Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2023 28 Jan

Steve T remembers …

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I haven’t listened to those two albums in ages. [Steve Kuhn‘s „Ecstasy“, and „Playground“].

The cover of „Playground“ reminds me of the cover of „We Begin“ by Art Lande and Mark Isham.  Art and I were teaching one summer at the Naropa Institute and I told him I liked the simplicity of that cover and title.  Art said, „It wasn’t always that way.“  Art told me what Mark’s original title for the album was (I forgot it, you could ask Art).  I remember it being a long and somewhat ponderous string of words.  As happened in the Munich office in those days the title was rejected out of hand, a new title minted, and a cover chosen all within the space of a minute.  Art shrugged and said, „What can you do?  That’s ECM.“

During Todd Rundgren’s „Back to the Bars“ tour I got a chance to have lunch with Roger Powell, Rundgren’s keyboardist.  I told him I played Utopia’s „Another Live“ a lot in the record store I worked in, and especially enjoyed the first cut on the second side, written by Roger.  He laughed.  Roger had always been interested in alchemy (find his album „Cosmic Furnace“) and he told me the original title for that piece was „The Emerald Tablet of Hermes Trismegistus,“ but Todd found that to be a bit of a mouthful, and over time shortened it to „Mr. Triscuits.“

Sechsmal Klanghorizonte anno 2023. Thomas, Niklas, und ich. Gestern war Thomas Loewner dran, meine „Horizonte“ folgen am 30. März, um 21.05 Uhr. Alle zwei Monate, stets der letzte Donnerstag. Und hier  der sich von Zeit zu Zeit wandelnde „Zettelkasten“ für meine Auswahl.

Am Ende sollte es stimmig sein, die „Erzählung“, die „roten Fäden“, die überraschenden „breaks“, die Platzierung der Moderationen, die O-Töne. Wer sich überraschen lassen möchte, sollte nicht mehr draufschauen, sobald der kleine „Spielplatz“ „hinter dem Knick“ verschwunden ist. Da wird sich schon noch das eine und andere ändern. Die Sendung ist auch nicht mehr live wie früher, und  wird am Vormittag des 30. März vorproduziert.

100 Prozent gesetzt sind bis jetzt Stephan Micus und The Necks. Idealer Stoff für die Klanghorizonte, der gleich mal die Felder „On the Road“ und „Exotik“ öffnet.  In dieses Themenfeld gehört auch Marc Hollanders neuer Streich mit Aksak Maboul –  um eine surreale Reise geht es in diesem fantastischen „Singspiel“, das allerdings trotz des einen und anderen „Ohrwurms“ komplette Aufmerksamkeit verlangt – würdige Fortsetzung der „Made To Measure“-Serie.

Manche Alben werden trotz unbezweifelbarer Qualität nicht auftauchen, weil sie von der „Erzählung“ her nicht so gut passen (evtl. John Cale, vielschichtiges Spätwerk), oder schon in den JazzFacts vorgestellt wurden (Mette Henriette, „Drifting“ ist ein herausragendes Werk), oder was-weiss-ich – und weil 55 Minuten eine dezente zeitliche Begrenzung darstellen. Sonst würde ja auch eines der vier sehr langen Stücke von „Travel“ voll ausgespielt, nun aber platziere ich eine Passage der Musik der drei Australier im Zentrum und bastele die Stunde drumherum.

Die Radionächte waren episch, hier ist eine andere Prägnanz gefordert. „Late night stories“ sind eben andere als solche, die abends kurz nach neun über den Äther gehen. Aber eines sollte erhalten bleiben: „the thrill of it all“.

 

 

01 Kammerflimmer Kollektief / Die Wilde Jagd
02 Old Fire / Lana del Rey 
03 Maria Bertoni / Dobrawa Czocher
04 James Yorkston / Lisa O‘Neill

05 Ralph Towner

Mod
THE NECKS: TRAVEL* 
Mod 

05 Stephan Micus
04 Evgueni Alperine
03 Aksak  Maboul
02 Andrew Cyrille

01 Robert Forster

 

* „I always felt that The Necks would be a long-term thing. It was something that was always very open-ended, with no preordained goals apart from playing music together. Early on, whole years would go by without us playing – the result of one or more members leaving the country for extended periods of time. And the acceptance of this was mirrored in the music. We chose to recuse ourselves from aggressive strategising and, as much as possible, allow for one thing to lead to another and to try not to project into the future. For us the music had more of a therapeutic dimension than anything, and besides, its commercial reach seemed small.“

(Chris Abrahams)

Die armseligen verblendeten Missionare, die Grammophone ins dunkelste Afrika schleppten, weil sie dachten, die Erfahrung, Bach zu hören, würde die Eingeborenen irgendwie „zivilisieren“, irrten sich also in fast jeder Hinsicht: Sie dachten, „die Eingeborenen“ seien unzivilisiert, erkannten nicht, dass sie ihre eigene Musik hatten, und nahmen an, dass unsere westliche Musik kulturell abtrennbar und transplantierbar sei – dass sie irgendwie die Samen der Zivilisation in sich trug. Diese kulturelle Arroganz haftet der klassischen Musik an, seit sie ihren Primat als populäres Zentrum des westlichen Musikuniversums verloren hat, als ob die Tonspur der österreichisch-ungarischen Monarchie im 19. Jahrhundert irgendwie automatisch universell und überlegen wäre.

 

Aber das ist gar nicht die kleine Story, die ich erzählen wollte. An anderer Stelle erzählte  Brian Eno  etwas, das schon näher heranrückt an die Geschichte, die sich an einem Tag des Jahres 1978 in Würzburg abspielt, und eigentlich gar keine richtige Geschichte ist.

 

Diese Art von Musik sagt: (…) Es wird nicht viel passieren, und das könnte genau das sein, was Sie jetzt brauchen. Die Zeile aus dem Lied der Talking Heads hat mir immer gefallen: „Heaven is a place where nothing really happens“. Und ich mochte immer die Idee, in einen Club zu gehen, in dem man, anstatt sich zu stimulieren und auf Touren zu bringen, sich beruhigt und Raum zum Denken und Fühlen findet. Das ist sicherlich eines der Dinge, die wir uns von der Kunst wünschen – die Chance, in einer anderen Welt oder in einer anderen Version dieser Welt zu sein.  

 

Damals stand ich, in einem Jahr, als es drunter und drüber ging in meinem Leben, im Zeitschriftenladen Montanus, und stöberte durch den „Melody Maker“. Das war eine unserer Verbindungstüren in eine andere Welt, wir lasen da über Schallplatten, die erst Wochen später in Deutschland ausgeliefert wurden, keine Vorab-Tracks, keine Werbevideos, nur die Worte eines Hörers, der dafür bezahlt wurde, sie zu Papier zu bringen. Und da stand ich und las über Brian Enos Ambient Music-Album „Music For Airports“. Es war das erste Mal, dass der Begriff „Ambient“ im Zusammenhang seiner Musik fiel, kein Wunder, Brian hatte ihn selbst geprägt.

Woran erinnere ich mich? Der Rezensent machte sich lustig über den Begriff, die Ideen dahinter, die Musik, den kompletten Blödsinn dieser Klänge – er war glühender Verehrer der Punk-Musik, und hatte hier ein neues Feindbild im Visier: „Ambient Music“. Nun hatte Eno schon vor „Music for Airports“ Musik veröffentlicht, die man gewiss als „ambient“ bezeichnen kann, die fantastische Ausführung von „fast nichts“ auf „Discreet Music“,  oder die sehnsüchtigen Kreisläufe der ersten Seite von „Evening Star“, einer  Schallplatte von Fripp & Eno. Kurz und gut: was er bisher fabriziert hatte auf dem Gebiet von „heaven is a place where nothing really happens“, war schon formidabel. Und stand seinen Songalben in nichts nach. Ich war so glücklich über diesen Totalverriss (der offensichtlich von einem Vollpfosten verfasst wurde), und fing an von dieser  Musik zu träumen, auf der ja auch angeblich der geschätzte Robert Wyatt ein paar Pianotupfer hinterlassen hatte.


Das ist die Erinnerung, die mir durch den Kopf ging, als ich Brian über den Himmel reden hörte, in dem einen Talking Heads-Song. Dass ich damals über Wochen leidenschaftlich auf eine Musik wartete, auf der nicht viel passieren würde. Aber so ist das eben oft, die Sache mit der Oberfläche und der Tiefenstruktur. Hinter der systemischen Kühle verbarg sich, zwei Plattenseiten lang, lebendige Melancholie. Ein berauschendes Nichts. All gates open … 

 

2023 27 Jan

Hairy Issues

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2023 27 Jan

Fish Wish #1

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1

The monthly column of my colleague Peter Margasak from Berlin in THE QUIETUS

 
 
 


 
 

2

Paul Motian and Bill Evans

Why does BE’s playing from those times sounds so good every time again when listening until today? Is it his deeply sunken presence in the music and its fluency, the recording, its magic kind of dynamics?

 
 


 
 

3

JADE VISION – one of my ever-recurring favourites

 
 


 

About Don Cherry’s  short-wave radio listening practice

 

„… He did that well before the days of Walkmans, iPods, or listening to music on phones. Don had large headphones that could pick up short-wave radio signals from around the world. Since the dial couldn’t indicate where a particular signal was coming from, he could be listening to something from Ghana or Indonesia or New Jersey. He didn’t care where it was coming from, he just wanted to hear music that interested him.

It seemed like Don would just listen all day long. Quite often he came into rehearsal and taught us a melody that he just heard on the shortwave. … he had an incredible capacity to hear music in whatever shape it took.“

 

(Karl Berger, The Music Mind Experience. Wolke 2022)

2023 27 Jan

Z w i s c h e n

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BERLIN JAZZ FEST 2022 – a sound collage by Vilte Gustyte

 

 

s   o   u   n   d

 

 

In order of appearance:

 

Ben LaMar Gay – Mette Rasmussen – Olga Kozieł – Maryana Golovchenko – Nadine Deventer

 

Excerpts from:

 

The Hemphill Stringtet – Mette Rasmussen Trio North –

 

Sven-Åke Johansson: “MM Schäumend” – Siri/Carina – Die Hochstapler –

 

KOMПOUSSULĂ – OTTO – Brötzmann/Bekkas/Drake –

 

Asher Gamedze “Dialectic Soul” –

 

Blue For A Moment (film by Antoine Prum) – Camille Émaille Solo

 

Recorded at: A-Trane – Haus der Berliner Festspiele, 2022 November 3 – 6

 

 

My first Berlin Jazz Fest and I am late for the very first concert. I end up watching the live stream of The Hemphill Stringtet concert from Berlin Festspiele foyer bar. I sit down, I catch my breath and start recording. I hear the music coming from the small speakers and apparently, I am not the only one late – more and more people are gathering around the bar, getting their drinks and chatting silently. I am suddenly inside the festival.

 

And my journey starts, four days of sounds and discoveries, meetings and explorations. Listening back to the recordings after some time, I hear characters emerging like in a theater space. Each of them with their own stories, melodies, experiences. Exploring the places of inside and outside spaces. Through my own rememberings, I hear a celebration of cultures, coming together, and with each new encounter, a new unexpected place  … relation … improvisation.

 

Vilte Gustyte, originating from Vilnius, Lithuania, is a student of Sound Studies and Sonic Arts at Universität der Künste (UdK) Berlin. 

2023 25 Jan

t(h)ree spreadouts

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Wenn Jazzmusiker sich an Popklassiker ranmachen, habe ich meist ein ungutes Gefühl, und oft genug wird meine dunkle Ahnung bestätigt. Es wird edel, betont edel, es wird gepopswingt. Herbie Hancock hat einmal albumweise grosse Popsongs swingifiziert („New Standards“) – ermüdend, kaum besser als diese pompösen „classic nights“, in denen manch geschätztem Inhalt einer Jukebox mit klassisch geschulte Geschwelge zu Leibe gerückt wird. Peter Gabriel inszenierte vor Jahren auch mal grosse Lieder mit Klassik-Korsett – so löscht man das Feuer und bayreutifiziert das Ungebändigte. Man verlässt sich auf Gänsehautmelodien und brezelt sie auf mit dem „Apparatus Classicus“ – keinerlei Brechungen, nur Geschmacksverstärker aus Pavlovs Hundehütte!

 
 

Stunde 1

 
 

Jetzt also Brad Mehldau, und ein Album voller Beatles-Interpretationen. Gut, ich kenne erste zwei Songs davon, das Lied mit dem Walross, und den herrlich altmodischen Schlenker von Paul McCartney, „Your Mother Should Know“, aus der „Magical Mystery Tour“, tatsächlich der Beatles-Film, den ich, warum auch immer, von ihren „Lustspielfilmen“ am meisten mochte, vielleicht wegen dem Busfahrer Ivor Cutler (ein ganz spannender „storyteller“, und ich hatte fast Tränen der Rührung in den Augen, als ich an der South Bank eine zufällige Begegnung von Robert Wyatt, Alfie, und Ivor erlebte, bei der ich mich diskret zurückhielt. Ivor hatte unvergessliche Spuren auf Robert Wyatts „Rock Bottom“ hinterlassen – and he was such a lovely person (manchmal weiss man sowas auch aus medialer Distanz!). Ich schweife ab.

 
 

Stunde 2

 
 

Jedenfalls ist es eine Freude, Brads zwei „Klavierstunden“ zu lauschen. Der Moment, der mich besonders schmunzeln liess: wenn Brad über  „strangeness“ in etlichen späteren Songs der Beatles spricht, und wie unbehaglich er sich anfangs mit „I am the Walrus“ fühlte. Wie gut wird das Album wohl werden, das in der ersten Februarhälfte bei Nonesuch rauskommt – warten wir mal ab. Könnte mal zur Abwechslung ein richtig gutes Jazzopus voller Oldies werden – more sophisticated, please, than just „only tasteful“! Oder vielleicht am Ende doch nur eine ganz nette Geschichte?

 


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