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2018 24 Jun

Norwegian Mood – Alben 2018

von: Hans-Dieter Klinger Filed under: Blog | TB | 5 Comments

Ich dachte immer, die Alben des Jahres werden am Todestag des Nikolaus von Myra verkündet. Aber ich habe mich schon oft getäuscht – und wenn schon! Dass ich in norwegischer Stimmung bin, liegt an diesem Zufall: im „Baukasten“ für die Klanghorizonte vom 16. Juni 2018 – man suche den 23. April auf – ist doch angekündigt, dass der Hardangerfiedel eine Stunde gewidmet würde. Diese kleine Anmerkung veranlasste mich, in meinen Plattenschrank zu greifen und eine vor sehr vielen Jahren zuletzt gehörte CD aus dem Archivschlaf zu reißen und mich in sie und das Thema zu vertiefen wie nie zuvor. So wäre der 6. Dezember ein Tag der Unzeit, denn jetzt sind die Eindrücke und Entdeckungen frisch.

 
Zu klären und zu erklären ist nun, was „Alben 2018“ eigentlich sind. Handelt es sich um Alben, die erstmals im Jahr 2018 erschienen sind, oder sind es Alben, die erstmals MIR im Jahr 2018 erschienen respektive wieder erschienen sind? Für mich ist letztere Definition die bedeutsamere.

 
 
01 Edvard Grieg – Slåtter Op.72

Das Album ist bereits 1988 erschienen. Es ist jenes aus meinem Plattenschrank, mit dem alles begann.

02 Christian Wallumrød Ensemble ‎– A Year From Easter

Dieses 2005 bei ECM veröffentlichte Album ist mir bei der Suche nach Aufnahmen mit Nils Økland aufgefallen. Die heitere, gelassene Melancholie dieser Musik hat mich beeindruckt wie wenige Alben in letzter Zeit.

 
03 Nils Økland Band – Lysning
 
04 Erlend Apneseth Trio – Åra

Diese beiden Alben sind 2017 bei HUBRO erschienen und zusammen mit Knut Hamre & Steve Tibbetts ‎– Å der Beginn einer wunderbaren Reise, Ende offen …

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5 Comments

  1. ijb:

    Hans-Dieter, wo du gerade dabei bist, dich in dieses Thema zu vertiefen „wie nie zuvor“, kann ich als steter Norwegenreisender (wir werden in Kürze – ab 4. Juli – nahezu die gesamten Sommerferien dort sein) und Kenner vieler norwegischer Musiker die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, dir spontan ein paar Hardangerfiedelalben ans Herz zu legen, von denen du vielleicht einige noch nicht kennst. Ich schicke, der besseren Nachvollzieh- und Auffindbarkeit wegen, Links zu Nordische-Musik-Besprechungen mit:

    Das Trio Slagr (mit Vibrafon und Cello) kennst du vielleicht, da sie ebenfalls nun mit ihrem fünften Album bei Hubro gelandet sind. Ich schätze besonders Straum, Stille.

    Anne Hytta ist die Hardangergeigerin des Trios und hat ein paar schöne Soloalben veröffentlicht, u.a. dieses sehr gute beim süddeutschen Label Carpe Diem.

    (Bei Carpe Diem sind, nebenbei bemerkt noch viele andere schöne zeitgenössische Alben mit mehr oder weniger markantem Folk-Music-Ansatz erschienen, u.a. die letzten beiden des nord-südländischen Ensembles Hirundo Maris (mit Arianna Savall und Petter Udland), von denen ein ganz hervorragendes bei ECM erschien.)

    Apropos ECM, Benedicte Maurseth, die direkt am landinnersten Ende des Hardangerfjords, in Eidfjord, geboren und aufgewachsen ist und nun mit ihrem Lebensgefährten Stein Urheim (der ja auch bei Hubro das Hardangerfjordabum Strandebarm veröffentlicht hat, benannt nach einem kleinen Örtchen, wo die beiden für ein paar Monate lebte) in Bergen lebt (bzw. derzeit mal wieder für zwei Monate in Berlin), war ja auch schon auf einem ECM-Album zu hören, aber zuvor veröffentlichte sie ein paar sehr gelungene, unterschiedliche Hardangerfiedelaben, u.a. dieses solistische

    und mit ihrem Lehrer Knut Hamre, Elisabeth Seitz, Philippe Pierlot und Nils Økland dieses Meisterstück.

    Benedicte schrieb auch ein oder zwei Bücher über das Instrument und schreibt gerade an einem weiteren.

    Øklands Duo mit Sigbjørn Apeland, zu Eheren des großen, nach wie vor einflussreichen Bergener (Hardanger-)Geigers Ole Bull ist eines meiner absoluten Lieblingsalben bei ECM, Lysøen – Hommage à Ole Bull.
    Kürzlich fuhr ich tatsächlich aus Versehen (wir hatten die falsche Abfahrt genommen) an Ole Bulls Märchenschloss südlich von Bergen vorbei.

    Eine sehr schöne Kollaboration zwischen der schwedischen Nyckelharpa (Erik Rydvall) und Hardangerfiedel (Olav Luksengård Mjelva) ist auf diesen beiden Alben zu hören (exzellenter Klang!).

    …und Mjelva spielt darüber hinaus auf dem Liedalbum der 1978 in Rosendal, am südlichen Ende des Hardangerfjords geborenen Kari Malmanger, die bei Nils Økland in Voss studierte.

    Etwas ganz anderes und sehr radikal ist das Trio der Glassharmonikaspielerin Camille Norment mit Hardangergeiger Vegar Vårdal.

    Ragnhild Furebotten (geb. 1979 nahe des Polarkreises) kennst du vielleicht – sie spielt in diversen Bands, hat hoch im Norden ein schönes Trioalbum mit Frode Haltli aufgenommen, aus dem ich ein Lied in einem Film benutzt habe – spielte mit fünf Bläsern ein sehr ungewöhnliches, aber hervorragendes Album ein.

  2. ijb:

    Ah, noch was, hatte ich, glaube ich, schon mal empfohlen:

    Ingfrid (Piano) und Åshild Breie Nyhus (Hardangergeige) ehren ihren Vater Sven Nyhus (*1932), Johan Halvorsen (1864-1935) und Johan Kvandal (1919–99) mit dem Album Hardanger fiddle in art music: https://nordische-musik.de/komponist.php?id_komponist=490#8021

  3. Hans-Dieter Klinger:

    Ingo, vielen Dank für die Hinweise, die ich zur Stunde nur zur Kenntnis nehmen kann. Ich werde allen folgen. Schon mehrfach habe ich von dir verfasste Rezensionen bei Nordische Musik gelesen. Du bist ja ein profunder Kenner skandinavischer Musik.

    Auf das zweite Album mit Hardingfele-Musik in meiner Sammlung habe ich in den comments vom 23. April hingewiesen. Es handelt sich um Sven Nyhus, Traditional Norwegian Fiddle Music (1991).

    Bei meinen Recherchen über die Musiker bin ich freilich auch den Töchtern von Sven Nyhus begegnet, die hochinteressante Alben veröffentlicht haben – siehe dein zweiter Kommentar. Beide haben, wie Knut Buen und Einar Steen-Nøkleberg, Griegs op. 72 und die durch Johan Halvorsen überlieferten Slåtter Knut Dahles (1834 – 1921) auf einem Album gegenüber gestellt.

    Etwas ganz Besonderes dürfte Ingfrid Breie Nyhus‘ Album Slåttepiano sein, in welchem sie wie Edvard Grieg die 17 von Halvorsen aufgezeichneten Bauerntänze Dahles paraphrasiert, wesentlich freier als Grieg, und offenbar als vorbereitete Improvisationen, denn die Version des Bruremarsj etter Gibøen, wie sie auf der CD erscheint, unterscheidet sich merklich von jener, die sie auf dem Piano in Grieg’s Villa (Troldhaugen) spielt.

  4. ijb:

    Danke ebenfalls.

    Ja, Ingfrid Breie Nyhus, die ich zwei Mal fast getroffen hätte (zuletzt waren wir zur selben Zeit im gleichen Gebäude in Bergen, wo ich dann aber nur Stein Urheim über den Weg lief, der an dem Tag mit Benedicte zu Ingfrids Konzert ging), hat diese ganz hervorragende, ambitionierte Trilogie eingespielt, über die ich hier ausführlich geschrieben habe. Ich erinnere mich dunkel, dass ich darauf wohl schon einmal hingewiesen oder wir uns darüber ausgetauscht haben. Sie hätte durchaus einen größeren Hörerkreis verdient.

    Apropos Hardangerfiedel: In dem Drehbuch, an dem ich mit meinem Co-Autor seit einiger Zeit arbeite, wird sie auch eine Rolle spielen. Die Hauptfigur wird (bzw. tut es im Drehbuch bereits) Klangelemente dieses traditionellen Instruments mit elektronischen Elementen aus der Clubmusik verbinden…

  5. Michael Engelbrecht:

    … für mich gibt es zwei beste Platten von Christian Wallumrod, beide mit diesem sensationellen Quartett, neben einem feinen Drummer, Per Odvar Johansen oder so ähnlich, eben auch mit Arve Henriksen und Nils Økland. Neben A Year from Easter noch ein anderes, dessen Titel mir entfallen ist.


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