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2022 8 Aug

XTC in concert

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 1 Comment

Wie Tagesreste doch fulminante Traumszenarien befeuern können! Was also ist passiert? Zuerst schickte ich dem Gewinner des letzten Musikrätsels das Duoalbum von Enrico Rava und Fred Hersh. Er wiederum schickte mir – aus seinem Leinfeldener Domicil – ein Foto meines Päckchens (mit Cd-Regal im Hintergrund) – das schaute ich mir gestern morgen an, dem alten JonHassell-Spruch folgend: zeig mir deine Musiksammlung, und ich sage dir, wer du bist! Da standen etliche XTC- Alben, in bester Gesellschaft von Robert Wyatt. Mittags, nach einer ausgedehnten Wanderung, verdunkelte ich meinen Raum und hörte Skylarking von XTC, in Surround und voller Länge. Atemraubendes Werk, von Todd Rundgren mit bukolischem Flair produziert, um die altgediente Vokabel psychedelisch mal zu vermeiden.

Obwohl mich die Musik fesselte, wurde ich zwischendurch unheimlich müde, und bewegte mich an einer dünnen Grenze zwischen völliger Hingabe in die wundersam reichhaltigen Songs und Wegdämmern. Hernach entdeckte ich, dass auf der reich bestückten bluray auch zwei Videos waren, „Dear God“ und Grass. Das erste eine Abrechnung von Andy Partridge mit Gott, das zweite eine heiter-verspielte Umsetzung von Colin Mouldings wieso-ist-das-kein-Hit-geworden-Song über all die Dinge, die man auf Gras so treiben kann (dieses Filmchen hatte etwas Traumartiges an sich, was mir schon gestern auffiel).

Heute Nacht traf ich meinen einstigen Chef aus der Klinik im Bayerischen Wald, nur eben im Jahr 2022. Irgendjemand hatte zwei Eintrittskarten für XTC besorgt, im Ruhrgebiet, und an einem verregneten Abend, nach einer Busfahrt, tauchten R. und ich am Konzertort auf, im Freien, teilweise unter einer Brücke, Neonlicht. Gar nicht so viele Zuhörer. Behaglich geht anders. Und da war die Stimme von Andy Partridge, deutlich gealtert, etwas sonorer, matter. R. zeigte sich sehr schnell sehr enttäuscht, und verabschiedete sich. Ich war mir auch nicht sicher, wie ich die Veranstaltung empfinden sollte und schlich über das weite Gelände. Überraschung: hinter der Brücke waren XTC wieder am Werk, dieses Stück hatte wesentlich mehr Feuer, und plötzlich klappte eine vielfarbige Bühne auf, schillernd bunt. Es rockte wild.

Leider löste sich an dieser Stelle der Traum auf, und ich hatte, halbwach, den Wunsch, unbedingt zu diesem Konzert zurückkehren zu wollen. Es gelang aber nicht. An keiner Stelle im Traum erkannte ich, dass es sich um einen Traum handelte, es wäre toll gewesen, da luzide geworden zu sein. XTC hatte früh in den Achtziger Jahren aufgehört, Konzerte zu geben, Andy Partridge hatte nie etwas gegen seine Bühnenangst unternommen. Im Jahr 1992 (bzw in dem Jahr, als Nonsuch erschien), besuchte ich Andy Partridge in seiner Heimatstadt, eine gute Autostunde westlich von London. Schön, ihm heute, viel zu kurz, wiederbegegnet zu sein. Und wenn sich nun jemand fragt, was mit dieser Story anzufangen sei. Och, easy.  Listen to Skylarking. And try to remember your dreams tonite.

 

(Es gibt noch eine Brücke zu diesem Traum: Brian Whistlers Text zu Gerald Cleavers Album. Anfangs hielt ich das für eine Cd-Besprechung, aber dann war es weitaus mehr eine Erinnerung an das Konzert, das der Pianst einen Tag zuvor gegeben hatte.)

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1 Comment

  1. Bernd L.:

    Skylarking nach Jahren wieder gehört, toll! Lieblingsalbum bleibt aber drums and wires, Michael. Jugenderinnerungen:)

    Spannende Träume, die du da ab und an erzählst.

    Gute Reise!!!

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