Manafonistas

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2022 7 Mai

5 Lieblingsalben aus 2022

von: Olaf Westfeld Filed under: Blog | TB | 6 Comments

 

1. Alabaster DePlume: Go Forward In The Courage Of Your Love

Ich war lange nicht mehr abends ausgegangen, die 20er Jahre boten dafür ja auch eher wenig Gelegenheit. Ohne je dort gewesen zu sein, war der Ort mir seltsam vertraut: niedrige Decken im Keller einer ehemaligen Grundschule, ausrangierte Sofas und Sessel, ein zu einer Bar umfunktionierter Konditoreitresen, ein kleines DJ Pult in einer Ecke, gegenüber einer winzigen Bühne. 

Der LSD Barde begann um halb zehn (als Michael gerade mitten in den JazzFacts war) gemeinsam mit seinen drei Musikern zu spielen. Die Musik war lässig, die Songs wurden nur notbedürftig an den Fugen zusammen gehalten, das Saxophon steckte im Mundwinkel, die Bassistin kauerte auf ihrem Verstärker. Geboten wurde eine beglückende Mischung aus Mantren und DIY Jazz, mit Alabaster DePlume als überaus sympathischen, kommunikativen und humorvollen Frontmann. Sein ohnehin schon gutes Album macht seit dem Konzert noch mehr Spaß.

2. Daniel Rossen: You Belong There

Ein seltsam hermetisches, versponnenes Werk, sehr eigenständige Musik. Ich höre hier und da Robert Wyatt heraus, auch Talk Talk oder das letzte Album von Damon Albarn – aber es ist eindeutig amerikanische Musik, die Räume sind sehr weit. Ein Song Album, in das man tief versinken kann.

3. Jeremiah Chiu & Marta Sofia Honer:Music From The Åland Islands

Wie Alabaster DePlume bei International Anthem erschienen. Auf Tasteninstrumenten, Modularen Synthesizern, Geigen und mit Feldaufnahmen geht die Reise von den Schären zwischen Schweden und Finnland zu den Andromeda Nebeln und zurück.

4. Toechter: Zephyr

Ulis Worten kann ich nichts hinzu zu fügen – ganz wundervolle Musik, danke für den Tip, wäre ich nicht drauf gekommen.

5. Bill Evans: Inner Spirit

Ich bin weder Fan von Bill Evans noch vom Record Store Day (zu dessen Anlass dieses im September 1979 in Buenos Aires aufgenommene Konzert erschienen ist), aber als diese Veröffentlichung am Freitag im lokalen Plattenladen stand, habe ich spontan zugegriffen. Wie Bill Evans, Marc Johnson und Joe LaBarbera die einzelnen Elemente von Nardis auseinandernehmen, sorgfältig untersuchen und wieder zusammensetzen, wie sie das „Theme From M*A*S*H“ auffächern, mit welcher Tiefe Bill Evans „Letter To Evan“ interpretiert, … – besser geht’s nicht.

 

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6 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Zu 1: oh, well, oh, yes. Simsalabaster at his finest!

    Zu 2: bin gespannt, das demnächst zu hören!

    Zu 3: wie bemerkte doch Jayson dazu: „Ihr Prozess erinnert an die „Regenwald-Elektro“-Bewegung in Lateinamerika, wo Musiker und Künstler die Klänge der Erde aufzeichnen und neu bearbeiten, um sich mit ihr wieder zu verbinden. In der Musik von Chiu und Honer ist die natürliche Welt halb menschliches Konzept, halb unerkennbares Anderes: Wenn man sich lange genug in ihr aufhält, spürt man diese flinke und geheimnisvolle Intelligenz, die sich direkt unter der Oberfläche bewegt. Irgendetwas ist in ihrer Arbeit lebendig, und es fühlt sich an, als ob es immer um die nächste Ecke biegt, gerade außerhalb unserer Reichweite.“

    Zu 4:
    tolles Teil

    Zu 5:
    https://audiophilereview.com/audiophile-music/record-store-day-preview-bill-evans-live-in-buenos-aires-1973-1979/

  2. Olaf Westfeld:

    Zu 3: Die Beschreibung passt ja auch gut auf das Nova Materia Album aus dem letzten Jahr. Chiu und Honer arbeiten Song-orientierter, aber da gibt es schon Gemeinsamkeiten. Und ganz anders auch zu Linda Frederikssons Juniper, da ist es eher das Skizzen-/entwurfhafte.
    Zu 5: Ich glaube, „Morning Glory“ brauche ich leider auch noch, vielleicht dann mal nur auf CD. Die erste Inner Spirit Seite lief hier gerade wieder, fantastisch.

  3. Michael Engelbrecht:

    Zu 5: Diese Arbeiten von Bill Evans würde ich gerrne auf Vinyl hören. Wahrscheinlich tauchen sie bei Discogs auf, wenn einige Händler etliche Exemplare gebunkert haben:) – falls du mal nach Aachen kommst, bring sie mit:)

  4. Olaf Westfeld:

    Ich hoffe ein bisschen, „Morning Glory“ irgendwo stehen zu sehen, hat ja bei „Inner Spirit“ auch geklappt. Bei Discogs steht erstere gerade für nen 50er drin, na ja…

  5. ijb:

    Bislang habe bzw. kenne ich nur die von Daniel Rossen. Deine Beschreibung find ich sehr treffend. …wobei ich selbst noch nicht weiß, wie tief das Album bei mir gehen/bleiben wird, gerade weil es so einen versponnenen Charakter hat. Ich werd dem mehr Zeit geben müssen.

    Von Alabaster hab ich mir nach den Lobhudeleien allerorten jetzt doch mal die LP bestellt (ungehört). Es ist ja schon sowas wie das meistgelobte NuJazz-Konsensalbum des Jahres, wie im letzten Jahr Pharoah Sanders.
    Das letzte Album von Alabaster hat mir nicht wirklich was gegeben, hatte es aber auch nur mal digital angehört… also hoffe ich hier auf eine gute Investition.

    Besondere Tipps gibt’s von meiner Seite derzeit nicht. Am ehesten die neue LP von Spiritualized – klar ihr/sein bestes Album seit dem Fünf-Sterne-Klassiker „Ladies and Gentlemen we’re floating in Space“.

    Vielleicht wäre „Whatever The Weather“ ein Ohr wert bei jemandem hier – wenn man auf elektronische Musik mit Ambient-Einschlag steht. Es ist das neue Album der Engländerin Loraine James, die zuvor bekanntlich schon zwei ganz starke Alben (volle zehn Punkte für Reflection hier, 4,5 Sterne für For You And I hier) gemacht hat.
    Ich find’s (wieder) sehr gut.

  6. Olaf Westfeld:

    Genau – irgendwie ist dieses Rossen Album fast schon zu eigenständig, also ob da nie ein Hörer mitgedacht wurde – bin mir auch nicht sicher, wie lange das trägt.

    Alabaster hör ich ganz gerne … aber so richtig begeistert hat mich dieses Jahr noch nichts. Einiges für mich interessantes habe ich noch nicht gehört (Avishai Cohen, Scofield, Horace Andy). Ich bin ansonsten auf die Veröffentlichungen von Kendrick Lamar und The Smile gespannt, könnten gut sein.

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