Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2022 20 Mrz

Im Traumland des Streaming

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | Tags: , 10 Comments

 

Diese herbeigesehnten, immer seltener werdenden Einstiegsmomente: „Hey, was passiert denn jetzt?“ In der ersten Filmeinstellung schon liegt ein vielversprechendes Ganzes verborgen. Man bleibt am Ball, eine Spannung zieht hinein, denn ohne geht es nicht. Selbst die kritische Welt gibt in ihrer Review zu: angesichts der Bilderpracht ist noch der größte Fernseher zu klein. Dem pflichte ich bei, jetzt mittendrin, weit weg von jeglicher Kriegsberichterstattung, hinein in die erotische Erzählung einer Dreierkiste. Verblüffend auch der Soundtrack: Bandoneonklänge, feinste electronic-sounds, Popsongs, italiano – Hochgenuss in den headphones. Angelehnt an Jules und Jim, multiperspektivisch wie The Affair, Zeitebenen-switching. Die Serie Funeral for a Dog macht Lust auf die Romanvorlage, die einst unter dem Titel Bestattung eine Hundes bei Kiepenheuer & Witsch erschien: erinnert sie doch leicht an Milan Kunderas Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, einer der wenigen Romane, die ich mehrmals las. Im Kino unter der Kuppel des Anzeigerhochhauses zu Hannover sah ich die Verfilmung einst gemeinsam mit S, und die temperamentvolle Freundin aus Andalusien war sogleich unsterblich verliebt in Thomas, dargestellt von Daniel Day-Lewis. Der tschechische Arzt liebte zwei Frauen, inmitten der Unruhen des Prager Frühlings (seltsame Parallele zum heutigen Kriegsgeschehen in der Ukraine). Ich selbst konnte mich nicht entscheiden, fand beide gleichsam attraktiv: Juliette Binoche und Lena Olin. Was mir aber auffiel, als ich das Buch dann nochmals las: wieviel von der philosophisch tiefen Reflexion, die jene Dichotomie des Lebens zwischen Schwere und Leichtigkeit betrachtete, in der Verfilmung doch verloren ging. In Funeral for a Dog ist die Hauptdarstellerin eine Finnin, durchaus auch mein Urtyp, nicht unwichtig beim Schauen. Da ist man gerne wieder jung, im ewigen Traumland des Streaming.

 

This entry was posted on Sonntag, 20. März 2022 and is filed under "Blog". You can follow any responses to this entry with RSS 2.0. You can leave a response here. Pinging is currently not allowed.

10 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Danke. Nach unserem Talk habe ich Sky für einen Monat und nur einen gebucht, um die gerühmte Verfilmung des Romans von Thomas Pletzinger zu sehen: Funeral for a Dog. Das Beste von den anderen Empfehlungen, Mare of Easttown, Succession, Nomadland, sah ich bereits auf anderen Medien. Wenn ich was finde, darüber hinaus, melde ich mich.

  2. Michael Engelbrecht:

    The White Lotus ist da auch zu sehen, eine limited series.

    Fantastisch!

  3. Jochen:

    „Wer von den beiden?“ (Taz)

  4. Michael Engelbrecht:

    Unglaublich, ich habe den Roman hier, mit einem Cover, auf dem eine Gans fotografiert ist.

    Aus der Reihe: Vergessene, ungelesene Bücher, die ich unbedingt mal lesen wollte.

    Aber jetzt bleibe ich bei der Serie.

  5. Olaf Westfeld:

    Hm, diese Serie mit einer Finnin als Hauptdarstellerin könnte auch etwas für meinen Haushalt sein. Da muss ich mich auch mal nach so einem Monatsabo erkundigen.

  6. Michael Engelbrecht:

    Damit haben wir schon mal unseren moving pictures Tip für den März. Vielleicht schreibe ich noch eine zweite Besprechung über die in weiten Teilen sehr gute Scandi Noir Serie Blinded auf arte (in der es auch eine sehr gut aussehende Hauptdarstellerin gibt😅).

    Abteilung guilty pleasures: mein Abo bei Sky läuft Mitte April ab, und „mein Haushalt“ guckt die Sache mit dem Hund, aber ich, ganz heimlich, Los Angeles PD, Staffel 1, („und jetzt kommt‘s“, würde Jo sagen, ich finde die richtig spannend!!! – so was wie Law and Order, aber ohne Gerichtsszenen). Wie gesagt, Guilty Pleasure.

  7. Michael Engelbrecht:

    Und, Jo, auch wenn ich in die Macho-Kasse zahlen muss, ich habe die Antwort auf die Frage: Lena Olin oder Juliette Binoche?

    JAMIE LEE CURTIS

    Selten war eine Schauspielerin näher an meinem Urtyp 🙆🏻

  8. Jochen:

    Jamie Lee Curtis – unvergesslich in A Fish named Wanda. Sie spielt auch in der humoristischen Kriminal-Persiflage Knives Out!

    Apropos Urtyp: übermorgen Claudia Michelsen in der ARD, nur so nebenbei bemerkt (als Ur-Softie habe ich einen Kassen-Freibrief).

  9. Michael Engelbrecht:

    Ich dachte mehr an den Jamie Lee Film, in dem sie eine Polizistin spielt :) – aus den 80er Jahren. Und an den ersten Halloween Film von John Carpenter. A long time ago … .

    In regards to German actors, I always had a weak spot for Corinna Harfouch and even tried once to meet her in a real interview to get rid of my projections. Didn‘t happen. Young Claudia Michelsen was a hot shot. Now I pay my bucks.

  10. Jochen Siemer:

    Wer britisch trockenen Humor mag, dem könnte auch Landscapers (Sky Ticket) gefallen. Mit dabei: Olivia Colman.

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