine Razzia im Carib Club am Cricklewood Broadway durch, wo der Künstler, um den es  hier geht, mit seinem Sufferer’s HiFi Soundsystem auftrat. Die Gemüter erhitzten sich, es kam zu einer Schlägerei – die nichts mit unserem fraglichen Reggaemann zu tun hatte – aber am nächsten Tag wurde er wegen Anstiftung zu einer Schlägerei angeklagt. Am Ende verbrachte er sechs Monate einer dreijährigen Haftstrafe in Wormwood Scrubs, bevor seine Verurteilung aufgehoben wurde. Ein Beispiel für den widerlichen Rassismus, der im England der 60er und 70er Jahre gang an der Tagesordnung war, und an den der Regisseur Steve McQueen in seiner grossartigen Reihe „Small Axe“ mit fünf Spielfilmen erinnert. Um wen handelt es sich in dieser wahren Geschichte?

 

 

Mach dir die Mühe, die Straßennamen richtig auszusprechen
Die Leute mögen es, wenn du Respekt zeigst
Schau aus dem Fenster auf den weich werdenden Asphalt
Das verträumte Schimmern des Dunst-Effekts

Trag meinen Eidechsenanzug auf der Party
Es ist so schwer, in dieser Stadt bemerkt zu werden

Fast unsichtbar in der Bahn
So viele Leute, die man einfach nicht lesen kann
Trödel, wenn ich die Endstation erreiche
Rühr dich nicht, bis die Menschenmassen sich verziehen

Trag meinen Eidechsenanzug auf der Party
Es ist so schwer, in dieser Stadt aufzufallen

Warte auf mein Stichwort
Suche nach einem Anhaltspunkt
Ich muss darauf vertrauen, dass mein Kompass treu bleibt

Lass meine Phobien meine Gewohnheiten kontrollieren
Lass meine Gewohnheiten die Formen der Tage formen
Manchmal ganz allein oben auf dem Dach
Zwischen den Leuchtfeuern, wo die Blitze spielen

Ich trage meinen Eidechsenanzug auf der Party
Es ist so schwer, in dieser Stadt bemerkt zu werden

 

Music, for me, has always been a mountain railroad; erratic, often lonely, beautiful, unexpected, moving to its own strange time table. Many are the hours I’ve waited for a train; many are the trips I’ve taken. Dan’s record is one of the stops along the way. „Nobody’s Fool“ is exactly what a Dan Penn record should be – uneven, unexpected, funky, strange, cocky, defiant. It contains everything a southern soul classic should – country, funk, gospel, blues and soul. We put ‚If Love Was Money‘ on the first Country Got Soul compilation. My favourite moments are the quiet ones though, like „Ain’t No Love“ and „Time“. Songs where Dan stops his strutting and lets his guard down. Dan was always one of the great Southern Soul songwriters, and nobody sings a Dan Penn song better than Dan Penn.

(Jebloy Nichols)

 

Some nights ago, when I was tired for many interesting reasons I stumbled to the next floor, and lit a candle. I was so exhausted that I could imagine to be the first man standing asleep. The house was empty, the neighbours were gone. I had the idea that it would be fantastic to listen to an album from old days I’ve never heard. An album that I didn’t even know existed before I read a review. I somehow felt that it would be the album to make my night, with full volume.

Two options: I would sleep away during the first song, the needle running on empty till the morning comes. Or my senses would sharpen again. When I started  listening, a ghost was knocking on the balcony’s door. I let her in, and she took a shower. She was the girl I had loved a long time ago. The year the record came out. She’s long gone, but ghosts even make sandwiches in the middle of a dream.

It’s a short record indeed, Spooner Oldham on keyboards (yes, he‘s on the new Mountain Goats album, too). The singer, a crooner, „Southern style“. Every song hit me like a Zen teacher’s beat on the head of his pupils. The lyrics were strange and thrilled me. The ghost was offering some psychedlic pills, and I kindly rejected the offer. I was in a psychedelic mood anyway. I tried to catch some note mid-air. Free falling. The review writer said this fucking great album would be on par with short masterpieces, like „Pink Moon“, I forgot the other ones. Don’t streamline  the music by calling it country soul.

Under the surface this long-lost record is a treasure hunt, a series of chasing severely damaged dreams. The music flooded my body with ease and sent me rusty places. Old days‘ bars in Memphis, where heaven is a painting in the restroom, the parking lot a burying ground. Speaking of the blues: the ghost was long gone when the last song took its last breath. She waved a cold and drugged hand leaving the smell of burned mushrooms.

 

 

 

Ich kann „From Blossoms“ auswendig, und einmal trug ich es live vor, im Tranquil Club in Dortmund, in dem Monat, als die Berliner Mauer sich in eine Million Souvenirs auflöste (1989, für die Jüngeren unter euch), und hinterher fragte man mich nach einer Übersetzung, aber ich hatte keine, und konnte mir auch keine gute vorstellen, bei der letzten Strophe geriet ich schon damals regelmässig in einen dezenten Sinnesrausch – und ich kann sowieso nur drei Gedichte auswendig, und eines ist eben das von Li-Young Lee, und nur diesen einen Song da von Neil Young, „Tell Me Why“ (sonst bin ich nicht so gut im Mitsingen).

 


Laura Marling ist auf dem zweiten „Lump“-Album, „Animal“ betitelt, noch etwas mehr im Tunng-Universum des kongenialen Fährtenlegers Mike Lindsay angekommen.  Dass sie sich gut mit Psychoanalyse auskennt, ist kein Geheimnis, und diese Songs hier könnten frei fliessenden Couch-Fantasien ohne Über-Ich-Einmischungen entsprungen sein. Laura weiss, wie gut es tut, die strengen Zügel schleifen zu lassen, die ihre Songschmiede, aller literarischen Eleganz zum Trotz, reichlich mit sich bringt. So treten die Texte in ein gebrochenes Licht, binden im Funkenflug Heiterkeit und Tiefe. „Thick blooded hedonist / seduced by what we cannot resist“. Es heisst auch: Surrealismus. Neu entdeckte Kreaturen lauern meist am unscheinbaren Ende des Lebenswunderspektrums: Seepocken, Motten, Lungenfische. Es gibt modulare Moogs und Klarinette, Post-Punk-Chill, und eine Girl-Group, die aus lauter John Carpenters besteht. Herrliche Verrückungen! 

 

Don Cherry Swedish TV Documentary 1978


This TV documentary was made for Swedish TV in 1978 and follows the Cherry family between Sweden and the streets of New York. Don can be seen setting up jams in classrooms and on the street with the donso ngoni, at one point cajoling a car of reluctant strangers waiting in traffic into joining him. When Don is interviewed, he is deeply sensitive about sound and environment, and the footage from the places they lived show how much Moki’s tapestries created a place for them all to be, wherever they were in the world. Essential.

 


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