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2011 25 Mai

Grabesgrün

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Ja, das Buch hat sicher schon jeder in einem Buchladen gesehen, pralle 700 Seiten dick, das Debut von Tana French. Gerne wird es gelobt für seinen lyrischen Schreibstil, was ihm die Weihen des literarischen Kriminalromans zuteil werden lassen soll. Richtiger ist, dass Tana French zwar sinnlich und phantasievoll schreiben kann (dabei stets eine genaue Beobachterin bleibt) – doch jederzeit kann die Sprache einen anderen Takt anschlagen, und alles Episch-Ausladende weicht einem schnelleren Rhythmus. Es ist die Geschichte eines Ermittlerpaares, das in der Nähe von Dublin im Falle eines Kindsmordes tätig wird. Geschickt mischen sich Elemente des Schauerromans mit dem eines klassischen Whodunits. Was diesen Roman weit über den Durchschnitt erhebt, ist eine permanente Doppelbödigkeit auf allen Ebenen. Rob, der männliche Part, ist einst knapp einem Mordanschlag entgangen (genau in der Gegend, in der nun, 20 Jahre später ein neuer Mord passiert). Cassie, der weibliche Part, hört gerne die Cowboy Junkies, und schleppt gleichfalls seelischen Traumen mit sich rum. Nie weiss man so genau, in welche Richtung sich die Dinge weiter entwickeln: romance, gothic, police? Die Handlung treibt mal vivace, mal piano voran, nichts wird unnötig in die Länge gezogen (eine Kunst bei soviel Seiten!) – alles ist ganz fein inszeniert und dabei kein bisschen gemütlich/betulich/altbacken wie in den Romanen ihrer Kolleginnen Donna Leon oder Elizabeth George.

So nenne ich ihn manchmal am Telefon, und weit weg ist das nicht von seinem Original-namen. Ob er mal ein Manafonista wird, weiß ich nicht, ein Cronnopium ist er schon lange, und wer Zweifel hat, möge Julio Cortazar aus der Bibliothek holen und seinen Geschichten-band „Von Cronopien und Famen“ lesen. Gregory hatte schon mal – ist etliche Jahre her – den anonymitätsbesessenen Schriftsteller Thomas Pynchon nach Stuttgart eingeladen; das lokale Feuilleton war ausser Rand und Band. Er verfügt über eine atmeraubende Sammlung an alten Radios (die mit dem grünen Auge sind auch dabei!) und eine Jukebox, deren Anblick allein schon eine Zeitreise in Gang setzt. Einmal sassen wir spät abends beieinander, Gregory öffnete den Weinschrank, und wir legten die neueste Scheibe von Sunnnoo auf (mit der Anzahl der a´s und o´s komme ich immer noch durcheinander).Ein Fest für die Ohren, diese Mixtur aus Drones, wirklich spannendem Metalzeugs, und Free Jazz. Ein Gewitter zog über´s Haus weg, und schlug einem die Blitze nur so um die Ohren: es klang, als wäre das Wetter Teil der Musik.

Schwieriger wird es, wenn man mit ihm über Thriller redet; er nennt die Dinger immer Krimis, und spricht das so aus, als würde gleich Bill Ramsey hinterm Ofenrohr hervor kommen und „Ohne Krimi geht die Mimmi nie ins Bett“ singen (schön heiser, schön stimmungsvoll, und  der Fernseher springt an, und Klaus Kinski besorgt den Rest!). Da erinnere ich mich an lange Dikussionen: über den „literarischen Kriminalroman“, über den Thriller als experi-mentelle Form zeitgenössischen Erzählens, über all die Geschöpfe, die mit dem Bade ausgeschüttet werden. Es war ein großer Erfolg, ihn über die Jahre dazu zu bewegen, einige Thriller zu lesen (von Harlan Coben, Dick Francis und Don Winslow zum Beispiel). Trefflich streiten wir uns darüber, ob „Die dunkle Seite des Mondes“ totaler Mist ist(sagt er), oder einer der besten Romane von Martin Suter (sage ich). Eigentlich bin ich viel  störrischer: „seinen“ Peter Handke will ich nicht haben…  Nur eins musste ich ihm versprechen: daß ich eines Tages den Roman „Schweigen über Madrid“ lesen werde – ich werde es tun, lieber Gregory. Someday, over the rainbow…. gerne aber auch beginne ich (und das ist ein Lockangebot) geradezu umgehend mit diesen gewiss trübsinnigen Roman voller toter Laborratten, wenn Gregory Pecks hier,als special guest, in aller Ausführlichkeit erzählt, was passierte, als ich ihm Robert Wyatts letztes Album in die Ferien nach Südfrankreich nachschickte. Das ist noch besser als die Story mit Thomas Pynchon!


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