Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2019 2 Sep

Liebe Pilznarren,

von: Manafonistas Filed under: Blog | TB | 6 Comments

 

 

magische Pilze sind seit einigen Jahren in den Niederlanden verboten, magische Trüffel (s. Photo) allerdings nicht, obwohl sie eine ähnliche biologische Struktur haben. Über Psilocybin, „magic mushrooms“, und seine Erfahrungen damit, hat ja Michael Pollan ausführlich gesprochen in seinem exzellenten Buch, das wir hier ausführlich besprochen haben. Ein „instant classic“ wissenschaftlich fundierter Literatur über die „Rehabilitation“ von Psychedelika.

Psilocybin hat eine geringe Giftigkeit und ein relativ geringes Schadpotential. Allerdings kann die Wirkung für Anfänger oder sehr empfindliche Personen etwas schwer zu handhaben sein. Für Einsteiger wird eine spezielle Trüffel empfohlen, die den Zusatznamen trägt „The Philosopher‘s Stone“. Neu-Kantianern möchte ich dann doch davon abraten, und dieser Gruppe lieber Königsberger Klopse empfehlen. Für Freunde der Vorsokratiker ist das alles hier eine „gemähte Wiese“.

Und wieso fällt mir gerade in diesem Moment ein Satz von Peter Handke ein, aus seinem Büchlein „Versuch über den Pilznarren“:  „Was habe ich doch für Glück gehabt, mein Leben lang! Und wie habe ich mich immer wieder getäuscht, einmal bitter, dann schön.“

Manche Menschen fühlen sich nach einem Trip mit „magic mushrooms“ oder Trüffeln etwas erschöpft, mit einem Kältegefühl und Schauder am ganzen Körper, Kopfschmerzen, Pupillenerweiterung, Übelkeit und Darmbeschwerden. Ich sag es ja nur.

Es ist ratsam, die individuelle Reaktion auf Psilocybin bei den ersten Malen mit sehr kleinen Dosierungen von Magischen Trüffeln zu testen. Über solche Detailfragen kann man sich leicht informieren. Geht an an das Thema nicht so heran wie an eine konventionelle Pilzsuppe. Mit einer reflektierten Anwendung kann man Horrortrips leicht vermeiden.

Ein Horrortrip ist eine intensive Erfahrung sein, die Unbehagen oder sogar Angst und Panikattacken auslösen kann. Die Gedanken können in einer Schleife gefangen sein und ein einzelnes negatives Körpergefühl oder ein einziger schlechter Gedanke kann verharren. Ein Horrortrip ist ärgerlich, aber die Dauer ist zeitlich begrenzt und nach ein paar Stunden wird alles vorbei sein.

Das Beste, was man dann machen kann, ist versuchen zu entspannen, sich in gute Gesellschaft begeben und sich keine Sorgen zu machen. Eine ruhige und verständnisvolle, nüchterne Person, die sich um Dich kümmert, ist immer hilfreich.

Nur Idioten lassen sich auf magische Trüffel ein, ohne den richtigen Rahmen, das passende Setting, und genügend Basiswissen. Dann aber wird es in aller Regel zu tiefgreifenden, und sicher auch freudvollen, Erfahrungen kommen. Man sollte sich solche Psychedelika nie illegal besorgen, sondern stets den Weg über offiziell niedergelassene, niederländische Firmen. Man suche sich im Vorfeld persönliche Lieblingsalben auf, die Raum greifend sind, transparent, meditativer Natur, Wohlfühlgaranten, und profund zugleich! Brian Enos Apollo, die alten und die neuen Stücke, sind natürlich der Burner, aber womöglich werde einige auch gerne auf ausgewählte Werke von Terry Riley, Pink Floyd, Jon Hassell, das oben zu sehende Album von Duke Ellington, Boards of Canada, oder Arve Henriksen zurückgreifen.

 

Das erste MMMM („manafonistic magic mushroom meeting“) wird beizeiten bekannt gegeben. Dazu wird auch der Verfasser des herrlichen Romans „Keiths Probleme im Jenseits“, Linus Reichlin, eingeladen, der bis jetzt noch nichts von seinem Glück weiss. Es besteht während des Abends absolutes Alkoholverbot. Devandra Banhart ist der Schutzpatron der Veranstaltung am Waldesrand, und spielt Akustikgitarrenversionen von Songs seines allerfeinsten neuen Albums „Ma“. 

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6 Comments

  1. Jochen:

    Man sollte endlich aufhören, Bier- und Weintrinker als gesellschaftliche Aussenseiter zu brandmarken und ihren Drogenkonsum als ebenso legal betrachten wie den von Haschisch, LSD oder Psylocibin. Derzeit trinke ich gern mal ein Hefeweizen (so alle zwei drei Tage eines) und finde es lästig, dafür stets einen Dealer im Stadtpark aufsuchen zu müssen, um mir den begehrten (Hopfen-)Stoff zu beschaffen. Gäbe es Hefeweizen legal, würde auch die damit verbundene Beschaffungskriminalität automatisch entfallen ;)

    Es grüsst,

    der Bierpichler Josef

  2. Michael Engelbrecht:

    Das ist fein, und hat mich daran erinnert, mir gleich mal einen Badischen Federweissen einzuschenken, teilweise gegorenen Traubensaft. Ich geh jetzt mal um die Ecke, und höre mir noch einmal Ethan Iversons Auftritt mit der 73-jährigen Trompetenlegende Tom Harrell an, im Village Vanguard. Also, ich achte mal auf Gläserklirren, aber ich denke, Bier und Wein gibt es da schon vor Ort, vor und nach dem Konzert, vorne am Ausschank.

  3. Martina Weber:

    Für die Musikauswahl des ersten MMMM möchte ich noch „Bohren und der Club of Gore“ ins Rennen bringen. Ich höre zurzeit ältere Klanghorizonteaufnahmen, Zufallsgriffe ins Regal, und habe heute bei einem Titel aus dem Album „Dolores“ mehrfach zurückgespult und höre jetzt das Album. Womöglich ist „Sunset Mission“ noch entspannter und magischer.

  4. Michael Engelbrecht:

    Siehst du, das ist total interessant, genau das Album käme für mich nicht in Frage. Es wäre mir zu dunkel.

    Zu dunkel für diesen speziellen Kontext 😉

    Da sollte jeder genau in sich hinein fühlen. Zum Glück hat D.B. nahe Amsterdam ein grosses Waldhaus, und ein herrlich grosses Musikzimmer, etwa 80 Quadratmeter, und eine Hifi-Anlage mit grossen Elektrostaten. Der Rahmen ist allerfeinst, und die Musiksammlung so riesig, dass man zwei, drei Konsensalben finden wird.

  5. Martina Weber:

    Ich mag´s an sich schon düster :)
    Aber ich finde es nicht besonders düster.

    Andererseits: Gestern erzählte mir eine Freundin, sie hätte von einer Freundin mit Kind längere Zeit Besuch, bis diese eine Wohnung gefunden hätten, und es sei schon etwas anstrengend für sie. Mich hat das offensichtlich unterbewusst so mitgenommen, dass ich einen Horrortraum über unerwünschten längerfristigen Besuch hatte. Wir könnten jetzt am virtuellen morgendlichen Manafonistas-Dream Theory-Lagerfeuer sitzen und ich könnte von einer Gruppe Unbekannter erzählen, die in einer Küche sitzen, von der ich zwar weiß, dass sie zu meiner Wohnung gehört, aber ich kenne sie nicht. (Ist oft so in meinen Träumen, dass ich die Orte nicht kenne.) Die Leute, es sind vier Erwachsene und ich kenne sie überhaupt nicht, rauchen eine Zigarette nach der anderen, mir ist übel und ich überlege, wie ich sie geschickt wieder loswerde…

    ich denke auch, dass es Konsensalben geben wird.

  6. Michael Engelbrecht:

    Ich glaube, wie ich die zwölf Manafonisten kenne, werden wir uns z.B. auf DIS von Jan Garbarek einigen können, und auf In The Land Of Grey and Pink von Caravan 🎩🙆🏼‍♂️☄️🦋🐥🐏🌼🔥🌿🍀🍄🍄🍄🍄🍄🍄🍄 – ich glaube aber auch, dass nur vier kommen werden :)

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