Zu den derzeitigen Vergnügungen zählt es, des Abends zwischen virtuellen Welten hin und herzuswitchen. Dies spricht verschiedene Sinne an. Visuell ging die Reise zunächst nach Los Angeles, wo ich gemeinsam mit Harry Bosch Ron Carter und Art Pepper hörte und dabei den herrlichen Ausblick von seiner Wohnung hoch oben in den Hills auf die Stadt genoss. Später dann folgte ein Trip in die Ozarks, wo ich immer noch verweile. Die nach einer Hochland-Seenplatte benannte Fernsehserie in Missouri ist so grandios, dass sie den Vergleich mit Fargo, Mad Men und dergleichen locker besteht: auf Augenhöhe. Dann geht es hin und wieder auf Entdeckungsreise in akustisches Neuland, wobei das mir wesensnahe taoistische Prinzip des gleitenden Zufalls behilflich ist: so kommt es immer wieder zu Überraschungen und ich bin froh, dass ich noch nicht alles kenne. Beim Hören eines der tollen Alex Sipiagin Alben musste ich an die Verbindung von Jazz und Rock denken und an deren Wechselverhältnis. „Was hat eigentlich Joachim Kühn all die Jahre gemacht?“ In den Achtzigern erwarb ich vom knappen Studenten-Budged ein Album mit dem Song „Cold Germany“ drauf, mit Christof Lauer am Saxofon, Dieter Ilg am Bass und Gerry Brown on drums. Vormals einst zu Tonband-Zeiten genoss man sein Zusammenspiel mit Alphonse Mouson: seitdem nichts mehr von ihm gehört. Nun die Überraschung: granatenmässig sein Klavieralbum Dynamics und ebenso gut das Quartet-Album Let´s Be Generous. Der Song „Bintang“ dürfte vielleicht nicht Detektiv Harry Bosch (zu konservativ) gefallen, bestimmt aber den Klavier spielenden Manafonisten Hans-Dieter und Uli. Mich erinnerte das Stück an David Sylvians „125 Spheres“. Dann trieb das Tao-Prinzip mich abschliessend zu Brad Mehldaus The Art of the Trio Volume One – ebenso: verblüffend gut. Offen bleiben für Neues ist die Devise, der Geschmack ist rund wie ein Fussball und ändert oft die Richtung (und Spielweise), vorbei an den korrupten Seilschaften der Fifa und Uefa.