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2021 20 Mai

„Hounds of Love“

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 11 Comments

Es war einmal eine Stimme, die man nie zuvor in der Popwelt gehört hatte: hell, aber nicht scharf, sang sie sich auf „The Kick Inside“ durch einen englischen Zaubergarten, und man staunte nicht schlecht, dass David Gilmour von Pink Floyd ihr Mentor und Produzent war. Das Album war mehr “pink” als “floyd”, und begleitete mich durch einen Würzburger Sommer, es passte gut zu Obstwein und Flussspringen. Heute hat Pitchfork eine Besprechung von Kate Bush‘s „Hounds of Move“ (1985) veröffentlicht und dem Album die höchste Bewertung gegeben: eine 10. (eine insofern „historische Besprechung“, da es, 2011, die Reihe der „Sunday Reviews“ der Pitchforks eröffnete). Diese Sonntagsbesprechungen sind also so alt wie dieser Blog. Ein Album, das mich nie berührt hat – jeden Versuch, ihm nahezukommen, habe ich rasch abgebrochen. Viele halten das Album für ihr absolutes Meisterwerk. Und für eines der grossartigsten Alben der Achtziger Jahre. Tatsächlich habe ich genau drei Lieblingsalben der Engländerin, und das sind, in zeitlicher Abfolge, The Kick Inside (1978), Aerial (2005) und 50 Words for Snow (2011). Als 1982 „The Dreaming“ erschien, war ich ganz wild auf das Werk, weil ich in jenem Jahr ohnehin viel träumte (total verliebt am Ende der Welt), und auch,  weil Eberhard Weber im Vorfeld als Mitwirkender angekündigt war.  Aber auch das Album konnte mich nicht faszinieren. Was waren die Gründe, hier und da? Rückblickend kamen mir beide Alben wohl mit zuviel Hall herüber, die Lieder erschienen mir überfrachtet, und die Synthesizersounds pompös und künstlich. Das reime ich mir jedenfalls nun, aus der Erinnerung, so zusammen. Zu gerne würde ich hier von jemandem eine „Liebesklärung* an Hounds of Love“ lesen. Sollte das passieren, werde ich das Album demnächst spät abends auflegen, und am Tage darauf von dem Hörerlebnis erzählen.

* schöner Verschreiber: „Liebesklärung“

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11 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    pitchfork.com / reviews / hounds-of-love …

  2. Jochen:

    My lifer- and inlove-album of Kate Bush was Sensual World.

    Höre mir gerade den Titelsong an und stelle fest, dass er Akkord-technisch „Wild Man“ ähnelt, meinem Lieblingssong vom Snow-Album. The trick is a tonic change from Minor to Major – with the effect of a „detached drifting“.

  3. Jan Reetze:

    Die Liebeserklärung schreibe ich gern — allein: Kate Bushs Alben werden dadurch nicht verträumter oder zu Music bei Scotch & Candlelight (mit Grüßen an Renata Calani).

    Die Musik von Kate Bush gehört ganz sicher zum besten, was die englische Popszene hervorgebracht hat, aber keines ihrer Alben ist Unterhaltung. Sie sind ästhetische Herausforderungen mit nur scheinbar eingängiger Musik und umso verstörenderen Texten, sie lassen dich keine Sekunde in Ruhe und fordern volle Aufmerksamkeit. Wenn man ihnen diese Aufmerksamkeit nicht gibt, dann nerven sie. Das gilt besonders natürlich für „The Dreaming“, ihr erstes Album, das sie fast vollständig selbst mit dem Fairlight produziert hat. Das ist wirklich extrem, viel extremer, als die Sex Pistols und dergleichen Knallbonbons aus derselben Zeit überhaupt denken konnten.
    „Hounds of Love“ ist dagegen ein bisschen gemäßigter, aber eine sanfte Packung ist es nicht und sollte es sicher auch nie sein. Schon gar nicht die zweite Seite („The Ninth Wave“), die nun auch eine wahrlich beklemmende Situation beschreibt und sie musikalisch trefflich illustriert.
    Es kommt noch dazu, dass Kate Bush beim Hörer oft bestimmte Kenntnisse voraussetzt. Ohne diesen Hintergrund sind Songs wie „Wuthering Heights“ oder „Hammer Horror“ kaum zu verstehen.
    Das einzige Kate-Bush-Album, das mich von Anfang an gelangweilt hat, ist „Never For Ever“. Aber was ist schon diese eine LP, gemessen an den anderen, die ich alle auf dem MP3-Player habe und immer wieder höre — aber nie nebenbei.

    Für einen netten Abend am Kamin empfehle ich Taylor Swift. Die ist besser als man glaubt.

  4. Michael Engelbrecht:

    @ Jan: Verträumter würde die Musik sicher nicht. Abends, bei Scotch & Candlelight. Haha. Das war eine Umschreibung für hellwaches und zugleich entspanntes Hören. Und hat nichts mit Nebenbeihören zu tun. Trotzdem glaube ich nicht, dass Hounds of Love oder The Dreaming jemals „my cup of tea“ werden. Während die drei von mir genannten Favoriten genau das sind. Und Aerial und 50 Words for Snow liefen nie im Hintergrund, nicht mal, wenn sie Kaminfeuer / candlelight im Spiel war. Was im übrigen ein herrliches Ambiente fürs sog. „immersive“ (jaja, Modewort:)) Musikhören und Geschichtenerzählen ist.

    Die volle Aufmerksamkeit hatten sie also alle, allein nur drei „zündeten“ (um beim Bild des Feuers zu bleiben).

  5. Lorenz:

    Gerne gebe ich zu, dass „the Dreaming“ und „hounds of Love“ zu meinen lifers gehören. Als „the Dreaming“ erschien, war ihre Musik plötzlich wilder, voller Überraschungen, die Klänge seltsamer. Oft weit weg von der früheren (und auch vielen anderen) Songstruktur(en). Auch Ihre Stimme hat Sie experimenteller eingesetzt. Auf „hounds of Love“ ging dieser Weg weiter, obwohl auch Hits darauf waren. Die 2. Seite mit der „the nineth Wave“ „Suite berührt mich immer noch nach all den Jahrzehnten. Genug für ein „revisited“?

  6. Lorenz:

    um noch kurz abzuschweifen, kommen mir gerade noch 4 lifers aus dieser Zeit in den Sinn:

    Discipline- King Crimson
    Whomanforsays-Dalbello
    Nomaden-Stöer Duo and Howard Fine
    Remain in light-Talking Heads

  7. Michael Engelbrecht:

    Allemal genug. Da ich aber gerade einiges zu hören habe, with full attention, vor der langen Radionacht, wird mein „Revisiting“ im Juli stattfinden. Erstmal nur HOUNDS OF LOVE. Die Frage ist: vor Jahren hat sie das Album neu remastert, abgemischt, was auch immer. Und es gab da wohl kontroverse Echos. Welche nehme ich dann im Juli zur Hand, und womit genau war sie unzufrieden?

  8. Michael Engelbrecht:

    Abschweifungen sind immer willkommen. Oft weiss man sehr schnell, dass bestimmte Alben life‘s company sein werden. 2021 hat mir bislang drei hundertprozentige „lifers“ beschert.

    – Lambchop: Showtunes
    – Floating Points: Promises
    – Ertami Avano: Joval Kan (HMC003)

    Du hast zwei mir völlig unbekannte lifers genannt, Lorenz. Hier kommt ein ebenso unbekannter aus meinem Leben. Hat auch eher gemischte Kritiken bekommen, aber auch hier und da kleine Lobgesänge und einen grossen – das Album bedeutet mir sehr, sehr viel, und es gehört keinem Kanon an:

    – Crescent: Resin Pockets

    Wie my friend Jake einst schrieb: „Resin Pockets virtually hums with the feeling of wildlife and welcome intrusion. The story goes that much of the record – essentially a kind of wayfaring folk album – as recorded in “everyday spaces”, with passers-by and the weather as vital to the album as the melodicas and acoustic guitars. Melodies waver in and out, whole songs emerge and disappear just as quickly, and Jones’ voice can get caught, flickering around in a way it just wouldn’t be possible to achieve in a fancy studio.“

  9. Lorenz:

    Ich würde nicht die 2018 remaster Version nehmen. Da darauf eine andere, wie ich finde, schwächere Version von“Big Sky“ genommen wurde.
    Nach „Resin Pockets“ werde ich schauen. Bin gespannt. ;-)

  10. Michael Engelbrecht:

    Hier habe ich was gefunden.

    https://audiophilestyle.com/ca/the-best-version-of/the-best-version-of…-kate-bush’s-hounds-of-love-r784/

    Mit diesem kleinen Text zu Hounds of Love heute auf dem Blog lande ich nun bei Recherchen zu einem Album, das mich nie gepackt hat. Interessant:) …

  11. Jan Reetze:

    Ich empfehle die jeweils ersten CD-Versionen. Die klingen „offener“ als die späteren Remasters, besonders in den Höhen und im Schlagzeugmetall.

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