Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

You are currently browsing the blog archives for the tag ‘Darren Hayman’.

Archives: Darren Hayman

In every life some rain must fall, they say, and sometimes the rain pouring out of the skies is nothing else than a decent, sometimes depressing break-up. Everybody has a story to tell, and some musicians chose to do it in their own peculiar ways, and we call it „break-up album“. Frank Sinatra has done it, Marvin  Gaye has done it, Richard and Linda Thompson did it and burned all candles down in real studio time. It’s still a never-ending discussion if ABBA or Joy Division have recorded the saddest farewell song of them all. When I heard that English maverick Darren Hayman is the next one in the line of the heartbroken, I was not particularly impressed. For someone who loves to take one „lateral drift“ after the other, from the British countryside trilogy to old Florence, from legendary Apollo astronauts to open and disused British open-air swimming pools, a break-up album doesn‘t seem to be the most original choice. But there you are, down and out, and you don‘t give a shit on having a knack for outsider stuff. Thing is I started listening to it without great expectations and was, honestly, blown way after the first seconds. I listened to Home Time twice in a row, and loved every song. I loved the (black) humour, the sadness, the melodies, the twists, the sounds of the instruments, the sound of the room, the lyrics, the space between the lyrics, the survival techniques, the music hall tradition, the cover painting, the elevation of my mood.  It‘s quite a brilliant affair. And maybe the most jubilant break-up album ever. It‘s not too hard to believe the hardest was behind him when recording began, with a deep relief crawling from the margins to the center of every sad, sad, (not so) sad song.

 
 

Es gibt einige Songalben aus dem alten England, in die ich vernarrt bin, und die aus diesem Jahrhundert kommen, und dazu zählen, neben mindestens einem Album von The Unthanks und Sleaford Mods, neben Everyday Robots von Damon Albarn, Cuckooland von Robert Wyatt, und Someday World von Eno & Hyde, auch die drei Alben, die Darren Heymans Reise über die Dörfer dokumentieren, drei Schallplatten lang. Die CD-Editionen quellen über an flüchtigen, herzlichen Begegnungen, und wenn man das alles liest, freut man sich noch mehr auf die Lieder, mit ihren kleinen Stories und Feldaufnahmen   –  Hörspiele im liebevoll verwitterten Songformat.

 
 

 
 

Ich glaube, es ist eine gute Idee, seinen klingenden Dorfgeschichten im August eine „blaue Stunde“ in der Nacht zu widmen. Unterhält man sich mit ihm über Musik, da gerät man, wie bei seinen Alben, auf interessante Seitenwege, und Cliff Richard und John Coltrane liegen, bei seiner besonderen Plattenstöberei, nur einen Handgriff und eine Story auseinander. Hier sein Solo über ein Solo von John:

 
 

Dieses Album, Miles Davis and John Coltrane Live in Stockholm 1960, hat mehrere Cover und Titel; es scheint kaum offiziell zu sein. Dies ist die letzte Tournee von Coltrane mit Davis. Coltrane wollte nicht dabei sein. Seine Karriere hatte bereits eine andere Richtung eingeschlagen. Bei diesen Shows ist er mürrisch und launisch. Sein Spiel neigt sich dem heftigeren Heulen seiner späteren revolutionären Periode entgegen.

Am Abend vor dieser Show wurde er in Paris ausgebuht; Miles würde während seiner Soli die Bühne verlassen. In Stockholm, acht Minuten nach „All Blues“, macht Coltrane eine bemerkenswerte Sache. Er schlägt einen gespaltenen Ton an, eine strangulierte Harmonie, die eindeutig unbeabsichtigt ist.

Er spielt den gleichen Fehler ein zweites Mal, und ich wäre bereit, zu behaupten, dass auch dieses zweite Mal ein Zufall war. Dann spielt er ihn ein drittes Mal, dann ein viertes und fünftes Mal. Es könnte sein, dass er sich an die Regel hält, dass, wenn man einen Fehler spielt, man ihn noch einmal spielen sollte, und er wird zur Rolle. Man unterstreicht ihn und lässt ihn absichtlich erscheinen.

Aber es ist mehr als das. Coltrane ist fasziniert von dieser gequälten Phrase. Er wird besessen von dem, was sein Saxophon macht, oder besser gesagt, was es nicht macht. Er fällt in Trance und umkreist die fünf Töne immer wieder, manchmal mit kleinsten Veränderungen, manchmal auf verschiedene Weise wiederholt, aber immer diese merkwürdige, seltsame, raue Note in der Mitte. Das Publikum existiert nicht. Es gibt nur ihn und diese eine Phrase. Insgesamt wiederholt er die Zeile 33 Mal. Ich habe gerade gezählt.

Auch die Band geht mit ihm mit, von anfänglicher Sorge über Unsicherheit bis hin zu unverschämter Zuversicht. Es ist sowohl das beknackteste als auch das intelligenteste Musikstück, das ich je gehört habe, und ich denke oft daran, wenn ich Platten aufnehme. Es spricht über die Kraft der Wiederholung, über die Schönheit des reinen Experimentierens und darüber, was man erreichen kann, wenn man Vertrauen zeigt.


Manafonistas | Impressum | Kontakt | Datenschutz