Manafonistas

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Archives: August 2012

Sam Lees Stimme ist für die britische Landschaft eine geradezu idealtypische Stimme, schlank, klar, mit traditionellen Gesangsweisen bestens vertraut. Eine Stärke dieses Organs liegt im Feinschliff der Phrasierung, in der Krümmung der Noten. Man mutmasst kaum, dass dahinter ein durchaus humorvoller Gentleman steckt, die Anekdoten und witzigen  Stories, die er auf der Bühne zum Besten gibt, fehlen auf dem Album A Ground Of Its Own, wer mag sich schon einen Scherz immer wieder anhören … Sam Lee verpasst alten Folksongs ein neues Kleid, indem er zusammen  mit dem Produzenten Gerry Diver, von dessen CD Speech Project bei den Manafonistas schon die Rede war, auf Gitarren komplett verzichtet, schliesslich gibt es Banjos, Hackbretter, Trompeten etc. Ein sehr schönes Folkalbum. Aber eins mit Fallböden. En passant erfahren wir einiges über das sexuelle Leben von Wassergeistern – alle alten Quellen sind bestens abgsichert. Man stösst beim Studieren des CD-Heftchens gar auf einen Spruch von Ovid, und ahnt bald, wieso der Blick hinter eine Grenze grosses Grauen nach sich ziehen kann. Ein Hauch von Twin Peaks in good old England!

Die Natur spielt eine Hauptrolle in der Musik der norwegisch-französischen Formation Dans Les Arbres, was schlicht heisst: „In den Bäumen“. Keine Melodien, keine Harmonien, kaum Rhythmik, schon gar keine konventionelle, vergessen sie Jazz, hier erwartet Sie eine geräuschige, mitunter naturgeräuschige Musik, in der Instrumente wie Klavier, Klarinette, Banjo und Trommeln ihrem vertrauten Klangfeld entfremdet werden. Resultat: ein neues Zuhause in der Wildnis. Würden solche Klänge nachts im Dschungel an Ihr Ohr dringen, eine leise Angst könnte sich bis zu den Haarspitzen ausbreiten. Wenn jedoch der menschliche Reflex überwunden ist, hinter allem Fremden eine Gefahr zu wittern, kann sich tiefe Ruhe ausbreiten, abseits aller seligen Naturromantik. Hier, „in den Bäumen“, stehen keine expressiven Soli auf dem Programm, vielmehr ein Hinhören auf kleinste Dinge. Da bewegt sich was, es zittert, und springt mitten hinein ins Nichts. Willkommen in der Musik der CD „Canopee“!


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