Manafonistas

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2021 14 Apr

„La Ola Interior“

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | 1 Comment

Lieber Michael!


Ich verfolge hier ja schon längere Zeit den Blog, auf dem mir in letzter Zeit, wegen der Frau aus dem Eric Clapton-Song, einiges spanisch vorkommt. Da lese  ich gerne die eine und andere Geschichte. Für alles Spanische, auch das Obskure, habe ich ein Faible, seit ich in jungen Jahren Paco de Lucia auf seiner Gitarre zaubern hörte, während grosser Ferien in Barcelona. Und 
weil ich selber oft  auf Fueteventura war, und mich an den entlegenen Küsten abseits des Rummels immer wohlgefühlt habe.

Über alles zu sprechen, was in Spanien auch nur vage gegenkulturell ist, von Mitte der 1970er Jahre bis zu den letzten Atemzügen des letzen Jahrhunderts, scheint einem Freifahrtschein für die Kunst des Bluffens nahezukommen: denn man kann alles – Empörung, Insularität, Multikulturalismus, gute Laune – als Produkt der Post-Franco-Ära wahrnehmen, wenn man so will. Ein kleines Loblied möchte man ich hier anstimmen auf die CD „La Ola Interior“.  Die Frage ist ja , wie haben diese Künstler getickt, die auf dieser neuen Compilation des global orientierten Schweizer Labels Bongo Joe abgedeckt werden?

Die hier versammelten 12 Acts sind ganz klar das Produkt erschwinglicher Synthesizer und kompakter Aufnahmetechniken. Es wird ein Licht auf eine Szene geworfen, die zwischen Ambient, der Berliner Art, gedämpftem  Industrial-Sound und loopbasierter Proto-Techno-Musik driftete, und größtenteils über ein DIY-Kassetten-Netzwerk verbreitet wurde (die Spanier scheinen bis in die 90er Jahre hinein an den Kassetten festgehalten zu haben, als die ursprüngliche Kassetten-Kultur ansonsten verschwunden war).

Wie in den Sleevenotes kurz eingeräumt wird, fällt die Zeitspanne dieser sehr bunten Mischung mit der Entwicklung des „balearischen Sounds“ auf Ibiza zusammen, aber am nächsten kommt diesem chilligen Sound allein der Track  „Trivandrum“ von Miguel A. Ruiz, mit einer Kernmelodie, die man entweder trillernd tropisch finden wird  – man kann auch an Möwen denke  während eines morgendlichen Katers.

Das schlendernde Tempo von ‚Hybla‘ und der Verschmelzen von Glocken, Shakern und Holzbläsern wirkt wie ein Cousin des Absurdismus von Current 93 oder das, was die Incredible String Band hätte werden können, wenn sie nie ihren Hardcore verloren hätte; ‚Hombres Lluvia‘ bietet eine kriechend-langsame arabische Instrumentierung, vergrabene und undeutliche Vocals und eine Art wässriger Feldaufnahmen, die immer wieder in den Vordergrund treten.

Zu jedem Stück fallen mir zahlreiche Referenzen ein: Spanien war nun nie der Nabel der Popkultur, aber dort entstanden eben auch seltsame, verrückte Töne, die dann tatsächlich etwas besassen von der Freiheit und den wunderbaren Möglichkeiten der Post Franco-Ära. Heute schiessen die Despoten wieder aus dem Boden, auch im Raum des  alten  Europas. Grund genug, die eigene Resilienz zu schulen, mit Fundstücken, die nie den Anspruch hatten, Meilensteine zu sein, und doch durchaus bezaubern können. Darum empfehle ich „La Ola Interior: Spanish Ambient & Acid 1983 – 1990“ sehr!

 

Herzliche Grüsse, Noel!

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1 Comment

  1. Uli Koch:

    Hi Noel, danke für den Tipp. Das meiste davon eignet sich auch hervorragend als Sundowner nach getanem Tagewerk! Sehr relaxter Sound mit einigen überraschenden Momenten.

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