Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2011 20 Sep

Serotonin

von: Jochen Siemer Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  2 Kommentare

“I kick the sheets until they rise like mountain ranges at my feet …”
(Nine Horses, “Serotonin”)

Ein Gewebshormon und Neurotransmitter ist ua verantwortlich für (Glücks-) Gefühle. Die fatale Folge seines Fehlens wäre eine Depression. Wenn man sich über einen längeren Zeitraum hinweg niedergeschlagen fühlt, ist oft auch ein Mangel an Serotonin mit im Spiel.

Serotonin ist ein Grund, warum wir gerne Schokolade und Bananen (“Esst mehr Obst!”) essen; Langstreckenläufer süchtig werden nach Sport; wir uns gerne verlieben. Wenn wir bei einem Spaziergang Herbstblätter vor uns hertreten, bis sie sich zu Gebirgsketten aufbauschen, dann könnten wir das aus Übermut tun – oder aus Frust.

Froh- und Übermütige (etwa die vom Hafer Gestochenen oder mit dem Wolf Tanzenden) sind selten lebensmüde und schon gar nicht bis hin zur letzten Konsequenz, dem Suicid. „There is comfort in melancholy“ – diese vielzitierte Songzeile gilt keinesfalls für die echte Depression – denn deren Krankheitsgewinn ist gleich null. Nirvana, garantiert ohne Kaffee.

Man könnte sich dann um Müdigkeitsgesellschaften kümmern, “Das erschöpfte Selbst” oder Anderes aus dem grossen Füllhorn frustkompensierender und erklärender Literatur lesen, allein: Serotonin bekommt man davon nicht. Kommt es dann aber nach langer Abwesenheit zurück: das Glück, es könnte größer nicht sein.

A tissue-hormone and neurotransmitter is ao responsible for emotions (of happiness). The fatal consequence of its missing would be a depression. If you feel depressed for a longer period of time, often a lack of serotonin is in the game.

Serotonin is a reason why we love to eat chocolate and bananas (“Five a day!”); long distance runners are addicted to sports; we like to fall in love. When we kick the sheets, until they rise like mountain ranges at our feet, we might be lucky – or frustrated.

The happy and hilarious one (who´s feeling his oats or dancing with the wolf) rarely is tired of living, not to speak of a long dark time´s last consequence: the suicide. „There’s comfort in melancholy “ – this frequently quoted songline does not mean true depression: because there´s no profit from that desease at all. Nirvana without coffee is guaranteed.

You then could care ´bout Fatigue Societies, “The Weariness Of The Self” or else take from the horns of plenty what the explaining and compensating literature offers to this subject. You won´t get Serotonin from there. But if it comes back after a long absence … then happiness again becomes a very, very warm gun.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 20. September 2011 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

2 Kommentare

  1. Poschlost:

    Der filigranen Poesie Deines Textes habe ich nur die grobe Schopenhauer-Knute hinzuzufügen (oder entgegenzusetzen?):
    „Kommt zu einem schmerzlosen Zustand noch die Abwesenheit der Langeweile, so ist das irdische Glück im wesentlichen erreicht.“
    Was darüber hinausgeht, gibt’s, wenn überhaupt, nicht umsonst (nehme ich an – Beispiel Schokolade und ähnliche Suchtmittel).
    Aber gegen Langweile gibts ja zum Glück unter anderem inspirierende Blogs…

    Das Verführerische der Melancholie z.B. in der ECM-Musik ist allerdings ein interessantes Phänomen. Vielleicht verwandt mit dem, was Horrorfilme oder Katastrophenberichte so beliebt macht – der mögliche Schrecken (Troll), der dann doch noch einmal an mir vorübergeht? Wenn auch nicht immer ganz ohne Blutspritzer.

    Karsten

  2. Michael Engelbrecht:

    A propos das Verführerische der Melancholie: stöberte heute nach den besten und alten Eberhard Weber-Platten, und gerade läuft THE MORNING AFTER.
    Eine Musik, die geradezu das Schweben erfindet, gelegentliche Impulse (Töne aus dem Off, nichts wirkt hier real)verhindern die vollkommene Selbstauflösung.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz