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Archives: Ulf Stolterfoht

Rückkehr von Krähe – ist das überhaupt ein Gedicht? Klar, denn ein Gedicht ist ein Text, in dem so viel mehr steckt als die Worte, aus denen er besteht. „ich bin neuerdings in der lage, gedichtliches wissen zu messen, und anzugeben auf einer skala bis hundert“, schrieb Ulf Stolterfoht in es ist miles end, veröffentlicht im Jahrbuch der Lyrik 2018. Referenzflächen also, nebeneinander und übereinander geschichtet. Mit verschiedenem Quellenmaterial und Bezugssystemen arbeitet Stolterfoht auch in Rückkehr von Krähe. „Nur eine Strukturidee pro Gedicht, das kommt mir etwas wenig vor. – Fledermaus sekundiert: Zwei Ideen sprechen für Fleiß. Drei sind meistens eine zu viel. Hast du jedoch fünf, dann winkt von fern der Huchelpreis.“ In der Geschichte von Krähe, dieser seltsamen, wandlungsfähigen, symbolträchtigen Gestalt zwischen Württembergischen poesiefeindlichen Landstrichen, gefährlichen Wäldern, rätselhaften Geschöpfen, surrealen Verheiratungsaktionen, aber auch außerehelichem Sex, krassen Gewaltaktionen, lebensbedrohlichen Erkrankungen, der sinngebenden Produktion von Gedichten und immerzu Bier oder anderen Alkoholika. Grenzüberschreitungen sind also inklusiv. Mindestens einmal gibt es den Zwischenruf: „Auf einer Lesung kannst du das beim besten Willen nicht mehr bringen.“ Wie hat Ulf Stolterfoht diese Poetologie entwickelt, die er in zahlreichen Gedichtbänden unter den Titel Fachsprachen (nummeriert nach römischen Zahlen) veröffentlicht und weiterentwickelt hat? In Was hält ein Gedicht zusammen? erzählt er von seiner Zivildienstzeit Anfang der 80er Jahre. Es war seine Aufgabe, sieben Männer und den Chef mit einem VW-Bus in den Wald zu fahren, wo Bäume gefällt, Gräben ausgehoben und andere Arbeiten erledigt wurden. Die Männer waren Obdachlose und das, was sie miteinander sprachen, waren „Sätze, die nichts bedeuteten, für Leute, die nichts sagen wollen.“ „Ich glaube“, schreibt Stolterfoht weiter, „dass ich seitdem auf der Suche bin nach Sätzen, die so klingen, als wären sie ursprünglich von den Männern im Wald gesprochen worden.“ Wer mit den Gedichten von Ulf Stolterfoht noch nicht vertraut ist, findet in dieser Zusammenarbeit mit Thomas Weber einen bemerkenswerten Einstieg. Der klassische Sound des Kammerflimmer Kollektiefs vertieft die Wirkung des immer ins Ungewisse mäandernden Textes, und lässt die Räume, die er erzeugt, noch dunkler hallen. Dieser Arbeit können Sie fast eine Stunde lang lauschen, am besten mit Kopfhörern und im Dunkeln. Hier der Link zur SWR-Produktion aus diesem Jahr.


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