Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2021 13 Apr

Eine Hörerfahrung aus dem Jahre 2012

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | 1 Comment

 
 

Es leuchtete ein schwarzes Licht. Schwebend leicht und unbeschwert kam eine Musik daher, aus deren Umfeld namens Tunng man vorher noch nicht einen Ton vernommen hatte, die also gänzlich unbekannt war, sodass man staunend innehielt: Ausweitung der Klangzone. Man setzte den Kopfhörer auf, nachdem die CD zunächst erstmal aus dem Briefkasten befreit wurde, dann aber auch von der Cellophanfolie und dem farblich schönen Karton. Endlich dann legte man sie in den Player, zur allabendlich ritualisierten Hörstunde in der Dämmerung, und liess sich überraschen. Vermutete man im schwarzen Raben auf dem Cover eine Reinkarnation von Aleister Crowley und assoziierte daher Black Light von Diagrams mit den Enneagrammen der gurdjeffschen Tiefen-Psychologie, so stellte man erleichtert fest: die Musik war völlig frei von Schwarzmagie und Esoterik. Sie kam eher fröhlich und sehr säkular daher. Von Alltäglichem wurde gesungen: „In the morning light, I was baking bread in the afterglow, of a long night spent …“, so klang es im Ohr mit angenehmer Gesangsstimme, klang mal wie Roxy Music, dann wie Kraftwerk (im Song „Tall Buildings“), wie die Folk-Rockband Amerika (auf „Night All Night“) oder wie die Gruppe Prefab Sprout. Feingewebt war der Gesamtklang. Lyrics und Gitarre waren wohl zuerst dagewesen, in bester Singer/Songwriter-Manier, dann fügten sich elektronische und hybrid-musikalische Sounds ein, ohne das Ganze zu überladen: das genau ist ja die Kunst. So wunderte man sich: nach kurzweiligen knapp vierzig Minuten war die Schallplatte schon durchgelaufen. Man drehte sie um und spielte sie erneut. Moment mal, wieso denn jetzt Vinyl – das war doch eben noch eine CD gewesen? Ein kalter Schauer lief über den Rücken: also doch Crowleys Schwarzmagie!

 

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1 Comment

  1. Michael Engelbrecht:

    Ah, ein Klassiker, ein alter Lieblingstext – und ein feines Album. Bin immer noch in gutem Kontakt mit dem Engländer, der jetzt mit seiner Familie umgezogen ist, in den Norden, und sich ein kleines Heimstudio eingerichtet hat.

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