Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 5 Jul

Eine Frage an Kunstliebhaber und -experten

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 3 Comments

 

Dass man sich wiederholt, wenn man eine „Erfolgsformel“ gefunden hat, ist allseits bekannt, auch dass das zur Stagnation kreativer Prozesse führen kann. Genug Beispiele gibt es dafür, in der Musik, und in der Bildenden Kunst. Und hier meine Frage: wieso hat Mondrian, als er seine (wenn ich mich recht erinnere) rasch ruhmreichen „Gitterbilder“ geschaffen hatte, weiterhin, über Jahre, „Gitterbild“ auf „Gitterbild“ gemalt, ohne von den da zur Anwendung kommenden Grundregeln (Primärfarben, schwarze Umrandung etc.) abzuweichen? War es der kommerzielle Erfolg allein? War er aus anderen Gründen obsessiv an diese speziellen, uns allen bekannten, Motive gebunden?

 

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3 Comments

  1. Jochen:

    Vielleicht war Mondrian ein Schlendrian und hat versucht, zwanghaft Ordnung zu schaffen mit seiner Kästchen-Kunst – Niklas Luhmann lässt grüssen. Mir fällt dazu Paul Wunderlich ein, zu meiner Schulzeit angesagt, der auch immer wieder das gleiche Motiv variierte und sich dabei auf einer Grenzlinie zwischen Surrealismus und Kitsch befand.

  2. Michael:

    Ein Ordnungssystem, das eine neurotische Struktur kontrolliert und finanzielles Glück absichert. Das wären zwei Fliegen mit einer Klappe. Vielleicht stand dahinter aber auch eine Theorie. Alles rein spekulativ.

  3. ijb:

    Mondrian war in dieser Hinsicht Perfektionist; er suchte über Jahre nach dem perfekten Bild, nach der perfekten Balance zwischen Ordnung/Struktur und freien, jazzigen Rhythmen in der Komposition. Dazu reduzierte er seine gestalterischen Mittel immer weiter, bis er am Ende nur noch mit diesen wenigen klaren Farben und Formen arbeitete.

    Ich habe dazu vor sicher 20 Jahren mal eine/n Arte- oder 3sat-Doku/mentarfilm gesehen; der Titel war „Alles Boogie Woogie“. Da wurde sein Leben und sein künstlerischer Schaffensweg erzählt und speziell auch diese Fokussierung / Reduzierung auf diese ganz wenigen gestalterischen Elemente erläutert. Er liebte ja die Musik, speziell damaligen Jazz, und strebte danach, eine visuelle Form zu finden, die dem so nah wie möglich entspricht. (Er schrieb darüber auch.) Wenn ich die Essenz des Films richtig erinnere, konnte er am Ende seines Lebens in seinen letzten Bildern die für ihn perfekte Balance finden.


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