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2016 25 Apr

FROHBURG – Eine Anleitung zur Lesebewaeltigung

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  4 Kommentare

 

 
 
 

Ich habe mich fuer einige Tage ins belgische Hinterland begeben, um diesen literarischen Wackerstein zu lesen. FROHBURG von Guntram Vesper, 1000 Seiten. Um es vorwegzunehmen, ich habe das Buch bewaeltigt. Mit gewissen Techniken ist es auch gar nicht schwer.

Auf keinen Fall darf man diese Familiengeschichte mit dem Atlas auf den Knien lesen. Guntram Vesper hat einen genauen kartografischen Blick, man nimmt ihm die Oertlichkeiten unbesehen ab.

Auf keinen Fall sollte man sich all die vielen Namen merken. Guntram, sein Bruder, sein Vater, der Arzt ist und seine schoene Mutter. Das sind die Hauptpersonen, die ihm am wichtigsten sind, zu denen er immer wieder zurueckkehrt, die ihm ein Daseinskorsett geben, das er nicht gerne verlaesst. Um diese Personen webt er historische und alltaegliche Begebenheiten ein, die in manchmal dreifach ueberlagerten Erzaehlebenen mit seitenweisen Abweichungen dem Leser hohe Aufmerksamkeit abverlangen.

Auf keinen Fall Anstoss nehmen bei den original saechsischen Einlagen, am besten nur wundern angesichts der fremden Schreibweise: „Naeschoerr“ = Neger …

Was mir in meiner DDR Zeit immer besonders gefallen hat, waren die erzaehlstarken Personen, die ich ueberall angetroffen habe. Guntram Vesper ist ein vorzeigbares Prachtstueck dieser Art. Er ist sehr wortstark, meist findet er fuer ein Nomen zwei, drei Synonyme. Er vermag, eine Situation kurz anzureissen, weicht dann weitschweifig, aber nie langweilig ab, erzeugt dadurch eine Spannung, der Leser fragt sich, ja was war denn nun mit den ausgestochenen Augen der beiden Frauen und dann erzaehlt er landvermesserisch genau den Hergang der Tat. Immer sitzen dann decameronemaessig mehrere zusammen und erzaehlen oder hoeren nur geduldig zu, einmal nennt er solche Zusammenkuenfte, die „Bratheringabende“.

Guntram Vesper ist ein Geschichtensammler, wahrscheinlich schon ein Leben lang. Seine Freude an der Weitergabe ist ihm grossartig gelungen.

 

Ich sitze mittlerweile wieder in einem Café in der Stadt: garcon, un café, une cigarette et un journal. Je suis en train de me preparer pour le nouveau livre.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Montag, 25. April 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Was für eine wunderbare Ermutigung, sich auf diesen Wackerstein einzulassen! Ich bin gerade in Reggaeland, und geh morgen mit dem Hund in das Unsinnswetter hinaus.

    Mittwoch 15 Uhr Frittenwerk, Düsseldorf? Manafonistentreffen? Zwei sind schon ein Treffen.

  2. Anonymous:

    ok 15:00 Frittenfabrik :) Manafonistentreffen ohne Jimmy Cliff?

  3. Michael Engelbrecht:

    Von Uwe M. wurde gehört, er habe sich FROHBURG zugelegt. Seitdem hört man nur noch sehr sporadisch etwas von ihm, vielleicht sind das auch zeitlich programmierte Beiträge gewesen – und er ist, in der Phantastischen Literatur kommt das vor, im Buch verschwunden!

    Nicht mal seine Lieblingsreggaeplatte benannte er!

  4. Uwe Meilchen:

    Ich bin mitten drin im Lesen von FROHBURG, faszinierende Lektuere mit einem Sog, den ich bei diesen dicken Buechern mag. Und sporadische Beitraege, nun ja, das ist so. Aber es kommen auch noch andere Tage an denen mich das 9 to 5 nicht ganz so in Beschlag nimmt. Denke ich. Hoffe ich. ;-D


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