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2022 6 Dez

Die Top 2022 aus Pittsburgh

von: Jan Reetze Filed under: Blog | TB | 5 Comments

 

1. Daniel Lanois: Player, Piano
2. Klaus Schulze: Deus Arrakis
3. Brian Eno: Foreverandevernomore
4. Esbjörn Svensson: Home.S
5. Björk: Fossora
6. Michael Wollny Trio: Ghosts
7. Stromae: Multitude
8. Wolfert Brederode, Matangi Quartet, Joost Lijbaart: Ruins & Remains
9. Steve Reich: Reich/Richter
10. Creedence Clearwater Revival: At Royal Albert Hall, April 14, 1970

 

Auch gut:

Weyes Blood: And In The Darkness, Hearts Aglow
Roger Eno: The Turning Year
Gong: Pulsing Signals
Jean-Michel Jarre: Oxymore
Geir Sundstol: The Studio Intim Sessions, Vol. 1

 

Wiederentdeckt:

 

 

Anouar Brahem: Blue Maqams (2017)
Redbone: Very Best (1991)
Yukihiro Takahashi: Neuromancer (1981)
V.A.: Festival Express (Film, 1970)

 

Die Doppel-DVD „rockumentiert“ die Tournee etlicher Gruppen durch Kanada, die 1970 stattfand: Grateful Dead, Janis Joplin, The Band, aber auch Acts, die heute so gut wie unbekannt sind, etwa Buddy Guy, die Flying Burrito Bros, Ian & Sylvia’s Great Speckled Bird, Mountain, Delaney & Bonnie & Friends. Das ist fast interessanter noch als der Woodstock-Film, wie erleben hier nicht nur die Konzerte, sondern auch die Zugfahrt von einem Festivalort zum jeweils nächsten. Dazu gibt es heutige Statements von einigen der beteiligten Musiker, auch dem Veranstalter.

Redbone habe ich kürzlich durch Zufall wiedergehört — „The Witch Queen Of New Orleans“ haben wir vermutlich noch alle im Ohr, aber das war durchaus nicht alles, was die Jungs draufhatten.

Yukihiro Takahashi war der Drummer des Yellow Magic Orchestra und konnte es an Präzision mit Jaki Liebezeit aufnehmen. Neuromancer ist ziemlich dicht am YMO-Sound, aber kein Abklatsch.

Und Anouar Brahems Spiel ist einfach ein Genuss.

 

Re-Issues:

 

 

 

Ash Ra Tempel & Timothy Leary: Seven Up (1972)
Ash Ra Tempel: Join Inn (1973)
The Beatles: Revolver (Super Deluxe Edition)

 

Ob man bei den Beatles nun wirklich alle fünf CDs kennen muss, darüber lässt sich streiten. Die neue Abmischung ist es aber wert. Man hört tatsächlich Details heraus, die vorher kaum aufgefallen sind, zudem ist die Platte nun auch im Kopfhörer abhörbar, was bei der ursprünglichen Stereomischung schwer zu ertragen war.

Die beiden Ash Ra Tempels sind 50th-Anniversary-Editions (ja, so lange ist das schon wieder her), unter Manuel Göttschings Aufsicht neu vom Originalmaster geschnitten, und sie katapultieren einen direkt ins Jahr 1972 zurück. Entstanden ist Seven Up in einem Studio in Bern mit Timothy Leary, der aus Algier kommend in die Schweiz geflüchtet war. Der Titel bezieht sich sowohl auf Learys Lieblingsbrause wie auch auf eine von ihm entwickelte Mindmap, die die sieben Ebenen des Bewusstseins beschreiben sollte. Seine Idee war, dass dies musikalisch vielleicht eher möglich sein könnte als schriftlich. Join Inn ist die letzte Zusammenarbeit der Gruppe mit Klaus Schulze, den sie während der Sessions zu Walter Wegmüllers Album Tarot wiedertrafen. Das Treffen führte zu einer Endlosimprovisation der drei, „Freak ’n‘ Roll“ genannt, ein Ausschnitt daraus füllt die gesamte Seite 1. Schulze rührt hier sehr emsig in den Trommeln — zum letzten Mal. Die Seite 2, betitelt „Jenseits“ wird von Schulzes Keyboardspiel dominiert, zu dessen Klängen Rosi Müller in latent wirren Wortfetzen die Geschichte des Treffens mit Leary erzählt. Beide Platten zusammen bilden ein dichtes Spiegelbild dessen, was in jenen Jahren „Krautrock“ darstellte. Leary hat in seiner Autobiographie kein Wort über die Produktionen verloren, Manuel Göttsching fand zu seinem wirklich markanten, an ein akustisches Mobile erinnernden Gitarrenstil erst 1975 mit seinen Inventions For Electric Guitar. Sie erinnern aber auch an die Anfänge Klaus Schulzes, der dieses Jahr verstorben ist und mit Deus Arrakis ein wirklich verdammt starkes Abschiedswerk hinterlassen hat — so schließt sich ein Kreis.

Und nun kann der Nikolaus kommen.

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5 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Dass Player, Piano gut würeüde, war mir klar. Dass sie mich so umhauen würde, war dann doch noch was Anderes, old school hin, old school her.

    Spannendes Musikgestöber…

    Und ich sag doch: irdische Zugfahrten haben was!!! Die Dvd ist nicht so leicht zu bekommen von dem mir völlig unbekannten Festival Express.

    Ähem… brian auf platz 3… geht gar nicht😅

  2. Michael Engelbrecht:

    Highl recommended Piano Music (blog entry, Oct 12, slightly revised):

    Wenn es zu Daniel Lanois’ Selbstverständnis zählt, stets mit einem Fuss in der Vergangenheit, und dem anderen in der Zukunft zu stehen, bekommt hier die gute alte Zeit eindeutig Vorrang, auf den ersten Ton zumindest. Rasch aber spürt der, der sich mit offenen Ohren in die Musik fallen lässt, dass hier kein regressives Schwelgen am Werk ist, und auch nicht in die klassische Falle getappt wird, den nächsten unausweichlichen „sweet stuff“ in der Nachfolge von Erik Saties goldenen Oldies zu verzapfen.

    Diese Platte ist eine kleine Sensation. Ein Wunder sowieso, wie er sein Zweit- oder Drittinstrument hernimmt, und ihm demassen verführerische Figuren entlockt, jenseits von Kitsch und Erhabenheit. Hier und da mit den richtigen falschen Tönen, dass nur das normierte Denken zuckt, und jeder andere aus dem Staunen keinen Weg herausfinden möchte.

    Was der gebürtige Kanadier hier veranstaltet, ist schichtweg ein Traum. Was für Auren, was für Farben, was für Treatments, was für Nachhallkurven und Drumherumgeschimmer, was für eine intime Veranstaltung.

    Danny Boy hat neben berühmten Produktionen (Dylan, Neville Brothers, Gabriel, u2), neben eigenen rar gesäten, betörenden Songalben, auch eine stattliche Anzahl rein instrumentaler Musik veröffentlicht „Player, Piano“ gehört neben „Belladonna“ (2005) und „Goodbye To Language“ (2016) zu den drei instant classics seiner Ambient-Discographie. Und, natürlich, nicht zu vergessen, der heidnische Gral, „Apollo“, das Trio mit den zwei Brians, das nach mehr als drei Jahrzehnten eine qualitativ ebenbürtige Fortsetzung erfuhr.

  3. Michael Engelbrecht:

    Brian Whistler on the Anouar album:

    https://www.manafonistas.de/2017/10/31/118270/

  4. Olaf Westfeld:

    Blue Maqams ist finde ich eines der besten Alben der letzten 10 Jahre oder so, sehr intensiv.

  5. Michael Engelbrecht:

    Ganz gross, und habe mal nachgeguckt, meine Top 4 2017 können so bleiben:

    Father John Misty: Pure Comedy (my album of the year) *****
    Tinariwen: Elwan *****
    The Mountain Goats: Goths *****
    Anouar Brahem: Blue Maqam *****

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