Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2018 8 Mrz

Von freien Frauen

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | 3 Kommentare

 

 
 
 

Auf dem heurigen Wiener Opernball war eine Besucherin in einem Flöge Kleid zu bewundern. Ich war begeistert. Emilie Flöge (1874-1952) war die erste Modemacherin in Europa. Sie führte mit ihren Schwestern einen Nähsalon, in dem betuchte Frauen wie Alma Mahler und die Wittgensteins zur erlesenen Kundschaft gehörten. Ich hatte Emilie Flöge im Zuge meines Interesses für Stoffe entdeckt. Von jeder Reise bringe ich mir ein edles Tuch mit, entwerfe selbst gerne Muster. Michael hatte schon mal eine Kostprobe geschätzt. Frau Flöge reiste zweimal im Jahr nach London und Paris, um neuestes Design nach Wien zu ordern. Sie revolutionierte die Mode insofern, als dass sie das enge Korsettgeschnüre abschaffte und durch lange, elegante und weich fallende Kleider ersetzte. Gustav Klimt fotografierte ihre Entwüri81fe, wir kennen die geschmeidige Ornamentik von ihm und seine zum Übergreifen einladenden offenen Frauengemälde. Das Erstaunliche an Emilie war, dass sie bis zu Gustavs Tod seine Urvertraute war, aber aufgrund ihrer Freiheitsliebe nie eine Liaison mit ihm eingegangen war.

Wenn es in der öffentlichen Meinung um Frauenthemen geht, schaue ich gern bei Camille Paglia nach. Sie ist seit den frühen 90er Jahren die wichtigste Frauenstimme für mich. Als wir Susan Sontag verloren hatten und mit der Diskussion um die „Männerphantasien“ von Theweleit durchwaren, horchte ich auf, als uns plötzlich eine Frau die Kulturgeschichte erklärte. Paglia denkt meist in Vergleichen, ist ziemlich provokant und angstfrei in der Argumentation. Herrlich, wie sie die bescheidene, auf Hobbys wertlegende Merkel auf die Glamour und Geld liebende Hillary ansetzte.

In der #metoo Debatte stellt sie die Arbeiterin, die ihren Chef nicht so einfach nach Belästigung anprangern kann, weil sie von ihrem Job abhängig ist, die gebildete middle-class woman gegenüber, die es nicht scheut, ihre Würde und ihren Selbstrespekt unter ihre Sucht nach Karriere zu stellen.

Um einen sinnlichen Bogen zu Jochens Brasilianerinnen zu ziehen, möchte ich einladen zu „À primeira Vista“ auf YouTube, um Daniela Mercury bei ihren freien Tanzbewegungen und ihrem Song „Nobre Vagabundo“ zuzusehen. Sie ist die angesagte Sängerin von Camille Paglia. Sie ist gut.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 8. März 2018 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Man wundert sich ja über nichts mehr: ich stellte mir kurz Lajla auf dem Wiener Opernball vor.

    Was es hier nicht alles gibt: Manafonisten, die Luther gewidmete Chöre hören, sich auf Opernbällen rumtreibende Lucinda Williams-Fans (wahrscheinlich dann doch im Fernsehen gesehen :)), Abhandlungen über „Jingle Bells“ …

    Da möchte ich doch „Jesus Maria“ in die Runde rufen, und lande Gottseidank nicht auf dem Christkindlmarkt in Nürnberg, sondern bei der Magie von Carla Bley.

    Womit wir wieder bei Michael Naura wären, der Carlas Musik stets in höchsten Tönen pries …

  2. Lajla Nizinski:

    Ich war mit Falco dort, oh oh oh, schau schau …

  3. Michael Engelbrecht:

    Die Welt ist voller Paralleluniversen….

    Die einzige Oper, die ich schätze ist Carla Bleys
    Escalator Over The Hill …


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