Manafonistas

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2018 25 Apr

Strange Towns & Sounds

von: Michael Engelbrecht Filed under: Blog | TB | Tags:  2 Comments

Zum zweiten Mal hintereinander ein japanischer Kriminalroman, und gleich wieder Sonderklasse. Jeder Hauch von Komik geht „64“ ab, im Vergleich zum „Sonnenschirm des Terroristen“, und obwohl der Roman tief in die Rituale japanischen Alltags eindringt, gerät die Welt in Yokoyamas Roman mitunter in Schwebezustände a la Murakami. Bei all unseren Empfehlungen dringen wir in urbane Räume ein – selbst das Glasgow von Bill Wells ist zu erahnen, hinter den Studiotüren, in zeitlosem Everblues, im Innehalten, in der Songmagie. Eine Magie anderer Art praktizierte Neil Young 1973 im neuen Club Roxy, auf dem Sunset Trip, als er „Tonight‘s The Night“ erstmals live darbot (das abgründige Meisterwerk hielt Reprise Records erstmal unter Verschluss), und Rockmusik nach dem Ende der Illusionen der Hippieära (Altamont, Manson, all das weggeworfene Leben) zur Geisterstunde erklärte. Dad hatte damals Angst, sein Sohn würde bald zu den andern Toten hinzustossen, und hörte plötzlich ein Gerücht aus Paris: – Bist du tot, fragte er ihn am Telefon. Und Neil antwortete: – Nicht dass ich wüsste. Zwischen Traum und Wirklichkeit angesiedelt ist auch die grosse englische TV-Serie „The Prisoner“, die bei uns „Nummer 6“ hiess, und unerhörte neue Töne in die Welt verfilmter Dystopien brachte. Die Blu-Ray-Version zum 50-Jährigen ist der Knaller, und das Buch von Alex Cox die ideale Begleitlektüre zu dieser Zeitreise. Und wer es „gritty & real“ will, der passiere die Stadtgrenze von „Flint Town“. Neben „Wild Wild Country“ und „Wormwood“, die dritte Art, Realitäten aufzuspüren, bei denen man sich zwischendurch an den Kopf packt und die Jukebox anwerfen möchte: „It‘s a mad, mad, mad world“.

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2 Comments

  1. Rosato:

    Eine interessante recommendations list, die ich aus einem besonderen Grund kommentiere. Nicht wegen

    Und wer es „gritty & real“ will, der passiere die Stadtgrenze von „Flint Town“. Neben „Wild Wild Country“ und „Wormwood“, …

    Das ist mir zu rätselhaft. Dann schon eher wegen Brian Cox. Aber, wer ist das überhaupt? Und, welches Buch hat er geschrieben? Man möge es als ideale Begleitlektüre zu einer besonderen Zeitreise gebrauchen. Gerne!

    The Prisoner resp. Nummer 6 ist mein unerreichter Serien-Favorit und das seit der deutschen Erstausstrahlung. Es war gar nicht leicht für mich, die im Jahr 1969 vom ZDF spät abends am Wochenende ausgestrahlten Episoden zu sehen. Wir hatten keinen Fernseher. Ich besuchte meine Cousine, und meine Besuche wegen der Nummer 6 wurden eher widerwillig geduldet nach Art von „so ein Quatsch, das gefällt dir ???“ Einmal wurde mir – vielleicht wegen einer konkurrierenden Sendung – das Betrachten verweigert. Deshalb kaufte ich meinen allerersten Fernsehapparat. Einige der damals ausgestrahlten Folgen habe ich verpasst. Ich war fasziniert von dieser kafkaesken, visionären Serie (ja da gab es schon Mobiltelefone, totale Videoüberwachung und wir wollen Informationen, Informationen, Information …) und der unbeugsamen Nummer 6.

    Viele, viele Jahre später wurde Nummer 6 wiederholt, von einem Privat-TV-Sender. Zu Hause war der Kanal für mich nicht zu empfangen mangels Satelliten-Empfangsanlage. So trug ich meinen Videorecorder in die Schule und ließ ihn seine Arbeit über Nacht verrichten. Wieder vergingen viele Jahre, dann erschien The Prisoner auf DVD. Natürlich kaufte ich die Edition. Sie begleitete mich bei einer meiner ganz wenigen Reisen nach Großbritannien. 2009 verbrachten wir 2 Wochen in Penrhyndeudraeth/Wales, unweit von Portmeirion, dem „Village“, dem Anlass unserer Reise.
     
     

     
     
    Eine Bluray-Edition gibt es schon seit 2010. Damit hatte die DVD-Ausgabe ausgedient, ich habe sie verschenkt. Es gibt eine Webseite zu Ehren von Nummer 6.

  2. Michael Engelbrecht:

    Sorry, it’s A l e x Cox: I am NOT a number.


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