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Archiv: Merve Verlag

Ein Philosophieprofessor in Freiburg erzählte, er hätte ein Jahr lang Descartes´ „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ in der Jackentasche getragen, das Buch also immer bei sich gehabt und immer wieder darin gelesen. Was geschieht mit einem solchen Verstand? Und so sehe ich mich endlich gezwungen, zuzugestehen, dass an allem, was ich früher für wahr hielt, zu zweifeln möglich ist. verum aut falsum? vacuum! Work while you work, play while you play. Diesen Satz fand ich in seiner im Deutschen sehr muffig klingenden Variante in Reimform in meinem Poesiealbum und ich ärgerte mich schon als Kind darüber. Die Unterscheidung von Arbeit und Vergnügen entlarvte Adorno in No. 84 seiner „Minima Moralia“ (Reflexionen aus dem beschädigten Leben) als eine der Grundregeln der repressiven Selbstdisziplin. Die oft nur eine Seite langen gesellschaftskritischen Kurzessays atmen den Duktus des Großbürgerlichen, methodisch an der Dialektik geschult, sprachlich erkennbar am nachgestellten „sich“, das in bestimmten Frankfurter Kreisen in die Alltagssprache übernommen wurde: „Im Reich der erotischen Qualitäten scheint eine Umwertung sich zu vollziehen.“ (No 12). Wie wirkt es sich aus, wenn jemand die „Minima Moralia“ fünf Jahre lang unentwegt bei sich trägt? Peter Gente gründet einen Verlag und nennt ihn nach dem Vornamen seiner Frau Merve. Fragmente, Gespräche, Listen. Bis an die Grenze der Literatur. Revolution als Textarbeit. Gegen die systematische Philosophie. Drei Jahrzehnte lang, von 1960 bis zum Ende der großen Erzählungen, um das Jahr 1990 herum.

 
 
 

 


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