Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2018 8 Okt

Imago ri Origami

von: Uli Koch Abgelegt unter: Blog | TB | 1 Kommentar

Imago, das Bild, Abbild, Schatten- oder Traumbild, die Erscheinung, die Vorstellung tritt hier auf in Form eines subtilen Anagramms als Imagori = Origami. Origami, die japanische Kunst aus einem Stückchen Papier kleine, manchmal unfassbare Wunderwerke zu falten. Nun lebt die moderne Musik nicht zum erstenmal davon, Ideen aus der Kunst in Hörräume zu übertragen und damit neue Ereignishorizonte zu erschließen. Genau dieses tun nun zum zweiten mal Hans-Joachim Roedelius und Christoph H. Mueller mit Imagori2, in der die Hörgewohnheiten ziemlich zusammengefaltet werden. Hier stoßen, wie schon 2015 bei ihrem ersten gemeinsamen Projekt Imagori die immer wieder überraschend neuen Klagwelten eines Altmeisters auf den weltmusikalischen Erfahrungsraum des Gotan Project-Kopfes Mueller und lassen ein höchst wundersames Amalgam entstehen, das aber offensichtlich eher wie Damaszenerklingen immer wieder und wieder gefaltet und geschmiedet wurde, bis aus Bildern Abbilder werden konnten und aus Schatten Traumbilder und Vorstellungen, die die Aufmerksamkeit mit einer gewissen Sogwirkung bannen.

Es beginnt mit Foghorn, das auch ein ruhigeres Clusterstück hätte sein können und schwingt sich über einige fragile, wundersame Miniaturen auf zu Fractured Being, ein schier magischer Höhepunkt mit einem fremdartigen und doch vertrauten Gesang von Kenichi (Katrin Hahner), dem bald mit La Vie En Bleu, bei dem die Töchter Muellers im Niemandsland zwischen Gesang und Sprechen ihre Stimmen zum Einsatz bringen, ein weiteres Vokalstück folgt. Welten verschmelzen, Stimmungsräume kollabieren, Atmosphären studeln vorbei bis alles in Himmlischer Frieden zum Abschluß kommt. Wer aber vermutet, dass die beiden Herren jetzt den Wechsel ins New Age-Lager bahnen, wird hier heftig enttäuscht, denn Himmlischer Frieden ist möglich, und was für einer, verschroben und erhebend, unvorhersehbar im Fluss und zutiefst befriedend. Ein Meisterwerk überbordender Ideen, die ohne zu zögern damit beginnen Knick um Falte zu ziehen, wenn sich etwas aus dem Reich der Assoziationen einschleichen oder gar festsetzen will. Und trotzdem schön ohne einen Augenblick sentimental oder konventionell zu werden. Ein Hauch von mannigfaltiger Gegenwärtigkeit, wie ein kleiner elektronischer Papierkranich, der seine heitere Leuchtspur beim Flug durch die Nacht hinter sich zieht.

 
 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 8. Oktober 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

1 Kommentar

  1. Gregor:

    Dank für den Tipp. Wirklich sehr schöne Stücke.

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