Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2011 14 Jun

Reader´s Digest

von: Jochen Siemer Filed under: Blog | TB | Tags:  | Comments off

Das Folgende gehört wohl stimmungsmäßig zum Erna-Und-Herbert-Zyklus unserer Kalendergeschichten, ist zeitlich teilweise sogar noch etwas früher angesiedelt: meine Eltern, nennen wir sie hier mal Jan und Elsbeth, hatten damals, als wir Kinder waren, alles Mögliche abonniert: regelmäßige Büchersendungen vom Bertelsmannverlag, verschiedene Zeitschriften. Darunter auch Eltern, ein Magazin, das Hilfestellung gab bei der fachgerechten Aufzucht der nicht immer pflegeleichten Gören.

Als gerademal Zehnjähriger las ich darin mit detektivischer Sorgfalt, um zu prüfen, ob der Inhalt auch meinem Interesse und dem meiner kleinen Geschwister entsprach. Mit Freude und Genugtuung stellte ich fest, dass ein Artikel über O´Neills Summerhill dazu führte, dass Jan und Elsbeth ein Buch dieses Autors über „Antiautoritäre Erziehung“ kauften. Ich entlieh es klammheimlich vom Nachttisch, las es selbst und war erfreut: „Um meine Eltern muß ich mir keine Sorgen machen, sie sind auf einem guten Weg“. Dass man hier und da mal rückfällig wurde – geschenkt. Die Nazizeit lag ja grad mal ein paar Jährchen zurück.

Als mir zum Ende eines heissen, sonnenreichen Sommers – ich war schon deutlich älter als Zehn – der illegale Anbau gewisser Pflanzen, die Ähnlichkeiten mit Tomaten aufweisen, gut einen Meter „über den Kopf wuchs“, fragte Jan nach feierabendlichem Rundgang auf dem großen Grundstück: „Was sind das da oben eigentlich für riesige Pflanzen, Elsbeth?“
Seine Frau entgegnete: „Das? Ooch, das sind Tomaten.“ Warum ein landwirtschaftlich äußerst bewanderter Mann wie Jan dem nicht weiter nachging? Vielleicht der Einfluss der englischen Summerhillschule, vielleicht die Feierabendmüdigkeit, vielleicht auch die Einsicht in liberal-matriarchale Vernunft nach patriarchal dominierendem Arbeitsalltag.

Die Motivation meiner Mutter hingegen kannte ich, hatte ich ihr doch einen winzigen Teil der Ernte als äußerst gesunde, appetitanregende Gewürzmischung versprochen und angepriesen. – Worauf ich aber eigentlich hinauswollte: unter den oben erwähnten abonnierten Zeitschriften befand sich auch eine eher buchähnliche: Reader´s Digest.
In letzter Zeit denke ich oft an dieses merkwürdige Sammelsurium aus Allem und Nichts (Everything And Nothing), an dieses Kuriositätenkabinett – so jedenfalls hab ich es in Erinnerung. Ähnlichkeiten mit einem vielversprechenden Blog auf dem aufsteigenden Ast,
der auch zu Allem und Jedem was verfasst, sind natürlich rein zufällig. Sein Name: Manafonistas.

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