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on life, music etc beyond mainstream

2018 5 Jun

Elbjazz Festival

von: Hans-Dieter Klinger Abgelegt unter: Blog | TB | 7 Kommentare

 

  Impressionen

 
 
 
Es ist ein weiter Weg nach Hamburg. Große Städte zu besuchen, reizt mich nicht besonders. Weite Wege lege ich lieber zurück, wenn ich in leeren Landschaften ankomme, in Landschaften voller karger Schönheiten.

Weite Wege gehe ich gerne, wenn ich Freunde treffen kann. Die Reise nach Hamburg war ein Geburtstagspräsent, das mein Mädel von unseren Kindern geschenkt bekommen hat.

Wir verbrachten zwei Tage bei Bettina und Rudolf. Zwei weitere Tage streiften wir auf dem Festival umher. Das Programm war reichhaltig, Bekanntes und Unbekanntes, Attraktives und Uninteressantes.
 
 
 
  Omer Klein Trio   (listen)
 
 
 
Dieses Trio habe ich im letzten Jahr live gehört. Wenn ein Auftritt in Reichweite ist, sollte man die Gelegenheit zum Besuch nützen. Ich halte das Omer Klein Trio live für das zur Zeit aufregendste Piano Trio weltweit. Das Recital in der Schiffbauhalle auf dem Blohm & Voss Gelände wurde von NDR info mitgeschnitten.
 
 
 
  Django Bates und die hr-Bigband
 
 
 
51 Jahre Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band. Saluting Sgt. Pepper – direkt an den Bühnenabsperrungen, ganz vorne. Witzige und aberwitzige Arrangements. Der Sänger Martin Ullits Dahl, glänzend!
 
A Day In The Life – a wonderful one in this case …
 
 
 
  Tony Allen
 
 
 
Ein Blick aus der Elbphilharmonie auf die Stadt. Am Samstagabend um 20 Uhr spielte im Großen Saal die Band von Tony Allen. Ich kannte ihn nicht. Der Auftritt war eine kleine Enttäuschung.

Allen spielte wenig differenziert, sein Pianist war kein begnadeter Improvisator, allerdings ein gut groovender basso-continuo-Spieler. Ein junger Saxophonist und ein talentierter Double Bass Player ergänzten zum Quartett. Zu Hause angekommen, habe ich mein Wissen über Tony Allen deutlich vergrößert, habe bei Qobuz ein paar Alben angehört, die mir gut gefallen haben. Brian Eno beschrieb einmal Tony Allen als „den vielleicht größten Schlagzeuger, der je gelebt hat“. Dieser Auffassung werde ich mich jedoch nicht anschließen.

Vielleicht lag es am Ort, am Großen Saal, dass ich wenig angetan war. Es ist ein Raum, gebaut für ein Sinfonie-Orchester, mit den dafür passenden akustischen Eigenschaften. Zwei Sekunden Nachhall mögen ideal sein für Sinfonische Musik, aber wenn Tony Allen die Cymbals traktiert, wird es ein zischender Klangbrei, in dem dumpfe Tomtom-Impulse schwimmen. Bass Drum und Kontrabass liefern ein konturlos wummerndes Tiefton-Fundament. Auch an den Freiluftbühnen der Blohm & Voss Werft frönte man den über die Maßen röhrenden Bässen, den Machos des Frequenzspektrums – grauenhaft. Am besten war der Sound beim Omer Klein Trio in der Schiffsbauhalle, vielleicht deswegen, weil Spezialisten des NDR am Werk waren.

Ich freue mich auf die Kulturwelten Helmbrechts, wo Mixer mit guten Ohren und Geschmack für transparenten Sound sorgen, in kleinen Sälen – ein großer Vorteil!

Wer wird dort wohl spielen?

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 5. Juni 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Du kannst hier einen Kommentar hinterlassen. Pingen ist zur Zeit nicht erlaubt.

7 Kommentare

  1. Hans-Dieter Klinger:

    Omer Klein Trio „Yemen“

    A Day In The Life
     
     
    Wer eine gute Stunde durchhält, wird belohnt …
    Omer Klein Trio JazzBaltica 2016
    der Drummer Amir Bresler imponiert mir ganz besonders
    er spielt das ganze Set extrem zurückhaltend
    45:30 beginnt „Yemen“, darin Amir Breslers Solo,
    das aus dieser Zurückhaltung heraus entwickelt, mit unglaublicher Wucht trifft
    formal interessant:
    Omer Klein & Haggai Cohen-Milo (bass) schauen nicht zu, wie ihr Drummer sich ‚aufreibt‘, sie sind part of the solo mit hochpräzis gesetzten Einwürfen

  2. Poschlost:

    Danke für die interessanten Impressionen, die mich auch darüberhinwegtrösten, dass ich – als Hamburger – diesmal nicht dort war. Das Programm hatte für meinen Geschmack zu wenige Hightlights, Omer Klein und Django Bates hätte ich aber auch dazugerechnet.

    Was mich bei den Freilufthauptbühnen beim letzten Mal extrem genervt hat, war das unentwegt laut schwadronierende, filmende, fotografierende, alles mögliche machende, nur nicht aufmerksam oder wenigstens respektvoll lauschende Publikum (das alles sogar unmittelbar vor der Bühne). Viele sind dort wohl vor allem wegen des „Events“, nicht wegen der Musik.

    Den großen Elbphilharmonie-Saal schätze ich dagegen sehr. Habe dort schon mehrere tolle Konzerte – vor allem Jazz- gehört. Angenehme Atmosphäre, finde ich.

    Karsten

  3. Michael Engelbrecht:

    Der grösste Schlagzeuger ever ist natürlich Ringo Starr, was viele nicht wissen oder für einen Scherz halten. Meister Klinger, dieser Auffassung wirst du dich auch nicht anschliessen :)

  4. Hans-Dieter Klinger:

    hi Karsten
    danke für die Resonanz

    Wie anfangs erwähnt, waren die Tickets ein Geschenk. Abgesehen vom legendären Nürnberger Jazz-Ost-West Festival habe ich nie solche Veranstaltungen besucht. Ja, das Publikum kann stören. Wir haben gezielt 3 Venues ausgewählt:

    – Omer Klein
    – Django Bates
    – Michael Wollny (Freitag Abend), wegen Gewitters ausgefallen
    – Tony Allen wurde von unseren Kids gewählt

    Wir waren immer rechtzeitig, d.h. mindestens 30 Minuten vor Beginn am Veranstaltungsort und hatten Plätze ganz vorne, wo vermutlich eher interessierte Leute sich einfinden. Das restliche Publikum hatten wir im Rücken, es war somit leicht zu ignorieren.

    Mich störte die miserable Sound-Abmischung gewaltig – mehr als schmatzendes, plapperndes, knipsendes Publikum. Wahrscheinlich werden tiefe Klänge überproportional aufgedreht als Kompensation zum schwindsüchtigen Ohrhörerklang des Alltags – ein Festival muss das halt transzendieren.

    Ich bin verwöhnt vom Hören zu Hause über eine hochwertige Anlage, und, vom Konzertbesuch in angemessenen Räumen, z.B. im Jazzclub Birdland in Neuburg/Donau, in den kleinen Sälen bei den Kulturwelten in Helmbrechts. Dass man akustisch problematisches Ambiente in den Griff bekommen kann, wurde bei Omer Klein demonstriert. Aber „Knocking On Your Brustbein“ ist die Mode, die mich streng teilt von Mainstream-Sound-Mixern. Ich werde nie ihr Bruder. Es werden Wummering Heights erklommen auf Kosten der Transparenz.

    Eigentlich braucht jede Musik ihren passenden Raum. Ich hatte einfach den Eindruck, dass Tony Allen im falschen Raum spielte. Möglicherweise wäre der Kleine Saal der Elphi vorteilhafter gewesen. Aber ja, der Große Saal der Elphi ist fantastisch, ein architektonisches Prachtstück. Auf einem guten Platz die Atmosphäre des Raumes genießen, ist toll. Unseren Kids ging es sicher um unser Erlebnis der Elbphilharmonie – Tony Allen war ihnen ebenfalls ein Unbekannter. Aber „Afro Beat“ hörte sich verlockend an …

  5. Hans-Dieter Klinger:

    @ Meister Engelbrecht

    Meister Klinger, dieser Auffassung wirst du dich auch nicht anschliessen

     
    da liegst du falsch :))

  6. uwe Meilchen:

    Django Bates „Beloved“ gastiert im DOMICIL in Dortmund im Herbst, ebenso Matthias Eick, habe mir mal beides vorgemerkt! :)

  7. Lorenz:

    zu Toni Allen: Er spielt auf der neuen CD von Angelique Kidjo mit (ich mochte eigentlich nur Ihre ersten beiden CDs und als Sie noch davor bei Pili Pili sang). Sie covert das komplette „Remain in light“ Album der Talking Heads. Die Klangschnipsel, die ich bis jetzt hoeren konnte klangen recht interessant.

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