Manafonistas

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Dies ist Morgen-, Abend- und Nachtmusik. Entspannt, beiläufig, unauffällig. L. Pierres neues Album „The Island Come True“ (****) lebt von vielen schlichten und schlicht ergreifenden Momenten. Ein murmelnder, in Schleifen sich drehender Kindergesang, eine Opernstimme, die aus grosser Entfernung erklingt und mit einem „groove“ angereichert wird, der dieses feine Album (mit seinen „field recordings“ und Samples) äusserst entdeckungsfreudig ins Fahrwasser von Les Baxters Exotica-Platten aus den 50er und 60er Jahren trudeln lässt, allerdings mit extrem reduzierten Sound und einem damals eher selten zu vermehmenden melancholischen Grundton. Ich bin mir sicher, L. Pierre kennt Les Baxters „The Jewels of the Sea“, Schauerromantik pur, easy listening der kunstvollsten Art und schwebende Klangbilder. Aus Orchestrierungen werden bei L. Pierre Fragmentierungen. Man schaue sich nur (auch das eine Referenz and die Südseephantasien von Baxter und Denny) das Cover an (s. Blogeintrag vom 18. Januar): der idyllische Schein trügt allerdings – diese seltsam verloren wirkende Musik erzählt von flüchtigen Erscheinungen, und wartet mit einigen süchtig machenden Melodielinien auf, bei denen letztlich gar nicht wichtig ist, ob Aidan Moffat (aka L. Pierre) sie gefunden oder geschrieben hat.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 20. Januar 2013 und wurde abgelegt unter "Blog, Musik aus 2013". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

3 Kommentare

  1. Gregor:

    „The Island Come True“ Das ist die erste echte Neuentdeckung des noch jungen Jahres. Top-Twenty-verdächtig!

  2. Michael Engelbrecht:

    Ja. Gregor, ich habe in den letzten Wochen viele neue Songalben gehört, z.B. Villagers: da finde ich dann aber doch nur drei Knallersongs drauf, und ansonsten ein bisschen viel Standgas. I am Kloot ist richtig gut, kommt aber nicht ganz an das letzte Album Nightsky heran. Die Cd BIG INNER, ich vergesse immer den Namen, Charles E White oder so (?), ist auch ein feines Retrowerk voller Ideen mit einem leider missglückten Finale. In der schönen grossen weiten Popwelt ist L PIERRE was ganz Seltenes gelungen, grosse Kunst aus scheinbaren Nichtigkeiten.

    Pure Nostalgie, aber nicht ohne Charme, das Coveralbum mit viel Doowop von Aaron Neville, ganz schön auch die CD von Jose James, die mir noch besser gefallen würde, wenn sie nicht ein Erfolgsrezept a la d’Angelo und Co. reproduzieren würde.

    Ganz schön langweilig ist das Album des berühmten und sicher virtuosen Saxofonisten Chris Potter ( man kennt ihn von Steely Dan und vielen Acts als sideman) auf ECM. Die banalste von allen Platten ist das vielgerühmte Glockengebimmel der neuen Pantha du Rei, oder wie dieser Hamburger sich hochgestochen nennt. Platte des Monats im Musikexpress, knapp an Volksverdammung vorbei … aseptisches Gechille …

    Grüsse aus Lanzarote mit Sommergrippchen. Aber Dortmund hat Bremen 5:0 weggehauen, das baut auf …:) ruf mal kurz an, mobil, ohne Vorwahl …

  3. Michael Engelbrecht:

    It might seem like a waste to have Aidan Moffat – a great modern lyricist – making instrumental music as L. Pierre. But it’s clear from ‘The Island Come True’ that Moffat’s just as capable of capturing a feeling or a moment with fragmented classical samples and field recordings as he is with words. As we’ve come to expect from the ex-Arab Strap man, it’s far from cheerful, but ‘Exits’’ piano pirouettes so daintily, the nonchalant ‘Dumbum’ mumbles so mysteriously and the Tim Hecker-type expanse of ‘The Kingdom’ drones so enchantingly you begin to wonder, why bother with words anyway?
    Robert Cooke


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