Manafonistas

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2015 19 Sep

Refuge of the Roads (für Joni Mitchell)

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  6 Kommentare

 

 
 
 

E=mc2. Vor 100 Jahren errechnete Albert Einstein die Relativitätstheorie. In 100 Jahren müssen wir vielleicht angesichts des Klimawandels auf den Pluto flüchten. Wen/Was nehmen wir mit? Wen/Was lassen wir zurück? Wie statten wir uns aus? Wer/Was erwartet uns dort?

Weil wir diese Fragen nicht beantworten können, sei ein aufschlussreicher Blick in die Vergangenheit geworfen.

Auch Albert Einstein musste sich solchen Fragen stellen, bevor er an Bord der Red Star Line ging. Er flüchtete 1933 aus der politischen Unfreiheit Deutschlands von Antwerpen nach Philadelphia. Er musste eine medizinische Untersuchung über sich ergehen lassen, sein Gepäck wurde desinfiziert.

Sein Wissenschaftsverwandter, Pythagoras, musste Urzeiten vor ihm von Samos nach Ägypten auswandern, weil nicht genug Ackerland in Griechenland vorhanden war.

 

In Zeiten der Kreuzzüge (1116-1165) waren es vor allem die Frauen, die mit ihren Farmersgatten gen Jerusalem zogen, um dort im gelobten Land ihr Glück zu suchen.

1512 wanderten Portugiesen nach Brasilien aus. Sie wollten das Christentum verbreiten und außerdem in ihrer Kolonie reich werden.

1510-1888 wurden 10 Millionen Sklaven von Westafrika nach Amerika „bewegt“.

1898 reisten Millionen von Indern und Chinesen tausende Meilen, um Arbeit zu finden. Chinesen in die USA zum Eisenbahn bauen. Inder nach Bengalen in die Minen.

1815-1940 verließen 60 Millionen Migranten Deutschland und Osteuropa, um in die USA zu gelangen. Ihre Gründe waren: Armut, Krieg, Verfolgungen und Diskriminierung.

1912-1923 erbittertes Hin- und Hertreiben der griechischen und türkischen Menschen. Allein 500000 Türken mussten Griechenland verlassen. Der Genozid an den Armeniern darf hier nicht vergessen werden.

1927 Juden zogen nach Palästina, 1948 wird dort Israel gegruendet. Pästinenser flohen vor den Israelis. Bis heute lebt ein Teil in Flüchtlingscamps.

1932 Bangladesh war ein Teil von British India. 1947 wird Indien unabhängig. Das Land wird in Hindu India und Muslim Pakistan geteilt. Es gibt Spannungen, die dazu führen, dass 7 Millionen flüchten. 1 Million überlebt die Überfahrten und Gewalt nicht.

1944 Viele Belgier ziehen in ihre Kolonie Kongo. Aus Abenteuerlust, aus Idealismus, aus Karrieregruenden. 1960 erhält der Kongo seine Unabhängigkeit. 100000 Belgier kehren zurück in ihre Heimat.

In den frühen 60er Jahren kommen Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum, um hier schnelles Geld zu verdienen.

Seit 1985 sind ueber 7 Millionen Mexikaner ueber die Grenzen gekommen, um an dem amerikanischen Traum zu partizipieren. Jeden Tag sterben 2-3 Mexikaner an der mex.-amerikanischen Grenze.

 
„THE RADIO SAID THEY WERE JUST DEPORTEES.“ (WOODIE GUTHRIE/THE BYRDS)

 

1990 nach dem Fall der Mauer kamen viele, besonders Frauen aus Belarus, Russland, Polen, Ukraine in den Westen.

Weltweit bewegen sich 40 Millionen Flüchtlinge.

Ich erzähle hier eine zeitlose Geschichte von Menschen, die geflüchtet sind und flüchten, um ein besseres Leben woanders zu finden. Von einem konstanten Flow von Völkerwanderungen, der sich eigentlich nur technisch verändert hat: durch modernere Transportmittel und bessere Kommunikation. Ob das so stimnt, ist fraglich, wenn man den Mungo Mann betrachtet. Er gilt als der erste Navigator, der die 100km, die Asien von Australien trennen, mit seinem Bambusboot ueberquert hat.

 

TAG FÜR TAG WEHT AN UNS VORBEI,
BRINGT DAS BOOT IN DEN WIND … (für Rio Reiser)

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 19. September 2015 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

6 Kommentare

  1. Lajla Nizinski:

    Mit der Honigpumpe für die Manafonistas im Red Star Line Museum in Antwerpen.

  2. Rosato:

    Es gab hier schon einen Beitrag von dir zu diesem Themenkreis. Er ist verschwunden – wegen mangelnder Resonanz?

    Wenn es kaum (schriftliche) Kommentare gibt, dann besagt das – meiner Meinung nach – nicht, dass das niemanden berührt. Dieser Blick in die Zukunft und in die Vergangenheit wird in meiner Familie gelesen und vorgelesen.

  3. Michael Engelbrecht:

    Fehlende Resonanz wäre nie ein Grund.

  4. Lajla Nizinski:

    Ja, es geht nicht um Resonanz. Ich hatte mir ein anderes Vorgehen zum Thema überlegt, eines, das mehr informiert und dadurch die Sicht auf die aktuelle Lage normalisiert. Auch meinen Kindern habe ich den Link geschickt. Vielleicht kann ihn auch Gregor im Unterricht verwenden. Freilich nicht ohne davor „The hour when the ship comes in“ zu singen.

  5. Wolfram Gekeler:

    Danke für die Zusaammenstellung, Lajla; es ist so wichtig, zu argumentieren und zu diskutieren und dabei Ängste zu vermindern. Angst kann ja eine riesige Gewalt hervorbringen. Dabei wäre sie gar nicht nötig, wie auch deine gesammelten Fakten belegen. Bei youtube habe ich einen crash-Kurs „The european refugee crisis and syriah explainedin 6 minutes“ entdeckt (man darf sich von der etwas seltsamen Graphik nicht abschrecken lassen).

  6. Gregor:

    Danke, Lajla, in der Tat, ich werde den Text im Unterricht verwenden …


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