Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the tag ‘Emmylou Harris’.

Archives: Emmylou Harris

Einige Male traf ich Daniel Lanois, zuletzt auf einem der legendären Punktfestivals in Kristiansand. In einem Interview sprach er, über sein Soloinstrumentalalbum „Belladonna“ („a quiet burner“), und über seine Produktion von Emmylou Harris‘ Album „Wrecking Ball“, das Mitte der Neunziger in Dans mexikanischem Studio „Teatro“ entstand, das zuvor ein wunderbares Kino am Ende der Welt war. Heute erinnerte ich mich daran, als ich bei den „Sunday Reviews“ von „pitchfork“ eine lange Hymne auf dieses „country noir“-Meisterstück las. Das damals kommerziell alles andere als erfolgreich war, aber in den Klanghorizonten „high on rotation“. Und das erzählte er mir dazu – eine Metamorphose der besonderen Art (ganz verstanden habe ich den hier geschilderten Ablauf bis heute nicht):

 

„Wir brachten für die Aufnahme von »Wrecking Ball« ein sehr gemischtes Team zusammen. Der Mix der Charaktere hat viel mit dem Resultat zu tun. Ich mochte es immer, verzweifelte Seelen einer bestimmten Sorte einzuladen. Larry Mullen am Schlagzeug wirkt hier recht überraschend, aber ich kenne seine Faszination für Country; hier fand er eine Gelegenheit, diese Leidenschaft auszuleben – an den dunklen Rändern von Country – und einmal aus dem »System« U2 auszusteigen. Der Bassist kam vom Funk. Keine homogene Einheit, und doch konnte man bald die Logik hinter dem Wahnsinn erkennen.

Ziemlich früh stießen wir auf einen aufregenden Sound, Ich nannte ihn den »Sound der Crystals«. Die Crystals waren eine Vokalgruppe aus den frühen 60ern mit einem mysteriösen und energetischen Sound. Mir war nie klar, wie sie diesen Sound hinbekamen, vielleicht war es sogar eine Phil-Spector-Produktion. Ich stieß zufällig darauf, hatte die Kopfhörer auf, war mit Emmylou im Studio, sie sang, und am Ende des Liedes sagte ich zum Toningenieur Malcolm Burn: »Berühre nichts, nimm deine Hände vom Mischpult, ich will analysieren, was wir da haben!« – es war etwas Besonderes, ich wollte diesen Sound nicht einfach festlegen, ich wollte ihn betonen, gestalten, verstärken. Und es war auf einmal gleichsam der „Sound der Crystals“, der sich in Emmylous Mikrofon hineinschlängelte; zwischen ihren Gesangslinien und all der Kompression, die wir benutzten, entfalteten sich die Instrumente wie in einem Riesenpilz. Ich entschied, dass die Musiker ganz nah bei Emmylou spielen sollten.“


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz