Manafonistas

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2023 14 Feb

Seuchentagebuch

von: Olaf Westfeld Filed under: Blog | TB | Tags: , , 6 Comments

 

Von der Seuche befallen war ich eine gute Woche ausgeschaltet und bin zu nichts gekommen. Viel Zeit im Bett gelegen, mehr Ibuprofen gefuttert als im gesamten letzten Jahr, tags geschlafen, nachts gewälzt, gefroren. Zwei Krimis von Volker Kutscher gelesen, Marlow und Olympia. Das langsame Tempo hat es mir erlaubt, den Handlungsfäden auch mit matschigem Kopf halbwegs zu folgen, die Tatsache, dass ich einige der vorherigen Romane nicht kannte, hat wenig ausgemacht – wobei ich mich schon gefragt habe, woher Charlie und Gereon auf einmal ein Pflegekind haben. Irgendwann, als ich noch nicht gesund war, es mir aber schon etwas besser ging, habe ich mir noch einen Cormoran Strike Roman auf das Tolino geladen, Lethal White. Auch hier hatte ich den unmittelbaren Vorgänger nicht gelesen, was ich bei der Entscheidung für das Buch nicht auf dem Zettel hatte, aber wieder nicht sehr erheblich war. Die beiden ersten Krimis hatten mir schon gut gefallen, Robert Galbraith / J.K. Rowling kann wirklich gut schreiben, was Sprache, aber auch Charakterzeichnung und Handlung angeht. Lethal White fand ich noch etwas besser – ein sehr guter Krimi.

Musik habe ich komischerweise kaum hören können, wobei das wahrscheinlich immer noch vergleichsweise viel war. Am häufigsten liefen drei Alben von Steve Tibbetts, Yr, Northern Song und Exploded View. Das mittlere Album – Northern Song – gefällt mir am besten. Eine Meditation über die Räume zwischen den Klängen, die Stille zwischen den Tönen, die Verhältnisse zwischen Ruhe, Klang und Musik. Aber auch die anderen beiden Alben sind wunderschön: ineinander verflochtene Melodien, unterschiedliche Schattierungen von Klängen, eine Mischung von elektronischen und akustischen Instrumenten aus verschiedenen Kulturen. Diese Musik ist wie ein sonderbares Rätsel, dessen Lösung man immer wieder neu erfinden muss. (Die Beschreibung der Musik von Herrn Tibbetts hat mir in Teilen ChatGPT geliefert).

 

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6 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Kenne keines dieser Bücher, aber natürlich alles Sachen von Tibbetts. Als wir ums einmal in Dortmund trafen, 199O oder 91, sassen er, sein trommelnder Freund, meine Ex und ich in einem Retstaurant, und die beiden waren rückblickend am glücklichsten mit BIG MAP IDEA. War ja auch ihr aktuelles Werk.

    Musiker sind nicht immer die besten Kritiker ihrere eigenen Werke, aber es hatte auch eine privaten Hintergrund. EXPLODED VIEW war sowas wie ihr break up Album ohne Worte, denn ihr privates Leben, Love and all, flog ihnen damals um die Ohren, und das färbte wohl auf die Wahrnehmung der LP ab. Ich mochte die Scheibe auch sehr.

    Das Buch, auf das ich gerade am heissesten bin, ist ANGST UM ALAFAIR von James Lee Burke. Ich bin Fan des Robicheaux-Bücher, und nir meine gute Freundin Ulrike hat noch mehr Burkes gelesen….dicke Schinken…bei mir sind da Leseräusche garantiert, auch, weil er so toll schreibt.

    Muskikalische Narretei: JOES GARAGE, die fantastisch klingende Reissue mit drei LPs. Ich bin kein sooop grosser Zappa Man, aber ein Fan dieses wilden schrulligen verrückten Konzeptalbums geworden. Da begeistert mich zu meiner Überraschung alles am diesem Album. Ich habe auch die Surroundfassung von Waka Jawaka und meiner bisherigen Nummer eins, The Grand Wazoo bekommen, aber der grosse Wazoo zündete nicht mehr so, keine Ahnung, warum.

    Durch Mark S habe ich JG wiederentdeckt:

    https://audiophilereview.com/audiophile-music/zappas-joes-garage-gets-past-masteringpressing-issues-fixed/

    Get super well soon!

  2. Lajla:

    Da die Stille hier zuletzt mehrfache Erwähnung fand, möchte ich meine aktuelle Lektüre kurz hinzufügen. Das Buch „Eine Zeit der Stille“ beschreibt das Mysterium derselben, wie man langsam den Geist zur Ruhe bringt und eine Art Glückseligkeit erlebt. Patrick Leigh Fermor, ein englischer Reiseschriftsteller, war zu Gast in Klöstern.

  3. Michael Engelbrecht:

    Frank Zappa und die Stille. Ein weites Feld, typisch für Zeiten des Drömmelns, wenn man flachgelegt ist, und kunterbunt rummacht.

  4. Martina Weber:

    „Northern Song“ lief im Jahr 2015 sehr oft auf meinem Plattenteller. Aus dem Manafonistas Head Quarter habe ich mit Steve Tibbets ein kleines Interview zur Entstehung des Covers geführt, voilà:
    https://www.manafonistas.de/2015/05/03/the-story-behind-one-of-the-most-famous-ecm-covers/

    Get well soon!

  5. Olaf Westfeld:

    Danke für die Wünsche! Super gut geht es mir noch nicht wieder – immer noch ziemlich erschöpft – aber ich bin seit Samstag negativ und arbeite auch wieder. Aber die Infektion war wahrlich kein Spaziergang, klebte wie Pech im Gewebe.

    Passt gut, dass Exploded View ein break-up Album ist, es ist unruhig – zerrissen – nervös. Und großartig (wenn auch für mich nicht ganz so wie Northern Song). Big Map Idea ist leider auf LP nicht leicht zu finden und kostet dann auch schnell mal €50,-.

  6. Michael Engelbrecht:

    Es lohnt sich die 50 Euro zu investieren, Olaf, haha. In der Platte findest du nämlich auf gutem stabilem Papier, ein Interview von mir mit Steve, sozusagen beiliegende liner notes. Bekam damals 500 Mark dafür!


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