Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

 
 
 

Hi, Gregs, ja, was du mir über Janeks Robert Wyatt-Hommage schreibst, kann ich mir bestens vorstellen (ich könnte es in der Nachtsendung mit Genuss vorlesen), und freue mich darauf, die Musik erstmals auf der Insel im Norden zu hören, im Strandkorb eingemummelt. Mit im leichten Gepäck, was dadurch doch etwas weniger leicht wird, Marcus O‘Dairs Buch über das Leben unseres Meisters aus Louth. Das zapfe ich an, auch, um ein paar Anekdoten zu finden für meine „blaue Stunde“ über seine Lieder. Es heisst immer wieder, Rock Bottom sei sein bestes Album, aber für mich stehen sie fast alle auf einem Level. Jedes hat einen eigenen Zauber. Als ich ihm einmal aus der Toscana schrieb, wie sehr mich das Dämmerungslicht über den Hügeln südlich von Florenz (die Stadt liess mich kalt, da bin ich gerne Kunstbanause) an die Sphären seines Albums Dondestan erinnerte, schickte er mir eine Postkarte mit ein paar Gedanken zum Licht in den Bildern von Emil Nolde (es war ein Gedanke zum Licht, wenn ich mich recht entsinne, und etwas zu  Nolde und den Nazis). Tatsächlich hört man auf Dondestan genauso wie auf Rock Bottom den „tragenden Sound“ seiner alten kleinen Riviera-Orgel. Niemand anders als Michael Oldfield ermutigte ihn ja, bei seinem ersten grossen Wurf nach dem Fenstersturz, „Riviera“-Sounds übereinander zu schichten, um an Körper zu gewinnen. Und da fällt mir eine Kleinigkeit nach der andern ein. Auch du mit deinem schwäbischen Englisch würdest leicht in das Buch versinken, wir kennen die Platten so gut, dass die kleinen Geschichten ringsum Aha-, oder besser Ach-So-Effekte am laufenden Band produzieren. Der Jukebox von Hörnum werden drei Songs von Robert hinzugefügt: „At Last I Am Free“, „Soup Song“, und „The Sight of the Wind“. 😉 P.S. Am Freitag will Helge den ganzen Tag über „Schafe, Monster und Mäuse“ laufen lassen, Sven Regener kann es nicht lassen, und macht es einfach sooo gut. Darauf einen Eiergrog!

2018 3 Okt

As years go by …

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

 
 


 
 

 

Ach du meine Güte. Es gibt literarisch wertvollere Ausrufe. Da höre ich zum ersten Mal „Negative Capability“ von Marianne Faithfull, man denkt, man kennt ja den alten gediegenen Zauber ehrwürdiger gebrochener Stimmen, und dann so etwas, als würde die Patina der Rauchwaren abfallen – bin ich doch näher am Wasser gebaut, als ich je dachte? Das stelle ich sofort in eine Reihe mit „You Want It Darker“, und jeder der letzten Platten von Johnny Cash. Da dürfen einem ruhig ein paar alte Lieder verwandelt entgegentaumeln. Seltsam mitreissend und erschütternd zugleich. Meine Fresse. Willst du es noch dunkler, Amigo?

Auf die Frage, ob diese Lieder zu schreiben und singen, ihr helfen würde, antwortet sie: „It doesn’t help me! What is this? Fucking therapy? I wrote a song for Anita because I loved Anita. I wrote a song for Martin because I loved Martin. I do not write things to help myself.”

(Nachdem ich das ganze Album gehört hatte, war ich, trotz wenig Schlaf in der Nacht zuvor, hellwach. Da das Lauschen ungefähr so intensiv war, wie die letzte Folge der „final season“ von Sons of Anarchy, wollte ich noch ein kleines Gegengewicht hören, eine Art kalifornischer Leichtigkeit, und legte Homecoming von der Gruppe America auf, das Album war im November 1972 erschienen, und ist ein vollendetes Werk des West Coast-Folk Rock jener Zeit. Klasse! Und dann griff ich zum Weissmuster einer CD, die Anfang November bei ECM rauskommen wird – ein weiterer Glücksgriff, denn Florian Webers Lucent Waters ist ein unfassbar kraftvolles Album, nie in der Gefahr, in Schönheit zu sterben. Davon wird noch die Rede sein.)

 

„What Light There Is“ renders Janek Schaefer’s sublime deconstruction of Robert Wyatt’s jazz-fusion album, „Cuckooland“ [2003], paired with seven new, original pieces that share a captivating aura. Funny enough, the record will be released one week after my next radio night „Klanghorizonte“, but I will try to get it in advance, for good reasons: one hour of the night will be about Robert‘s songs.

(bk/me)

 

Continuing a series of releases reverential of significant British composers, writers and artists such as J.G. Ballard and John Tavener, Janek treats Robert Wyatt’s material with the same poetic license. What follows is an immersive, hypnagogic episode from the mental realm between waking life and dreamspace, gently teasing the pastoral loveliness of Wyatt’s music into a woozy, heavy-lidded parallel dimension.

As always with Schaefer’s work, the idea of nostalgia and the fidelity of memory is also key to the appeal of ‘What Light There Is Tells Us Nothing’. In the 21 minute title piece, commissioned by the Sounds New Festival in Canterbury and presented as a multi-channel radio installation, Schaefer revels in the profundity of Wyatt’s work with poignant slivers filtered into gaseous shapes suggesting a fleeting mix of pastoral glory and somnambulant melancholy comparable with the most striking Philip Jeck works, or the trace echoes of memory supplied by The Caretaker.

The other seven pieces follow with a more cinematic appeal, as though we’ve dozed off during a midday matinee programme in middle England and slipped into a silvery phantasy of medieval gallantry and posh English gentry, before nods to Schaefer’s Polish ancestry flicker into his nostalgic reverie via the bobbling loops and glitching chorales of his three ‘Corah’ pieces. Stunning.

 
(Written by the great guys from Boomkat)
 
 
 

 

 

EINSAMKEIT EINES ALTERNDEN STONES-FANS
 
 
Er latscht in den Diskshop und gleich

auf die Platte los, die er will, die neuen Stones.

Um ihn rum, Kopfhörer um die Ohren,

die 10 oder 15 Jahre jüngeren Typen,

die längst was anderes hören.

 

Die reglosen Gesichter

regen ihn auf,

diese Einsamkeit unter den Kopfhörern!

Er nimmt die Platte und

fühlt sich nicht sehr einsam.

Er weiß nur, er überschaut

den Plattenmarkt nicht mehr –

Diplom-Physiker, da habe ich andre Sorgen –

und weiß nicht, was ihn noch verbindet,

mit der, sagt er ironisch, nächsten Generation,

höchstens eine Demonstration, ein Joint,

etwas von dieser Mode.

 

Er sieht das Cover an:

gefällt mir eigentlich gar nicht, den Mick

solltest du wirklich langsam abschreiben,

aber sein Sound, den hat keiner mehr erreicht.

Und Mick sagts selber: Du wirst

irgendwann zu deiner eignen Parodie.

Dieser Satz geht ihm durch den Kopf,

während der vier Schritte zur Kasse, irgendwann

wirst du zu deiner eignen Parodie.

 

Erinnerungen kommen hoch:

die Stones im Hyde-Park damals,

da war ich mittendrin, da hat sich was

bewegt mit uns. Jetzt

fühlt er sich beobachtet. Jetzt

fühlt er sich überlegen: die hängen hier rum,

bei dieser immer schlechteren Musik,

leiden vielleicht an ihren Trips oder

an Langeweile, aber ich,

und er zahlt, steckt den Bon ein,

was hab ich alles mitgemacht

und weiß jetzt, was zu tun ist, ich!

So ein Gedanke, er sieht sich nochmal um,

ist das nun die berühmte Erfahrung des Alterns?

 

Und geht aus dem Laden

und geht zum Arzt, die Rückenschmerzen,

und abends die neue Platte mit

neuen Enttäuschungen, die

Vergangenheit ist Vergangenheit –

und nicht vorbei.

 

F. C. Delius

 

Der Tamarindenbaum ist einer der ältesten Kult- und Kulturpflanzen Ostafrikas: sie nährt, spendet selbst in der größten Hitze mit ihren Millionen winziger Blätter Schatten und ihr festes Holz läßt sich vielseitig verwenden. Der Legende nach sollen aus Tamarindenholz die ersten Marimbas gefertigt worden sein. Auf Kisuaheli heißt die Tamarinde Mkwaju und nach ihr hat sich ein japanisches Percussionensemble genannt, deren Erstlinge aus dem Jahr 1981 nun endlich und zum ersten mal auch bei uns wiederveröffentlicht wurden. Und um es schon einmal vorwegzunehmen: die beiden haben mehr als das Zeug zum Reissue of the year!

Das erste Album des Mkwaju Ensembles heißt schlicht Mkwaju und die Musik ist noch durchgehend von keinem geringeren als Joe Hisaishi komponiert, der viele Jahre später die Filmmusiken zu den grandiosen Studio Ghibli Zeichentrickfilmen, neben denen sämtliche Disneyfilme einfach nur flach und banal daherkommen, komponieren sollte. Als Hauptprotagonistin spielt die hier schon mehrfach erwähnte Midori Takada neben Yoji Sadanari und Junko Arase Marimba und Percussion. Und natürlich darf der, den Sound japanischer Popmusik in dieser Zeit durch sein subtiles Gefühl für Klangfarben und -räume prägende Hideki Matsutake nicht fehlen. Das ganze beginnt voller Wucht mit der vieteiligen Mkwaju Suite, in der man sich schnell mitten in der afrikanischen Savanne wähnt, wäre da nicht – ja was eigentlich? Irgendetwas stimmt hier nicht, zu minimalistisch? Zu viele asiatische Hörgewohnheiten subtilstens eingeflochten? Das was in Afrika spielerisch zelebriert wird in radikalster japanischer Konsequenz über- und durchgezogen? Aber mit fast artistischer Vitalität. Dann noch zwei Stücke Pulse In The Mind und Flash-Back die den konsequenten perkussiven Weltmusikminimalismus noch weiter auf die Spitze treiben. Die tausende kleinen Rhythmusverschiebungen der tanzenden Tamarindenblättchen würden sicherlich auch bei Steve Reich das Herz höher schlagen lassen. Dazu empfehle ich thailändisches Tamarindenkonfekt mit feinstem Salzakzent zu der säuerlich erdigen Grundnote.

Nur wenige Monate später erscheint dann das eigentlich Debütalbum des Mkwaju Ensembles Ki-Motion mit eigenen Stücken. Hier kommen Annäherungen an eher kantige Formen des Pop mit ins Spiel, irgendwo zwischen Proto-Techno und Post-Punk, ohne das archaisch Treibende zu verlieren. dazwischen mit dem Titelstück Ki-Motion und mit Air zwei überraschende Ambientstücke, die dennoch den Fluss des Albums nicht unterbrechen. Ki-Motion ist sehr viel japanischer als Mkwaju, noch vielschichtiger, spielerischer und schon ein bisschen auf die späteren Werke Midori Takada’s hinweisend, von denen hier noch auf das jüngst erscheinene kleine Stück Le Renaud Bleu, das sie mit ihrer Tochter Lafawndah eingespielt hat, hingewiesen werden soll. Zeitlose japanische Juwelen aus dem Tamarindenreich, deren Halbwertszeit noch lange nicht abgelaufen ist.

 
 
 

 

2018 28 Sep

Flying over Iceland

von | Kategorie: Blog | 1 Kommentar

 

over Reykjavik, the “smokey bay”

where W.H. Auden went

to discover the background

of all our songs,

where I myself was received

by the Mayor and the President

(600 miles an hour

30,000 feet

599 miles an hour

my old street number on Belmont Ave)

where I, a second-rater

by any estimation,

was honoured by the noblest

and handsomest people of the West

served with lobster

and strong drink,

and I never cared about eyes

but the eyes of the waitress

were so alarmingly mauve

that I fell into a trance

and ate the forbidden shellfish

 

 
 

 
 

2018 28 Sep

The Merzbarn fake

von | Kategorie: Blog | Tags: , | 2 Kommentare

 

Seit ich die email von Russell Mills gelesen habe, fühle ich mich wie in die Fälscherwerkstatt von Beltracchi versetzt. Kein Trost ist, dass ein Kunstkenner wie Werner Spies eingestehen musste, dass er einen gefälschten Max Ernst für einen echten gehalten hatte.

Für mich war der Merzbau von Kurt Schwitters in der Nähe von Ambleside der einzig „Übriggebliebene“, den ich unbedingt sehen wollte. Was habe ich da eigentlich gesehen?

 
 

Hi Lajla, 

glad to hear that you had a good visit to Ambleside and to the Armitt Museum, and that you discovered much more about Schwitters. If and when you next visit the Lake District I’d strongly advise you to avoid the Cylinders estate at Elterwater and the two charlatans (Ian Hunter and Celia Larne who work under the name the Littoral Arts Trust) that run the site. The so-called Merzbarn contains no work by or evidence of Schwitters‘ time here, despite Littoral’s claims to the contrary. The building itself, no more than a 1940s lean-to shed, has been altered so much since 2006 that there is nothing of its original structure left. Littoral have received in excess of £1 million in grants-much of it public taxpayers money – and the barn is still a near-derelict, damp shed. They cannot explain where all this money has gone. They have persistently distorted Schwitters´ legacy in the Lake District with outright lies about his time here, designed to get publicity, sympathy and ultimately more bailouts. Because of Littoral’s appalling behaviour and mismanagement of the site, the Arts Council, the Tate, the MoMa NY, the Hatton Gallery in New Castle, the Armitt, and Abbot Hall Gallery in Kendal all refuse to have anything to do with them. If you wish to learn more read various texts and letters on my website

All best wishes 

Russ

 
 

Es war früher Abend, als ich rausfuhr, um mir den Merzbau anzusehen. Der Busfahrer ließ mich vor dem grossen eisernen Tor aussteigen und meinte: „I pick you up in 30 minutes.“ Ich öffnete die schwere Eisentür und ging ein Stück am Wald entlang. Ich sah auf dem Weg Skulpuren, Collagen, die ich Kunststudenten zuordnete. In dem Stall/barn fasste ich die Figuren von Schwitters an und wunderte mich, dass sie nicht aus Stein waren, sondern ich fühlte einen harten Stoff. Plane? Ich wusste, dass Schwitters damals schon sehr krank war und nur noch stundenweise dort arbeiten konnte. Auf dem Rückweg zum grossen Eisentor sprachen mich – out of the blue – zwei elegante ältere Damen an, ob ich denn die Ausstellung gesehen hätte. Ich verneinte und machte klar, dass ich nur wegen Kurt Schwitters hier wäre. Ich war schon am Tor, als die Eine zu schimpfen anfing, wie ich überhaupt hierher gekommen sei. „By bus!“

 
 
 

Kurt Schwitters - "Portrait of Dr. George A. Johnston"

 
 
 

Dieses Gemälde hängt in dem kleinen Museum in Ambleside. Schwitters hatte seinen Arzt gemalt. Der ist echt.

 

2018 28 Sep

Sylvia

von | Kategorie: Blog | 1 Kommentar

Vor etlichen Tagen bekam ich eine Nachricht hier, bei den Kommentaren: „Vielleicht bist du mein alter Freund Michael Engelbrecht aus Dortmund (Notweg)? Ich lebe nicht in Europa. How could we get in touch? Sylvia.“ Ihre knappen Zeilen fanden sich im Echoraum eines Textes über frühe Kinoerlebnisse, insbesondere ging es um mein erstes und bislang einziges Anschauen des Films „Fata Morgana“ von Werner Herzog – ich antwortete zügig, fügte noch die eine und andere Anmerkung dazu, löschte sie wieder, weil sie zu direkt waren, zu anspielungsreich. Meine Emailadresse hat sie nun, eine Antwort kam nicht. Das alles liess meine Erinnerungen, die stets auch ein Stückweit Fantasien sind, auf Hochtouren laufen, zumal ich mir gar nicht klar war, um welche Sylvia es sich handelt. Es war sicher kein erfundener Name, dazu war die Ortsangabe zu konkret („Notweg“), alles deutete auf die Teenagerjahre, denn später war diese Strasse nicht mehr mit meiner Geschichte verbunden. Wer ist sie? Eine weitere Fata Morgana?

Als erstes kam mir eine Sylvia aus dem alten Kirchhörder Geldadel in den Sinn. Sie hatte einen Bruder, der obsessiv „Lola“ von den Kinks als Single kreisen liess, und wohnte in einem grossen alten Haus im Dortmunder Süden. Wie wir uns kennenlernten, weiss ich nicht mehr genau, wahrscheinlich tauchte sie öfter im Jugendzentrum der Patroklus-Gemeinde auf, in dem wir bei schummrigem Licht Platten auflegten, Bier, Wein und Sprudel tranken. Seltsamerweise weiss ich noch genau, wie ich an einem Abend Don Sugarcane Harris‘ Album „Fiddler On The Rock“ auflegte, mit einer entfesselten Version des Geigers von „Eleanor Rigby“. Ein- oder zweimal war ich auch in dem Haus von Sylvia. In meiner Erinnerung ist sie ein warmherziger, offener, intelligenter Mensch, nicht die Spur arrogant, aber wir kamen uns nie sehr nahe. Weder trafen wir uns abseits der jeweiligen Cliquen, noch hatten wir irgendwas miteinander.

 
 
 

 
 
 

Dann gab es eine zweite Sylvia, vor Gericht beschwören würde ich nicht, dass sie Sylvia hiess und heisst, aber ich glaube schon. Eine sehr flüchtige Zeit. Ich war entweder halb verbandelt mit einer Ulrike U., oder notorisch liebesunglücklich, jedenfalls hatte ich keine besonderen Empfangsantennen für Sylvia 2, die mir sehr zugetan war. Sie hatte blondes Haar, klare, blaue Augen (wie kann ich mich an das Blau erinnern, wo ich doch nie in ihrem Blick versunken bin?), und sie klingelte einmal an der Tür am Notweg 11. (Sylvia 1 war meines Wissens nie bei mir daheim.) Hatte ich da keine Zeit, oder sind wir einen Kaffee trinken gefahren, ich weiss es nicht mehr. Der Vater von Sylvia 2 war, glaube ich, Rechtsanwalt, und sein Chauffeur fuhr sie an jenem Tag bei mir vorbei, sie kam spontan, es war ein feiner Annäherungsversuch, für den sie viel Mut gesammelt haben muss. Habe ich ihr an der Tür gesagt, dass ich leider keine Zeit habe? Ein anderes Mal besuchte sie mich (ich kreise das Datum ein) im April oder Mai 1974 in Münster, schellte dort, an einem sehr sonnigen Tag, wo ich eine Studentenbude hatte, und Damenbesuch am Abend untersagt war. Was wir genau unternommen haben, weiss ich nicht, aber wir haben nie miteinander geschlafen, und auch gross geküsst haben wir uns wohl eher nicht. Vielleicht einmal. Umso wehmütiger im Rückblick, denn sie war unglaublich herzenswarm, und sie sah klasse aus. As days roll by.

Wer war nun die Sylvia, die sich bei mir vor kurzem meldete, und mir, womöglich aus den USA, eine Nachricht zukommen liess? Je mehr ich darüber nachsinne, desto unsicherer werde ich. Die Bezeichnung „mein alter Freund“ ist eine sehr freundliche Umschreibung, aber wird keiner meiner Beziehungen zu Sylvia 1 und 2 annähernd gerecht. Beide Begegnungen waren ohne Dauer und vorübergehend in jeder erdenklichen Weise. Und ein zusätzlicher Beleg dafür ist, dass nun scheinbar nichts mehr nachkommt, ihre Identität wohl ein kleines unaufgelöstes Rätsel bleiben wird. Man kennt das: googelnderweise begibt man sich auf die Suche nach alten Namen, nimmt eine Spur auf, und weil doch alles letztlich so unverbindlich ist und war, lässt man die Spur auch wieder erkalten, freundlich, nichtssagend und nichts sagend. Nennen wir es kalifornische Freundlichkeit. Ich tippe auf den alten Kirchhörder Geldadel, und der Detektiv in mir muss dies wohl nun unter den ungelösten Fällen abhaken. Es kann sogar sein, dass es eine dritte Sylvia gibt, ein kurzes Bündnis einander grundfremder Wesen, einen Abend und drei Langspielplatten lang. Ich habe keine Ahnung.


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