Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 7 Mai

„Rough, deep & sensual“

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 2 Comments

 

Es ist fast eine Art Johnny Cash-Effekt: je älter, desto dichter die Einschläge ihrer Musik, was Tiefe und Horizont angeht. Wie unschuldig ihre Stimme noch auf ihrem allerersten Album klang! Ihr jüngstes spoken-word-Album wird nicht jedermanns*fraus Sache sein, aber mir geht es nah, die romantische Lyrik des 19. Jahrhunderts fällt in den Jungbrunnen einer Frau, die dem Tod mehrfach von der Schüppe gesprungen ist. Und wenn ich die Texte lese, bin ich einmal mehr froh über meine Jahre mit Dr. Egon Werlich, genannt „Egon“, unserem Englischlehrer im Max Planck-Gymnasium in Dortmund. Ich könnte jederzeit auf die Schulbank zurückkehren und die Interpretation eines Shelley-Gedichts abliefern. Und so habe ich mir in den letzten Tagen, neben der Arbeit an der gestrigen Jazzstunde im DLF, meine liebsten Alben der Engländerin rausgesucht, für eine Woche im Mai, späte Abende, Scotch & Candlelight, und staune nicht schlecht, wie selbst diverse Kurzzeit-Affären von einst nun auch Langlebigkeit demonstrieren. As time goes by. Mehr als eins dieser Alben pro Tag geht nicht, das wäre zuviel des Guten. Aber was für Zeitreisen! Marianne Faithfull really has painted some masterpieces! 

 

 

    1. Negative Capability (2018)
    2. Vagabond Ways (1999)
    3. Before The Poison (2005)
    4. Broken English (1979)
    5. She Walks In Beauty (2021)
    6. Give My Love To London (2014)
    7. Strange Weather (1987)

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2 Comments

  1. Michael:

    ON SHE WALKS WITH BEAUTY

    NEW YORK TIMES — „She’s Marianne Faithfull, damn it. And she’s (thankfully) still here“

    VOGUE — “Arresting… She Walks in Beauty is a record she has been carrying inside of her for more than a half-century.“

    ROLLING STONE — „Her warm, lived-in voice finds new depths in verses by Lord Byron, John Keats, Percy Shelley, William Wordsworth, and others.“

    PITCHFORK — „Faithfull pairs her forever-soothing voice with the words of the Romantic poets who inspired her.“

    THE GUARDIAN — “ She sounds exactly like you would expect: as husky as her singing on every album she has made for the past 40 years and, as the daughter of a baroness, very posh.”

    MOJO — “Bad Seed and Grand Dame united through Poetry”

    RECORD COLLECTOR — “Ellis’ punctuations of the words serve a similar purpose to melodic hooks in traditional pop songs, setting the groundwork for the lyrical beauty of the source material to haunt our thoughts long after the album’s over”

  2. ijb:

    Ich bin ja bekanntlich ebenfalls großer Fan von Marianne Faithfull, und diese Meisterwerke-Liste kann ich ohne Probleme unterschreiben; nur zu „She Walks With Beauty“ kann ich (noch) nichts sagen. Ich hab’s damit allerdings auch nicht eilig, da ich eh nicht so der Liebhaber von Gedicht-Alben bin.
    Unter den obersten Rängen (gleichauf mit „Negative Capability“) steht beim mir allerdings noch das Konzertalbum „Blazing Away“. Das hatte bereits 1990 die emotional eindringliche Anmutung einer Autobiografie. Da tauchen auch eine ganze Reihe Nummern der Alben „Strange Weather“ und „Broken English“ auf, und ich finde sie in den Konzertaufnahmen noch eindrucksvoller („Guilt“ etwa, „Working Class Hero“, „Sister Morphine“, „Lucy Jordan“, „Why d’ya do it“ u.a.)

    Zu „Vagabond Ways“ hege ich (ebenfalls) eine besondere Beziehung, weil ich bei diesem Album damals Konzertbesucher ihrer Tour war (Theaterhaus Stuttgart, 1999). Ihre Präsenz war überaus beeindruckend, und das Publikum hat sie wirklich verehrt.

    1995 hat sie ein komplettes Album mit Angelo Badalamenti aufgenommen, „A Secret Life“; das ist ebenfalls ganz famos, insgesamt ein wenig leiser bzw. unauffälliger als andere CDs. Und „Easy Come Easy Go“ (in der 18-Track-Doppel-LP-Edition) habe ich sehr oft gehört; mittlerweile würde ich die aber auch nicht mehr unter den oberen sechs oder acht Favoriten einordnen.


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