Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Gestern reihte sich in die Reihe meiner Serie „deep feelings in old-fashioned bathtubs“ ein äusserst spannendes Album ein, das die Geister teilen (verstören oder begeistern) wird, ganz abhängig von Hörgeschichte und Empfänglichkeit. „FEVER DREAMS“ von Villagers. Dass ich nicht allein da stehe mit meiner freudigen Erfahrung, wurde mir dann heute zwischen Erwachen und kleiner Bergwanderung klar („in the dutch mountains“), als ich in der Septemberausgabe der Zeitschrift „Mojo“ auf das „album of the month“ stiess. Genau, „FEVER DREAMS“.

Himmlische Melodien und „agnostic devotionals“ scheinen genug zu sein, um das Hirn des Musikkritikers Danny Eccleston zum Schmelzen zu bringen. Ein wenig umschreibe ich mal den Auftakt seiner langen Rezension. Die Akustikgitarre kommt übrigens oft vor, aber das ist schon fast alles, was es rechtfertigt, Conor O‘Brien  als „ein irisches Indie-Folk-Projekt aus Dublin“ einzusortieren. Seine Musik ist extrem vielfältig, die Songtexte stromern durch weite Panoramen. Kaum war die vierköpfige Band im Studio heissgelaufen, machte Irland die Pforten dicht, Corona zog durchs Land, und Conor zog sich anderthalb Jahre auf  seinen Dubliner Dachboden zurück.

Man kann der Musik tatsächlich etwas Fiebriges anhören. Es sei, schreibt Danny Boy, „eine der freiesten, lustigsten und psychedelischsten Villagers-Platten. Alles fühlt sich ein bisschen verzerrt an. Songs schlagen plötzlich in freudig unerwartete Richtungen aus. Ein Gitarrensolo erscheint aus dem Weltall.“ Und damit die Synchronizität perfekt wird, mit meinen jüngsten Badewannenmeditationen und dort verbrachten Stunden wahrer Empfindungen (frei nach Peter Handke), spürt Mojo Man noch klangverwandte Schwingungen auf zu Robert Wyatt, Alice Coltrane, und – okay, da reicht sein Blick weiter – zum Library Music Maestro Piero Umiliani. Chi è questo cronista di strani suoni? Von dem habe ich noch nie gehört.

Über den Braunbären auf dem Cover werden wir uns unterhalten müssen, denn ich habe  mal gleich ein Interview mit dem Mann von der Dubliner Dachbodengesellschaft (frei nach Peter Kreuder) angefragt. Und auch darüber, dass wahrscheinlich jeder zweite Rezensent (mindestens!) das Wort „psychedelisch“ verwenden wird. Eine Schublade, die so leichtfertig gezogen wird wie „spiritual jazz“. Andererseits, liest man Dannys Kritik in Ruhe, drängt sich das historisch mit LSD verbandelte Eigenschaftswort schon ein wenig auf. Und was um Himmels willen sind „agnostic devotionals“??!

 

„The First Day“ beginnt mit einer wackeligen Stimme und einem Klavier, das das Wummern und Flattern eines alten Grammophons nachahmt, und startet durch mit großen, fetzigen Drums wie Steve Drozds auf „The Soft Bulletin“ von The Flaming Lips – aber dann dreht sich alles um eine himmlische Melodie, getragen von glockenspielartigen Synthesizern, fröhlichen Bläsern und O’Briens Stimme, die „feels like snowflake, feels like sunshine“ singt, als hätte er beides noch nie gefühlt.

2021 18 Jul

Vale

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 3 Comments

Das Vale of York ist flächenmäßig nur unwesentlich größer als Berlin, sonst unterscheiden sich beide aber etwa soviel, wie das Auenland von Mordor trennt. Und vor der Veröffentlichung seines aktuellen Albums stieg Simon Goff tief in den Berg der Finsternis hinein und gewann zwei Grammys für die Tontechnik bei den Soundtracks von Hildur Guðnadóttir’s Joker und Chernobyl. Tiefer in den Abgrund als bei letzterer Serie geht es kaum noch. Und doch blieb eine große Sehnsucht nach den Orten seiner Kindheit, die in einigen Stücken, wie auch den Videos seines Albums Vale anklingt. So beginnt es mit Vale, dem gleichnamigen Titelstück mit einer schwebenden, fast pastoralen Atmosphäre, die sich zu einer großen Intensität verdichtet, um dann in Wooden Islands intensiv und minimalistisch, treibend mit geloopten Violinsequenzen und scharfen kleinen Pattern vorjagen.

 
 
 

 
 
 

Simon Goff steht vor dem großen Rund eines Schallspiegels aus Beton, einer Konstruktion, von der viele im 2. Weltkrieg an der englischen Küste gebaut wurden, um die leisen, noch fernen Geräusche herannahenender Flugzeuge akustisch zu verstärken. Dieses Konzept spiegelt sich auch in seiner Musik auf Vale wieder, die eine eng verwobene Mischung von elektronischen Klängen und den verfremdeten und geloopten Klangräumen seiner akustischen Violine, unterstützt von sehr reduzierten perkussiven Elementen und einem Kontrabass oft die fernen subtilen Klänge ganz nah heranholt und die Violine mal scharf und rauh, mal sehnsuchtsvoll und atmosphärisch dicht in seine Klangwelten platziert. A process In The Weather Of The Heart ist hier ein wunderbares Beispiel, gefolgt von dem bedrohlich schwebenden Murmur und den sanften, aber in ihrer Subtilität keineswegs sentimentalen Elowen und Now. I Filled My Lungs With The Necessary Air, And Yelled ist ein sehr tiefgründiges und komplexes Stück, das in seiner herben Schönheit, wie auch durch das intensive Video besticht. Final wird das Spiel mit dem Spannungsfeld zwischen Tradition und technischen Möglichkeiten, zwischen fast ambienthafter Weite und forcierter Dichte, in virtuellen und erinnerten Landschaften mit Sleeping Winds abgeschlossen. Der Wind hat sich gelegt und die, durch die Musik ausgelösten visuellen Szenarien verblassen langsam in ihren exzentrischen Brainloops.

 
 
 

 

Mattering and Meaning ist ein Album, das erst im August erscheinen wird. Ich habe das komplette Album angehört ohne die Zukunft aufsuchen zu müssen. M.E. lässt mich an seinen Zeitreisen teilhaben, weil ich seine Mitbringsel für Sendungen des DLF aufbereite. Dan Nicholls heißt der Künstler, den ich nicht kannte. Es gibt eine Menge Musik, die M.E. gefällt, mir aber nicht. Es sind vor allem ereignisarme ambientige Klangflächen, gegen die mein von analytischem Hören geprägtes Immunsystem Antikörper entwickelt hat. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben heißt es, und ich weiß aus Erfahrung, dass man ein Album nicht vor dem Verklingen des letzten Tons in die Tonne werfen darf.

 
 

 
 

Mattering and Meaning startet mit dem Titel Papa und empfängt den Hörer mit low-fidelen Pianoklängen, spielerisch improvisierten Figuren, garniert von elektronisch erzeugten Klangpartikeln und Klangflächen. Unverkennbar auch die Neigung mit Loops zu gestalten. Nun denn, seit der Erfindung der Minimal Music gehört das zum Vokabular zeitgenössischer Musik wie die Kadenz zur Alpenländischen Volksmusik. Yeh Yeh, das zweite Stück, könnte ich genauso beschreiben wie No. 1. Die low-fidelen Pianoklänge, die Loops sind weiterhin präsent, ziehen sich wie ein Leitmotiv durch das ganze Album. Ich fing schon an, kleine Ressentiments aufkeimen zu lassen. Aber im Verlauf von Fermentation gefiel mir das Aroma dieser Musik immer besser und ich legte den analytischen Kopf-Hörer beiseite. Die quirligen Pianofiguren von Breathe versinken in reizvollen elektronischen Klangwolken, aus denen Überreste eines Vortrags auftauchen. Spricht da Dan Nicholls zu mir?

Erstmals Text in einem instrumentalen Album! Das muss doch ein gewisses mattering oder meaning transportieren. Vielleicht hilft M.E. weiter und liefert eine kurze Zusammenfassung. Ich habe ein wenig über den Albumtitel nachgedacht. Nimmt man ein Wörterbuch zur Hand, dann wird für „to matter“ wie für „to mean“ die Übersetzung „bedeuten“ angeboten (natürlich nicht nur diese). Doch gibt es sicher einen feinen Unterschied. Wenn nicht, wären die Fragen „what is the meaning of mattering“ und „what is the mattering of meaning“ gleichbedeutend.

Der Verzicht auf brillanten Klavierklang scheint mir ein Stilmittel des Albums zu sein. Es lässt mich an home recording denken, zumal in Keep Doing Positive Things ein Kind – Nicholls‘ Tochter oder Sohn? – schreit und juchzt. Dan Nicholls ist ein fantasiereicher Klangbastler. Je später das Album, desto zahlreicher erklingen synthetische Klänge, besonders ansprechend im längsten Stück Lou (The Posthuman Reverberates). Heute habe ich das Album mit Genuss ein zweites Mal angehört und dadurch neugierig geworden mich nach mehr Wissenswertem über Dan Nicholls im Internet umgesehen.

 
 

 
 

Auf seiner Webseite sind Videos verlinkt – mit bis zu 2 Stunden Spieldauer – die nachdrücklich Einblick gewähren in seine Klangexperimente. Auf SOUNDCLOUD ist Einiges zu finden, auch 2 Vorabveröffentlichungen aus dem hier vorgestellten Album. Besonders angetan hat es mir ein Duo mit der Sängerin Lauren Kinsella, vor 7 Jahren live aufgenommen @BBC Proms Plus. Ein Seitenblick auf discogs, wo ersichtlich wird, mit welchen anderen Künstlern Dan Nicholls kooperierte, brachte Erstaunliches zu Tage für mich. Unter den mir wenigstens vom Hörensagen bekannten Namen fand ich vor:

 
– Shabaka Hutchings
– Frank Möbus, auf dem Umweg über …
– Oli Steidle & the killing Popes
diese Band hat zwei absolute Kracher-Alben veröffentlicht

Anlässlich des Ausbruchs der Rediscovery-Manademie, möchte ich einen Film von Mauricio Kagel, dem größten Schlitzohr der sogenannten Neuen Musik in Erinnerung rufen.

 
 
 

 
 

Höchstwahrscheinlich irre ich mich mit der Annahme, Erinnerungen wachzurufen. Die Wenigsten, wenn überhaupt jemand der hier Vorbeischauenden kennen vermutlich diesen funny look at Beethoven. Keine Angst! Der Film ist garantiert frei von Weihrauch. Wer auf das 3 Zentimeter entfernte Bild klickt, kann das Movie ansehen. Ich habe time stamps gesetzt zum schnellen Erreichen besonderer Stellen. Der Film ist auf DVD in meiner Sammlung. Wie man auf der amazon-Seite sieht, eignet sich die Edition als Kapitalanlage, bevor sie out of stock ist.

 

 

 

Seeing my blog brother Micha’s incredibly varied and deep list of rediscovered music got me thinking. I too seem to be on a roll of rediscovery. I really noticed this during the pandemic: I started revisiting old music, music from my formative years. I already posted the rediscovery of early electric Return to Forever through the remixed Anthology set. More recently, another guilty pleasure insinuated itself into my consciousness.

As a young hippie, I fell under the spell of one of the most unusual bands of the era – I am speaking of the Incredible String Band. A folk group which at first was comprised of 3 young men, their eponymous album was a pretty straightforward affair, captured without overdubs by the man with the golden ears, Elektra’s young wunderkind Joe Boyd, who heard something special in these young songwriters from Edinburgh. That first album won a prestigious folk award and garnered some positive reviews, but nothing could’ve prepared listeners for the journey to come.

After the release of the first album, Mike Heron stayed back in Scotland in hopes of playing gigs and taking the project to the next level, but oddly enough, Robin Williamson and Clive Palmer had different ideas, and left the British isles to travel abroad. Robin headed to Morocco and parts unknown where he had decided to study Middle Eastern music and wasn’t quite sure he was going to return at all. When he finally returned, he came bearing armloads of instruments and together with Mike, began reforming the group as a psychedelic folk/world duo. Mike had stayed busy as well, writing songs and opening his ears to world music.

During the next 8 years, ISB would make 11 more albums. After their first release,  in just two short years they put out 4 genre (and gravity)  defying albums that influenced everyone from the Beatles to Led Zeppelin, yet they mostly appealed to a relatively small but devoted fanbase. I was one of them.

My love affair with ISB began with a musician friend of mine laying a copy of The 5000 Spirits (aka The Layers of the Onion,) on me. With its uber-psychedelic cover, designed by two Dutch artists known as The Fool, it immediately grabbed my attention. Inside the grooves was a new kind of hybrid music that incorporated the folk traditions of the British isles with influences from India, China, the Middle East, the West Indies and beyond. How did these two make such a quantum leap in the space of a year? Some of it was Robin’s incredible mind and his innate ability to make music on almost any instrument he took in his hands, his uncanny ability to absorb and borrow from multiple traditions, and part of it was perhaps the broader zeitgeist of freedom and experimentation that permeated the air. Mike Heron’s more straightforward, heartfelt, earthy approach to songwriting was the grounding element, which contrasted nicely with Robin’s penchant for far flung audacious experimentalism, odd juxtapositions of Indian, folk, blues, music hall and Celtic traditions, (often in the same song!) and somehow, it all just effortlessly worked.

As Joe Boyd once said, for a time these two could literally do anything. But that magic, like most magic, was fleeting. ISB was like a cosmic juggling act and there was simply no way all of those orbiting spheres could remain in the air forever. Not to say there aren’t many gems to be found on later releases, because there most certainly are, but those records never seemed to reach the consistently high bar the band had set for itself on those first four albums. 

Most String Band aficionados will immediately point to the 3rd release, The Hangman’s Beautiful Daughter as their best, and I would begrudgingly have to agree. It is certainly their most beloved album. Quirky in all the best ways, inspired, surreal, varied in musical influences, it encapsulated all the elements that endeared the group to their fans. With its exoticism, surreal lyrics, cosmic references, whimsy and humor, dream imagery, summoning of archetypes, reverence for the sacredness of nature and of all living things, it is truly a wondrous recording. The opening track, Koeeoaddi There, embodies so much that is likable about the band. It’s a dream-like  journey into Williamson’s childhood, sketching out the local scenes, characters, shopkeepers, the joys of skating on Happy Valley Pond,  the gambling soldier’s admonitions (“Don’t worry, we won’t send anyone after you, they screamed.”) In just a few minutes, Robin outlines inexplicable events – the strange mysteries of the world seen through the innocent eyes of a child, replete with routine greetings to “The Invisible brethren,” the ritualistic “Earth Water Fire and Air” chant punctuating the stream of consciousness childhood reveries – somehow all the disparate elements meld into a perfectly cohesive whole. And Heron’s A Very Cellular Song, the centerpiece of the album, the song which for many epitomizes ISB, was like nothing that had come before it. A medley of snatches of a Caribbean religious folk tune (borrowed from The Pindar Family – Nonesuch,) songs about amoebas, cosmic paens to the Unseen, whimsical imagery inserted into harpsichord laden baroque verses, all coalescing into a pagan religious ritual, replete with themes and variations accompanied by guitars, gimbris, clay drums, mandolins, organs, jews harps, kazoos, and whatever else the boys could get their hands on.

They were courageously experimental in those days, and even though there were the obvious imperfections due to an understandable lack of  proficiency on many of the instruments they had picked up, none of that really mattered – their sheer unbridled creativity and confidence in their collective vision overshadowed the occasional out of tune vocal or flubbed instrumental notes. There were also unexpected moments of virtuosity. In fact, both were decent musicians on guitar and mandolin. Mike’s sitar was one of the more successful uses of the instrument in a non-traditional pop setting. People often criticized their vocals, but I have always thought Robin’s melismatic flights of fancy back in the day to be pretty spot on, even inspired in terms of note choices and phrasing. And Mike’s earnestly honest vocals carried a certain charm all their own, even if he sometimes strained to reach notes that were a bit out of his range. Again, none of this mattered one whit – their technical limitations didn’t get in the way of their seeming boundless creativity. They were completely fearless.

For me, the high point of the ISB’s short period of conjuring the miraculous out of thin air culminated in Wee Tam And The Big Huge. Released as a double album in the UK, they were released separately in the US, but they really were a double album. I originally recorded them from a KPFA prerelease broadcast and listened to them incessantly. I remember taking those reels to a friend’s country home up in Connecticut and playing them over as elaborate system that had speakers hidden in the trees all thru the woods surrounding their house – a magical experience in the snow. These two albums in my opinion, were the last of the totally magical ISB albums. All the elements were there: the mysticism, some of Robin’s best long form tunes (Maya, The Iron Stone,) and some of Mike’s best innocent child-like tunes. (Puppies, My Greatest Friend.)

By now Robin and Mike had fully integrated their girlfriends into the group. Licorice and Rose brought their innocence and sweetness to the table. Neither was a trained musician, in fact, except for a few violin lessons as a child, Rose, a university student and mountain climber, had never played an instrument. Licorice had some guitar background and a little girl’s voice that was deployed to great effect on stage and on recordings. But musicianship wasn’t the point at all. As Robin once said when asked about the choice of including their partners: it was about friendship – that and chemistry – that’s the reason the girls were in the band. As anyone who saw the band in their heyday knows, the young women graced the stage with their shy presence, even when not doing anything but sitting and smiling when they weren’t playing finger cymbals, keyboards, singing backup vocals or playing an occasionally out of time dumbek. Somehow, Licorice’s and Rose’s mere presence gave the band even more charisma. In fact it was this odd combination of genius and amateurism that gave the band its unique, ineffable sound.

I still remember that first time seeing them. October 1968 – It was a magical night, a night to remember for sure. It had started with a personal initiation ritual: losing my virginity earlier that very evening. Then, synchronistically, my musician friend who had first turned me on to the String Band called to let me know his girlfriend couldn’t make the show and asked if I would like to meet him to see ISB at the Fillmore East. I remember that concert vividly. The stage setup with all those exotic instruments, the excitement and joy in the air, and the opening song, “Jobs Tears.” Robin in full hippie renaissance faire regalia was sitting on a chair playing guitar and Licorice, in a flowing dress, was kneeling on the floor singing the response to Robin’s lines. That image and Licorice’s little voice singing, “All will be one, all will be one” is permanently etched in my mind.

I’m currently reading Rose Simpson’s memoir of her time in ISB. It’s title, “Muse, Odalisque, Handmaiden” sums up this honest journal of a young woman’s improbable adventures into music and celebrity. It is an extremely well written and unflinching look at a time that will never exist again, compassionately seen through the eyes of an older, wiser woman who just happened to be at the right place at the right time. Imagine Mike Heron coming home with a bass one afternoon, sticking it in Rose’s hands and saying “learn this.” And a few weeks latter she’s appearing onstage at Royal Albert Hall to a packed house with the Beatles, members of Led Zeppelin and other pop luminaries in the audience. That happened.

Of course, no utopian vision can last forever, and the ISB’s juggling act had to lose a few balls. Rose, unhappy with the band’s fascination with Scientology and the direction they were taking, left first. Licorice was next. Years later it was reported Licorice had completely disappeared – as the story goes, she was last seen hitchhiking in the Arizona desert and has never been heard from or seen again. I suspect she is still very much alive but doesn’t want to be found. There was a looming tension between Mike, who wanted to go electric (in truth he had always had the heart of a rocker,) and Robin who was heading in an opposite, more traditional acoustic direction. Something had to give.

ISB went on for a few more years, eventually reinvented as a much more conventional folk rock band with a “real drummer and bass player.” I made the sad mistake of seeing them in that last configuration in LA around 1973 or so. That performance left a bad taste in my mouth and for many years, I stopped thinking about the band completely.

But recently I picked up some newly remastered reissues on the Fledgling and BGO labels and re-collected all of the ones I care about on CDs. I’m pleased to report a lot of it still speaks to me today – it’s not such a guilty pleasure after all, and as it turns out, is much more than just a mere nostalgia trip.


 
 

Wir waren auf Sylt, er starb in der Schweiz, Sylt war sein Brevier, aber auch die Costa Adeje. Da bin ich jetzt mit dem Fahrrad auf den Spuren von Fritz Raddatz. In Keitum bat ich die Manas um Verständnis dafür, dass ich mal kurz zu dem frischen Grab von Fritz Raddatz gehen wollte. Heute bin ich in der Region, wo er zuletzt wohnte, im Gran Hotel Bahia del Duque, von hier plante er seinen Freitod, hier schrieb er sein letztes Buch. Es ist eine Glamourwelt für Parvenues und Selbstverliebte, für Liebhaber der schönen Dinge und verführerischer Sinneslust. Ich sehe ihn in dem traumhaften Hotelpark flanieren, natürlich mit seidenem Schal.

 

 

Ist es nicht oft so, dass man ab einem gewissen Alter in die Jahre gekommene Alben mit bestimmten Momenten des eigenen Lebens verknüpft? Wenn die Affektladung der Musik einst nur genügend hoch war. Das passiert ganz von allein, auch, weil es eine Freude ist, bestimmten Alben neu zu begegnen, und zum Glück ist es oft weitaus mehr als eine nostalgische Anwandlung. So etwa gestern Abend, mit Spotify und Sonos Move. Zwei Freunde, eine Viererrunde, tiefe Wolken ohne Regen, ein Knüppelchen (von der Eifeler Prüm-Bäckerei, bei 180 Grad 20 Minuten im Ofen, mit Olivenöl und Salz), Camembert, 2 Flaschen Scooter (2016, von Molly Dooker), Gregors alter Dekanter, und draussen bis Mitternacht (manchmal stand die Zeit auch still), zwei Alben nonstop, die Musik kam aus dem Apfelbaum, J. J. Cale, „Naturally“ und „Troubadour“.

 

Die Alben von J.J. Cale waren stets hervorragend produziert – was ein Remastering wohl bei ihnen zuwege bringen würde? Wer die 2013er SHM-CD-Version von „Naturally“ besitzt, möge sich melden. Hier nun zehn Alben, die in der ersten Jahreshälfte zu meinem herausragenden Archiv-Ausgrabungen und „reissues“ zählen – manche kannte ich, manche wurden zum ersten  Mal einem grösseren Kreis vorgestellt. Und eine davon erschien erst gestern, ich war hin und weg, als ich sie bei einer Yoga-Übung in Düsseldorf, im Hintergrund, und danach, im Vordergrund hörte. Und ich bin kein Hinduist, und nie ein zeitweiliger Ashram-Bewohner gewesen. Es macht übrigens Sinn, die Alben „Desertshore“ von Nico und Alice Coltranes meditative Klänge mal nacheinander zu hören. Richard Williams hat für „Mojo“ eine ausführliche wie substanzielle Rezension geschrieben.

 

Die erste „Roots“-Compilation, aus dem Hause Soul Jazz Records, nun zum Zwanzigjährigen in blauem Vinyl neu aufgelegt, gehört eigentlich auch in diese illustre Runde, und wäre an manchen Tagen meine Nummer Eins. Nehmen Sie also kurzfristige persönliche Anwandlungen nicht zu ernst, ich schätze all diese Alben sehr, und nahezu gleichermassen. Ich wollte halt auch ein besonders breites Feld aufstellen – an den zwei Alben von und mit Don Cherry führte allerdings kein Weg vorbei.

 

1. Don Cherry’s New Researches: Organic Music Theatre: Festival de jazz de Chateauvallon 1972 / 2. Alice Coltrane: Kirtan – Tiriya Sings / 3. Benjamin Lew & Steven Brown: La douxième journée (Made to Measure) /  4. Don Cherry: The Summer House Sessions / 5. Annette Peacock: X-Dreams / 6. Culture: Children of Zion / 7. Beverly Glenn-Copeland: Keyboard Fantasies / 8. Tiziano Popoli‘s  Burn The Night (Bruciare la Notte): Original Recordings (1983-1989) / 9. Soul Jazz Records presents Cuba: Music And Revolution 1975-85 / 10. V.A. – Heisei No Oto: Japanese Left-field Pop from the CD Age, 1986-1989 (zu dieser Japanmusik wird in diesem Jahr bestimmt noch eine Folge unserer Reihe „Japanese Jewels“ erscheinen.)

 

 

Don Westlake war ganz glücklich mit dieser Lektüre, und ich stöbere immer wieder gerne in Michael E. Veals Buch herum. Ganz am Anfang wird ein weiter Bogen gespannt zu jenen Strömungen der Musikgeschiche, in denen aller Überfluss aus der Musik entfernt wird, von Enos Ambient Music bis sonstwohin. Interessant auch, wie der Autor durchaus spracherfinderisch mit vielen Grenzzonen und Extremen der Dub-Musik umgeht, und hier und da spannende Metaphern bereit hält, die neugierig machen auf die entsprechenden Klänge.

 

 

Mein letztes Dub-Elemente enthaltendes Album bekam ich gestern, eine toll remasterte Vinylausgabe eines Werks, dass 1975 als reines „Weissmuster“ ohne Cover in einer Auflage von 300 Exemplaren auftauchte, eine fast straighte, sehr jazzige Lee Perry-Produktion, „Musical Bones“, von The Upsetters with Vin Gordon. No vocals. Das Buch besitze ich in gebundener Form, und kostet mittlerweile in diesem Format 296 Euronen bei Amazon. 15 Euro als E-Book. Witzig. Hier aber nun Mr. Westlake:

 

„Just finished reading Michael E Veal’s fantastic Dub: Soundscapes & Shattered Songs in Jamaican Reggae. What is so impressive abou is how many perspectives Veal manages to approach the subject from in such a relatively short space (338pp) i.e the social, political, aesthetic, technical, religious, historical, economic and cultural. Along the way contextualising dub in relation to the theories of, among others, Jameson, Deleuze & Barthes. Among the most interesting ideas Veal suggests are dub’s fragmented narratives as a response to the collective Post-Traumatic Stress Disorder of the African diaspora and dub’s privileging of space and absence providing a meditative insight into the divine. I particularly enjoyed the comparison between dub and classical Japanese music by way of wabi-sabi and Zen Buddhism. This may all make the book appear rather dry and academic and though it is certainly is both academic and scholarly in the best sense of the terms it is also clearly written by a fan and enthusiast (also in the best sense of the terms) meaning that as well as being intellectual and thorough it is always interesting and engaging. Along with the theories and histories of dub and it’s influence on other genres you get the low-down on all the leading players such as King Tubby, Prince Jammy and Lee ‚Scratch‘ Perry.“

2021 15 Jul

Für niemanden

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„Es ist sonderbar, über so weite Entfernungen ein kurzes Telefonat zu führen, über einen einzigen Song, der Menschen seit so langer Zeit so viel bedeutet.“

 

Rickie Lee Jones: „Es war ein hartes Jahr im Hause Jones in dem Jahr, als „Revolver“ herauskam. Wir waren in einen neuen Schulbezirk gezogen, wofür ich dankbar war, aber mein Bruder war auf seinem Motorrad verstümmelt worden, mein Vater trank, und meine Mutter sass nur in der Küche wie eine Figur aus einem John Prine-Song, rauchte Zigaretten und überlegte, wie sie alle quälen könnte.“

 

„Das ist schrecklich.“

 

„Mein Zimmer war meine einzige Zuflucht. Es war nicht die Geographie des Bettes oder des Schrankes, die mich in Sicherheit brachte – es war der Plattenspieler. Ich spielte die ganze Nacht lang Beatles-Platten. Ich war in vielerlei Hinsicht immer noch ein kleines Mädchen. Ich spielte mit meiner Puppe, während ich diese Platte hörte, denn mein Leben nachzuspielen, das war die einzige Möglichkeit, mich von dem Stress zu befreien, meiner Sehnsucht einen Sinn zu geben und dem Gefängnis von so vielen Verboten, das das Leben für ein 12-jähriges Mädchen ist. Die Stimmen der Beatles waren also so nah an Gott dran, wie ich jemals kommen würde.“

 

Viele halten „Revolver“ für ein absolutes Meisterwerk, für mich gab es aber immer ein beträchtliches Gefälle zwischen einzelnen Songs. Ich liebe einzelne wie „For No One“ oder „Tomorrow Never Knows“, andere fand ich mittelmässig wie „Doctor Robert“ und „Taxman“. 

 

For No One“ ist ein größerer Song, als seine Funktion auf „Revolver“ ihm zubilligt, eine Brücke, die das große, beängstigende, psychedelische Ende von „Tomorrow Never Knows“ mit dem Rest der Platte verbindet. Es ist ein kurzes Aufatmen in einem Song, ein Luftverlust im Leben von jemandem. Ein leises Einatmen, die Art von Geräusch, das man versucht, nicht zu machen, wenn etwas Schreckliches enthüllt wurde.

 

Das ist eine sehr persönliche Wahrnehmung. Was aber haben wir sonst als persönliche Wahrnehmungen?! Für mich war es ein Stück Magie, in dem gelebtes Leben vor einem vorüberzieht, in Bildern, während das Leben noch absolut präsent ist, kein Rückblick in letzten Momenten. Aber der Song fügt einem auch eine Art Schmerz zu, einen ganz und gar unkitschigen melancholischen Schauer.“

 

„Wohl wahr! Während ich mir sicher war, dass dies das Territorium von Erwachsenenstreitigkeiten war, kam es mir nie in den Sinn, dass ich den Klang meines eigenen Lebens hörte, das nach Luft schnappte, als sich jede einzelne Sache, die ich festhielt, löste und von mir abfiel, als Folge des Unfalls meines Bruders. Ich wusste bereits, dass es Zeiten geben würde, in denen das Leben wie ein sich zurückziehender Traum erscheint. „For No One“ ist ein Diamant von einem Song, einfach und, ja, melancholisch.“

 

(Anmerkung: Rickie Lee Jones hat „For No One“ gecovert auf ihrem feinen Album voller Coverversionen, „It‘s Like This“. Ihre Memoiren sind sehr, sehr lesenswert: „Last Chance Texaco – Chronicles of an American Troubadour“)

 

 
 


 
 

 
 


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