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Archiv: Paul Frick

2018 5 Aug

Neocuriosa: Berliner Hinterhofbotanik

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Mehr zufällig bin ich auf diese Musik gestoßen. Doch halt: ist das noch Musik? Es beginnt mit seltsamen Tiergeräuschen (die Tiere dazu müssten aber noch erfunden werden) und findet alsbald einen organisch-technoiden Groove, der abbricht, sich wieder anders aufbaut, mal ganz friedlich, mal zerhackt daherkommt. Höchst seltsam. Dann ein paar humanoide Samples, die die Freude am Rhythmischen und dessen umgehender Demontage erkennen lassen. Jetzt drängt sich aus dem Hintergrund etwas Salonmusik des 22. Jahrhunderts, tanzbar. Time-Shift für die Bremer Stadtmusikanten. Seltsam verwaschene Reminiszenzen. Mal hüpfend, mal düster ziehend. Field recordings? Nur scheinbar zufällig. Und desto länger ich das höre, wird mir klar: das ist nicht nur zusammengebastelt, wie so Vieles, was man heute von so lichtscheuen Kellerkindern zu hören bekommt. Wer sowas macht ist ein Profikiller. Vorbestehender Hörgewohnheiten. Fleischsalat aus veganen Berliner Hinterhöfen. Ein akustisches Panoptikum, das recht subtil eine Atmosphäre aufbaut, die mich geborgen mitnimmt, obwohl da nichts stimmt: alles zusammengestoppelt, experimentell und nur kurz mal ein paar Takte, die wenigstens Assoziationen aufkommen lassen können. Nichts für Rückwärtsgewandte. Kurios. Sowas Kurioses hat seit Cluster keiner mehr versucht. Außer halt Paul Frick. Teil von Brand Brauer Frick, die mit ihrem genialen Debütalbum You Make Me Real einen Meilenstein jenseits der Synthese klassischer Instrumentierung und Techno gesetzt haben ohne dabei auch nur einen Moment angestrengt oder bemüht zu klingen. Second Yard Botanicals ist das Debütalbum des gelernten und klassisch geübten Pianisten und Komponisten aus Berlin. Hinhören, denn da kommt einer, der die Radieschen im Prinzessinnengarten nicht nur vertikal pflanzt und der induktionsgesteuerte Quietscheentchen abstrakt reanimieren kann, panakustisch. Exorbitant! Intensiv! Hinhören!


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