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2015 25 Sep

Die Schterndrln blinken

von: Wolfram Gekeler Filed under: Blog | TB | 8 Comments

Die Besprechung der ersten ins Schwäbische übersetzten Cover-Versionen von Tom-Waits-Songs, auch vorgetragen von Patrick von Blume aus Ravensburg/Oberschwaben, kam daher wie eine Cover-Version des Marketing-Spruchs fürs Ländle: statt „Mir könnet älles außer Schwäbisch“ „Mir könnet älles außer Tom Waits.“ Der gab sich gelassen und erteilte prompt das copyright; wahrscheinlich ist er des Schwäbischen nicht mächtig, oder das Album „Mit Herz und Fauschd“ gefiel ihm wirklich – z.B. die Kaltblütigkeit, mit der Patrick von Blume die 16 Silben „Die Kerle send beim VfB em Gottlieb-Daimler-Stadion“ in einer Liedzeile unterbringt, für die Tom Waits nur 9 Silben vorgesehen hat.

Ansonsten ist es wie mit allen Coversongs: ist was Eigenes dabei? Wird was Neues darin entdeckt? Oder ist es nur eine Anpassung an den kollektiven Musik-und Muzak-Geschmack? Tom Waits gehört wahrscheinlich mit zu den meistgecoverten Musikern, und die qualitative Bandbreite ist entsprechend groß, zumal in besonderer Weise die Gefahr besteht, vom Interpreten zum Imitator zu werden. Die zweite Falle lauert in der Einfachheit der Waits-Kompositionen: gelingt es nicht, etwas Kreatives hinzu zu fügen, dann können sie auch quälend langweilig sein.

Eine Möglichkeit, was Eigenes zu den Originalsongs beizutragen, ist die Übersetzung der Texte. Auch das kann schief gehen (besonders wenn Waits-Klischees verdoppelt werden); aber es gibt doch eine Reihe intelligenter und witziger und damit geglückter Versuche in mehreren Sprachen: italienisch, schwedisch, norwegisch, holländisch, spanisch, polnisch, russisch, hebräisch – dazu demnächst mehr. Heute ein paar TW-Cover-Versionen in österreichisch und kölsch.

DIE Kölner Waits-Cover-Band um den Sänger Gerd Köster (der auch alle Lieder übersetzt hat) entlieh sich den Waits-Titel „The piano has been drinking“ als Bandnamen und sang das Lied auf Kölsch: „Dat Klavier, dat hät jesoffe“. Es gibt 2 CDs, eine mit Studio- und ein paar Live-Aufnahmen, die andere vollständig live, beide randvoll mit Waits-Titeln. Die Band swingt ausgesprochen locker, und Kösters Stimmlage ist so weit von der des Meisters entfernt, dass man es nicht unangenehm als Nachmachen empfindet, auch wenn man sich vorstellen kann, wie Köster vor dem Plattenspieler seinen Waits gelernt hat. Den Kölschen Dialekt, bekannt für seine gute Singbarkeit, zu verstehen, ist eine Herausforderung; ein paar Liedtitel (deren Original zu erraten den Waits-Fans keine Schwierigkeiten machen dürfte):

Wärm Bier & köhl Wiever, Weihnachtskaat vunnem Flittche vum Eijelstein, Do kanns nix dofür wenn do dräums, Kei Minsch, Anfürsich es et Blues …

Die Weihnachtsgrüße, diesmal von aner Hur aus Floridsdorf, finden sich auch auf der CD „Ambros singt Waits“ – eine der ersten ausschließlich mit Waits-Songs. Das Österreichisch versteht man problemlos – vielleicht ist das ein Beleg dafür, dass mainstreamartig produziert wurde. Wolfgang Ambros singt brav, die Begleitmusiker sind langweilig; Waits-Stimmung bleibt aus.

Langgezogenes, geslidetes, richtig fieses Österreichisch kann man bei einer Band hören, die sich auch nach einem Titel von Waits („Rain Dogs“) benannte: „Wia d Hund im Regn“.

Die 4 Musiker stellen die These auf, Tom Waits habe seine Lieder in Wien geschrieben und später ins Englische übersetzt … wie dem auch sei: Wia d Hund im Regn sind zugleich am eigenständigsten von den vorgestellten Musikern und Waits am nächsten. Die angekündigte CD ist wohl nie erschienen; bei Myspace findet man aber einige Titel. Leider kann ich keine Textbeispiele anfügen – ich verstehe die Sprache nicht; außerdem bräuchte man an der Computertastatur ein Modulationsrad. Doch, jetzt habe ich was verstanden: „Die Schterndrln blinken“.

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8 Comments

  1. Michael Engelbrecht:

    Tom Waits könnte mit etlichen Liedern in den Thrillern, bzw deren Verfilmungen landen, die hier ringsum gelistet sind, den Dialektversionen bliebe nur der jeweils „lokale“ „Tatort“!

  2. Lorenz:

    meine bisherige Lieblings Tom Waits Cover Platte:
    Southside Johnny with LaBamba´s Big Band „Grapefruit Moon“. Tolle Big Band Arrangements – da sitzt jeder Schlag genau da, wo man ihn gerne haette und trotzdem tanzt ueber allem noch der charmante Staub und er singt die Sachen richtig klasse. Furios und doch schmutzig genug.

  3. Lajla Nizinski:

    Wäre interessant zu wissen, welche soziale Zielgruppe sich diese Dialektsongs anhört. Quer Beet oder die an den Maschinen bei Daimler?
    Mich inspirieren die Videos von Tom Waits. Wenn die Lady mit dem „chrome Horse“ langsam an dem „Mystery Tramp“ „vorbeifährt, dann schalte ich Tom Waits ab und lass im Hintergrund leise „Like a Rolling Stone“ laufen.

  4. Wolfram Gekeler:

    Das ist doch mal ein guter Vorschlag für alle Regionalistas: esst Bananen aus Deutschland, guckt Tatort aus der Region. Da bliebe uns hier Til Schweiger erspart. Ein Tom Waits-Song fällt mir ein, der es in eine Serie geschafft hat: „Way down in the hole“ war Titelmelodie von „The Wire“, einmal von Waits selbst gesungen, 4 x von verschiedenen Musikern gecovert.

    Southside Johnnys „Grapefruit Moon“ bringt eine ganz andere Stimmung in die Waits-Lieder, Leichtigkeit vielleicht. Und gleichzeitig ist er so energiegeladen; auf youtube gibt es eine sehr witzige stop-and-go-Version von „They tango till they’re sore“, wo er sein komödiantisches Talent zeigt. Auf seinen anderen Platten macht er geradlinigen, ehrlichen Rock’n’Roll, wie man so sagt.

    Zu Southside Johnny gehen sicher eine Menge Chrysler-Arbeiter. Gerd Köster ist als Kölner Original so verankert, dass sein Publikum sicher regional-querbeet ist; er könnte Tatort-Kommissar werden. Die Gruppe D’hund usw. passt zur Wiener Kleinkunstszene. Ambros wird von Ambros-Fans gehört, egal wo die arbeiten. Und wer geht zu Tom Waits?

  5. Wolfram Gekeler:

    „Schderndrln“ ist ein bemerkenswertes Wort: es braucht bei 10 Konsonanten nur 1 Vokal!

  6. Andreas Bankhofer:

    Lieber Wolfram

    Das ist aber nett dass du uns erwähnt hast – d Hund im Regn – und positiv auch noch.. Die angekündigte Platte ist leider wirklich noch nie ofiziell rausgekommen – hab alle Aufnahmen fertig – wollt aber dass ein Management das raus bringt – hab das Studio eh schon selber bezahlt – na ja… Wer die Aufnahmen hören will –> https://soundcloud.com/hundimregen/sets/waits-fia-wean
    Ich hab mich bemüht aus den Songs vom Herrn Waits Wienerlieder zu machen – und das funktioniert erstaunlich gut… Soll ma mal bei euch in Deutschland spielen? Wenn du denkst das tät wo passen… Gib mir einen Tip – wir sind zu jeder Schandtat bereit – wir täten uns freun… Schau ma mal… Wenn jemand eine (Vorab)CD haben will – Gern –> über –> andychow.eu Alles Liebe für dich und den Rest unserer Nachbarn – Andreas

  7. Andreas Bankhofer:

    Weilst kein Textbeispiel hast – schick ich dir eins (gleich mit Übersetzung ?)
    Da rosa Mond
    (Grapefruit moon)

    Da rosa Mond, a Sterndal blinslt,
    (Der rosa Mond, ein Sternchen blinselt)
    blinslt hea zua mia
    (Es blinselt zu mir)
    I hear des Liad do, I heu und I winsl,
    (Ich höre dieses Lied, ich weine und winsle)
    spiast net wos i gspia?
    (Spürst du nicht was ich spüre?)
    Weu imma wonn is hea des Liadl
    (Denn immer wenn ich dieses Lied höre)
    Bricht in mia wos zom
    (Bricht in mir etwas zusammen)
    Da rosa Mond, des Sterndal blinslt,
    (Der rosa Mond, das Sternchen blinselt)
    mea ois I vagroftn ko
    (Mehr als ich verkraften kann)

    I woa danebn, hob net gwusst wos longgeht,
    (Ich war neben der Spur, habe nicht gewusst wie es weiter geht)
    hob nix checkt, hob ois vasamt
    (Habe nichts verstanden, habe alles versäumt)
    Oba donn bist du kumman, und host ma ois sche grodgricht,
    (Aber dann kamst du, und hast mir alles geradegerichtet)
    Nua wos des kost hod, echt, vadommt
    (Nur was das kostete, wirklich, verdammt)
    Und imma wonn is hea des Liadl
    (Und immer wenn ich dieses Lied höre)
    Bricht in mia wos zom
    (Bricht in mir etwas zusammen)
    Da rosa Mond, des Sterndal blinslt,
    (Der rosa Mond, das Sternchen blinselt)
    mea ois I bockn ko
    (Mehr als ich tragen kann)

    A Viadl rot, 2 weiße Spritza,
    (1/4 Rotwein, 2 Weiswein mit Soda)
    I suach was fia mei Gspia
    (Ich suche etwas für mein Gespür)
    Oba mir gehts ois wia an Stean im Wödoi,
    (Aber mir geht es wie einen Stern im Weltall)
    mi straats, i kolapia
    (Ich falle, und kolapiere)
    Wö imma wonn is hea des Liadl
    (Denn immer wenn ich dieses Lied höre)
    Hauts mi in d’ Breduin
    (Bringt es mich in eine Bredouille)
    da rosa Mond, des Sterndal blinslt,
    (Der rosa Mond, das Sternchen blinselt)
    Ois ondre is faluan
    (Alles andere ist verloren)

    Ein wunderschönes Liebeslied – …
    Alles Liebe – Andreas

  8. Lajla Nizinski:

    Wer geht zu Tom Waits? Mittelstandsdamen mit Helfersyndrom, Intellektuelle mit Alkoholproblem, Outsiders and Outlaws und viele viele Künstler. Ich war noch nie auf einem Tom Waits Konzert. Ich mag die österreichische Kleinkunstszene sehr. Besonders Arik Brauer. In dessen Konzerte ging ich sehr gerne. Zudem ist er ein sehr guter Maler.


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