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2013 31 Aug

Zeitreise mit Oldies

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

Der Ausdruck „Oldies“ für in die Jahre gekommene Rockstars und -legenden ist natürlich flapsig, aber wer will sich nicht ein wenig wappnen, wenn in kurzer Zeit lauter Wiederkehrer und Nie-Wirklich-Verschwundene mit neuen Werken angekündigt, und noch dazu mit Vorschusslorbeeren und ersten, fast hymnischen, Kritiken abgefeiert werden. Paul McCartney, Yoko Ono, Roy Harper, Elton John. Der erste Titel, der von Maccas neuem Werk im Netz auftauchte, ist schon mal von edler Banalität, mit Bläserblödsinn und Plastik um den Restcharme der berühmten Stimme geschnürt. Yoko Ono soll wieder mal durch die Hölle gehen, und Radikales abliefern, was, nach dem Erreichen des 80. Lebensjahres, entweder äusserst schrullig oder durchaus berauschend werden könnte. Roy Harper wird manchen nur als flüchtiger Schatten in Erinnerung sein (und ich bin einfach mal neugierig), und Elton John, da möchte ich gleich mit den Augen rollen, aber, nun gut, es gab mal eine Platte wie YELLOW BRICK ROAD, die mich als Kind erfreute (Erinnerungen mit Tri-Top, Uschi Nehrke, und James Last im Plattenschrank der Eltern). Ja, Peter Gabriel taucht auch in dieser Runde auf, allerdings nur als Liederlieferant: was wird Lou Reed mit „Solisbury Hills“ anstellen, was Brian Eno mit einem Song über eine „femme fatale“ aus seinem zweiten Soloalbum? Wir üben uns in Geduld.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Samstag, 31. August 2013 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. R3c.Kid:

    Aus einem David Sylvian Interview:

    „Emotional Archeology“

    (…) I’m frequently amazed that my peers still go out and tour material written when they were far younger men and women. I no longer feel I am the author of much of my own work and so sometimes feel an impostor when performing the material. I go out of my way to avoid experiencing this.

    But to answer the question; Surely part of the fascination with my work lies in its diversity and in the growth of the individual at the heart of it? In a sense it’s important to acknowledge that this is indeed the same individual that created these recordings. We change, we age, evolve, times change and the language we use to talk about the same issues needs to change with them. I’m attempting to speak of these same issues, reflect the human condition, in a voice that speaks to now. Music as comfort food has its place but we’re lacking in the ‘music as experience’ department. Something that can potentially give a shock to the system, jolt us out of our apathy, and awaken us to the truth of our individual or collective predicament.“

  2. Michael Engelbrecht:

    Und genau diese Fragen, die Sylvian stellt, entscheiden über Wert und Schein bei den „Spätwerken“ der In-die-Jahre-Gekommenen. Cohen kann die alten Lieder, ohne Pastiche anzurichten, andere nicht. Und neue Lieder sind mitunter auch nur müder Abglanz. Fallen sind also viele aufgestellt.

  3. Henning:

    schöne gute Kommentare! Und noch ein kleiner Hinweise: es hat ja alles mit Hören und (der Art der) Hörerfahrungen zu tun.

  4. Michael Engelbrecht:

    genau … oder: schönes Ungenau!


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