Manafonistas

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2022 27 Jul

„Foreverandevernomore“

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | Tags: , | 4 Comments


Brian Eno torna all’album cantato come non gli capitava da Another Day On Earth. Si tratta di FOREVERANDEVERNOMORE e, come possiamo intuire dal titolo, i riferimenti all’attuale emergenza climatica sono puramente voluti. Proprio come grevi sono i toni di There Were Bells, il primo estratto, brano su commissione scritto assieme al fratello Roger per l’Acropoli di Atene e presentato in un particolare giorno d’estate del 2021 con 45 gradi all’ombra e incendi imperversare non lontano dal luogo della cosiddetta “nascita della civiltà occidentale”.

 

»Wie jeder andere auch – nur die meisten Regierungen der Welt offenbar ausgenommen – habe ich über unsere prekäre, aussichtslos werdende Zukunft nachgedacht. Diese Musik ist das Ergebnis solcher Gedanken. Richtiger wäre zu sagen, ich habe darüber gefühlt und die Musik ist aus diesen Gefühlen entstanden. Denjenigen unter uns, die solche Gefühle kennen, ist klar, dass sich die Welt in einem rasanten Tempo wandelt und dass große Teile von ihr für immer verschwinden … daher der Albumtitel.

Das sind hier keine Propagandalieder, die einem das Denken und Verhalten vorschreiben wollen. Eher bin ich in den Songs meinen eigenen Gefühlen nachgegangen. Die Hoffnung ist, dass Ihr, die Hörerinnen und Hörer, sie als Einladung versteht, Eure Erlebnisse und Überlegungen zu teilen. Ich konnte mich lange nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass wir Künstler eigentlich Gefühlskrämer sind. Gefühle sind subjektiv. Die Wissenschaft geht ihnen aus dem Weg – schwer zu quantifizieren und zu vergleichen.

Aber ›Gefühle‹ sind der Ursprung von Gedanken und auch deren ständiger Begleiter. Bei Gefühlen reagiert der ganze Körper, noch bevor das Bewusstsein sich einschaltet, als blicke man durch einen Weitwinkel, der viel mehr wahrnimmt, als der Verstand bewusst registriert. Die Kunst ist der Ort, an dem wir beginnen, uns mit solchen Gefühlen vertraut zu machen, an dem wir sie uns vor Augen führen und aus ihnen lernen – lernen, was wir mögen und was nicht. Sie wird zum Ausgangspunkt für Gedanken, die zu Taten führen können.

Kinder lernen durchs Spielen; Erwachsene spielen durch Kunst. Kunst gibt uns den Raum, Gefühle ›zu haben‹, allerdings gibt es da einen Aus-Schalter: Ein Buch kann zugeklappt werden, eine Galerie verlassen. Kunst ist also ein sicherer Ort für unsere Gefühle – die glücklichen, aber auch die schwierigen. Manchmal geht es bei diesen Gefühlen um etwas, nach dem wir uns sehnen, manchmal um etwas, das wir meiden.

Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass es nur eine einzige Hoffnung gibt, um unseren Planeten zu retten – wir müssen beginnen, ihm mit anderen Gefühlen zu begegnen. Vielleicht, indem wir uns erneut bezaubern lassen von dem Wunder des Lebens; vielleicht, indem uns mit Trauer oder gar Scham erfüllt, was wir bereits verloren haben; vielleicht, indem wir begeistert sind von den Herausforderungen, vor denen wir stehen, und den Möglichkeiten, die sich uns noch immer eröffnen könnten. Kurz gesagt, wir müssen uns neu verlieben, aber diesmal in die Natur,  und auch das Menschenwerk, und unsere Hoffnung auf die Zukunft.«

Brian Eno

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4 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Die Tracklist:

    1. Who Gives a Thought
    2. We Let It In
    3. Icarus or Blériot
    4. Garden of Stars
    5. Inclusion
    6. There Were Bells
    7. Sherry
    8. I’m Hardly Me
    9. These Small Noises
    10. Making Gardens Out of Silence

    Das Album erscheint meinen Informationen nach bei der Deutschen Grammofon Gesellschaft – Mitte Oktober. Er singt auf acht der zehn Stücke. Es scheint auch für den Record Store Day gelistet. Die erste Ankündigung fand sich vor Stunden auf einer italienischen Webseite.

    Wenn es auf diesem Album ein Quantum Trost geben sollte – auf dem Cover ist nichts davon zu spüren. Es ist kalt, abweisend, dystopisch. Mit Eskapismus werden uns diese Songs nicht versorgen, aber das Teilen der Dunkelheit ist allemal besser als sich eine Welt schönzumalen, in der das Schöne vorrangig in kleinen privaten Reservaten des Glücks besteht.

  2. Ursula Mayr:

    Nicht zu vergessen, dass wir alle in einer verdammt privilegierten Ecke sitzen. Metaphorisch und konkret …

  3. Michael Engelbrecht:

    Nicht zu vergessen.

    Brians Gedanken teile ich weitgehend, wohl wissend, dass im letzten Absatz jede Menge Idealismus mitschwingt. Aber ein Quantum Utopie braucht auch die dunkelste Zeit. Und manche Gedanken erzeugen auch Gefühle, das ist schon ein etwas verzweigteres Wechselspiel.

    Wir sind alle ernüchtert. Ob dieses Album mich verzaubert wie so viele (immerhin agiert hier my favourite singing voice), weiss ich nicht. Mittlerweile singt Eno, anders noch als 2014 oder 2016, mit einer anderen Gravitas in der Stimme. Ob der Merlin der Popkultur hie noch einmal die Sterne vom Himmel schiesst – bestimmt nicht. Eher erwarte ich moderne Klagelieder.

    Anders als seine Worte, gibt das Cover eine entseelte Welt preis. Nothing seductive, nothing to surrender to.

  4. Jan Reetze:

    “Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauern Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr.” (Tucholsky, “Der Mensch”)


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