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2022 11 Jul

Transformation aus den Händen

von: Martina Weber Filed under: Blog | TB | 9 Comments

Serendipity. Das Wort ist mir zum ersten Mal hier auf dem Blog begegnet, es ist einige Jahre her. Vielleicht hat es Ian McCartney verwendet. Ich hatte das Wort an eine Freundin weitergereicht, die mir darauf ein Buch schickte, das sie in einer Buchhandlung gesehen hatte: „Wer nicht sucht, der findet.“  Durch den Anblick dieses Buches in seinem kompakten Format und dem hellblauen Buchrücken bleibt das Prinzip bei mir präsent: Serendipity beschreibt den glücklichen Zufall, der jemanden etwas entdecken lässt, was er oder sie gar nicht gesucht hat. Meine seit Wochen andauernde Begeisterung bezieht sich auf ein Buch, das ich beim Herumstreifen um die heimischen Bücherregale herausgezogen habe und das ich bislang nicht beachtet habe. Als ich es aufschlage, finde ich die Zahlen „1/07“ darin. Im Januar 2007 ist es also zu mir gelangt. Ich erinnere mich vage, dass es ein Geschenk der Wahrsagerin gewesen sein muss, die mir in Dresden die Karten gelegt hatte. Autorin ist Gertrud Hischi, der Titel lautet: „Mudras. FingerYoga für Erfolg, Kreativität und Wohlbefinden“. Damals hatte ich es, auch wegen der Klischees der Begriffe „Erfolg“ etc. misstrauisch beäugt und nach kurzem Herumblättern im Regal verschwinden lassen. Jetzt ist der Impuls da (Schreibkrise, Unausgeglichenheit – bitte dazu keine Tipps geben!). Mudras sind Gesten der Finger und Hände, Hand-Haltungen, die seit Jahrtausenden überliefert sind. Sie sind Ausdruck des Denkens und Fühlens und wirken umgekehrt auf das Innere zurück. So wie unsere Fußsohlen und auch das Ohr Reflexzonen aufweisen, die mit inneren Organen korrespondieren, verhält es sich auch mit den Fingern und Händen. Gertrud Hirschi skizziert verschiedene Theorien: die taoistische Zuteilung, die Fünf-Zonen-Lehre und die Reflexzonen nach Dr. Devendra Vora. Mudras wirken vor allem über die Meridiane, also auf energetischer Ebene. Gertrud Hirschi stellt in dem Buch mehr als 60 Mudras vor, mit unterschiedlichsten Wirkungen, vom inneren Kraftort über Ankurbelung der Kreativität (yes!), gegen Lampenfieber bis zum Mudra für effizientes Lernen, richtige Entscheidungsfindung und gegen Liebeskummer. Nun läuft die Arbeit mit den Mudras jedoch nicht so, dass man sich mal eben eine erwünschte Wirkung aussucht, dazu die passende Mudra und das Problem dann gelöst hat. Jede Heilung ist ein Prozess, und es braucht drei bis sechs Wochen täglichen, mehrfachen Praktizierens von einigen Minuten pro Mudra, bis geistig-seelische Veränderungen vollzogen sind. Dabei konzentriert man sich zunächst auf zwei bis drei Mudras. Wichtig sind dabei oft auch vorbereitende Massagen bestimmter Finger oder Zonen der Hand, die passende Affirmation und vor allem die Atmung. Nicht alle Mudras benötigen so viel Geduld. Zur Vorbereitung der Leichtigkeitsmudra habe ich meine Schultern kreisen lassen und meine Hände aus den Handgelenken auf eine Art, als würde ich einen Walzer dirigieren. Obwohl ich Walzer überhaupt nicht leiden kann, hat die bloße Bewegung bei mir sofort gute Laune ausgelöst. Gertrud Hirschi schreibt zu dieser Mudra, dass Hormondrüsen angesprochen werden, die Wohlbefinden auslösen. Es gibt auch Mudras, die körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen heilen können. Gertrud Hirschi, seit Jahrzehnten Yogalehrerin in Zürich, ist eine Koryphäe auf dem Bereich Mudra, Meditation und Yoga. Was mir an ihren Büchern imponiert (ich habe inzwischen einige dazugekauft), ist neben dem beeindruckenden Fachwissen ihre Ehrlichkeit und Offenheit. Sie schrieb, dass sie an sich kein positiver Mensch ist, dass es ihr durch die Methoden, die sie in ihren Büchern beschreibt, jedoch ausgezeichnet geht. Bemerkenswert finde ich ihr Buch „Innere Kräfte entdecken und nutzen“, ich bin noch am Anfang damit. Hier geht es darum, die Archetypen kennenzulernen und ihre Kräfte harmonisch zusammenwirken zu lassen, indem man auch durch Körperübungen einen bestimmten Archetyp in sich stärkt. Einige dieser Übungen kannte ich aus Jugendgruppen oder Jugendfreizeiten, zum Beispiel sich auf den Boden zu setzen und mit beiden Händen in einem fiktiven Zauberkessel zu rühren: eine Übung, die den inneren Schöpfer stärkt. Oder sich (der Archetyp des Weisen) stehend zu strecken und Sterne vom Himmel zu pflücken.

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9 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Liest sich wie ein Märchen ab 8, und bei wohlklingenden Namen wie Gertrud Hirschi, und einer „Leichtigkeitsübung mit einem Hauch von Walzer“ kann kaum was schiefgehen. Federleichte Lektüre auf jeden Fall. Man kann es mit Genuss dreimal lesen und dabei einzelne Finger Schlangen in die Luft zeichnen lassen! (Und was Archetypen angeht, hat Mr. Myagi aus Karate Kid, der wunderbare Mentor, sicher auch noch guten Rat zur Hand!)

  2. Jochen:

    Schöner Text.

    Ich glaube nicht an Homöopathie und bin auch ansonsten anti-esoterisch veranlagt, aber wenn ich dem Hausarzt sage, dass meine Energie nicht mehr richtig fliesst und er mich daraufhin dumm anschaut, dann nervt mich das.

    Es scheint dysfunktionale, hemmende Einflüsse zu geben, die sich durch Mudras nicht beheben lassen – im Gegenteil: gerade weil Mudras nicht (mehr) wirken, liegt ein dysfunktionaler Einfluss vor. Mit anderen Worten: die feinstoffliche Ebene ist gestört. Dann tauchen Phänomene auf wie „vom Leben abgeschnitten“ – und man kann es nicht erklären. Eine andere Form des Schattens: man (frau) steht permanent neben sich.

  3. Michael Engelbrecht:

    So ein Text ist auch deshalb interessant, weil man da automatisch Stellung bezieht.

    Her mit der Homöopathie, wenn sie hilft (summa summarum, habe ich einige Male von ihr profitiert, einige Male nicht. Placebo und Spontanremission nicht auszuschliessen).

    Was das Esoterische angeht: mehr davon, wenn es innere Räume öffnet. Räume des Wunderns. Der Agnostiker in mir durfte schon öfter staunen – dann wieder den Kopf schütteln, dann wieder staunen (dann wieder den Kopf schütteln.)

    Einspruch auf jeden Fall bei sogenannten „Koryphäen“ (da schwingt oft genug die Wunschkraft der Kundschaft mit). Dem Skeptiker gerät das Staunen ggf. tiefer als dem Anhänger.

  4. Martina Weber:

    Jochen, Gertrud Hirschi erwähnt immer wieder die Chakren und wie wichtig es ist, dass die Energien im Körper fließen. Mich unterstützen nicht nur die Mudras, sondern die Körperübungen aus dem Buch „Innere Kräfte entdecken und nutzen“ bei einer sehr guten und ausgeglichenen Gesamtstimmung. Ich halte mich nicht an die Überlegungen, welchen meiner Archetypen ich jetzt gerade fördern sollte (auch wenn das mein Ziel ist, ich bin aber noch nicht so weit). Ich schlage einfach eine Seite auf und mache eine Übung, die mir zusagt. Für manche Übungen brauche ich meine Yogamatte. Hokuspokus hin oder her. Es geht mir ausgezeichnet, wenn ich auf diese Weise eine Weile (roundabout 15 bis 20 Minuten) trainiert habe. So ganz easy sind die Übungen nicht. Einige trainieren durchaus auch, wie Yogaübungen, den Gleichgewichtssinn. Vielleicht wären solche Übungen interessant für dich.

    Ich bin mir sicher, dass Gertrud Hischi eine Koryphäe ist. Gerade schrieb mir eine Freundin, ihre Yogalehrerin sei bei Gertrud Hirschi ausgeblidet worden :)

    Von Homöopathie halte ich sehr viel; es muss jedoch die Diagnose stimmen und die Wahl des Medikaments. Meine Mutter hatte meinen Bruder und mich regelmäßig zu einem homöopathischen Kinderarzt gebracht, dessen Praxis in einem Backsteinhaus lag, von Efeu überwuchert. Alle Räume wirkten düster, die Wartezeiten zogen sich den ganzen Nachmittag hin, und auf dem Schreibtisch des Arztes lagen große Kristalle. Ich bin immer gern von Steinen und Mineralien umgeben. Hans-Dieter hatte mir einmal einen wunderschönen Obsidian geschickt, der direkt vor mir auf dem Fensterbrett liegt.

    Es gibt zum Beispiel ein ganz einfaches homöopathisches Medikament, das das Einschlafen fördert: Calmedoron Streukügelchen.

  5. Michael Engelbrecht:

    Wenn man von Koryphäe spricht, bewegt man sich schon im System der jeweiligen Schule. Und in der Bewunderungsattitüde. Worte wie Ausbilderin oder Ausbilder oder Fachfrau haben nicht den Glimmer von Koryphäe.

    In der Annäherung an bestimmte Richtungen, Denkungsarten etc. würde ich Worte vermieden werden, die schon Verehrung im Gepäck führen. No more heroes, gute Leute reichen vollkommen.

    Ich ging mal auf Anraten eines ehemaligen Freundes zu einem HNO, der mir als Koryphäe beschrieben wurde. Für mich ein Vollpfosten. Dem einen sein Eldorado ist dem andern sein kalter Kaffee.

    Null Zweifel an den Qualitäten von Yoga und Meditation by the way.

    Und wahrlich ein feinsinnig geknüpfter Text.

  6. Jochen:

    Der Text an sich wirkt schon wie ein Mudra.

    Ich bin sicher, Martina ist eine Koryphäe ;)

  7. Martina Weber:

    Für mich hat der Begriff Koryphäe nicht diesen Bedeutungshof wie bei dir, Michael. Ich bewundere nicht so schnell jemanden. Mich selbst auch nicht ;)

  8. Michael Engelbrecht:

    Ich rede auch nicht von dir, sondern von dem weit verbreiteten Umgang mit dem Wort.

    Meist kommt es unter sog. gebildeten Menschen mit elaboriertem Sprachcode zum Einsatz, wenn die Kacke am Dampfen ist, und man Heilung von einer doofen, nervenden, mitunter auch fatalen Erkrankung erhofft. Da kommen sie aus dem Gebüsch, die Neunmalklugen – ein einziges Empfehlen von Koryphäen geht dann um. Die Koryphäen sitzen dann wahlweise in Arztpraxen, Dschungelzelten, Retreat Zentren, etc. Manche sind wirklich gut, andere Blender. Meine HNO Ärztin in Düsseldorf würde ich nie Koryphäe nennen, aus Respekt – tatsächlich ist sie ein As, einfach „nur klasse“.

  9. Martina Weber:

    Ach so. Ich wollte einfach nur ein elegantes, vermeintlich eher nicht so oft verwendetes Wort wählen :)

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