Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 7 Mai

Ambient Movie Masterpiece

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | No Comments

 


Was zum Teufel passiert in diesem Film? „24 Frames“.  Nichts, könnte man sagen. Und: es handelt  sich um ein formales Experiment, das auf der Vorstellung beruht, dass man fünf Minuten lang auf ein Gemälde oder ein Foto starren und sich die Welt darin vorstellen kann.

Genau das tut Kiarostami in diesen 24 kurzen Stücken, die wie Fotos sind, die sich zufällig bewegen. Das erste Stück ist ein Gemälde von Pieter Bruegel, das durch bestimmte bewegte Elemente – Rauch, Vögel, Hunde – animiert wird. Die anderen Stücke sind Fotografien, viele davon in Schwarz-Weiß, die Natur und Tiere zeigen.

Oft schneit oder regnet es, und es gibt viele Vögel und Kühe. Bild 15, eines der wenigen, in denen Menschen zu sehen sind, zeigt ein Standbild von Menschen, die von einer Brücke aus auf den Eiffelturm starren, während Fußgänger zwischen ihnen und der Kamera vorbeigehen. Solche Beschreibungen sind nur fragmentierte Hüllen, vieles fehlt. Anmutung. Geräusch. Raumwirkung. (Rauschwirkung.)

Die meisten Stücke zeichnen sich durch eine sorgfältige natürliche Klanggestaltung aus, einige wenige enthalten Lieder wie Maria Callas‘ Interpretation von „Un bel di vedremo“ und Janet Baker, die Gounods „Ave Maria“ singt. Das komplexeste Stück ist das letzte.

Während wir Andrew Lloyd Webbers „Love Never Dies“ hören, sehen wir neblige Winterbäume vor einem Fenster, während unten im Vordergrund ein Junge oder ein Mädchen an einem Schreibtisch schläft und ein Laptop einen Kuss in Zeitlupe aus William Wylers Die besten Jahre unseres Lebens (1946) zeigt. In dieses reichhaltigen Arrangement können viele Bedeutungen hinein gelesen werden. 

Wenn man nicht „in the mood“ ist, langweilt einen dieser Film sehr. Wenn man „in the mood“ ist, fesselt einen dieser Film total. Ein Dazwischen gibt es kaum. Der Film selbst eine Trancearbeit. Der ohne traditionelle Tranceinduktion arbeitet. Ob sich also spontan eine Trance einstellt, und wie tief sie ist, hängt von diversen Faktoren ab. 

Wie Brian Enos Ambient Music eben erstmal „funktionelle Musik“ ist. „Music For Airports“. „Neroli – Thinking Music 4“. Ob, über die Funktion hinaus, Tiefe entsteht, ein besonderes Hörerlebnis, entscheiden die innere Verfassung, der Ort, das Licht, etc. Es kann so vieles passieren, wenn nichts passiert. „Lux“.

 

This entry was posted on Samstag, 7. Mai 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

No comments yet.

Leave a comment

XHTML allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Mit dem Absenden akzeptiere ich die Übermittlung und Speicherung der Angaben, wie unter Datenschutz erläutert.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz