Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2020 11 Feb

„Deep Listening“ in leeren, weiten, dunklen Räumen

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | 31 Comments

Zur Radionacht Klanghorizonte im Deutschlandfunk am 15. Februar


„Soul singing and shining goes outward towards the cold and dark. Soul silent and cold comes inward to the shining, to the singing at the fire. Owl flies without sound; coyote goes in darkness; soul listens and holds still.“

(Ursula Le Guin)

 

Es beginnt alles mit einem Blick zum Pazifischen Ozean. Ben Chasny ist Six Organs of Admittance und liefert eine furiose Variante von Americana ab – als würden Robbie Basho und My Bloody Valentine kosmische Musik entwickeln! Es beginnt auch mit der spannenden Leere, die entsteht, wenn die Gebrüder Eno sich über Jahre Klänge zusenden, bis mit „Mixing Colours“ ein kompletter Farbenkatalog entstanden ist. Da Roger Eno seinen Schubert, Satie und Joplin kennt (den Ragtime-Pianisten Scott Joplin, Sie erinnern sich ja wohl an die Gaunerkomödie „Der Clou“!), erscheinen die gesammelten Farbforschungen gar bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft.

 

Samuel Rohrer, Ben Chasny und Thomas Köner haben ihre neuen Werke in dezenter Abgeschiedenheit aufgenommen: der erste arbeitet mit Trommeln und Elektronik, der zweite verwandelt sein Haus in ein unheimliches Gitarrentheater, der dritte fragt sich, wie könnte Musik der fernen Zukunft klingen – jedenfalls nicht nach Retrocharme! Und alle haben etwas zu ihrer Musik zu erzählen.

 

Genauso wie (aus aktuellen Interviews) Brian Eno, Roger Eno – und Colin Newman von Wire, der Einblicke gibt in „Mind Hive“ das erste grossartige Rockalbum des Jahres 2020. Wo bleiben die Norweger, fragen sich nun einige Stammhörer – gemach, gemach: in den ersten zwei Stunden laufen auf: Espen Sommer Eide, Stein Urheim, und ein für den März angekündigtes  Duoalbum der Herren Eivind Aarset und Jan Bang. Zwei aus der Punkt-Bande. Eine kleine Welturaufführung gibt es aus ihrem Album „Snow Catches On Her Eyelashes“. Die  beiden Stunden mit Neuerscheinungen werden abgerundet mit Carla Bleys „Life Goes On“, einer Melange aus indisch-brittanischem Folk, und Sam Lees Erkundungen in Englands Hinterland.

 

Nach dieser Doppelstunde werden sich einige Hörer glücklich schätzen, ihren Sinn für Raum und Zeit nicht vollends verloren zu haben – und dann kommt ausgerechnet ein Meister der Entgrenzungen ins Spiel – erleben  Sie „Das dunkle Leuchten“ – eine Art  Mixtape führt kreuz und quer durch das  Spätwerk Brian Enos aus den Jahren 2010 bis 2020. Er selbst wird sich äussern  zu seinen Kollaborationen mit  Rick Holland, Karl Hyde und Bruder Roger. Für  unsere ausländischen Hörer trägt diese Themenstunde den launigen Arbeitstitel „Homegrown Sounds for Future Space Retreats“.

 

Zwischen 4.00 und 6.00 Uhr morgens hat dann die Abteilung „Zeitreisen“ geöffnet. Trompetenmagus Jon Hassell trifft auf Trommler aus Burundi. Ansonsten stromern wir rückwärts durch  ein altes, mal fiktives, mal reales Amerika. Todd Barton und Ursula LeGuin erforschen die imaginäre Sprache und Kultur der Kesh; ein an den Rollstuhl gefesselter Musiker namens Ernest Hood spielt in seiner Radiosendung „Audiopostkarten“ aus seiner Jugendzeit in Portland, Oregon, und bastelt daraus Mitte der Siebziger Jahre das Feld-, Wald- und Weed-Opus „Neigborhoods“. Randy Newman streift durch die Südstaaten und strandet auf seinem  Meisterwerk „Good Old Boys“, en passant,  in der Hochwasserkatastrophe von Louisiana, anno 1927.

 

Und kurz vor der Morgendämmerung begleiten wir die Horizonterweiterer der Gruppe Oregon durch ihre Meilensteine auf dem Label „Vanguard Records“. Einer aus der Viererbande, der Blasinstrumentenspieler Paul McCandless liefert dazu einige Stories. Und wer zu diesen Zeitreisen die passende Lektüre braucht, dem sei wärmstens empfohlen: Richard Brautigans „Forellenfischen in Amerika“, und Ursula Le Guins „Always Coming Home“.

 
 

Wie man am besten durch die ganze Nacht kommt: wir empfehlen grünen Tee, ein paar Yoga-Übungen, den Rest erledigt die fantastische Musik. Erstmalig kann die Radionacht Klanghorizonte nach der Live-Ausstrahlung eine Woche lang on-line nachgehört werden, auf der offiziellen Webseite des Deutschlandfunks.

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31 Comments

  1. Jan:

    das mit dem nachhören beim deutschlandfunk finde ich SUUUPER!! merci! ;-)

    (vor allem nachdem das dlf-dlr-programmheft seit neuestem zu einem blödsinnigen bilderreigen verkommen ist…)

  2. Michael Engelbrecht:

    Jan,

    Über die Soundqualität dieser Nachhörmöglichkeiten, die es seit Anfang des Jahres gibt, für diverse Musiksendungen, gehen die Meinungen ziemlich auseinander.

    „Unsere“ bisherigen Quellen, mit erwiesen gutem Klang, bleiben erhalten. Diese Nachricht erreichte mich gerade.

  3. stimme aus dem off:

    auch bei den bisherigen besseren quellen wird compression eingesetzt, wenn auch in erträglichem maße und nicht so plump wie bei diesen idiotischen antenne bayern-thüringen-sachsen-hessen-south wales sendern.

    BITTE
    keine widerrede !!!
    meine ohren hören es
    würde ich es nicht hören bräuchte ich keinen TRINNOV

    ODER
    wer einen TRINNOV hat, wird es bestimmt hören

    NOCHMAL
    keine widerrede !!!

  4. Michael Engelbrecht:

    Ich kann da gar nicht mitreden. Habe da noch nie „nachgehört“. Als gute Informationsquelle taugt es allemal.

    Aus Spanien erreichte mich eine Mail von Harald Rehmann, ohne den es die Klanghorizonte nie gegeben hätte:

    Hallo Michael,
    tolles Programm zum „Dreißigsten“, vielen Dank. Zu hören, was Eno in feinstem Englisch erzählt, macht Spaß.
    Willst Du nicht auch etwas von Lyle Mays bringen, der mit erst 66 gestorben ist? Würde gut in die Sendung passen.
    Liebe Grüße aus dem sommerlichen Jávea!
    Harald

    Darüber habe ich vor einer Stunde mit Odilo Clausnitzer gesprochen. Am Schluss der ersten Zeitreise, kurz vor 5.00 Uhr, gibt es einen „Evergreen“ des Gespanns Mays/Metheny!

  5. Uwe Meilchen:

    Von einem Besuch eines Konzerts von Pat Metheny im Mai 2020 — mit seiner aktuellen Band — im Konzerthaus Dortmund werden mir vermutlich die Manafonisten eher abraten, oder ?

  6. Michael Engelbrecht:

    Was ich bisher gehört habe von dem neuen Album, nun, ist halt nicht meine Musik, nach erstem Eindruck Aber selbst Jazzfreunde, die sich im allgemeinen wenig für ihn begeistern können, haben die eine oder andere Scheibe von ihm, die sie ziemlich toll finden: mir fallen aus der Hüfte Alben ein wie Rejoicing, 80/81, As Falls Wichita Falls, So Falls Wichita Falls (Seite 1), und Kompositionen von Offramp. Und oft dabei, hier ist das Wort kongenial mal keine abgenutzte Phrase, Lyle Mays.

    Jochen könnte dazu mehr erzählen, ich glaube, mich zu erinnern, er hat einige Metheny-Platten mit den Beiden so oft und intensiv gehört wie ich Alben von Steve Tibbetts. „Die Manafonisten“ werden also weder abraten noch zuraten. Just listen for yourself – and decide. Die Tickets könnten schnell weg sein.

    Wenn mir mal beizeiten jemand verraten könnte, was das Cover mit dem Tornado mit einer Musik zu tun hat, die nicht so weit weg ist von den wohlig klingenden Arrangements, die Don Sebesky oft für CTI-Produktionen entwickelt hat (und die Metheny durchaus schätzt, wie er jüngst verraten hat), nun, da wäre ich auf die Antwort gespannt.

  7. Jochen:

    Zu den jüngeren Veröffentlichungen Pat Methenys finde ich keinen Zugang mehr. Andere Gitarristen sind da weitaus spannender heutzutage: David Torn, Todd Neufeld, Julian Lage. Eigentlich war es noch mehr Methenys kongeniale Kooperation mit Lyle Mays als dessen vorzügliches Gitarrenspiel, die mich phasenweise begeisterte.

  8. Olaf:

    Das hört sich nach einem spannenden Programm an – deep listening pleasure.

  9. Wilfried:

    Höre gerade Jonis „Shadows and Light“, da sind ja alle Lieblinge versammelt: Pat und Lyle, Jaco und der Brecker Michael und viele mehr, alle spielen mit hörbar großer Freude, unvergessen.

    Mit Pat begann meine „Jazz-Karriere“, obwohl ich mir heute nicht mehr sicher bin, ob ich mir das Album „Passenger“ – okay, ist eigentlich eine Gary Burton Platte – wg. der überragenden Kritik in der „HIFI-Stereophonie“ oder wg. des außergewöhnlichen Covers gekauft habe. Das bis heute liebste Album ist aber weiterhin „Bright Size Life“ mit Jaco Pastorius, leider ohne Lyle.

    Unvergessen auch das Konzert der „Pat Metheny Group“ 1983 in unserer Nachbarstadt Iserlohn, natürlich dabei Lyle, aber leider nicht Jaco.

    PS @Jan: Du bist nicht allein, auch ärgere mich über die Verschlechterung des DLF-Programmheftes und habe denen am WE eine geharnischte Mail geschickt.

  10. Uwe Meilchen:

    @Wilfried: Nachbarstadt Iserlohn lese ich gerne; ich wohne einen Steinschlag entfernt an der Ruhr ;)

  11. Michael Engelbrecht:

    Da sieht man doch, wie grosse Nähe und ferne Horizonte harmonieren können. Mein Metheny / Mays-Favorit bleibt die erste Plattenseite des „…WICHITA FALLS…“-Albums.

    Gary Burton gab einst in der Balver Höhle ein legendäres Konzert mit nicht-enden-wollendem Applaus.

  12. Michael Engelbrecht:

    See news update on EnoWeb from Feb. 12 ((by Tom Boon)

    http://www.enoweb.co.uk/

  13. Michael Engelbrecht:

    For people, probably English speaking, who come here by Tom Boon‘s great web site, just a few informations. We will post here links of two or three possibilities to listen to the five radio hours after they will have been broadcasted. For live listeners it is best to go to:
    http://www.dradio.de, and then Deutschlandfunk & live stream.

    You have also the possibility, to send me an email after the radio night: micha.engelbrecht@gmx.de

    Those of you who prefer being surprised (instead of knowing at least a little bit what to expect) should NOT read the following talk- and playlist AFTER the long night. But, well, here we go:

    The play- and talking list of the radio night called „Klanghorizonte“ with Michael Engelbrecht (there can alway be small changes)

    First Hour:

    Six Organs of Admittance (intro of „Pacific“)
    Roger Eno talking (other excerpts in my April radio night)
    Roger Eno and Brian Eno: from Mixing Colours
    Samuel Rohrer talking
    Samuel Rohrer: from Continual Decentering (two tracks)
    Eivind Aarset / Jan Bang from: Snow Catches On Her Eyelashes
    Thomas Köner talking
    Thomas Köner: from Motus
    Ben Chasny (Six Organs of Admittance) talking
    Six Organs of Admittance: two tracks from Companion Rises
    Stein Urheim: from Downhill Uplift

    Second Hour:

    STERNZEIT
    Rustin Man: from Clock Dust
    Wire: three tracks from Mind Hive
    Colin Newman talking
    Yorkston / Thorne / Khan: from Navasara – Nine Emotions
    Sam Lee: from Old Wow
    Carla Bley/ Andy Sheppard‬/Steve Swallow‬: from Life Goes on
    Espen Sommer Eide: from The Waves
    Thomas Köner talking
    Thomas Köner: from Motus
    ‪Brian Eno: from LUX‬

    Third Hour (Theme Hour) – „Das dunkle Leuchten – Homegrown Sounds for Future Space Retreats“ – A ‪Brian Eno‬ Mixtape (2010-2020) (the exact sequence and chosen tracks might change!)

    Tom Rogerson and Brian Eno: from Finding Shore
    Eno & Hyde: from Someday World
    Brian Eno‬ talking on one track from his collaboration with Rick Holland, and some New York memories
    Brian Eno & Rick Holland: from Drums Between The Bells
    Eno / Hopkins / Abrahams: Small Craft On A Milk Sea
    Eno: Music for Installations
    Eno: I‘m Set Free, from The Ship
    ‪Brian Eno talking‬ on his collaboration with Karl Hyde
    Eno & Hyde: one track from High Life
    Eno: Music for Installations
    Eno / Lanois / Eno: For all Mankind (from Apollo: Extended)
    Brian Eno‬ talking on his collaboration with Roger Eno
    Eno & Eno: Blonde from MIXING COLURS
    ‪Brian Eno: from REFLECTION ‬

    Fourth Hour (time travel 1) – with music from Pat Metheny and Lyle Mays (in memory of Lyle Mays), Jon Hassell and Farafina, Todd Barton and Ursula Le Guin, Ernest Hood – and Randy Newman

    Fifth Hour (time travel 2) – „The Early Years of Oregon“ with Paul McCandless talking

  14. Uwe Meilchen:

    And for all who’ve missed Michael’s radio show this
    morning, here’s the link to check out what has been broadcasted:

    https://www.deutschlandfunk.de/deutschlandfunk-radionacht-klanghorizonte.2098.de.html

  15. Michael Engelbrecht:

    This radio night was a bit of a thrill. With the support of Klinger Factory, I had several cds – not marked except with some names of musicians, and small notes who was speaking on which track. So it was really a challenge to not to mix it all up in confusing ways – a theatre of many voices, and I enjoyed the changing moods and spheres of the music.

    Samuel Rohrer‘s two tracks from CONTINUAL DECENTERING appeared as a wonderful follow-up to the one track I played from the Eno brothers at the first hour. I think that Thomas Köner‘s three word passages are a fine introduction to his strange and stunning music. And then, Six Organs of Admittance, American „primitive guitar“, Ben Chasny’s soft singing, and the art of distortion – what a joy to listen to his childhood memories on LIVE RUST.

    Brian Eno spoke about his fascination for the human speaking voice, especially of speaking English in a non native way, and that was the moment to realize again how I simply like to listen to his very English sounding voice – so I decided to let his talking on his collaboration with Karl Hyde on its own, without translating it, and let some music run in the background that made his point even more clear on immersive music.

    So despite of some drop outs on some cds, that interrupted, a little bit, the flow of the otherwise beautiful forthcoming music of Eivind Aarset and Jan Bang, SNOW CATCHES ON HER EYELIDS, the five hours presented a wonderful collision of styles without ever having the feeling that one style was not compatible with another one. Has there ever been more talking about old and new classical music in this night show, for example, from the likes of Roger and Brian Eno, or Paul McCandless from Oregon!?

    At the very end, you can hear how a wave of fatigue Was somehow interrupting the flow of last sentences, but it was nearly six a.m., I was quite exhausted – and fulfilled with all that happened before, the AU LAIT track with Lyle Mays (i wanted to have those last dripping, closing notes on air), the surreal moods of Ernest Hood and Todd Barton with Ursula LeGuin, Oregon‘s early magic, and Paul McCandless‘s ALL THE MORNINGS BRING.

    This was the 30th anniversary edition of KLANGHORIZONTE, a concept created by Harald Rehmann in old times, and leaving me all the space and freedom to only play what I love, and tell stories around it.

    Maybe, too, we can post here some links to let people hear these hours for the first time, and discover some music that is in big parts vanishing from radio in full daylight.

    And for the happy few who were blown away by the strangeness of Thomas Köner‘s forthcoming album MOTUS, don‘t miss the release party of the work in Frankfurt, and what is the title of the book presented there, too? ULTRA BLACK OF MUSIC, something like that.

  16. Michael Engelbrecht:

    @ Uwe, du warst schnell, Ich hoffe, sie posten noch die erste Stunde…

  17. Uwe Meilchen:

    @ Michael: die erste Stunde befindet sich vermutlich hinter dem blauen Dreieck links unten am Photo von Brian Eno ;)

    Exactly as Tom Boon juts wrote to me, Uwe:

    Hi Michael

    Au contraire, the first hour is playable with the play icon on the picture.

  18. lurking mode:

    Das Deutschlandradio sendet seit einigen Jahren mit deutlich hörbarer Kompression. Eigentlich ein Sakrileg für ein „Qualitätsmedium“…

  19. Roger Eno:

    How nice of you to invite me to that party!

    Thanks Michael!

  20. radiohoerer:

    Hallo zusammen ! Ab 18.00 Uhr ist dann alles in bester Qualität online. Viel spass beim anhören !

  21. radiohoerer:

    Ich merke gerade das es mit den oben genannten Link schon jetzt funktioniert….

  22. stimme aus dem off:

    @lurking mode

    das sage ich seit der letzten eiszeit. endlich mal jemand, der in meine monodie einstimmt

    besonders krass war das spürbar bei den Milestones Richie Beirach

    es nützt nichts, wenn die tonmeister sich die größte mühe geben bei der produktion, wenn dann alles durch den kompressionsschlauch in die welt verspritzt wird.

    natürlich gilt:
    ohne gewisse kompression geht es nicht, zumindest nicht bei UKW-rundfunk, denn die dynamische bandbreite eines sinfonieorchesters oder einer jazz-combo, die leisteste cymbal-sounds, donnernde drums und roaring saxes austeilt, übertrifft die dynamische bandbreite des mediums (grundrauschen >>> übersteuerung).

    aber bei digitalen medien ist ungleich höherer spielraum verfügbar. klar, für autoradiohörer braucht’s kompression, weil die fahrgeräusche die untergrenze für das leisteste definieren.

    ABER so anspruchsvolle sachen, wie die klanghorizonte, sollte man im auto sowieso nicht anhören

  23. Michael Engelbrecht:

    Angaben zur Thomas Köner Motus release „party“ in Frankfurt:

    https://allevents.in/frankfurt/thomas-köner-•-achim-szepanski-•-gravesano-•-bill-b-wintermute/200019027513723

  24. Michael Engelbrecht:

    Excerpts from Steve Tibbetts‘ emails while listening to the five hours:

    I

    I have about five hours of work to do, so I might listen to the whole thing. Starting….now.

    Wish we had radio like this here.

    II

    Already in hour two. It sounds fine. Some glitches in the first hour, but not this one. Colin Newman talking.

    I got as far as ‪Randy Newman‬ and the sound collage with dogs barking.  I’ll listen to the rest today.  

    Manfred told me once that „As Falls Wichita…“ was supposed to be a Lyle solo album, but „…Pat sneaked in at the last minute.“ Still a good record.

    III

    Yes, the Hood recordings reminded me of my childhood. I did similar late-night recordings in Ubud, Bali in the 80s, but recording for hours, waiting for different individual or groups of barking dogs to link up in interesting polyrhythms.

    IV

    I taught at Naropa Institute with Paul McCandless the summer of 1985 in Boulder and he gave me some good advice.  I had a choice of being part of an ensemble of musicians (directed by Paul) or an ensemble of dancers (run by a man named Robert Ellis Dunn) and Paul, while we were drinking a beer, said, “You should be part of the dance ensemble.  Robert Ellis Dunn could tell you why the way you just lifted your glass of beer was interesting.”  He was right about Dunn, and that summer I was known as the dancer with no talent and no fear who was willing to throw his body on the floor or into a wall or into other people.  

  25. Michael Engelbrecht:

    POUR IT OUT, the track Brian Eno is talking about in the third hour (with translation)

    pour it out
    pour it out
    in new ways
    imaginate
    drop needles like pines into clear pools
    where molecules are arranged
    just loose enough to let dreams through
    it is weird release
    to imagine the miniscule
    where deep sea molluscs
    can glow orange in tendrils
    and haemoglobin nodules exist
    as twenty million models
    beautiful as rocks among atomic sea swells
    in between kidney shaped blood cells
    imagine your wildest imaginings
    then zoom out to macro
    subway hits the sky
    (and new york hurtles by)
    from the top of this highrise
    people as small as the pigment in your eyes
    and gaps in between them like marching seams
    like ants in streams
    loose enough to let dreams through
    can we climb higher
    new york up to sky
    (the world hurtles by)
    and countries as small as the pigment in your eyes
    (the world hurtles by)
    can we climb higher?

    …..

    gieß es aus
    gieß es aus
    in neue wege
    stell dir vor
    lass nadeln wie kiefern in klare becken fallen
    wo moleküle angeordnet sind
    gerade locker genug um träume durchzulassen
    es ist eine merkwürdige befreiung
    sich das winzige vorzustellen
    wo tiefseemollusken
    in ranken orangefarben glühen können
    und hämoglobinknötchen existieren
    zwanzig millionen modelle
    schön wie felsen unter atomaren meeresdünungen
    zwischen nierenförmigen blutzellen
    stell dir deine kühnsten vorstellungen vor
    dann zoome in den makrobereich
    die u-bahn knallt in den himmel
    (und new york saust vorbei)
    oben von diesem hochsitz aus
    leute so klein wie das pigment in deinen augen
    und die lücken zwischen ihnen wie marschierende nähte
    wie ameisen in bächen
    locker genug um träume durchzulassen
    können wir höher klettern
    new york hinauf zum himmel
    (die welt saust vorbei)
    und Länder so klein wie das pigment in deinen augen
    (die welt saust vorbei)
    können wir höher klettern?

  26. Olaf P.:

    Vielen Dank für die persönliche Zureichung zur Februar-Sendung. Auf manafonistas konnte ich schon nachlesen, wie schön Hand in Hand die Aufzeichnung der Sendung zugereicht wurde. Diesmal bin ich auch etwas eher am Hören. Ich danke auf diesem Wege besonders dem „Radiohörer“ für sein Engagement.

    Erste Stunde hochinteressant. Die Enos liebe ich ja sowieso. Köners »Motus« würde ich schon gern mal in Gänze testen. Mit dem Ausschnitt komme ich schon gut zurecht. Kopfhörer. Die Gedanken von Köner finde ich reizvoll. Auch wenn er gewiss eine andere Art Tanz meint, als mir meine Vorstellung eingibt: ich musste an die Coverzeichnung des Albums von Taran denken. Ein tanzendes Paar zwischen Himmel und Erde – diesem emporstrebend, jene kaum berührend. Ich hatte das große Glück, ein solches Paar beobachten zu dürfen. Leichtfüßig, halb schwebend, entrückt, beisammen, zwei
    Lichtgestalten auf den Schwingungen aus einer anderen Welt.

    Rustin Mans Gesang hat verdammt die Attitüde von David Bowie, musikalisch drängt der Talk-Talk-Kosmos nach vorn.

    Die neue Yorkston / Thorne / Khan steht bereits auf dem Zettel. Habe die drei schon mal live gesehen und ich war hin und weg. Ihre Musik hat einen touch von sphärenwandelnder Transzendenz. Gefällt mir sehr. Sam Lee hab ich auch gefressen. Die Stimme allein ist schon wahre Magie. Höchst eigenartig und betörend die melodischen Phrasierungen, dazu die exzellente ungewöhnliche Instrumentierung. Oh ich sehne diesem neuen Werk entgegen!

    Und welche Lässigkeit beim Bley-Trio! Ich beneide Sie um all diese akustischen Schönheiten. Desgleichen Espen Sommer Eide.

    Ich sollte aufhören

    Später dann Oregon. Sehr schön! Die frühen Jahre nahmen vorweg, was in den USA dann in den 80ern auf Labeln wie Narada und Windham Hill ganz groß in Mode kam: die schöngeistige Instrumentalmusik, manchmal mit leichten Jazz-Anklängen, abwertend »new age« genannt. Die Oboe war DAS Instrument der Stunde. Übrigens erinnert mich der Bass von Glenn Moore immer wieder an dessen wunderbare Zusammenarbeit mit Nancy King: King & Moore ‎– Impending Bloom 1991.

    Vielen Dank für diese herrlichen Stunden.

  27. Michael Engelbrecht:

    This link is still activated, as is Radiohörer‘s one:

    https://cloud.md.de/Cloud/?shareToken=921791d1352176bb48bf6594d604c44463017609fdc16ab409bd2d9a5e493ac3

  28. Michael Engelbrecht:

    @ Olaf P.

    TARAN kenne ich gar nicht, kann mir das Cover nun aber vorstellen…

    Das Label Narada habe ich nur am Rande wahrgenommen, Windham Hill, nun, da fand ich so gut wie nie etwas, das mir gefiel, es glitt mir zu oft in Süssliche, Seichte, Pseudoweihevolle ab. Ich denke an den „Pianör“ George Winston. Keine Frage, dass in dem riesigen Feld von New Age auch manch interessanter Fund gemacht werden konnte, aber das war selten. Auf Windham Hill erschien mal eine feine Platte des Gitarristen Robbie Basho, dessen Leben früh endete bei der Session eines Chiropraktikers.

    (Kleine Absxhweifung. Windham Hill war in der Regel für mich so langweilig wie CTI, das Label, bei dem Don Sebesky seine seifigen Streicher zu smoothem Jazz aufspielen liess. Pat Metheny verbeugt sich auf seiner neuen Arbeit vor diesem Arrangeur, und leider klingt auch sein Album zu grossen Teilen so, wie heisst das alte Wort, weichgespült. Allerdings lese ich fast nur anhimmelnde Kritiken, weise also darauf hin, dass ich hier eine klare Minderheitenmeinung vertrete)

    Insofern war Oregon vielleicht die Blaupause für manches, aber magischer als in ihrer ersten Quartettbesetzung waren sie nie. Ich hatte das Glück, das Quartett in Münster Mitte der Siebziger Jahre zu erleben, es war ein Traum. Jahrzehnte später dann in Essen, es war nur noch gefällig. Ganz nett.

  29. Olaf P.:

    ZU DEZEMBER 2019

    Wenn ich etwas kritteln dürfte …? Nicht an der Dezember-Sendung, sondern an‪ Pharoah Sanders‬. Der Mann ist mir höchst suspekt. Gewiss, was seine Musiker an epischen grooves, an herrlich verspielten, schwebenden Rhythmustexturen schaffen, ist grandios. Auch gefällt mir sehr, dass eine Flöte dabei ist.

    Alles was auf den Platten »Karma« oder »Black Unity« n i c h t ‪Pharoah Sanders‬ ist, ist wunderbar. Möglicherweise ist Sander ja ein genialer, epochaler, meisterhafter Spieler. Aber mir missbehagt etwas anderes. Mir scheint (meine Wahrnehmung), dass er im Wesentlichen wahrgenommen wird als sensibler, höchst religiöser Musiker, der sich in der Musik zu spiritueller Inbrunst aufschwingt. Ausdruck findet das in dem enervierend ekstatisch anmutenden »Überblasen« des Saxophons. Angenommen, Sanders meint es ernst mit diesem ekstatischen Taumel, dann macht er mir Angst.

    Ich halte mich auf großer Distanz zu irgenwelcher Religiosität. Weiß genug über die Auswirkungen jedweden Fanatismusses. Er ist doktrinär und dogmatisch und deswegen gegen alle Andersdenkenden. Als ich auf Karma« das erste Mal sein schreiendes Saxophon hörte, bekam ich eine Heidenangstwie vor einem marodierenden Mob. Vielleicht wollte er auch beängstigen. Aber dann auf anderen Paltten wieder.

    Meine Meinung hat sich geändert: Nein, der meint das nicht ernst, so geplant, wie das immer auftaucht. Er ist – was diese religiöse Inbrunst betrifft, aber selbst wenn es wütende Black Power sein soll – ein Schwindler, sie ist pure Berechnung, etwas, was er als sein Alleinstellungsmerkmal hegt und pflegt. Ich behaupte sogar, dass sein ganzes Einfühlungsgetue reine Effekthascherei ist. Auf jeden Fall FALSCH. Unehrlich, vorgespielt. Das ruiniert die ganze Musik. In meinen Augen. Ich stehe dem mit völligem Unverständnis gegenüber, kann nur mit dem Kopf schütteln. Ich nehme es ihm nicht mehr ab, nitschewo, never. Beim Hören von »Tahib«, die ja eher erschien, fällt mir zudem auf, dass er da wohl einen Zug ins rollen gebracht hat, den er seitdem nicht gern hat verlassen wollen. Denn die basalen repetitiven Rhythmusmuster bilden auf mehreren Platten die Grundstruktur, auf der er seine Melodien entwickelt. Verkauft die gleiche Idee mehrmals, weils beim Publikum ankommt. Geschenkt. Soll er. Ich machs mitunter nicht anders.

    Terry Riley hat ebenso seinen Zug gestartet,aber er kommt ohne fanatische Fanfaren aus. Zu ihm setze ich mich sehr gern dazu.

    Vielleicht noch ein paar Kurzbemerkungen: Nick Caves neues Album ist einfach wunderbar. Brian Enos Apollo hat bei mir hingegen – und zwar fast als einzige von all den mir vorliegenden Platten – keinerlei besondere Beachtung heischen können, ich finde sie geradezu belanglos. Im Radioprogramm hier gehört: Ja. Aber sonst von der CD gehört: Nix. So ist das manchmal. Dafür begeistert mich Frank Harris & Maria Marquez: Echoes ungemein, ich höre heraus den Mexikaner Jorge Reyes, den ich eben am Wickel hatte, aber auch Yas-Kaz, dessen Compilation auf Kuckuck mir eine große Freude ist. Ansonsten habe ich keine Probleme mit dem Wechsel von Brown zu Hillard. :)

    Heute, wo ich endlich Zeit habe, die Dezembersendung zu hören, schleicht sich doch etwas Wehmut ins Gehirn, weil ich irgendwo las, das Jahr 2020 soll Ihr letztes Radiojahr
    werden …

    Es möge ein grandioses werden!

  30. Michael Engelbrecht:

    Ja, manchmal divergieren die Wahrnehmungen sehr weit, und das ist dann spannend.

    ZUM EINEN:

    Apollo von Eno, Eno und Lanois hat mich seit seinem Erscheinen 1983 begleitet – und bereichert bei jedem einzelnen Hören. Es wäre eines der Alben, zu dem ich liebend gern der Reihe 33 1/3 ein Buch hinzufügen würde, wenn die drei Protagonisten mir jeweils zwei Stunden Rede und Antwort ständen (machbar!) und 20000 Euro für 140 Seiten garantiert würden (unrealistisch).

    ZUM ANDERN:

    Ich bin ähnlich allergisch auf jede Art von religiösem Fanatismus, und erlebe Pharoah Sanders ganz anders. Ich liebe die meisten seiner Impulse-Platten, entdecke darauf weder Doktrinäres noch Erschreckendes oder eine Masche. Eine Sommer lang begleitete er mich an der Seite John Coltranes, als Impulse diverse Live-Aufnahmen aus Japan veröffentlichte, sogar reines Mono. Wunderbar. Es gibt viele wenig bekannte Impulse-Alben, in denen Sanders eine ganze Palette von hauchzartem Lied bis zu exstatischem Tanz beisteuert. Für mich öffneten sich da Pforten der Wahrnehmung, und keinesfalls solche der religiösen Ergriffenheit.

    Der grossartige Free Jazz der Sechziger und Siebziger Jahre funktionierte anders als die konfessionell gebundene Hysterie mancher Prediger, jene Platten loteten eher das menschliche Potential aus, sie lehrten (meine Wahrnehmung) Unerschrockenheit, Grenzerfahrungen, GETTING THERE… ohne dass dieser andere Ort einem religiösen Handbuch folgte.

  31. Rondo:

    … Auch so wird klar, dass es sich bei „From This Place“ um die möglicherweise politischste Einspielung in der langen Karriere des Gitarristen handelt. Davon kündet der bedrohliche Tornado auf dem Cover, davon sprechen Stücktitel wie „America Undefined“. Und nicht zuletzt macht es die Musik deutlich – denn die erweist sich als opulente großorchestrale Feier der USA, die Pat Metheny mit einiger Herzenswärme auf akustischer und elektrischer Gitarre besingt.
    Die zehn Stücke auf „From This Place“ sind durchsetzt mit Verweisen auf Land und Leute: „Wide and Far“ etwa trägt ein wiederkehrendes Handclap-Motiv in sich wie aus dem Square Dance, im elegischen 13-minütigen „America Undefined“ sind mittenmang Vogelzwitschern, Kirchenglocken und ein durchfahrender Zug zu hören – ganz so, als befände man sich in einem bäuerlichen Weiler irgendwo im Mittleren Westen.

    https://www.rondomagazin.de/kritiken.php?kritiken_id=10999

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