Manafonistas

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2017 30 Dez

Lost Art and gentle Sounds – Situationstext

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

In dieser Nacht, in dieser Nacht

Ich gehe die Gurlittstraße entlang. Sie liegt mitten in einem lebendigen Stadtteil von Düsseldorf. Als ich 1990 hierher zog, erzählte man mir von dem Kampf der Studenten für eine Namensgebung ihrer Universität. Erst 1988 bekannten sich die Stadtväter zu ihrem jüdischen Sohn und benannten die Universität nach Heinrich Heine.
 
This sweet old world 

Wie kann das sein, dass nur 40 Jahre früher einem Mann mit zwielichtiger Haltung zum Naziregime die Leitung des Düsseldorfer Kunstvereins anvertraut wurde? Ausgerechnet einem Mann, der sich Werke aus den jüdischen Vermögensabgaben kaufte und deren Privatbesitz bis über seinen Tod hinaus leugnete? Wie gelangte Hildebrand Gurlitt an die Werke der NS-Raubkunst? Ganz einfach, Gurlitt war nach 1942 ihr Chefeinkäufer
 
Michael spricht von „herumtreibenden Schatten“

Die Geschäftsbücher über seine kostbaren Errungenschaften gab er als im Krieg zerstört an. Er behauptete ebenfalls, dass kein einziges seiner Bilder aus jüdischem Besitz sei.
 
You want it darker 

1948 wurde Hildebrand Gurlitt Leiter des Düsseldorfer Kunstvereins. Er war hoch angesehen und respektiert ob seiner grossen Kunstkenntnissen und seinen besten Beziehungen zu großen Künstlern und renommierten Sammlern. Er kuratierte über 70 Ausstellungen mit erstklassiger Kunst, zeigte jedoch kein einziges Werk aus seinem privaten Kunstschatz.
 
Stille Lieder

Nach seinem Tod 1957 trat sein Sohn Cornelius Gurlitt das schwere Erbe an, das zufällig 2013 in seiner Münchner Wohnung entdeckt wurde. Aus diesem Kunstfund lässt sich nicht ausschließen,  dass die Bilder unrechtmäßig erworben wurden. Deshalb wurden sie in die öffentliche Online Datenbank Lost Art.de eingestellt.
 
Michael spricht vom „Zustand der verlorenen Welt“

Gurlitt entschloss sich 2014, dass sein Bestand von einer „Taskforce“ erforscht werden sollte und willigte ein, dass erwiesene Raubkunst zurückgegeben werden sollte. Als Alleinerbin bestimmte er schließlich das Kunstmuseum in Bern. Von dort sende ich meinen Neujahrsgruss, 2018.
 
 
 

Karl Schmidt-Rotluff


 

Michael sagt:“ wieder sind die Ursprünge weit gespannt.“
 

 

Max Beckmann: Zandvoort Strandcafé 1934

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 30. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Lajla Nizinski:

    Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn: Bestandsaufnahme GURLITT. Bis 11. März 2018.

    Den Text schrieb ich während der Klanghorizonte / DLF 30.12.2017

  2. Michael Engelbrecht:

    Was für eine Story. Alles, was schnell entnazifiziert wurde und über Seilschaften in neue Führungsrollen rutschte … der Abschaum der Kultur.

    Ich „predigte“ oder „redete“ nicht vom Zustand „der verlorenen Welt“, ich umkreiste nur Themen der Lieder von Father John Misty …

  3. Lajla Nizinski:

    Ja. Während der Musik hörte ich auf zu schreiben. In der ersten Stunde war ich hin und weg :) wegen der erlesenen Auswahl und der ausgewogenen Komposition. Toll. Du bekommst Flowers from the flowershop :)

  4. Michael Engelbrecht:

    Henk Hoftstede von den Nits zur Ehrenrettung …

    Flowers from the flower shop

    Findet sich als Stil“blüte“

    Nicht einmal in dem Lied.

    Und das Lied ist aufgenommen in meine Top 12 Songs about living and dying. Number one is Who By Fire, by Mr. Leonard Cohen.


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