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2022 9 Sep

Die Klanghorizonte, und das Ende der Radionächte

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 11 Comments

 

Auch in der Nacht wird gespart. Keine persönlich moderierten Klangreisen mehr ab 2023. Somit fallen auch die „Klanghorizonte“ im Dlf dem Rotstift zum Opfer, obwohl diese und andere Nachtsendungen mit einer weit über den Mainstream hinausweisenden Stilvielfalt in den letzten drei Jahren, mit einwöchigen Nachhörmöglichkeiten, an Reichweite gewannen. Die von der Gema unseligerweise höher dotierte „Klassik“ wird ihre über den Tag verteilten Oasen landesweit aufrechthalten, während zahllose andere abenteuerliche Klangwelten, unter der lächerlichen Rubrizierung „U-Musik“, mit tatsächlich biederen „Unterhaltungsmusiken“ gleichgeschaltet werden. Das sind Verteilungskämpfe, die (schon lange ausgefochten) Seilschaften von Bach bis Bayreuth stärken. Alter Quark, steifgerührt sozusagen. Nichts wäre für Musiksendungen der Öffentlich-Rechtlichen spannender, als, statt, nach der alten, eine neue Generation DJ‘s und „nighthawks“ zu etablieren, die keineswegs hip und trendig  eine neue „In-Kultur“ inszenieren, vielmehr Raum schaffen für gutes altes zeitloses Storytelling – und Klänge, die E und U pulverisieren. In anderen Worten: Long live Count Ossie! 

 

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11 Comments

  1. Martina Weber:

    Nicht zu fassen!

  2. Michael Engelbrecht:

    Eher zu erwarten, in solchen Zeiten. Mein Text in keiner Weise als moralische Entrüstung zu verstehen. Das könne andere besser:):) Die Nischen für crossover-Programme werden noch kleiner, und solche grenzoffenen Sendungen haben nun mal ein spezielles Potential, in meinen Ohren. Weil sie andere Moderationsstile inspirieren als rein fachlich-sachlich-gutgelaunte.

  3. Wilfried:

    Ist bekannt, was mit dem Sendeplatz am Samstag passiert? Verschwinden Lippegaus, Janssen und Co. komplett aus dem Programm? Oder nur noch als Konserve, wenn ja, in welcher Länge?

  4. Michael Engelbrecht:

    Wie ich es verstanden habe, sind nachts nur noch die Nachrichten live. Etwas konkreter, und mehr weiss ich nicht: Die Radionacht im DLF wird zum 1.11. als Autorensendung abgeschafft, aus Spargründen. Keine Radionacht Jazz mehr und keine Klanghorizonte mehr!

  5. Olaf Westfeld:

    Sehr schade!

  6. Jan Reetze:

    Das ist höchst bedauerlich. Dass die Klanghorizonte den Weggang ihres Machers nicht lange überleben würden, hatte ich irgendwo im Hinterkopf schon erwartet – das ist oft so, wenn eine Sendung so unmittelbar mit einer bestimmten Person verbunden ist.

    Aber gleich die ganze Live-Moderation in den Nächten einsparen? Sollte die bei einem Jahresetat von 250 Mio € nicht drin sein? Ich vermute, es geht da weniger ums Sparen als um eine stromlinienförmigere Gestaltung. Aber warten wir’s mal ab – und hören bis dahin dem Nacht-DJ zu …

  7. Michael Engelbrecht:

    Ich habe schon gedacht, das Donald ins Bild kommt :)

    Ich habe meinen Wunschzettel kreisen lassen, 2023 soll mein letztes Radiojahr sein, drei Jazzmagazine, zwei lange Porträts, und eine vorzuproduzoerende Nachtsendung. Wird wohl, bis auf….tja, der letzte Wunsch konnte nicht erfüllt werden – no more nights…

    ich wollte, einfach weil es perfekt wäre, aus Fripps Exposures Boxset noch eine lange Nacht machen, mit meinem langen Essay, an dem kein Wort zu verändern wäre Das wäre furios geworden, und wird nun nicht passieren. Echt schade auch. Von der Nacht als solcher hatte ich mich innerlich gelöst (aufhören, wenn es noch schön ist!), und als ich aufhörte, war die ganze letzte Nacht mir ein Abschiedsfest.

  8. Walter Trimmer:

    Da geht ein Stück Radiogeschichte seinem Ende entgegen. Für mich im Raum Heidelberg und mit Fulltimejob war es toll, die Klanghorizonte hinterher in Ruhe hören zu können. Durch ihren speziellen Stil und die tolle Muskauswahl bin ich Fan dieser Sendung geworden, in der auch ihr Nachfolger für spannende Klänge sorgt. Was bleibt, sind hoffentlich die abendlichen Jazzsendungen, und andere kleine Oasen für Musik, die zwischen den alten Schubladen stecken.

    Diesen Blog verfolge ich regelmässig, und er ist unglaublich gut. Gerne könnte Ursula Mayr täglich ein paar Filmgedanken posten.

    Es macht Spass auch, die tollen optischen Aufbereitungen hier zu lesen.

    Olaf Westfeld und sie sollten eine Reggaesendung im Radio kriegen, Klanghorizonte-like, das wäre ein Traum. Und bleibt einer. Durch den Blog hier habe ich an die dreissig Rootsschätze gekauft. Aus Corso-am-Samstag-Zeiten habe ich noch ein Corsogespräch mit Stuart Baker, dem Chef von Souljazzrecords.

    Long live Count Ossie, ja, auch das ein Traum.

  9. Michael Engelbrecht:

    @ Walter: ja, Olaf und ich könnten schöne kleine Stories erzählen. Eine etwas andere Art von Rodigan‘s Rockers, und natürlich weniger Insiderperspektive!

    Neben Ursula and anderen feinen Filmbesprechern hier werde ich noch, weil sie so gut ist, über kurz oder lang, und wenn dazu keine Abstimmung nötigist:), eine brische Spezialistin für lesbische Filme ins manafonistische Spiel bringen. Ver sophisticated, haha…

    Und, ja, was für eine Erinnerung… das Interview mit Stuarz von Soul Jazz Records fliegt irgendwo, als Text, auch im Blog herum…

  10. Olaf Westfeld:

    Long live Count Ossie – and David Rodigan!

  11. Ursula Mayr:

    Ja, jeden Tag stirbt ein Stück Kultur mehr, gerade das Besondere, beyond mainstream, die Schmankerl, wie wir Münchner sagen. Unglaublich schade …

    Ursula Mayr hatte ne böse Grippe aber steht bald wieder in ihren Mokassins und nicht nur daneben.

    Würde mich über Verstärkung im Filmfeld sehr freuen!


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