Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2019 14 Mrz

Mein Abend mit Alter 3

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | 2 Kommentare

 

 

„Die Zukunft ist nicht das, was man im Kino sieht.“

(Y.N. Harari, 18. Lektion)

Die Grundregeln der Roboter von Isaac Asimov: „Das Nullte Gesetz – Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugeführt wird.“ Heute Abend ging ich mit meinem biologischen Auslaufmodell in ein Konzert der neueren Art. „Hi, Alter 3!“. Leider wurde ich nicht zurückgegrüsst. Ich vergewisserte mich, dass ich in der 22. Reihe saß und all meine Sinnen beisammen hatte. Meine Augen erblickten einen humanoiden Roboter mit süßem Gesicht. Mein Tastsinn drängte nach einem Händedruck mit Alter 3. Meine Ohren hörten ein Quietschen und Klappern und wenn die Leinwand nicht die Texte verraten hätte, wäre mir nicht aufgefallen, dass der Roboter auch singen kann. Und was er sich da für sophisticated Texte ausgesucht hat …

 
 

Ein Liebeslied von Houellebecq: A kind of joy descends from the physical world. / I am attached to the Earth / The rocks , completely black … show me some of your body (aus: THE POSSIBILITY OF AN ISLAND

Von William S.Burroughs sang der Android: we are out, we are in, Tata Stalin (aus: THE THIRD MIND)

Von Ludwig Wittgenstein klapperte die Maschine: ich träumte, dass ich sagte, es regnet. Draussen regnete es wirklich. Ich irrte mich nicht, wir waren durch den Regen verbunden (so ungefähr)  (aus: ON CERTAINTY)

Es folgte noch ein Text von Y. Mishima. Halb gesungen, halb gekleppert: If I have ever moved of control  (aus: THE DECAY OF THE ANGEL)

 
 

Nach 60 Minuten ist die Deutschlandpremiere der Android Oper SCARY BEAUTY vorbei. 60 Minuten lang hat Alter 3 20 echte, japanische Musiker dirigiert. Das ist eine technische Meisterleistung. Wir klatschten und bekamen einen Anflug von Verbeugung zum Dank. Auf seinen „Coach“ zeigte er, sie, es ebenfalls mit leichter Verbeugung. Wir durften nach vorne zur Bühne kommen, um zu fotografieren. Kleine japanische Kinder riefen ihm hallo, hallo zu. Antworten kann er noch nicht. Er lächelte und nickte. Das converting program „World2Vec“ sollte hierfür erweitert werden. Ich war von der Zusammenarbeit zwischen dem japanischen Philharmonie Orchester und dem humanoiden Roboterdirigent tief beeindruckt. Komponiert hat diese Oper Keiichiro Shibuya. Ihm ist ein neuer Sound zwischen Pop, Klassik und elektronischer Musik gelungen. Hier der Trailer der Android Opera. Nach diesem außergewöhnlichen Opernbesuch dachte ich noch über die  erlebten Irritationen nach. Alter 3 ist nahbar, aber nicht fühlbar. Er ist erschreckend schön in seinem Skelett. Ich würde ihm einen 7. Sinn einhauchen: soziale Wahrnehmung. Das nächste Mal möchte ich, dass er zu mir sagt: „See you soon, human“.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 14. März 2019 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

2 Kommentare

  1. Jan Reetze:

    Das erinnert mich sehr an eine Ausstellung hier vor zwei Jahren, in der Industrieroboter ein großes Wandbild malten bzw. Bibeltexte in altmönchischer Schreibweise zu Papier brachten.

    http://woodstreetgalleries.org/portfolio-view/robotlab/

    Das ist wahrscheinlich ungefähr das, was sich die Berliner Parteien unter AI vorstellen.

  2. Lajla:

    Ich halte es für wichtig, dass wir uns zunächst mal spielerisch der Maschine nähern. Früher, auf der Kirmes, wollte ich immer wissen, wo denn der Unterleib der Frau verblieben war. Jetzt kommen diese Androiden und warnen mit Texten: „The Seven Last songs of Human“.

    Interessant war ja die Zusammenarbeit von dem Soundproduzent und dem Robot auf der Bühne. Auch Herrn Ikegami, der für die Bewegung zuständig war, sah man aktiv sein. Es wird also öffentlich. Stromausfall darf aber nicht passieren.

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