Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

 

 
 
 
Wir müssen ja Karl Marx nicht wörtlich folgen und den Fisch selber fangen. Aber ihn dann zu Mittag selbst zuzubereiten, liegt sicher in der gemeinten  Denkrichtung.
 
 
SEELACHS IM SENFMANTEL
 
4 Seelachsfilets

8 Eier

8 EL Senf (ich nehme den von Uwe mitgebrachten aus Schwerte)

1 Teelöffel Honig

1 Prise Salz und Pfeffer

Etwas Mehl und Öl zum Braten
 
(FÜR 4 PERSONEN)
 
 
Und dann empfiehlt Herr Marx, nach dem Essen zu kritisieren.
 
Ich habe für Euch gelesen:
 
Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst
 
Ich habe die Bücher von Lanier gerne gelesen. Er war von Anfang an dabei, war Gründer und Insider im Silicon Valley. Er ist  Computerwissenschaftler und – bitte kritisch beachten – arbeitet für Microsoft. In seinem neuen Buch geht es um Datenmissbrauch und wie wir mit Social Media unser Verhalten modifizieren.
 
Ich zitiere:

In sozialen Medien ist die Manipulation sozialer Gefühle die einfachste Methode, um Bestrafung und Belohnung herbeizuführen (S.27…)

BUMMER (= Behaviors of Users Modified, and Made into an Empire for Rent) in etwa: Verhaltensweisen von Nutzern, die verändert und zu einem neuen Imperium gemacht wurden, das jedermann mieten kann. (S.43 …) Lanier unterteilt in 6 Komponenten:
 

Die Arschloch Herrschaft
 
– Totale Úberwachung

– Aufgezwungene Inhalte

– Verhaltensmodifikation

– Ein perverses Geschäftsmodell

– Fake People
 
 
Dazu ein Beispiel von Lanier selbst auf S.64:
 
Für eine Weile war ich Top Blogger der ‚Huffington Post‘, immer auf der Startseite. Aber dann stellte ich fest, dass ich wieder in die altbekannten Muster verfiel, wann immer ich die Kommentare las. Ich schaffte es nicht, sie einfach zu ignorieren. Bei solchen Gelegenheiten fühlte ich eine merkwürdige, verhaltene Wut in mir aufsteigen, manchmal auch einen absurden, glūhenden Stolz, wenn es den Leuten gefiel, was ich geschrieben hatte -selbst wenn das, was sie schrieben, eher verdeutlichte, dass sie sich nicht ernsthaft mit meinem Text beschäftigt hatten. Die Autoren solcher Kommentare suchten hauptsächlich Aufmerksamkeit für sich selbst …

S.77 Was wir brauchen, ist irgendetwas, das jenseits der sozialen Angeberei real ist. … Falls du auf Online-Plattformen aktiv bist und dabei etwas Unerfreuliches in dir selbst bemerkst – eine Unsicherheit, ein geringes Selbstwertgefühl, den Drang, jemanden zu attackieren: dann verschwinde von dieser Plattform.

S.94 Postings von Frauen werden häufig auf groteske Weise aus dem Zusammenhang gerissen, um sie zu demütigen, bloß zu stellen oder zu belästigen.

„Social Media tötet dein Mitgefühl “ S.107 …) Du kannst jdn. nicht verstehen, wenn du nicht zumindest ein bisschen was darüber weisst, was er erlebt hat.

S.124 BUMMER drängt mich in die Position eines Untergebenen. Schon seine Struktur ist eine Demütigung …

S.152 Ich werde also erst dann ein Nutzerkonto bei Facebook, Google oder Twitter anlegen, wenn ich dafür bezahlen darf -und wenn ich das eindeutige Recht an meinen eigenen Daten habe und den Preis für Sie SELBST FESTSETZEN kann …
 
Und zum Schluss die Frage an Karl Marx: Wann sollen wir Musik hören?

Ich höre seit zwei Tagen immer Ray Davies: Our Country, besonders The Getaway.

Es waren die liner notes von Jon Hassell zu seinem Album „Dream Theory in Malaya“, und ein Artikel von Prof. Paul Tholey, die mich Einst auf die Spur der luziden Träume brachten. Es öffnete sich eine Erfahrungswelt jenseits meiner Vorstellungskraft, und das, obwohl ich während des Psychologiestudiums, in der Schlaf- und Traumforschung,  sowie Traumdeutung, einiges an Ausbildung und Praxis gesammelt hatte. Bis dahin war das Luzide Träumen weitgehend bloss an einer kalifornischen Universität erforscht worden, von Stephen LaBerge.

Trotz meiner nicht ganz so bescheidenen didaktischen Fähigkeiten scheinen die wenigsten Menschen, denen ich von luziden Träumen (synonym mit Klarträumen) erzähle, zu begreifen, was Klarträume sind, selbst wenn ich es anschaulich ausführe, mit Beispielen, mit einfachsten Analogien. All diese Menschen sind überdurchschnittlich intelligent, wissbegierig und neugierig. Ich glaube, es gibt eine Sperre, sich ausserhalb der eigenen „Konzepte“ zu bewegen. Man verschliesst sich dem Neuen, weil man sich in den Schwungrädern eigener „patterns“ gut aufgehoben fühlt.

Folgendes Unverständnis erntete ich im Laufe der Jahre: luzide Träume seien wie LSD nehmen, luzide Träume seien besonders intensive Träume, luzide Träume seien wie Kino, man sähe „von aussen“ zu, und erkenne, dass auf der „Leinwand“ ein Traum ablaufe. Luzide Träume seien absolut gefährlich, weil man ins Unbewusste eingreife. Alles Unsinn. Dies ist übrigens eins der besten Bücher für Ensteiger:

 
 
 

 
 
 

Nun muss man nicht  auf dieses Thema abfahren, aber grosses Unverständnis ist die Regel. Dass man im Traum (via Übungen am Tage, oder Übungen am frühen Morgen, vor den längsten R.E.M.-Phasen, evtl. mit Hilfe von bestimmten Nootropica) klares Bewusstsein erlangen, und dann die „unglaublichsten“ Dinge initiieren kann (!!!), hellwach im Traum (!!!), wird wie ein  „Exotikum“ wahrgenommen. Eine Story.

Im normalen Traum, man könnte ihn auch „Trübtraum“ nennen, ob wir nun Traumerinnerung trainieren, oder Träume nur gelegentlich erinnern, hält jeder das, was er träumt, w ä h r e n d  er träumt, für r e a l, obwohl es oft völlig abstrus ist. Man mag den grenzenlosesten Irrsinn träumen, man hält es für die „schlichte Wahrheit“, man hält sogar den wahnsinnigsten Alp für real, statt den Realitätszustand im Traum zu überprüfen, und dann das klare Erwachsenenbewusstsein „anzuknipsen“. In den letzten fünf Jahren habe ich bloss zwei „humans“ gefunden, die hochmotiviert waren, das Klarträumen zu lernen. Erstaunlich.

 

„In other words, following the old dream theory of Senoi (unknown to Freud and Associates), and modern, scientific dream studies: in a lucid dream you’re director, actor, and you create the events with an improvised  script in your mind, always ready to face  the unexpected! And, yes, you are fully awake, inside the dream world.“

 

2 – Mein erster Klartraum

 

Ich stehe im Rombergpark, am Anfang des Rundweges, es ist ein herrlicher Sommertag. Ich stelle mir die Frage, ob ich wache oder träume, und ein Schauer fährt durch mich hindurch: ich träume, ich bin bei klarem Bewusstsein, und weiss, dass mein Körper in Bergeinöden im Bett liegt. Glücksgefühle schiessen durch jede Zelle meines Traumkörpers, der sich völlig real anfühlt. Ich sehe, wie die Sommerblätter zittern im Wind, und bin berauscht von dem Zustand. Da fällt mir ein, dass ich ja im wahren Leben tottraurig bin, und was ich im ersten luziden Traum machen wollte. Einen weisen Mann um Rat fragen. Da hinten kommt ein Jogger, ein Muskelpaket, so stellte ich mir einen Ratgeber nicht vor. Als er an mir vorbeilaufen will, rufe ich ihm zu: „Hallo, können Sie mal kurz anhalten?“ – Was ist? – „Passen Sie auf, das hört sich verrückt an, Sie sind in meinem ersten Klartraum.“ – Das interessiert mich nicht. – „Gut, klar. Aber ich möchte Ihnen eine Frage stellen: was kann ich tun, damit H. zurückkommt?“ Nachden ich diese Frage gestellt habe, verwandelt sich sein Kopf vor meinen Augen in eine Schwarzweissfotografie des Gesichts der Wölfin, und dann in einen Totenkopf. Ich erschrecke mich und wache in meinem Bett auf.

 

 

3  – Mein kreativster Klartraum

 

Nachdem ich in Berlin genug Gelegenheiten für „reality checks“ hatte, war ich heute fest entschlossen, meinen ersten luziden Traum 2017 zu erleben. Nachdem ich genügend Schlaf für die langen R.E.M.-Phasen gesammelt hatte, stand ich gegen 6.30 Uhr auf, schaute entspannt in die bitterkalte Nachtlandschaft, schrieb einen Kommentar zu meinen Berlin-Notizen, nahm die von Thomas Yuschak empfohlene Kombination von Galantamine und Choline ein, verdunkelte die Jalousien vollständig und machte mich an die mentalen Übungen, die Thomas Yuschak en detail beschreibt, um bei klarem Bewusstsein in die Traumwelt einzudringen. Es gelang, Wahnsinn, eine seltsame „Klarträumerei“, weil ich zwischendurch öfter meinen realen Körper zu spüren meinte, und mich besonders in der langen Anfangsphase, die ich hier nicht gross beschreibe, immer wieder in den Traum „hineinkämpfen“ musste.

 

Wenn man bewusst in die Traumwelt und den Traumkörper schlüpft, beginnen viele dieser Träume im Schlafzimmer, das aber nicht das reale physische Schlafgemach ist, sondern ein nachgebildetes. Da lauern viele Gefahren eines „falschen Erwachens“, aber genug der Vorrede. Immer wieder erhaschte ich Schlaftraumbilder, während ich noch meinen physischen Körper fühlte.

Dann war ich in der Traumwelt. Ich sagte laut zu mir, dies sei nur ein Traumschlafzimmer, öffnete die Tür, schloss meine Augen und gab mir den Impuls, nun durch das grosse Glasfenster hindurch zu schweben. Ich hielt die Augen weiterhin geschlossen und wünschte mir, in einen warmen Sommertag hineinzufliegen. Ich spannte meine Arme breit und erhob mich in die Lüfte, in gemächlichem Tempo. Als ich die Augen öffnete, war ich überrascht, denn es waren zwar gefühlte 22 Grad, aber tiefe Nacht am Rande eines Waldes.

Ich flog nur eine kurze Weile, dann erblickte ich eine Vorstadtsiedlung, die mich im Nachhinein entfernt an den Weissdornweg in Dortmund erinnerte, wo ich zwischen meinem fünften und zehnten Lebensjahr lebte. Im Traum sah ich wie zwei, drei Löwen (!) sich auf den Weg zu mir machten. Ich sagte zu ihnen: „Ganz ruhig, Jungs. Ich bin in friedlicher Mission.“ Die Löwen verlangsamten ihren Gang und hockten sich hin.

Ich betrat ein grosses Haus, in dem sich offensichtlich viele junge Leute zu einer Party versammelten. Mein Traum-Ich wird wohl auch so um die 18 gewesen sein, und ich dachte, es wäre Zeit für ein erotisches Abenteuer. Also rief ich in die Runde: „Wo ist meine alte Schulliebe?“ Plötzlich riefen alle Anwesenden im Chor: „Wo ist meine alte Schulliebe? Wo ist meine alte Schulliebe?“ Das schwarzhaarige Girl neben einer Musikanlage schaute wohl (ich konnte ihre Augen nur ahnen, weil ihre Ponyfrisur das meiste verdeckte) in meine Richtung, ich ging zu ihr und fragte, ob ich sie küssen dürfe. Endlich konnte ich ihre Augen sehen, die allerdings ein wenig asymmetrisch angeordnet schienen. Wir umarmten und küssten uns, und ich spürte den schönen Anfang einer schönen Empfindung.

Ich freute mich total über das Bewusstsein, in einem Traum zu sein, hielt die Hand des Girls und rief in die Runde: „Es ist ja gar keine Musik zu hören, ich möchte gerne einen neuen Song von Brian Eno hören.“ Ich wiederholte den Wunsch innerlich, um ihm Nachdruck zu verleihen, und plötzlich erschall Brians Stimme aus der Anlage, nicht sonderlich laut, aber gut zu hören. Es war ein melodisches Lied, mit sanfter Polyrhythmik, stilistisch der Zeit von Before and After Science zuzuordnen. Ein absolutes Glücksgefühl durchrauschte mich, und ich konzentrierte mich so sehr auf das Lied, dass ich meine „alte Schulliebe“, die nicht annähernd so aussah wie meine alte Schulliebe (Jutta K.) vergass, und mich voll auf die Musik konzentrierte.

Im Klartraum ist ja das kritische Bewusstsein voll auf Touren, und so konnte ich, ganz und gar der Musikjournalist, feststellen, dass der Song eine Granate ist, dass er nicht die Coverversion irgendeines anderen Liedes ist, sondern „vintage Eno“ – nur, dass Brian dieses Lied nie aufgenommen oder komponiert hat. Vielleicht währte der Song drei Minuten. Im luziden Traum kann man die Realzeit sehr gut einschätzen. Danach hatte ich das Gefühl, in meinen schlafenden Körper zurückgezogen zu werden. Aber was für eine Freude!

 

 

 

 

This is one seriously beautiful album – intimate in scale yet spacious enough to fill a big room … In the end, this feels like a packet of love letters, delivered in whispers.

Tim Campbell, Minneapolis Star Tribune

 

Das MHQ musste eigentlich schneller handeln, aber es dauerte Monate, bis das Team aus dem Elfenbeinturm reagierte. Man wollte es kaum glauben, man sichtete und sondierte, und es wurde immer klarer: die ganz und gar grossartigen TV-Serien der letzten Jahre haben Standards gesetzt, denen die Gegenwart hinterherhinkt. Natürlich wird es auch weiterhin immer wieder mal erstklassige Serien geben, aber kaum in der power spot-Häufung  vergangener Jahre – sie werden wie „Ausreisser“ daherkommen. Keine einzige 5-Sterne anno 2018. Die letzten überragenden Serienabenteuer waren Little Big Lies, dann dieser unfassbar gute, siebteilige Western, dem John Ford aus dem grossen Jenseits salutieren würde, gewiss auch die bittere Abrechnung mit US-amerikanischer Klassenjustiz, und einem Detective Fish, der die grosse Ahnenreihe der Marlowes und Spades bereicherte – sowie, kleiner Kalauer, das Beste kommt am Schluss. Auch Stranger Things 2 war noch richtig gut, aber weiterhin und dauerhaft über „Zweitbestes“ berichten zu wollen, ist nicht so prickelnd. Darum verschwindet die Rubrik „TV Series of the Month“ ab August von unserer Empfehlungsliste, und singuläre Begeisterungen werden entpannter Teil des „Blogtagebuches“ sein. Sons of Anarchy, Mad Men, Game of Thrones, Lost, The Leftovers, Justified, Halt And Catch Fire etc etc – those were the days. Es gibt eine Ironie in dieser Geschichte. Die Revolution begann (um dann eine Zeitlang kreativ zu verschnaufen), mit Twin Peaks und The X Files – und sie endete, im Grunde, mit David Lynchs tollkühner Zumutung und Hammerserie Twin Peaks – The Return.

Donnerstagabend, die abendliche Fahrt im Sammeltaxi nach der Arbeit nach Hause. Im Fahrzeug auf der Rückbank hinter mir ein älterer Herr. Das allgegenwärtige Thema „WM“. Die immer wieder vorgebrachte These, dass, wer die Nationalhymne nicht mitsingt in diesem Land, in dieser Mannschaft keinen Platz habe, keinen Platz haben darf. Die auf meine Gegenfrage, ob denn, wer in der Kirche am Lautesten mitsingen würde, dann auch der Gläubigste im Kirchenschiff sei, und ob nicht seine Generation sich mit der lautstark von allen mitgesungenen, unseren Nationalhymne auskennen würde, einsetzende Stille im Fahrzeug: unbezahlbar. #justsayin‘

 
 

 
 

 
 

„So endet die Welt also: Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern. Es gibt Ereignisse, die so apokalyptisch sind, dass man meint, dass sie nicht einfach passieren werden. Man denkt, sie werden durch ein Donnergrollen angekündigt, durch Eulen, die Falken fangen, durch Pferde, die sich selbst essen. Zumindest sollte da ein bisschen Wut sein, ein vereitelter Versuch, während die Energie schwindet. Und doch ist Deutschland ohne den Hauch des Widerstands erstmals in 80 Jahren in der Vorrunde ausgeschieden. Es gab keinen Sturm, es gab keinen Drang.“

 

(The Guardian)

 
 

2018 28 Jun

American Utopia

von | Kategorie: Blog | 4 Kommentare

 

 
 
 

American Utopia is not the fantastic album I had hoped it would be (even though Eno had some influence on it, and even though I find it mostly entertaining and enjoyable), but as I was way too young to go to rock concerts when the Talking Heads existed as a band, I decided to see David Byrne’s current, and highly praised, world tour stopping in Berlin, less than ten minutes from where I live.

It is impressive to see how contemporary these songs, which were written and recorded 35 to 40 years ago (I Zimbra, The Great CurveBorn under Punches, Slippery People etc.), sound more contemporary today than songs by many bands of the last 20/25 years – even though they are being performed very true to their original Talking Heads versions – though with very different, and mostly much younger [younger than me], musicians, like guitarist Angie Snow and bassist Bobby Wooten and lots of percussionists.

The new songs sound better in their live versions than they do on the album, in particular Doing the Right Thing, which they turned into a heavy rock number with metal-like guitar sections, and also the weird opening song I Dance Like This with its funny noisy sections. Still, most of the more recent Byrne songs come across a lot more conventional than the old Talking Heads hits, which the audience greeted and danced to enthusiastically. They must have appeared experimental and out-of-this-world in 1979/1980, but they still sound more modern than rather nice pop tunes like Every Day is a MiracleBullet and Like Humans Do. Even Blind from Talking Heads‘ final album (1988) sounded more energized (and energizing).

Excellent show with a minimal stage design and 12 musicians moving across the whole stage for the duration of the performance. If one wasn’t able to experience the Talking Heads live (apart from the remastered Stop Making Sense re-release in movie theaters some years ago), these performances of Remain In Light and Fear of Music songs must be as close as one can get in the 21st century. Looking forward to the live recording.

 

 

Jeder, der sich für Jazz / Musik interessiert, kommt in diesen Wochen an dem Cover der neuen Platte von Kamasi Washington nicht vorbei. Wir werden uns hüten, es hier nochmals aufzutischen. Offensichtlich sind da beträchtliche Werbegelder im Spiel, und die Musikkritik zeigt sich überschwänglich. Wer so blöd ist, da gleich den neuen Coltrane wahrzunehmen, wie des öfteren passiert, anlässlich des kräftig gehypten Debuts, nimmt sich selbst aus dem Feld. Was ich über die Musik lese, ihren Mut zum Pathos, zum grossen Klangtheater, etc., lässt mich eher zaudern, sie anzuhören. Das Schlimmste ist das Cover von „Heaven and Earth“: als könnte der aufgebrezelte Kamasi über Wasser gehen. Ein Götterbote, mindestens. Pseudomystischer Overload. Wie sehr mag ich dagegen ein ähnliche Motiv ohne posierendes Ego: die vier Luftballons auf dem Cover von Keith Jarretts „Belonging“.  Und wie sehr schätze ich, im Kontrast zu Kamasis Kitsch, das Cover der neuen CD von Graham Nash (Gregor öffnete seinen Plattenschrank dazu, vor Tagen): ein Junge schaut mit seinem Fernrohr auf ein riesiges Naturpanorama. Beide Bilder inszenieren Natur, aber bei dem Cover der übrigens betörend schönen Arbeit („Over The Years“), Demo-Versionen bekannter und weniger bekannter Lieder des alten Barden, spielen Staunen und Nostalgie auf durchweg sympathische Art mit, und die Lieder zahlen diese Mixtur aus Einfachem und Profundem mit Mehrwert zurück, und vollkommen reduziert. Was für eine Zeitreise, ohne Prätention und Zirkusgehabe. (Und wie ich die Musik von K.W. wohl empfinde, nach dieser Vor-Urteilsbildung, sollte ich sie wirklich einmal hören!?). Und wenn diese zwei Cover auf so unterschiedliche Art mit dem Motiv „grandioser Natur“ umgehen, wie umschattet wirkt da die Bebilderung des Soloalbums von Stuart Staples – auch da taucht der Himmel auf, in einem Bild von Suzanne Osborne. Ursprünglich wollte Claire Denis Suzannes Serie von 365 Ölgemälden, mit dem Himmel als durchgehendem Raum, in einen Film verwandeln. Als Langzeitlauscher der Tindersticks wartet „Arrhythmia“ daheim auf mich, ich kenne keine einzige Komposition, ahne aber, dass die Musik bestens passen wird in die Klanghorizonte im August, vor oder nach zwei, drei Stücken der kommenden CD von Tord Gustavsen. Von der ich gleichfalls noch keinen Ton gehört habe.


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