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Archiv: Jan Brandt

Es ist schon einige Jahre her, am 3. Januar 2012 war es, als ich an dieser Stelle etwas über das 927 Seiten starke Buch Gegen die Welt von Jan Brandt geschrieben habe. Es geht in diesem fantastischen Buch um die Welt des Daniel Kuper, geboren Mitte der 70er Jahre in einem kleinen Ort, Jericho, in Ostfriesland. Jericho, „nicht zu verwechseln mit dem an gleicher Stelle gelegenen Ort Ihrhove“.

Auf der überaus informativen Internetseite www.gegendiewelt.de erfahren wir, dass Jericho in Ihrhove, in der Gemeinde Westoverledingen im Landkreis Leer zu finden ist. Hier also wächst Daniel auf. Am Ende der ersten Klasse, 1983, beginnt der Roman mit der Erzählung von Daniels Kindheit. Das Buch endet 2010 in einer ganz anderen Welt.
 
 
 

 
 
 
Andere fahren nach Dublin, um am Bloomsday dem Roman Ulysses von James Joyce, der Geschichte eines einzigen Tages, dem 16.Juni 1904, nachzuspüren, was ich im übrigen auch sehr gerne einmal tun würde, vielleicht aber nicht gerade am Blommsday. Ich hatte nun aber die Idee, die Welt des Romans Gegen die Welt kennenzulernen. Im traurigen Monat November war es, dass ich mich auf den Weg machte, Ostfriesland, die Welt von Daniel Kuper zu entdecken. Das Fahrrad hatte ich dabei, um auch die kleinsten Ortschaften und Winkel anschauen zu können, aber nicht nur das, ich wollte auch wirklich in die Atmosphäre dieser Gegend eintauchen, was vom Auto aus ja nur in geringem Maße möglich ist.

Also ging es nicht nur nach Ihrhove, sondern auch nach Uthusen, Neuschwoog, Altschwoog, Eisinghausen, Bollinghausen, Heisfelde, Tergast, Oldersum, Pekum, Ditzum und Leer, über die Felder, Wiesen und Deiche. Natürlich gibt es die Drogerie von Daniels Vater, Bernhard Kuper, nicht mehr, überhaupt stehen viele Geschäfte leer, wie Brandt es in seinem Buch ja auch beschreibt: die Aldis, Lidls. KIKs oder Schleckers sind gekommen, die Schleckers allerdings inzwischen wieder abgelöst worden, wenn nicht von einer Müller- oder dm-Filiale, dann von einer Spielothek oder einem Tattoo-Laden. Ich konnte mir jedenfalls das, was Jan Brandt seinem Roman beschrieben hat, hier in Jericho und Umgebung sehr gut vorstellen, es war tatsächlich eine Fahrt in die Welt von Daniel Kuper.
 
 
 

 
 
 
Abends habe ich das neue Buch von Jan Brandt gelesen, Der magische Adventskalender, ein Weihnachtsmärchen. Wunderbar illustriert übrigens von Daniel Faller. Auch in diesem Buch geht es um die Welt eines Jungen und darum, sich in dieser Welt einzurichten.

Ein zehnjähriger Junge, Jonas, nicht gerade vom Leben mit Glück gesegnet, findet eines Tages vor seiner Haustüre einen seltsamen Kasten. Schnell erkennt er an den 24 Türchen, dass es sich um einen Adventskalender handeln muss. Er versucht das erste Türchen zu öffnen, was ihm aber nicht gelingen will, alle Türchen scheinen fest verschlossen zu sein. Allerdings entdeckt Jonas auf jeder Tür ein unterschiedliches Symbol, zum Beispiel einen Kuhkopf. Also macht er sich auf den Weg zum Metzger und bittet ihn, das entsprechende Türchen zu berühren, was dann auch sogleich aufspringt, und den Blick auf ein Stückchen Schokolade freigibt. Mit den anderen Türchen des Kalenders ergeht es ihm ähnlich, wobei Jonas so manches Rätsel zu lösen und allerlei Abenteuer zu bestehen hat.
 
 
 

 
 
 
Jonas, ein verschlossener Außenseiter, wird auf diese Weise gezwungen, sich mit seiner ihn umgebenden Welt auseinanderzusetzen, wenn er denn die Türchen seines Kalenders öffnen möchte.

Jan Brandt gelingt es auch in diesem Buch, Menschen wahrhaftig und mitfühlend zu beschreiben, ähnlich vermag das auch der amerikanische Autor Stewart O´Nan, von dem übrigens kürzlich auch ein neues, sehr lesenswertes Buch erschienen ist, Stadt der Geheimnisse, aber das ist eine andere Geschichte.

2012 3 Jan

Gegen die Welt

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Jan Brandt veröffentlichte im Sommer 2011 sein 927 Seiten starkes Buch Gegen die Welt. Es ist Brandts Erstlingswerk, ein unglaubliches Buch, ein fantastisches Buch. Es geht um die Welt des Daniel Kupers, geboren Mitte der 70er Jahre in einem kleinen Ort, Jericho, in Ostfriesland. Am Ende der ersten Klasse, 1983, beginnt der Roman mit der Erzählung von Daniels Kindheit. Das Buch endet 2010 in einer ganz anderen Welt als der, die uns Brandt, detailverliebt bis ins Letzte, vor uns ausbreitet: die Welt der achtziger und neunziger Jahre. Kein Auto wird genannt, ohne nicht gleich auch dem Leser das Baujahr und die PS-Zahl zu verraten. Kein Einzelhandelsladen geht zugrunde, ohne dass nicht der Leser auch gleich erfährt, wer denn die Aldis, Lidels. KIKs oder Schleckers sind, die den leeren Raum einnehmen. Wer mehr über die Detailverliebtheit Brandts erfahren möchte, dessen Wissbegier wird auf www.gegendiewelt.de erschöpfend gestillt.

 
 
 

 
 
 

Daniel Kuper kommt in seiner Jugend nicht klar mit dieser Welt und die Welt, seine nächste Umgebung, erst recht nicht mit ihm. Aber in dieser von Brandt beschriebenen Welt stimmt sowieso einiges nicht und das hat nicht unbedingt mit einer Kleinstadt in Ostfriesland zu tun, die Orte und Schauplätze sind austauschbar. Während des Lesens dieses wunderbaren Buches kam mir Musik in den Kopf, nicht unbedingt Musik von einer der 71 im Buch genannten Bands / Musiker, nein, Musik von von Asmus Tietchens, genauer, von dessen Platte: Das Fest ist zu Ende. Aus. Auf dieser ausgewöhnlichen CD, erschienen 1994,  fasste Tietchens einst seine Jugend zusammen. Stets mit dem Cassettenrecorder unterwegs, hat er aufgenommen, was das Zeug hält, kilometerlang Bandmaterial gesammelt. Die Essenz dieser Aufnahmen mit Klängen bearbeitet, ergibt Das Fest ist zu Ende. Aus.

Der CD ist ein Heft beigelegt, auf dessen Rückseite Tietchens ein Zitat aus dem Buch „Der zersplitterte Fluch“ von E.M.Cioran wiedergibt: „In jeder Altersstufe entdecken wir, daß das Leben ein Irrtum ist. Nur mit fünfzehn Jahren bedeutet dies eine Offenbarung, in der ein Angstschauer und ein Hauch Magie mitschwingen. Mit der Zeit schlägt diese Offenbarung, degeneriert, in eine Binsenwahrheit um. Und so trauern wir dem Alter nach, in dem sie eine Quelle von Unvorhergesehenem war.“ Ja, und das könnte auch ein Kommentar sein zu dem Buch von Jan Brandt „Gegen die Welt“ sein.


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