Manafonistas

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2019 8 Jun

Dance With The Robot

von: Martina Weber Filed under: Blog | TB | 1 Comment

Es ist das Jahr 2044, aber die Situation hat sich ein bisschen anders entwickelt als wir es uns zurzeit vorstellen, jedenfalls insofern, als die Satelliten nicht mehr einsatzfähig sind und wir uns, was die Entwicklung der Computerkunst angeht, wieder so etwa zu Beginn der 1980er befinden. In den Büros stehen wieder hellgraue große Kästen, wir erinnern uns an das Rattern der Nadeldrucker und in das Einüben von Geduld, bis eine Seite ausgedruckt ist. Dazu passend gibt´s Brillenmode im Retro-Style. Schöne Grüße von Halt & Catch Fire. In den Städten sieht es ziemlich verwahrlost aus, düster, ärmlich vermüllt, ich habe keine Pflanzen gesehen und da die Erde großenteils radioaktiv verstrahlt ist, ist der Platz eng geworden. Dafür laufen Roboter in den Straßen herum, als wären sie Menschen, mit ihren kleinen roten blinkenden Augen. Für die Roboter gelten zwei Protokolle, die fest in ihnen verankert sind und die uns bereits im Vorspann mitgeteilt werden:

 
 

Protokoll Nr. 1: A robot can not harm any form of life.

Protokoll Nr. 2: A robot can not alter itself or others.

 
 

Diese Protokolle sind wie der Revolver, der in einem alten Krimi in die Schulbade einer Kommode gelegt wird. Wir sollen sie vergessen und gleichzeitig ahnen, was auf die Protagonisten zukommt. Wir befinden uns in der Welt von „Automata“ (2014, Regie: Gabe Ibáñez). Der vordergründige Held des Filmes ist ein Jacq Vaughan, Versicherungsagent. Die wahre Heldin aber ist Cloe, eine sprechenden und hochintelligenten Roboterfrau mit der Maske eines Gesichts und einem hellblauen Pagenschnitt und einer (verhältnismäßig) fast sexy Ausstrahlung. Just a machine? Ein Cyborg? Wer ihr zusieht, wie sie zum ersten Mal ihr technisches Können unter Beweis stellt und ganz lässig auf einem Stuhl sitzt und ihr ziemlich angeknackstes Knie (bei Menschen immerhin eines der komplexesten Gelenke) mit ein paar Handgriffen repariert, fragt sich instinktiv nach den Grenzen des menschlichen Daseins. Self preparing implies some ideas of a conscience. Und wie diese Lady am Steuer eines Audi 100 Typ 44 sitzt und durch die Straßen rast, um Verfolger abzuhängen, ihren drahtigen schlanken Fuß auf dem Gaspedal. Trotz der konventionellen Plotstruktur hat der Film einen Charme, der zwischen High Tech und beeindruckenden Naturaufnahmen changiert und natürlich in der Interaktion von Mensch und Maschine. Gruselig schön ist die Szene, in der Cleo, die Roboterfrau, den Versicherungsagenten zum Tanz auffordert und sich mit ihm, Hand in Hand und mit einem sanften Wiegen, durch einen abgewrackten Raum mitten in der Wüste bewegt. Der Moment, der mich am meisten berührt hat, war der, als der Versicherungsagent erschöpft in der Wüste nah am Verdursten war und Cleo ganz ruhig sagte, sie hätte einen Kondensator gebaut und könnte ihm jetzt etwas Wasser zu trinken geben. Das ist so eine sachliche Art, liebevoll zu sein, wie man sie von Vätern kennt.

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1 Comment

  1. Martina Weber::

    „Es [das Schreiben, M.W.] ist ein unglaubliches Erlebnis, es ist eine Neugierde, eine Sucht. Man will dorthin, wo man noch nicht weiß, wo es ist. Es ist wirklich eine Sucht.“ Friederike Mayröcker, in: Hans-Jürgen Heinrichs: Schreiben ist das bessere Leben. Verlag Antje Kunstmann, 2006, S. 65

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