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2017 29 Dez

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (153)

von: Gregor Mundt Abgelegt unter: Blog | TB | 1 Kommentar

Sie stand vor meinem Plattenschrank und wollte einfach einmal eine Platte ziehen, irgendeine, über die ich dann in einem meiner nächsten „Plattenschränke“ schreiben möge, so sagte sie. Solche Spiele mag ich sehr und so schaute ich Lajla zu, wie sie ihre Hände über die verschiedenen Plattenabteilungen gleiten ließ und im Jazzbereich beim Buchstaben H zugriff. Oha, eines meiner Lieblingsplatten hatte sie erwischt: Charlie Haden / Paul Motian feat. Geri Allen: ETUDES, im Jahre 1988 bei Soul Note (Milano) erschienen. Charlie Haden kannte Paul Motian zu diesem Zeitpunkt schon viele Jahre lang, damals 1959, bei ihrem ersten Treffen, spielte Haden gerade in Ornette Coleman´s Quartet und Paul Motian arbeitete mit Bill Evans und Scott La Faro zusammen. Bald darauf sollten die beiden mit Dewey Redman und Keith Jarrett durch die Lande touren. Auf dieser von Lajla ausgewählten Schallplatte musizieren die beiden zusammen mit Geri Allen. Man spielte bei den Aufnahmen zu dieser Platte in diesem Spätsommer 1987 in New York City fast ausschließlich eigene Kompositionen, drei von Paul Motian, darunter das titelgebende Stück, drei von Charlie Haden, darunter etwa die wunderschöne Nummer „Silence“. Geri Allen steuerte die Komosition „Dolphy´s Dance“ bei. Eröffnet wird die LP mit der Ornette Coleman-Nummer „Lonely Woman“.

Geri Allen, diese geniale Pianistin, verstarb am 27.06.2017 gerade einmal sechzigjährig. Wenn man mich gefragt hätte, welche Platte ich ihr zum Gedenken auflegen würde, ich hätte diese Scheibe ausgewählt.

 
 
 

 
 
 

Noch an drei weitere Musiker, die im Jahr 2017 starben, möchte ich erinnern und jeweils eine herausragende Platte wenigstens kurz nennen:

Gleich zu Beginn des Jahres, am 19. Februar ging Larry Coryell von uns. Nachdem ich Philip Catherine und seine herausragende Platte September Man (1974 veröffentlicht und seit Oktober dieses Jahres endlich wieder im Handel erhältlich) kennengelernt hatte, verfolgte ich diesen Ausnahmegitarristen auf Schritt und Tritt und wurde so auf eine Duoplatte: Larry Coryell & Philip Catherine: TWIN HOUSE“ (VÖ 1977) aufmerksam, auch eine meiner Lieblingsplatten. Die beiden spielen vier Catherine-Kompositionen, und je eine von Larry Coryell, Keith Jarrett, Django Reinhardt und Jimmy Webb.

Am 23. Februar starb Horace Parlan, er wurde 86 Jahre alt. Auch dieser Pianist ging im Jahre 1987 ins Studio, allerdings auf der anderen Seite des Atlantiks, ins Studio 44, Monster, Holland und nahm dort zusammen mit dem Saxophonisten Archie Shepp die Platte Archie Spepp Horace Parlan Duo Reunion auf. Eine wunderschöne Duoplatte, auf der Kompositionen von Duke Ellington, Billy Strayhorn, Thelonious Monk, Benny Carter, Dewey Redman, Archie Shepp und Copyright Control zu finden sind. Als ich mir damals Ende der achtziger Jahre diese LP zulegte, wusste ich nicht, was dieses Copyright Control unter der Komposition „Call Me“ bedeuten sollte. Heute weiß ich, dass es Sammler gibt, die speziell Aufnahmen von Kompositionen mit diesem Merkmal suchen. „Copyright Control means there is no publisher known for the composition(s) featured on a release. It is used in lieu of there being a known publisher.“ (Discogs).

Im Frühjahr 1984 trafen sich Jack DeJohnette, Jan Hammer, Mike Brecker und John Abercrombie in New York um eine Platte aufzunehmen, die später meine Platte des Jahres werden sollte: NIGHT. Die vier spielten fast ausschließlich Kompositionen des Meisters an der Guitar, nur eine entstammt der Feder von Jan Hammer: „Etherreggae“. Diese Nummer wurde das Eröffnungsstück der Scheibe und hatte es mir vor allem angetan. John Abercrombie starb am 22. August, dreiundsiebzigjährig.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 29. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

1 Kommentar

  1. Lajla:

    Der Plattenschrank ist ja eher eine verführerische Wand, der ich mich ganz Geri mäßig näherte:“Dancing towards the sound“. Ein Glücksgriff.


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