Manafonistas

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… ich weiss, soooon Bart! Aber hier gut zur Illustrierung!

 

Der Duke of Burgundy (GB, 2014 von Peter Strickland; Michael hat ihn mir unlängst geschickt) ist hier kein sadistischer Feudalherr, sondern eher Opfer – ein Schmetterling, unsprünglich ein buntes und lebensvolles Geschöpf – tot und aufgespiesst samt vielen seiner Artgenossen im Labor der Schmetterlingsforscherin die mit ihrer „Haushälterin“ in einem bezaubernden Landhaus irgendwo in Europa (Südfrankreich? England?) lebt, seltsam unverortet und aus der Zeit gefallen, eine Anderswelt, in der nichts stattzufinden scheint als Vorträge über Insekten von Forscherinnen vor Forscherinnen. Seltsam statisch.

Der Film führt zunächst die sadistische Komponente der Beziehung auf befremdliche Art ein. Die Forscherin Cynthia traktiert mit versteinertem Gesicht feudalherrinnenmässig ihre „Häushälterin“ in offensichtlicher Unzufriedenheit mit deren Ausübung ihrer Pflichten. The Duchess of Burgundy? Evelyn gehorcht sichtlich gequält, der Zuschauer solidarisiert sich spontan mit ihr und fragt sich, in welchem Jahrhundert man hier gelandet ist. Die Sympathielenkung wird aber sofort wieder gestört, als man erfährt, dass es sich offensichtlich um ein sadomasochistisches Ritual eines Frauenpärchens handelt, beide sind Forscherinnen, lebend in einem etwas angestaubt wirkenden und völlig männerlosen Kosmos, aber umgeben von einer traumhaften Natur die an impressionistische Gemälde erinnert.

Somit wäre die Sache zunächst geklärt, und man erwartet die üblichen Beziehungskapriolen, Eifersuchtsdramen oder wenigstens einen jungen knackigen Gärtner als Unruhestifter. Der Regisseur Strickland macht aber seinem Namen und seiner Raffinesse alle Ehre, er hat anderes mit dem Publikum vor: es kommt zunehmend zu einem Verschwimmen der Rollen und der Übergänge zwischen der dominanten und der submissiven Position in dieser Beziehung. Hinter romantischem Dekor, sorgfältig wirkenden Bildkompositionen, eigenwilligem Soundtrack und Zikadengeschrill tut sich eine tiefe Melancholie auf, ein erschlagendes Es-geht-nicht und eine tiefe Verwirrung über den Modus der Gestaltung eines aussergewöhnlichen Beziehungsmodells.

Dabei kommt die Partnerschaft ohne körperliche Gewalt aus, Evelyn will lediglich beherrscht werden, das erregt sie. Soweit so gut. Nur entdeckt Cynthia zusehends ihre Unzufriedenheit mit der Rolle der Quälerin, wünscht sich eine Beziehung ohne dergleichen Rituale, wobei ich hier nicht von Ritualen, sondern von einer überdauernden Beziehungsform sprechen würde – vielleicht täte es dem Paar besser, hier eine feste Zeitstruktur einzuführen, um diese als Einsprengsel in den Alltag zu zelebrieren. So kommt es zum Teufelskreis und zur Belastungsprobe für eine der beiden Frauen.

So wird die dominante Cynthia zusehends auf subtile Weise zur Gequälten und die submissive Evelyn zur Quälerin, das Beziehungsmodell zusehends verwirrender und um 180° gedreht. Dabei verzichtet der Regisseur weitgehend auf dialogische Mitteilungen (das würde dann „kammerspielartig“ heissen und mich zum Schlagen eines weiten Bogens veranlassen), sondern der Regisseur versteht es, durch Mimik und Körpersprache der Schauspielerinnen ihr Befinden auszuloten.

So entfaltet sich die ganze Komplexität einer sadomasochistischen Beziehung und die Frage ihrer Lebbarkeit als durchgehendes Lebensmodell, in dem die Frauen aufgespiesst und fixiert scheinen wie ihre eigenen Schmetterlinge in ihren jeweiligen Positionen. Und es wird ein Raum zur Reflexion eröffnet – das macht die Qualität eines Filmes aus – wie SM-Beziehungen lebbar sind.

Wie schnell kommt der dominante Part in die gequälte Position wenn er sich zur Dominanz zwingt? Wie äussert man in einer derartigen Beziehung echte Aggression, wenn der Partner dies als Wohltat empfindet? Wie wird man überhaupt seine Wut los, wenn diese den Partner lediglich erregt aber nicht bestraft oder zum Umdenken bewegt? Also die Botschaft ihn nicht erreicht? Wie fühlt sich der Submissive, wenn er merkt, dass er den anderen quält, wenn er doch das Gegenteil möchte?

Ich hatte einen jungen Patienten, der ständig von seinen Freundinnen verlassen wurde. Er war ein Heimkind (in den 50ern!!), hatte sich angewöhnt in Zuständen von Angst oder Verlassenheit sich genital zu stimulieren um ein „besseres Gefühl“ zu bekommen. Man spricht hier bei Kindern von Angstonanie. Das führte dazu, dass er in allen Situationen von Auseinandersetzung oder Missstimmung in heftige sexuelle Erregung geriet und sich auf nichts anderes mehr konzentrieren konnte, es konnte kein Konflikt wirklich ausgetragen werden. Die Frauen machte das wahnsinnig. Hier stimmte die Passung nicht mehr, ebenso wie sie bei Cynthia und Evelyn immer brüchiger wird, die Rollen nicht mehr haltbar sind.

Die Situation scheint tragisch.

Erwähnenswert noch die Bildsprache des Films: bergende Natur als Aspekt des Weiblichen oder Mütterlichen, Textur (Textilien, Haut, über Haut gleitende Textilien) verleiht den Bildern eine starke Körperlichkeit, eine eindringliche weibliche Erotik.

Anhänger der feministischen Filmtheorie würden nun anmerken, dass die Frau als solche hier einmal mehr Opfer des männlichen Blicks geworden ist – sowohl in der ästhetisch drapierten Form, die wir aus dem patriarchal strukturierten Kino kennen und in der Verwendung von den bekannten bei Männern beliebten Fetischen, die hier frischfröhlich auf ein Frauenpärchen übertragen werden. Sieht weibliche SM-Sexualität wirklich so aus oder wird hier ein gängiges männliches Klischee übergestülpt? Der Regisseur hinterfragt es nicht. Die Rezensenten auch nicht.

Weiter bemerkenswert, dass hier die dominante Frau scheitert, eben weil sie nicht dominant ist, nicht die submissive Frau nicht, weil sie submissiv ist. Und weil Dominanz eben doch nicht zur Weiblichkeit passt. Und Unterordnung besser?

Über feministisch- analytische Filmtheorie kann man lange streiten, gottlob ist sie mittlerweile so evaluiert und kompliziert, dass kaum jemand noch durchsteigt, es wird also relativ wenig gestritten ausserhalb des inner circle.

Die Position der Gequälten bleibt bei Cynthia, als Evelyn mit der Nachbarin techtelmechtelt; in der letzten Einstellung wiederholt sich die Anfangssequenz: Cynthia bereitet sich vor und kostümiert sich wiederum für ihre Rolle als strenge Herrin, während Evelyn eben nach Hause kommt. Wird die nächste Schleife gedreht?

Ist Cynthia williges Opfer einer perfiden als Masochistin getarnten Sadistin und ihrer Psychospiele? Wie wird die Beziehung enden, wenn sie denn endet … oder erfolgt die Flucht in eine triste „Normalität“? Man würde sich eine Fortsetzung wünschen, die letzte Szene wäre ein guter cliffhanger. Vielleicht quält uns Strickland ja nochmal und wir werden uns willig und gespannt quälen lassen. Angefixt ist man bereits.

 

This entry was posted on Donnerstag, 30. Juni 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

54 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Ein paar Anmerkungen zu diesem Film, queerbeet:

    Sidse Babett Knudsen spielt die Hauptrolle, und sie spielt grossartig. Wer sie von BORGEN kennt, weiss, wie gut sie ist.

    Diese Filmbesprechung lässt oft diese Wörter im Raum stehen: Quälerin. Gequälte… in bestimmten Kontexten…

    … und dann wird noch das Vokabular feministischer Filmanalyse angezapft:) –

    Da denkt man doch leicht: oh, lauter unglückliche Seelen,

    aber:

    Das ist eine wunderbare Liebesgeschichte.

    Das, was zwischen den beiden passiert, geschieht auf der Basis von Vertrauen: nur deshalb kann Sidse zum Ende hin ihre Sensucht nach Hingabe kundtun. Und die Rolle switchen.

  2. Ursula Mayr:

    Tja siehste – ich mach das eben so. Blosses sinnliches Erleben genügt mir nicht – zumindest im Kino..

  3. Michael Engelbrecht:

    Jeder deutet, erkärt, ordnet ein. Aber es sollte Raum sein, möglichst weit und offen, für die pure Story, das Erlebnis. Während einem bei Friedkins Cruising das Irre und Bedrohliche an allen Ecken anspringt – wie sollte es anders sein bei der Story – wird BDSM bei Duke Of Burgundy ganz anders in Szene gesetzt. Das ist das Besondere an diesem Film, eine spezielle Liebesgeschichte zu erzählen, die die Klischees gekonnt aushebelt.

    Ich habe den Film ungefähr schon fünfmal gesehen – eine Schule des Sehens. Selten eine so feinfühlige Verschmelzung von Eros und Sex gesehen.

    Aber eins bedenke man / frau: nichts geht über das sinnliche Erleben. Alles permanent VERSTEHEN oder DEUTEN zu wollen, behindert die eigene Sinnlichkeit.

    In other words: „The Duke of Burgundy unravels sex itself, with all its weird and messy and private neuroses, into something unexpected and strange and shockingly honest – it makes sex into love again.“

    Das sinnliche Erleben ist Schritt 1, die Deutung kommt ja quasi hinterher… Ich weiss nicht, wie es bei der Dvd ist, die Bluray hat einige spannende Extras: was hier und da Intention isti, was dies und das bewirken sollte. Feiner Blick hinter Kulissen – und Teil des Spiels der Interpretation.

  4. Jörg R.:

    Bei mir liegt der Film eine Weile zurück. Ich fand ihn grandios, aber Sinnlichkeit habe ich zu keiner Zeit erlebt – dazu trug das permanent unglückliche Gesicht von Cynthia und ihre festgefrorene Frisur bei – kein Lächeln, kein Lachen, kein gemeinsames Glücklichsein, lediglich eine Szene in der Mitte in der beide zusammen im Bett liegen, da kam etwas Fliessendes herein. Danach gleich wieder Leiden, aber das Erleben von Sinnlichkeit ist eben sehr individuell. Ich habe mir gerade die Bilder über den Film im Netz noch einmal angesehen und hatte den selben Eindruck.

  5. Michael:

    Mit der wunderbaren SINNLICHKEIT meine ich, wie der Film in seiner Bild- und Klanggestaltung auf mich gewirkt hat. Auf allen Ebenen.

    Und wie, in solch zurückgenommener Mienensprache, solch ritualisierter Erotik (mit strengstem Regelwerk), solcher einer artifizell wirkenden Umwelt (die Schmetterlingsforscherinnen) natürlich, unter der erstarrten Oberfläche (die Frisur, und kaum ein Lachen), immense Leidenschaft spürbar ist, macht für mich Teil der Faszination aus. Das ist dann alles eben nur scheinbar unterkühlt, un-sinnlich.

    Aber klar, das Auge des Betrachters…

  6. Ursula Mayr:

    Micha, Du hast recht dass es wichtig ist zuerst das Atmosphärische – ein erweiterter Begriff von Sinnlichkeit – ungefiltert wahrzunehmen, das machen wir in unseren Veranstaltungen ebenso. Erst danach macht es Sinn etwas auszudeuten – wie wirkt es auf mich, wo springen meine Abwehrmechanismen an und warum, Wirkung auf den Mann, auf die Frau, was will der Regisseur, was hat er intendiert, was ist ihm vielleicht unbewusst entschlüpft, wie sind die Zeitbezüge? Und die atmosphärische Wirkung kann sehr polar sein. Du hast unterdrückte Leidenschaft wahrgenommen, ich die Unzufriedenheit mit der Tatsache dass etwas unterdrückt werden muss und keine Lösung in Sicht ist, das sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Und auf Herrin – Sklavin – Spiele springe ich nun mal nicht an, da war ich stark mit Cynthia identifiziert der das auch nicht gefiel. Ich habe mich also durchaus auf Gefühlsprozesse eingelassen, nur auf ganz andere als Du.
    Da wären wir wieder bei meinem geliebten Konzept von der Blaupause – man sieht immer 2 Filme: Das was gesagt wird und das was NICHT gesagt wird. Beim DANISH GIRL in seinem Rausch von Ästhetik und androgyner Schönheit sah ich ständig die ganzen Metzeleien, denen sich Lili unterziehen musste, auch als Beute eines hochnarzisstischen Arztes. Das kriegte ich nicht aus dem Kopf…

  7. Michael Engelbrecht:

    Versteh ich gut, ohne Frauenversteher zu sein😉

    BDSM ist mir vor langer Zeit eine vertraute Welt geworden. Ich weiss, dass es glückliche und erfüllende Liebesbeziehungen gibt auf der Basis von BDSM. Ob BDSM da nun 80 oder 20 Prozent ausmachen, ist unerheblich.

    Ich fühlte mich rundum wohl beim Ansehen und Erleben des Films. Und er thrillt sublim, verschwendet nicht ratzfatz flüchtige Reize (dann wäre man das Wiedersehen bald leid).

    Hier trieben keine Seelchen ihre Spiele, die besser auf die Couch einer Analytikerin gehören, sondern nach Sinn, Sinnlichkeit und Erfüllung strebende humans. Meine Sicht, klar, wessen sonst😉

    Meine erste SM Beziehung hatte ich ungefähr zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr. Da wurde ich Nacht für Nacht, es waren viele Nächte, von einen „Indianerin“ mit schwarzem Haar und brauner Haut besucht. Ich sass am Rande eines Swimmingpools und sie umfasste mich von hinten, und berührte jenseits genitaler Zonen, es war berauschend. Sanft.

    Ein sog. Serientraum. Mein erstes Erlebnis von Surrender.

    Ich war da ganz sicher keine qequälte Seele. Ich war rundum glücklich mit diesem Serientraum. Ich gehörte ihr. Poetisch gesagt, und mit einem Schuss Selbstironie: All I ever wanted when i was six!!😅

    Was für ein bereichernder Film! Peter Strickland has painted his masterpiece.Dieser Film zieht mich wieder und und wieder in seinen Bann. It put a spell on me.

  8. Ursula Mayr:

    Ich spreche auch nicht von gequälten Seelen, aber eine der Frauen fühlte sich offensichtlich sehr unwohl mit diesen sexuellen Praktiken und wusste offenbar keinen Ausweg. Da klappt etwas nicht, ist etwas nicht einvernehmlich, gibt es keine gemeinsame Erfüllung. Es wird mitgemacht damit man die Partnerin nicht verliert.Da stellt sich bei mir kein rauschhaftes Erleben ein.

  9. Michael Engelbrecht:

    Ich möchte mich da nicht in der Rolle sehen, mich zu rechtfertigen. Ich habe das anders wahrgenommen.

    MAN KANN DOCH EINEN FILM ALS BERAUSCHEND ERLEBEN, AUCH WENN EINE SEINER FIGUR KREUZUNGLÜCKLICH DREINSCHAUT. VIELE FANDEN DOKTOR SCHIWAGO BERAUSCHEND. WAS WAR DAS FÜR EIN ELEND!!!

    Das Rauschhafte beziehe ich auf die grossartige Umsetzung dieser Erzählung mit den Mitteln von Sound, Kameraarbeit, Regie, Schauspieler, Story, Ausstattung, Flow etc. (da muss doch nicht jede Figur vor Glücklichsein quieken.)

    Habe den Film zuletzt vor ca. 2 Jahren gesehen, keine so genaue Erinnerung daran, ob die eine sich tatsächlich so unwohl gefühlt hat. Das werde ich auch nicht diskutieren, weil ich ihn mir dazu nochmal anseheh müsste. In meiner Erinnerung findet in der Beziehung eine Enwicklung zu erfüllter Hingabe statt. Und auch meine Erinnerung möchte ich nicht diskutieren.

    Alles in allem hat sich mir der Film als (Schlagwort, aber egal) immersives Kunstwerk geöffnet. Ich war total drin. Und das bleibt rauschhaft. Und ein sehr sinnliches Erlebnis. Als (in meiner Erinnerung) der Sex zum Ende hin WUNDERBAR ind FREI wurde, hat das sämtliche Verkrampfungen, Neurotizismen, Ängste, Unwohlzustände PULVERISIERT. Absolut herrlich.

    Und wenn es so war, dass die Eine am Anfang nicht glücklich war, dann ist es doch um so grossartiger, dass sie eine Entwicklung durchlaufen hat. Das war aber auch mein letzter Kommentar dazu.

    Wenn ich das Filmchen wieder habe, tauche ich wieder in seine betörende Sinnlichkeit ein, und schreibe dann eine so rauschhaften wie reflektierten Text.

    Dass BDSM ein Tool der sexuellen und existenziellen Erfüllung sein kann, habe ich übrigens nicht nur mit meiner „Indianerin“ erfahren😂

    BDSM wird gerne seit Marquis de Sade als Perversion betrachtet, pathologisiert, dämonisiert. Filme wie CRUISIN fungieren da auch nicht als Augenöffner. Ich kenne Frauen, die das Ausleben ihrer innersten Fantasien im Rahmen von BDSM als beglückend und befreiend erlebt haben.

    BDSM hat seiner Abkürzung zum Trotz nichts mit Sadismus und Masochismus (in seinen weit verbreiteten Konnotationen zu tun) – und viel mehr mot totalem Vetrauen, entfesseltem Sexus, und oft genug mit Liebe.

    Da ist jetzt eigentlich der Closer unter den Comments. Für mich. Ich behalte mir vor, einige persönliche Anmerkungen von mir zu löschen. Obwohl es sachlich-fachlich ziemlich gut ist😉

  10. Jörg R.:

    Ein Plädoyer für BDSM ist hier auch gar nicht nötig, da hat sicher niemand Vorbehalte. Dass sich der Sex der beiden Frauen „befreit“ hätte, habe ich nicht wahrgenommen. Eher dass sie nicht aus dem Quark kamen. Aber ich schau ihn nochmal an.

  11. Michael Engelbrecht:

    As I said, an immersive encompassing experience, sensual and lucid …

    Und, oh doch, es gibt sehr viele Vorbehalte zu BDSM. Meiner Einschätzung nach.

  12. Ursula Mayr:

    Aber hier im Forum doch sicher nicht, oder?

    Ich würde als Lesbenfilm – den ich wirklich erotisch finde – „Blau ist eine warme Farbe“ empfehlen, mit der zauberhaften Lea Seydoux.

  13. Michael Engelbrecht:

    Das solltest du als Dunkelzifferexpertin aber besser wissen😉

    Das ist doch kein elitärer Kreis der Obercoolen. Was ich mich hier und da schon mit Calvinisten jeder Sorte abgeben musste – Spiesser hoch fünf… und wenns ne Minderheit ist.

    Das aber bitte nicht vertiefen, sonst meldet sich noch Clara aus dem Hohen Norden, und verzeilt wieder Noten für gutes und schlechtes Betragen😂

  14. Lajla:

    Als Michael mir auf einem Spaziergang am Rhein von diesem Film vorschwärmte, hörte ich aufmerksam zu und sagte ihm, dass ich diesen Film nicht ansehen würde.

    Mich interessieren diese Themen nicht. Ich suche und finde Sinnlichkeit woanders.

    Ehrlich gesagt, ich fände es besser, wenn Ihr Beide Euch privat darüber austauschen und vertiefen würdet. @U, Deine Schilderungen über Patienten halte ich für ungehörig.

  15. Ursula Mayr:

    Warum? Kennst Du ihn?

  16. Anonymous:

    Was soll das denn jetzt? Gibt es Regularien sich über bestimmte Themen hier nicht austauschen zu dürfen? Warum soll man nicht über einen Patienten berichten, wenn es sich zum Thema anbietet? Wichtig ist doch nur, dass er / sie nicht identifizierbar ist.

  17. Michael Engelbrecht:

    Sinnlichkeit ist nun weissgott überall zu finden, und ich grenze da nichts ein.

    Es gibt allerdings keinen guten Grund, warum sich zwei privat austauschen sollten, wenn einer dritten Person das nicht gefällt, Lajla. Dein Vorschlag ist unpassend.

    Wir machen hier doch nichts, wo jeder sich angesprochen fühlen sollte.

  18. HDK:

    vielleicht hilft diese Untersuchung weiter.

    und ja:
    von Zero Covid hat sich hier fast niemand angesprochen gefühlt

  19. Michael Engelbrecht:

    Rosato, das ist deine Privatstatistik.

    Wenn zwei hier ins Gespräch kommen, ist das genug. Und bei COVID waren es hier sogar mehr als zwei.

    Und wenn ein Text einsam dasteht, ohne Echo, dann ist das auch gut.

  20. Jörg R.:

    „Ungehörig“ sagte man vor ca einem Jahrhundert wenn Kinder am Tisch rülpsten. Da wollen wir doch nicht mehr hin.

    Hier wird ein Film, den alle unbestritten sehr gut finden, der aber auf der emotionalen Ebene Unterschiedliches auslöst, weil eben jeder seine eigenen Trigger hat, kontrovers diskutiert und weitergesponnen. Das finde ich spannend! Und es spricht auch für die Qualität des Filmes wenn er auf mehreren Ebenen funktioniert, wenn jeder seinen eigenen Film für sich erlebt.

    „Blau ist eine warme Farbe“ fand ich übrigens toll. Nicht nur deshalb, weil es viel zu sehen gab.

  21. Anonymous:

    Nix gwiss woassma ned ist in Bayern die stehende Redewendung derer, denen nix mehr einfällt.

  22. Lajla:

    @ U. Nee, aber vielleicht erkennt er sich.

  23. Lajla:

    @ Jörg R. Ja stimmt. Ich liebe die deutsche Sprache. Das Gegenteil von ungehörig ist nicht feinfühlig.

  24. Michael Engelbrecht:

    By the way und in die Runde: auf Mana gibt es, Überraschung, Freiheit der Gedanken und Worte. Nichts wird da in diskrete Duos abgegrätscht. Persönliches Desinteresse spielt nun wirklich keine Rolle. Das wäre ja auch reichlich skurril.

    Ich habe Uschi einen wunderbaren lesbischen Vampirfilm mit feministischem Touch geschickt, vielleicht kommt da noch was über dieses grandiose B-Movie:)

  25. Ursula Mayr:

    Lajla: Der Mann ist seit 10 Jahren verstorben. Andernfalls fragen wir unsere Patienten vorher, ob und was wir wo veröffentlichen dürfen, auch in Lehrbüchern. Andernfalls wäre es justitiabel. Ich weiss schon, was ich tue.

  26. HDK:

    gottlob ist sie mittlerweile so evaluiert und kompliziert, dass kaum jemand noch durchsteigt.

    nix gwiss woass ma ned

    Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

  27. Michael Engelbrecht:

    Spass beiseite.

    @ Uschi: du kannst die DVD behalten oder verschenken. Ich habe die bluray gefunden und bin schon wieder im Rausch:)

    Übrigens, interessant: ich insistiere ja nicht, wenn meine Filmerinnerung so lange her ist, aber ich habe mich doch etwas locken lassen.

    Die wunderbare Frau, die Cynthia die Wäsche wäscht, ist kein bisschen unglücklich. Nachts liegt sie bei ihrer Herrin, und man hört ihre Gedanken:

    CYNTHIA, this is all i ever dreamt of…

    seufzt sie, bebend vor Glück, und der Film ist keine 30 Minuten alt. Von wegen leidende Kreatur.

    Sie ist wunderbar erfüllt von Lust, dienen zu dürfen… ((bis sie bemerkt, dass Cynthia nicht mehr so überzeugt in ihren Befehlen wirkt. Befehle, Anweisungen, die Evelyn bis ins Detail skriptet.))

  28. Ursula Mayr:

    Okay, danke, dann behalte ich sie und werde sie mal in der Filmgruppe vorstellen. Bin gespannt. Habe sie heute nochmal gesehen komme aber zu keinem anderen Ergebnis. Klar ist Evelyn glücklich, aber Cynthia eben nicht. De gustibus…es liegt bei mir stark an den Darstellerinnen, diesen ständigen bierernsten meist starren Gesichtern bei langen Einstellungen, tragische Blicke, Evelyn finde ich einfach gruselig, könnte in einem Gothicfilm reüssieren. Dann tragen sie noch zum Schluss diese Truhe rein…oder raus…die Musik driftet ins Sakrale – als würden sie etwas zu Grabe tragen. Dann “ Ich liebe Dich, wir lassen das jetzt..“ und als nächstes schon wieder dieses “ Was soll ich tun?“, was Evelyn ja ständig einfordert. Die Wiederholung der Anfangsszene…da wittere ich kein Happy – End.

  29. Lajla:

    Was heißt hier unpassend, Michael? Es passt dir nicht, wenn man andrer Meinung ist. Mir sind diese Posts zu düster, zu langatmig/weilig in der Ausbreitung. That’s all.

  30. Michael Engelbrecht:

    Wie bitte???!!! Ich wende mich vehement dagegen, bei einem Thema, das einen nicht interessiert, gleich die Blogzugehörigkeit dee Textes in Abrede zu stellen. Deiner Logik folgend, könnte jeder hier schreiben, wenn ihm ein Thema nicht passt, man möge sich doch anderswo, zu zweit, oder sonstwie darüber austauschen. Abwegig, gelinde gesagt.

  31. Martina Weber:

    Ich kenne den Film nicht und finde die Diskussionen darüber spannend. Was ich nicht begreife, sind die Seitenhiebe von Lajla auf Uschi, die mir schon mehrfach aufgefallen sind, die mich ratlos machen und mich schockiert haben. Ich wünsche mir auf diesem Blog einen respektvollen Umgang miteinander.

  32. Ursula Mayr:

    Jeder Neuzugang in einem System löst etwas aus, Martina. Und bei manchem eben etwas Heftigeres, etwas Ureigenes. Das muss derjenige dann aber selbst reflektieren. Das heisst natürlich auch sich dem Düsteren stellen …

  33. Lajla:

    O o Martina.

  34. Lajla:

    Ursula, ich fand deine ersten beiden Texte spannend. Dann verlor ich das Interesse an dem Dauer-Düsteren. Die politische Gegenwart ist so voll mit Leid, Qual durch Gewalt. Bei mir bleibt da kein Sinn mehr für ästhetische Spielereien.

    Warum mein Vorschlag, privat weiter fachzusimpeln so negativ aufgenommen wird, verstehe ich nicht. Natürlich kann hier jeder schreiben, was er will. Aber Kritik muss ebenso erlaubt sein.

  35. Michael Engelbrecht:

    Ich habe nun THE DUKE OF BURGUNDY ein weiteres Mal gesehen, und mir ist einmal mehr aufgegangen, wie betörend der Film kom-poniert ist.

    Und eine Frage stellte ich mir en passant: wie kann es sein, dass ein Film mit so vielen langsamen Bewegungen, angedunkeltem Licht, artifiziellen Ambiente, so SPANNUNGSGELADEN ist, in jeder Szene?

    Ein Teil der Antwort: jedes Sehen dieses Films ist weniger ein Erinnern als ein Neu-Entdecken.

    Ich hatte sogar eine Szene in Erinnerung, die es gar nicht gibt in dem Film!! Eine Szene, die sich aus diversen losen Enden der Erzählung in mir zusammengesetzt haben muss, im nachhinein.

    Ich glaube, das wird ein etwas längerer, ausschweifender Text. Was für ein wunderbarer Liebesfilm.

    (Und ja, ab einem gewissen Punkt kommt Cynthia in eine Krise. Wie diese Krise sich darstellt, optisch, akustisch – DER HAMMER).

    Und der sphärische Gesang von Cat‘s Eyes ist auch eine Hommage an Julee Cruise in Twin Peaks.

    Ich habe mir den Film besorgt, den Peter Strickland danach gedreht hat, IN FABRIC – ein Horrorfilm – aber das erste Sehen liess mich unerfüllt zurück. Kriegt aber ne zweite Chance.

  36. Michael Engelbrecht:

    Nun, gemessen an der Resonanz, besteht absolut kein Grund es ins Private Fachsimpeln zu verlagern. Uschis Texte sind eine famose Bereicherung dieses Blogs, und dafür kann ich etliche Stimmen benennen – das wäre schon fast ein Chor, Lajla.

    So möge man doch bitte nicht drauf sein, das, was nicht ins eigene Wolkenkuckucksheim gehört, ins Abseits zu verbannen. Und den Krieg ins Feld führen, um hier eine hellere Welt zu etablieren.

    Dem Dunkel sich stellen, hat schon manchen über den eigenen Schatten springen lassen.

  37. Ursula Mayr:

    Das Düstere hat eben auch seine eigene Faszination. Aber ich kann gern auch mal eine Komödie besprechen.

    Frag mich nur ob das spannend ist …

  38. Ursula Mayr:

    Daughters of darkness würde ich auch noch gern besprechen, Michael. Ist aber wieder düster. Aber intelligent …

  39. Lajla:

    Schlage vor, dass wir alle mal über den Schatten springen. Wie alt waren wir, als wir C.G.Jung diskutierten? Vor 50! Jahren? Wow.

  40. Ursula Mayr:

    Was hat der damit zu tun?

  41. Michael Engelbrecht:

    Daughters of Darkness, klar, mach, gerne. Ich hoffe, du schaffst das vor meinem kleinem Aachener Filmfestlein.

    Ein berühmter schwedischer Biologe, und einer der grössten Fledermausspezialisten, singt das Loblied der Nacht. Und was passiert, wenn die Nacht verschwindet. Auch dunkel – aber sehr erhellend. Es muss mal über dieses Elend berichtet werden, allerorts Kirchtüme nachts anzustrahlen.

    Eine Komödie mache ich doch schon demnächst mit Aldomovars FESSLE MICH. Lieblingsfilm, zumindest komödiantische Elemente, und Happy End – Herz, was begehrst du mehr?

  42. Lajla:

    @ U Ich habe an das Konzept des Schattens , an das Dunkle von CG Jung gedacht.

  43. Ursula Mayr:

    …und ich liebe das Schattenreich. Da leben die interessanteren Leute.

  44. Michael Engelbrecht:

    Der Kameramann (tatsächlich keine Kamerafrau) versteht es wunderbar, die Schatten, das Dunkle, auszuleuchten. Mir sind über die Zeit Elemente der Erzählgeschichte tatsächlich entfallen, wie ich beim Wiedersehen jetzt feststellte. Und umso mehr weiss ich jetzt, wieso der ganze Film ein Rausch der Sinne ist. Optisch, akustisch, und diese grossartige Unterwäsche, haha (haptisch)😉 …

  45. Michael Engelbrecht:

    Folgende Filme stze ich mal auf meine Wunschliste zum Hier Drüber Lesen oder Schreiben:

    Crash (Wo Schatten tanzen, muss ein Cronenberg her)
    Wer die Nachtigall stört (Kindheitslieblingsfilm))
    Das Doppelleben von Sister George (oder so ähnlich, Robert Aldrich, 1968)
    Kultige Horrorfilme aus dem Italien der 70er Jahre
    Grifters

    Und das Zoom Diskussion zu Duke of Burgundy (wie neulich zu Crusin) – eine der Frisuren in dem Film galt, laut Peter Strickland, uch als Hommage an die damals hinreissend erotische (und schattige) Stephane Audran, die ähnlich festsitzende Haarpracht ins Spiel brachte)

  46. Ursula Mayr:

    Die Nachtigall war der erste Film bei dem ich ALLEIN im Kino war. Als Mädchen ohne Vater hat die Geschichte natürlich wahnsinnig reingehauen bei mir. Heute finde ich ihn eher etwas eindimensional, die Atmosphäre funktioniert aber noch bei mir – auch die gesellschaftspolitische Botschaft. Sonst wüsste ich da nichts Zündendes zu sagen.

  47. Ursula Mayr:

    Wer kommt denn auf sowas? Audran hatte nie ein 20er – Jahre – Wellenreiter – Perücke!

  48. Michael Engelbrecht:

    Als Peter Strickland das erzählte (vielleicht gibt es bei deiner Dvd auch den Audiokommentar zu den laufenden Bildern, von Strickland) sagte er genau das, mit der Audran, und bezog sich auf ein Element des Haarschnitts) – und als er es sagte, passte es zu meiner Erinnerung…wellenreiterperücke, hin oder her…

  49. Michael Engelbrecht:

    Zu WER DIE NACHTIGALL STÖRT:

    Klar, manche Filme wirken Jahrzehnte später viel weniger magisch. Sie haben damals halt einen guten Job gemacht. Grusel, Moral ohne Zeigefinger, die Annäherung an das Fremde, die Nachtstimmungen … so bleibt der Film, in der Erinenrung zumindest, ein Ort der Faszination.

  50. Michael Engelbrecht:

    @ CG Jung.

    Ich weiss nicht, wer ihn vor 50 Jahren gefeiert hat: Freud, Adler, Jung waren für mich allesamt wichtige Figuren in meinem Studium, und hernach.

    Einiges war ihrer Zeit geschuldet (und ist lang veraltet, wie Homosexualität als Perversion zu sehen), einiges von bleibendem Wert. Adlers Lebensstilanalyse, seine Texte zur Affektladung frühen Kindheitserinnerung, wunderbar, und frühe Wegbereiter bestimmter Strömungen den Kognitiven Verhaltenstherapie.

    Und so bereichernd und essentiell CG Jungs Erforschung der Archetypen war, seine Fixierung auf das Göttliche war ein Hemmschuh seiner Therapie. Denn nur dann konnte er nach eigenem Bekunden Patienten helfen, wo er sie nach eigenem Bekunden zur Religion, zum Glauben, zurückführte. Tja, das ist dann doch wieder eine Einengung des Horizonts mit missionarischem Eifer. Nimmt man diese Limitierung fort, öffnet sich auch bei Carl Gustav immer noch ein weites Feld.

  51. Ursula Mayr:

    Archetypen und kollektives Unbewusstes okay, ein Touch Spiritualität schadet auch nicht, aber behandlungstechnisch ist Jung ein Flop: unscharfe Begrifflichkeit, keine Krankheitslehre, so gut wie keine Reflexion des Beziehungsgeschehens zwischen Patient und Therapeut, keinerlei Richtlinien zu einer spezifischen Behandlungstechnik. Die eigene Person als Behandler im Spiegel der Träume des Patienten wird nicht reflektiert (Übertragung genannt), sondern flugs ein Archetyp herbeigezerrt und er ist aus dem Schneider. Die jungianisch analysierten Leute, die ich kennengelernt habe, wussten nicht wirklich viel von sich. Die Bereicherung ist rein geisteswissenschaftlich-philosophisch und er war ein wichtiger Gegenpart zu dem monomanen und selbstgerechten Freud. Ich hätt‘ jetzt fast furztrocken gesagt … Und ohne ihn wäre man viel länger an Freud klebengeblieben. Mit ihm ging was weiter.

  52. Michael Engelbrecht:

    Schön gesagt.

    Ich habe mal um diesen horizontreichen Text meine zwei coming of age Momente rum gewickelt. Und freu mich jetzt schon auf meinen Text zu Duke Of Burgundy, der aus „Quälerin“ aus Surrender Country. Und deinen zu den lesbischen Vampiren😉

  53. Lajla:

    Was von CG Jung bleibt, ist die Symbolik. Wer in der Kunstwelt unterwegs ist, erkennt und schätzt sie.

  54. Ursula Mayr:

    Für die Kunstwelt ist er sicher sehr inspirierend. Für die Traumdeutung auch.


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