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2016 3 Feb

Die plötzlich hereinkriechende Kälte im Dezember

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  1 Kommentar

Der Titel dieses wunderbaren Buches ist fast so paradox wie Handkes „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Letzteres ist, aus meiner, natürlich beschränkten Sicht, ein furchtbar langweiliges Beispiel für „moderne deutsche Literatur“ aus der alten BRD. Das Buch verdankt seine Verkaufszahlen gewiss diesem witzigen Titel, und dem Hype des Avantgardistischen. Anders als bei PH, bin ich Ror Wolf bis heute als treuer Leser gefolgt, und  habe ungefähr ein Dutzend Bücher von ihm, und dieser jüngste Gedichtband ist eine fantastische Lektüre für Kurzreisen, lange Zugfahrten, Badewannen in 3-Sterne-Hotels, kurzfristige Idyllen in Niemandsländern und Weltmetropolen. Ror Wolf ist ein Meister der Entropie, und gern erzählt er in makabraben, gereimten, ungereimten, surrealen, chaplinesken Versen und Zeilen vom Verschwinden der Welt, der Menschen, jedes Einzelnen, der Tiere, der Wolken, all der Dinge, die schon ewig da sind und sich dauernd in Luft auflösen. Wäre hier, wie einst beim Klassiker „Punkt ist Punkt“ der Fussball im Mittelpunkt, Ror Wolf würde auch vom Verschwinden von Hannover 96 aus der Bundesliga berichten. Das Schöne bei Ror Wolf ist, dass diese schon immer postmoderne Literatur, bei aller Rabenschwärze des Weltbildes, genauso wie einst Heinrich Spoerl, zur Heiteren Literatur zu rechnen ist. Ror Wolf kann sogar den einen und anderen Kalauer in unangestrengte Kunst verwandeln. Famos, absolut famos.

 
 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Mittwoch, 3. Februar 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

1 Kommentar

  1. Michael Engelbrecht:

    Stimmen:
     
    “ … einem Wagnis gleich, einem Abendteuer, das nicht selten wohlbehaglich beginnt und sich zuletzt als wahrer Höllenritt erweist.“

    Björn Hayer, buchkultur
     
    „Der Welt den grotesk-absurden Spiegel vorzuhalten ist das Metier des begnadeten Dichters.“

    Matthias Ehlers, wdr 5
     
    „eine Schneespur zum schwarzen Humor“

    Andreas Puff-Trojan, SWR2
     
    „Hätte Ror Wolf nur 1000 Leser mehr, wäre die Welt ein besserer Ort.“

    Andreas Ammer, Bayern 2
     
    „Wunderbar!“

    Elke Heidenreich, Literaturclub
     
    „Darüber muss man oft lachen: das Zerschellen der Bedeutsamkeit und des aufgespreizten lyrischen Ichs am Stoizismus, so wie man bei Buster-Keaton-Filmen darüber lacht, dass Buster Keaton gar nichts macht, was immer um ihn herum passiert.“

    Die Welt


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