Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 16 Jan

Klöppeln

von | Kategorie: Blog | | 5 Comments

 

Über den lesenswerten Newsletter von Sasha Frere-Jones bin ich auf dieses Video gestoßen, das mich seltsam anrührt, auch wenn ich fast kein Wort verstehe. Toll wäre es, einer Feldaufnahme aus so einer Werkstatt zu lauschen – ich befürchte nur, dass es die gar nicht mehr gibt.

 

Im November 1991, kurz vor dem Ende der Dreharbeiten zu „IP 5 – die Insel der Dickhäuter“, erlag Beineix‘ Hauptdarsteller Yves Montand einem Herzinfarkt. Der Film sollte von zwei Jugendlichen erzählen, die mit einem alten Abenteurer durch Frankreich ziehen, und weil die Figur von Montand ebenfalls an einem Herzinfarkt sterben sollte, wirkte Montands Tod wie ein böser Witz des Schicksals. Ein Double sprang für ihn ein, aber die Geschichte war nicht mehr dieselbe, der Film blieb Fragment. Der Kinoerzähler Beineix hat sich von diesem Schlag nicht mehr erholt. Jetzt ist Jean-Jacques Beineix selbst mit fünfundsiebzig Jahren in Paris gestorben. Sein filmisches Gesamtwerk ist schmal. Aber der Zauber, den er mit „Diva“ und „Betty Blue“ auf die Leinwand gebracht hat, wird bleiben.  

(FAZ, heute)

 

In den frühen Achtzigern schrieb Jean Jacques Beineix mit Diva Kinogeschichte. Ich habe den Film so oft, so gerne gesehen. Wie er in einem Interview erzählte , war dies gar kein autobiographisch gefärbter Film, umso mehr machte es ihm Freude, beim Dreh einen Teil von sich lebendig werden zu lassen. Ich vermute mal, als der Gangster sagte: „Je ne t´aime, Beethoven“, war das mal eine deutliche Ansage. Klassische Musik wird sowieso überbewertet. Zuviele Heilige. Als die junge Rollschuhfahrerin in einem Plattenladen an den Regalen entlang stöbert, kann man die Entdeckung machen, dass dort Schallplatten aus diversen Jahren „ausgestellt“ sind, und ich nehme an, Beineix hat etliche eigene Platten von zuhause mitgebracht und damit die Kulisse ausstaffiert. Dabei, natürlich, „Another Green World“ und „Songs Of Love And Hate“. Und „Broken English“ Und welche Platte zieht sie am Ende aus dem Regal, und lässt es heimlich in ihrer Mappe verschwinden? Nun, Crystal Silence von Chick Corea und Gary Burton, einen „Klassiker“ von ECM.

 
 
 

 
 

 

Ich kam überhaupt erst wieder auf den Film, nachdem mir Paul Webb (Rustin Man) ein Album von Josephine Foster empfohlen hat, und ich ihm schrieb, in diesem Kontext „archaischer“ Folklore würde mir das bisweilen „Opernartige“ ihrer Stimme total gut gefallen, was mir genauso ging (ich würde nie freiwillig in eine Oper gehen), als ich einst Diva im Kino sah. Die Macht des Kontexts! (m.e.) 

 

Diva was such an underrated film. It was seen in the movie world like Grace Jones was seen in the music world. „Style over content“, but both I feel were misjudged. The attention to detail in Diva is stunning, even the way the opera singers hair is styled to reflect the different sides of her  personality is so well thought out. The soundtrack is also quite beautiful. I especially like that Eric Satie type piano with its 80’s delay echo, all this revolving around the tale of two tapes. One of my favourite films for sure.

(Paul Webb aka Rustin Man, formerly Talk Talk)

 
 

A Place We Once Walked

„Das erste Stück des Albums. Ich hatte einmal ein eigenartiges Erlebnis. Ich ging eine Straße entlang, auf der ich oft als junger Mensch unterwegs gewesen war. 40 Jahre war ich nicht mehr dort gewesen und hatte nun das schaurige Gefühl, meinem jüngeren Ich zu folgen, einer Person, die nicht mehr zu existieren schien. Was einst ein angenehmer Ort gewesen war, war auf unerklärliche Weise unheimlich geworden. Es kam mir vor, als würden sich die Dimensionen überschneiden. Dieses Stück »schließt« mit einer Erfindung von mir, »The Eugenian Plagal Cadence«.“

 

2022 13 Jan

Nachrichten aus Hörnum

von | Kategorie: Blog | | 1 Comment

 

An der Hörnumer Südspitze entdecken Ausflügler immer wieder stumme Zeitzeugen, auch viel größere als Geldstücke. Im Herbst 2016 zum Beispiel hat das Meer die Überreste eines alten Holzschiffs aus dem 18. Jahrhundert freigelegt. Immer wieder wird auch Geschirr gefunden, das von Soldaten der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendet worden ist. Im November 2021 etwa hat ein Ausflügler eine halbe Untertasse aus dem Sand gefischt, Aufdruck: „Hutschenreuther Hohenberg Germany 1936“. Eine Internet-Recherche hat schnell zum Museum Wolmirstedt im Bördekreis in Sachen-Anhalt geführt und ergab: Auf der anderen Hälfte der Tasse war wohl ein schwarzer Reichsadler mit ausgebreiteten Flügeln, mit Lorbeerkranz und mit Hakenkreuz abgedruckt. Das Fundstück erinnert also an ein dunkles Kapitel Sylter Geschichte.“

 


Tous les panneaux de sortie sont allumés. I listened to „Simian Angel“ for the first time at the end of summer, sometime ago, on headphones, at night. A long cable, a chaiselongue in the garden. Heaven seems to be the most lonesome place, at least from the point of view of gardening and Japanese tea ceremonies. Nearly knowbody knows this album.

Strange enough, we can still feel in harmony when looking at the sky at night, that time being seduced by Oren Ambarchi‘s album – two long compositions that defy definitions, limits, opening a constant feel of joy and wonder, kling and klang. A touch of kosmische music here and there.

His guitar sounds like a synth, and an organ, most of the time, and when he plays what sounds like a piano (and is again, made with his guitar – a special treatment really), you might feel, for a moment, a „Music For Airports“-vibe – just another illusion, up, up, and away, with the blink of an eye.

Oren’s partner is Brazilian percussionist Cyro Baptista, and when he starts on berimbau at the beginning of vinyl‘s second side, you are in wonderland. Yes, I thought, for another sequence of seconds, of Nana Vasconcelos‘s famous (or not so famous) solo album „Nana Vasconcelos“, the one with violins and violas coming completely out of nowhere, and knowing about Oren‘s passion for a lot of ECM records, I’m quite sure he might have had a similar memory, for a moment.

The music is crossing area after area, you are not able to, surely not keen on marking a spot. All exit signs on! The earth never solid, the percussion drifting in the windmills of your mind. Not all riddles solved, what do you think. I listened to it again tonite. Another word for melting kindly required, all these thin places.

 

2022 11 Jan

Six Years

von | Kategorie: Blog | | 14 Comments

 

Geweint hatte nur Carmelita. Die gesamte Familie stand regungslos vor dem Sarg. Von den Herreños waren wenige gekommen, dafür bezeugten sie viele Politiker und vor allem ihre Musikerfreunde.

Maria Mérida, die Stimme der Kanaren, ist mit 96 Jahren gestorben. 80 Jahre lang sang sie über El Hierro, wo sie 1925 geboren wurde und auch der Hauptstadt Valverde ihre letzte Ehre gab. Beim Heraustragen ihres Sarges sangen die zahlreich gekommenen musikalischen Lebensbegleiter „Sieta Rosas“. Da kamen auch mir die Tränen.

Wer war diese Frau, die mit Edith Piaf verglichen wurde, von der New York Times in den 50ern als viertbeste Stimme der Welt bezeichnet wurde? Sie war eine Herreña. Sie sang mit Herz und Seele über die Inseln, ihre Landschaften, ihre Menschen und Vulkane, und über die Schönheiten hier. Das fantastische Licht konnte sie mit ihrer unverkennbaren Stimme der ganzen Welt beschreiben. Im hintersten China hat sie El Hierro vorgestellt, aber welche Vorstellung hatten die Chinesen von El Hierro?

Ihren ersten Musikerpreis gewann sie mit 12 Jahren. Als Jugendliche ging sie nach Madrid, arbeitete beim Radio, wo sie Musik über die Kanaren über den Atlantik sendete zu den Ausgewanderten ihrer Heimat. Später traf sie sich mit den Schönen der Bühnenwelt und sang mit den Maestros der Gesangswelt, Placido Domingo und Monserat Caballé …

2007 holte sie Torsten de Winkel mit seiner Sabine auf das BimbacheopenArt Festival. Die Beiden waren bis zu ihrem Tod vorgestern engste Freunde von ihr.

 

2022 9 Jan

The Last Apple

von | Kategorie: Blog | | Comments off

2022 8 Jan

Sylter Abenteuer

von | Kategorie: Blog | | Comments off

Lieber Michael, 

das Essen wird jeden Tag geliefert. Dr. Poschel hat das vor seiner Abreise arrangiert. Lass dich nicht abschrecken von den Nachrichten: auch hier auf Sylt hören die Zahlen nicht auf zu steigen. Die Insel knackte gerade  die 1500er-Inzidenz-Marke. Aber am Meer, wenn nicht gerade ein paar Idioten / Impfgegner sich auf Wanderung begeben, ist das immer noch sehr sicher. Habe deine Nachrichten gelesen. Der Stefan Aust hat offensichtlich einen Knall. Sky funktioniert wieder für deine Fussballgrundversorgung. Dass du per Zoom in den Sylter Lesekreis einsteigst, super!  Die Autobiographie von Camus ist aber auch toll. ZOOM, alles hergerichtet. Hedwig L. möchte noch ein paar Sitzungen haben. Schlüssel, wie immer, im Gartenversteck. Der Pilot des Segelfliegers  wird am Tag deines Fluges natürlich gestestet, seinen Boost hat er schon länger.

S. – mit  nordfriesischem Gruss! 

 

Lieber Stefan,

das sind ja interessante Neuigkeiten. Ein paar Vollpfosten sind inselbekannt, und ich hoffe, auch bei den gefälschten Impfausweisen wird hart durchgegriffen. Jeder 38. Sylter ist mit Corona infiziert.

Nachdem erwiesen ist, dass die Polizei ihre Wasserwerfer in der jüngeren Vergangenheit oft direkt auf friedliche Pro-Impfschutz-Demonstrierende gerichtet hat und es bei auf Krawall gebürsteten Impfgegnern oft auf einer sanften Dusche von oben belassen hat, werden Kreise der Polizei hoffentlich umdenken, wenn ihnen von sog. Querdenkern, Reichsbürgern, und anderem rechtsradikalen Abschaum die Pflastersteine vermehrt um die Ohren geschmissen werden (wie gestern berichtet wurde).

Dass kleine Teile  demokratischer „Influencer“ mit objektiv nachweisbaren Unwahrheiten solchen Brandstiftern noch Argumente liefern, von dem FDP-Oldie Kubicki bis zu Stefan Aust  macht die Lage noch komplexer, und explosiver. Es sind Scheiss-Zeiten.

Ich freue micb auf zehn Tage Sylter Ruhe in dem von dir vermittelten Haus. Schade, dass Michael Naura nicht mehr lebt, er könnte abends zum Jazz aufspielen, und wenn dann noch Peter Rühmkorff dazu käme, wäre der Traum perfekt. Aber ich kann dort wenigstens in aller Ruhe die Jazzfacts für meinen Sender vorbereiten.

Ich freue mich auf die Sylter Leserunde mit Camus, und halte gerne meinen kleinen ZOOM-Vertrag zu seinem Klassiker „Die Pest“. Dass ich mittlerweile ein paar Klienten auf der Insel habe, und ihnen meine psychotherapeutischen Sitzungen offenbar zusagen, öffnet einige Optionen für die nähere Zukunft. Nur der Boss der Sansibar widerstand meinem Angebot, ihm das Rauchen abzugewöhnen. Was soll man da sagen?! Danke für die Erlaubnis, all das hier mit veränderten Namen zu veröffentlichen (wird Teil meiner Insel-Rundmails) – den Camus-Vortrag reiche ich eine Woche später nach. Wenn alles gut geht, sehen wir uns Sonntag. Übe schon mal den besten Eiergrog deines Lebens (Regression im Dienste des Ichs)!

M. – mit  westfälischem Gruss! 

 

v i d e o

 


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