Manafonistas

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2022 22 Sep

Manafonistisches Rätsel Nr. 724 (und zwei Rezepte)

von: Olaf Westfeld Filed under: Blog | TB | 10 Comments

Und auf einmal ist Herbst, der Ofen an, alle hier sind schon mindestens einmal nass geregnet worden, heute morgen habe ich mir beim Radfahren Handschuhe gewünscht. Regen hat in den letzten Monaten sehr gefehlt; im August habe ich ernsthaft regelmäßige finanzielle Unterstützung einer Organisation wie Extinction Rebellion in Erwägung gezogen und immer mehr Sympathien für Menschen bekommen, die sich mit Sekundenkleber auf Straßen oder an die Rahmen von Kunstwerken kleben, um gegen die Klimapolitik zu protestieren. 

Wie dem auch sei: während viele Pflanzen im Garten unter Temperaturen und Dürre litten, haben sich die Chilipflanzen auf der Veranda sehr wohl gefühlt, die Ernte war deutlich besser als in den vergangenen Jahren. Uli hatte im letzten Jahr in einem Kommentar von einer Marmelade berichtet. Zwar habe ich auch in diesem Jahr keine Naga Pflanzen gehabt, es ging aber auch mit meinen Cayennes ganz gut zu machen. Ich habe ca. 12 Schoten entkernt (kann man auch gut mit Kernen machen, klar), dazu 3-4 Knoblauchzehen, alles püriert, Prise Salz und in einen Topf mit 500g Gelierzucker und einen halben Liter Apfelessig 30 Minuten gekocht, in sterilisierte Gläser gepackt – fertig. 

Für eine deutlich schärfere Sauce habe ich 14 (+/-) Früchte mit Knoblauch und 3 Zwiebeln püriert, 10 Minuten in Olivenöl angeschwitzt, dann 4 Tomaten, drei Äpfel (jeweils zerkleinert), ca. 200 ml Johannisbeeren Pulpe (sehr zähflüssig, war im Kühlschrank) und die gleiche Menge Apfelessig dazu, halbe Stunde kochen, nochmal pürieren und ab in sterilisierte Gläser.

Ein paar habe ich auch noch fermentiert, also in Salzlake in eine Ecke gestellt und schaue in einer Woche wieder hin, mal sehen, wie das klappt. Und die Pflanzen sind noch voll, ich werde wohl noch einige grüne Saucen und Marmeladen machen – vielleicht mit Limettensaft und Quitte, vielleicht auch anders, ich nehme gerne Vorschläge entgegen. 

Zum Abschluss ein kleines Rätsel, der Preis sind zwei Gläser nach Wahl. Gesucht wird ein deutscher Musikschaffender, der in Feuilletonartikeln sowohl mit Jean-Paul Sartre als auch mit William S. Burroughs verglichen und sowohl als Philosoph, als auch als Soft-Pornograph bezeichnet wurde. Antworten bitte bis Freitag (20:00) in den Kommentaren hinterlassen.

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10 Comments

  1. Manfred Bauer:

    Das dürfte Roland Kaiser sein, der in diesem Jahr 70 wurde.

    SANTA MARIA!

  2. Olaf Westfeld:

    Das scheint ja zu einfach gewesen zu sein.

    Wikipedia:
    Roland Kaiser schreibt seit Beginn seiner Karriere einen Großteil seiner Texte selbst und arbeitet auch mit Textern wie Norbert Hammerschmidt, Silvia Gehrke oder Maite Kelly zusammen. Seine Texte behandeln laut eigener Aussage nicht die „gefühlsduseligen Klischees der einzig wahren Liebe“, sondern die „verstörenden Emotionen von Sehnsucht, Sex und Seitensprüngen“.[24] Nach eigenem Verständnis sei die „schelmische Freude am leicht Zweideutigen und Frivolen“, ohne als solches anzüglich zu sein, ein ständiger Begleiter während des Schreibprozesses.[25]

    Die offen gepflegte Affinität zur lyrischen Sinnlichkeit sorgt nicht nur im Produktionsstab, sondern auch im Feuilleton vereinzelt für Aufruhr. So habe der Liedtext zum Titel Manchmal möchte ich schon mit dir hohe Wellen geschlagen. Bereits in der ersten Fassung von Joachim Heider als „Liebeslied einer Sommernacht“ wurde diese seitens des Verlagsleiters Thomas Meisel aufgrund angeblicher Eintönigkeit abgelehnt. Die finale Version des Textes konnte hingegen von Kaiser verteidigt werden, da vermeintlich explizite Textpassagen stets Andeutungen blieben und durch Wendepunkte aufgelöst würden. Im Zuge dessen stellte der taz-Redakteur Jan Feddersen fest: „Kaiser ist fast explizit und lotet die Grenzen durch feine Textarbeit aus, um nicht vulgär zu wirken.“ Kaiser selbst sagt, dass seine Texte nicht nur Sex vorschlagen, sondern aktiv dazu auffordern.[24] Zusammengefasst wurde diese Haltung von der Stern-Autorin Anne Tönnissen, die Kaiser den „Soft-Pornographen des deutschen Schlagers“ nannte.[24]

    Kaiser bemängelt eine angeblich fehlende gesellschaftskritische Komponente des deutschen Schlagers, wobei er sich selbst nicht ausschließt. Er sagte in Anlehnung an Jean-Paul Sartre, dass „Kunst reflektierte Gegenwart“ sei.[26] Allerdings gelinge es dem deutschen Schlager nicht, im Gegensatz zu Nachkriegsproduktionen, den Zeitgeist einzufangen. Als Reaktion darauf schrieb Kaiser mit dem Rosenstolz-Produzenten Peter Plate den Titel Liebe kann uns retten, der zu Toleranz aufrufen soll.[27] Die taz kommentierte Kaisers Position bereits Jahre vor Erscheinen der Single mit der Überschrift „Der Philosoph gefangen im Körper eines Schlagersängers“.[28

    Und falls jemand weiter lesen möchte: https://www.zeit.de/2022/36/perspektiven-roland-kaiser-album-sexualitaet

    Die Texte sind irgendwie besser als die Musik, aber das war ja vielleicht klar.

  3. Manfred Bauer:

    Super, ich wollte immer schon mal eines eurer Musikräsel lösen!!! Ich liebe Chilli😉 P.S. ich hoffe, es ist kein Problem, dass ich in Bilbao wohne.

  4. Olaf Westfeld:

    Bilbao?! An die Stadt habe ich nur gute Erinnerungen. Vor 22 Jahren habe ich da eine Woche verbracht. Es war ein großes Stadtfest, die Läden waren deswegen weitgehend geschlossen. In meiner Erinnerung ging man erst um 22:00 auf die Straße, alle waren da: Kinder, Eltern, Großeltern, sowieso war die ganze Stadt auf den Beinen. Überall Essenstände mit leckerem Essen, überall recht gute Musik … herrlich. Und um Mitternacht gab es dann ein Feuerwerk, jedes Mal aus unterschiedlichen Ländern. Wir waren jeden Abend mittendrin, ich hatte meinen damals einjährigen Sohn in so einer Trage auf den Rücken geschnallt. Und am vorletzten Tag fing er dann erstmals mitten auf einen Marktplatz, ohne Hilfe zu laufen an. Ach, und ich war da noch auf einem Peter Tosh Konzert, umsonst und draußen, allerdings ohne Kind. (Alles weitere dann per E-Mail, der Kontakt ist ja hergestellt.)

  5. Manfed Bauer:

    Dieses besondere Lebensgefühl war auch ein Grund, in die Ferne zu ziehen. Komme ürsprünglich aus Lübeck. Auf diesen Blog kam ich über Michaels Radiosendungen und Lajlas Geschichten von Kunst und Kanaren. Gran Canaria ist meine Insel.

    Übrigens wäre ich nie von alleine auf die richtige Antwort gekommen, und habe Schlüsselwörter wie Soft-Pornograph und andere gegoogelt.

    Alles weitere per mail.

  6. Ursula Mayr:

    Schade dass Sartre ihn nicht mehr kennengelernt hat. Der hätte den Bruder im Geiste sicher besucht. War ja auch bei Andreas Bader.

  7. Bernd L:

    Für Ursula Mayr: 😂😂😂 – Ihr Witz ist bestechend. Sartre und Roland Kaiser (und dann das Spiegel-Gespräch, das wäre was gewesen).

    Micha hat mir ein paar der Würzburger Texte geschickt, aus denen hervorging, dass ihr Zwei eine ferne gemeinsame Vergangenheit hattet und euch live seit Ewigkeiten nicht gesehen habt. Spannende Geschichten…

  8. Ursula Mayr:

    Ja, wir haben von 74 – 79 dort studiert und uns dann nicht mehr gesehen. Er hatte damals ein bisschen was von Keith Richards. Keine Ahnung wie der Bursche jetzt aussieht..

  9. Lajla:

    Saludos a Bilbao

  10. Uli Koch:

    Die Chilli-Marmeladen Rezepte hören sich gut an, da läuft mir das Wasser gleich im Mund zusammen. Nur wie Du, Olaf, den Schritt von ansteigenden Scoville-Graden zu Roland Kaiser schaffst, bleibt mir rätselhaft, schon wenn Du erwähnst, dass ihn jemand als Soft-Pornografen erlebt, erfüllt mich das mit großer Sorge um die moralische Vergangenheit der besagten Stern-Autorin …

    Eine Schlüsselszene in der Konfrontation mit Roland Kaiser fand auf dem Weg einer langen erschöpfenden Autofahrt, fast ein Roadmovie, der Besuch eine runtergekommenen Autobahnraststättentoilette nachts um halb Vier statt: es lief ein Stück von ihm nach dem anderen und ich wusste: ich bin wieder zurück in Deutschland, von meinem Defäkationsreiz ganz zu schweigen.

    Dann doch lieber chillen mit Chilli.

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