Manafonistas

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2012 22 Nov

Zitat unter Wert

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | Tags:  Comments off

„Sansara ist gleich Nirvana. Alles, was Teil des Sansara ist, also alles, was uns quält und schlecht gelaunt macht – das alles, ohne jede Kompensation und Änderung, kann uns auch glücklich machen. Man muss nur den Gesichtspunkt und den Kontext der Betrachtung richtig wählen.“ (Boris Groys)

 

Es gibt keine Welterfahrung ohne Vermittlung durch Symbolsysteme, ohne Vorstellung und den Willen zur Macht, die nicht Unterdrückung meint, vielmehr Zuordnung und Integration. Metaphern, Songs, Bücher, Erinnerungen … hilfreiche Markierungen, die die Eigenwelt vor Chaos und Auflösung schützen. Eine solche Form der Abgrenzung und Markierung ist auch das Zitieren. Es wirkt wie ein Katalysator, an dem sich Gedanken und Erfahrungen festmachen können. Der obige Gedanke entstammt dem Buch „Politik der Unsterblichkeit“ – vier Dialoge mit dem Kulturphilosophen Boris Groys. Als ich es einen schönen Sommertages bei Zweitausendeins in Hannovers Lister Meile für weit unter Wert, nämlich gradmal drei Euro, erstand, war klar: das ist ein Schnäppchen und dabei keine Billigware. Groys hat das Wechselverhältnis von Wert und Müll untersucht. Wann kommt etwas ins Museum, wann findet man es auf dem Schrott? Viele, vielleicht alle Kulturwerte sind ja zeitlich limitiert. Das vorangestellte Zitat kommt mir oft in den Sinn, etwa wenn ein Missgeschick passiert und Dinge nicht so laufen wie gewünscht. Bald zeigt sich: Gutes kommt nicht nur durch Intention, sondern auch auf Nebenwegen. Mancher Verlust verwandelt sich in einen Vorteil oder man trennt sich von Gewohntem.

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