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2017 10 Dez

Musikvideos 2017

von: ijb Abgelegt unter: Blog | TB | 1 Kommentar

Über die Jahresbestenlisten verschiedener Webseiten mache ich immer wieder Entdeckungen; schon habe ich CDs von Andre Cymone (den ich erstaunlicherweise gar nicht kannte), Circuit des Yeux und Ambrose Akinmusire (den ich bisher eher als langweiligen Mainstreamjazzer eingeordnet hatte) bestellt. Nicole Mitchells Album Mandorla Awakening, Kidal von Tamikrest und SZAs Ctrl stehen als nächstes auf der Liste. Und James Holden & the Animal Spirits wart schon eine exzellente Spät-Neuentdeckung.

Über die Jahresrückblicke stößt man hin und wieder aber auch auf interessante Videos. Kendrick Lamars überdrehtes Humble wurde ja tausendfach geteilt, und bestimmt hat es jeder schon gesehen. Interessanter ist daher vielleicht Jonas Lindströms Video für Element, in dem Fotografien von Gordon Parks in der Gegenwart zum Leben erweckt werden. In München gab es in diesem Jahr eine großartige Retrospektive, die verdeutlichte, wie aktuell Parks‘ Werk doch ist. Nabils surreales Video zu DNA mit einem exaltierten Don Cheadle greift die gleichen Themen auf und ist auch sehr gut, wenn auch weniger spektakulär. Die aufgedrehte Stimmung von Kendricks Damn und die entsprechenden Videos scheinen mir 2017 gut auf den Punkt zu bringen.

Natürlich muss ich in diesem Zusammenhang Algiers‘ Video The Underside of Power (Regie Henry Busby & Marcus Tortorici) zumindest erwähnen – eine Mischung aus Performance-Video, das die Bandmitglieder latent als Untergrundkämpfer zeichnet, und Zeitkommentar zu den brennenden Themen des Albums. Mit ähnlichen Themen hantiert auch Noga Erez‘ Dance while you shoot; die Sängerin aus Tel Aviv thematisiert in ihren Texten das Leben in Israel zu einer sehr zeitgemäßen Musik, die oft zu Vergleichen mit M.I.A. u.ä. führte. Das Video (directed by Zhang + Knight) setzt da an. Starkes Album.

Was ganz anderes, ohne Politik: Jeremy Bibles poetische Luftaufnahmen von Ohio zum Gitarrenstück Black Grasshopper von High Aura’d. Wahnsinnig komplex sind Kevin McGloughlin abstrakte Grafiken zu Max Coopers Stück Symmetry. Und auch Maxime Causeret hat ein faszinierendes grafisches Video zu einem Track von Max Cooper erstellt: Order from Chaos.

Sevdalizas lynch-haftes, mit Emmanuel Adjei entwickeltes Video zu Human ist zwar schon im November 2016 veröffentlicht worden, das Album Ison (zu dem es nebenbei bemerkt auch eine Art Slow-Motion-Video der kompletten 66 Minuten des Albums) dazu allerdings erst im Sommer 2017. Es passt hervorragend zu der dunkel-surrealen Stimmung des Albums. Mehr mit dem surrealen Charme alter VHS-Elemente (vgl. The Ring) spielt das wilde, ins Abstrakte gehende Video der frankokanadischen Filmemacherin Jacqueline Castel zu Zola Jesus‘ Albumhighlight Exhumed.

Wie Exhumed, so klingt auch folgendes super über Kopfhörer: Eigentlich kein Musikvideo, aber mich hat dieses Video von zwei Tracks (Deliverance und The Conduit) der audiovisuellen Performance von Belief Defect beim Atonal Festival in Berlin sehr beeindruckt. Ich war selbst nicht dabei, hätte das aber gerne erlebt. Die intensive Klangwelt des großartigen Industrial-/Noise-Techno-Albums kommt live sicher sensationell in dieser Umgebung im Berliner Kraftwerk.

Mir gefällt auch Protomartyrs für diesen Post-Punk ungewöhnliches, seltsames, düsteres Video zu A Private Understanding (Tony Wolski & Trevor Naud) sehr; auch wenn ich mir ehrlich gesagt keine große Mühe gemacht habe, Text und Handlung zusammenzubringen.

Und zum Schluss noch was Witziges: Young Thug erschien nicht (oder nur halb) zum Dreh seines 100.000 Dollar teuren Videos Wyclef Jean, also musste Ryan Staake aus der Not eine Tugend machen.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 10. Dezember 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

1 Kommentar

  1. ijb:

    #4 Zola Jesus: Okovi (Sacred Bones)

    Nika Rosa Danilova has been flirting with greatness for the past decade, her unique blend of darkwave and Kate Bush-derived art pop established her as a burgeoning talent over the course of five albums. Her soaring, powerful alto voice lends great strength to her dark-toned arrangements and that combination of voice, instrumentation, and songwriting reaches a new peak on Okovi, Danilova’s strongest work to date. Songs like „Soak“, „Witness“, and „Siphon“ touch on dark themes, but a sense of empathy lurks beneath the seeming bleakness. Detecting a sense of humanity can be challenging with music that is this stark, but aided by sterling production and gorgeous string arrangements, not to mention a sensational vocal performance, Okovi’s visceral power is undeniable. It’s ironic that on a record whose Latvian title translates as „shackles“, Zola Jesus sounds liberated.

    – Adrien Begrand, PopMatters‘ Best Albums of 2017


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