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Archives: Brückenbaukunst

 

Immer auf der Suche nach dem Wunderbaren in der Musik, nehme ich gerne die eine oder andere Spur auf. Bevorzugter Trimm-Pfad sind nach wie vor gute Songs. Erstmal in der liederlichen Loipe drin, gerät das Geschehen schnell in Fahrt. Jüngst war es das neue Sting Album The Bridges, das bei mir erst mit dem zweiten Hören zündete, dann aber Feuer fing – einmal mehr bereichert durch das versierte, taktvolle Gitarrenspiel des Dominic Miller, das zwischen rockigen Tönen und klassisch zartem Arpeggio changiert. Es gibt ein Interview mit dem YouTuber, Musiker und Gitarrenlehrer Rick Beato, bei dem die Genannten zugegen waren. Dort kam Einiges zutage. Ich schrieb hier im Blog vor einiger Zeit über „Brückenbaukunst“, gemeint sind jene Elemente im Song, die zwei Ebenen verbinden. Sting erwähnte, dass es genau diese Brücken wären, die einen Song reizvoll machten. Ich stimme zu, bestes Beispiel: Steely Dan, ein vom schwarzgelb-gestreiften Bienen-Briten sträflich unerwähntes Duo. Egal, Lennon-McCartney wertschätzt der Sänger. Das Interview mit Beato ist auch deshalb gut, weil der Fragesteller selbst ein Analytiker von Songs ist, deshalb deren Innenwelt gut kennt. So würde er verstehen, warum ich seit Wochen einen Narren gefressen habe an „Harmony Road“. Jenes Stück beginnt im Fünf-Viertel Takt in D-Moll. Wunderbares Arpeggio-Spiel von Miller. Dann die Bridge (ich habe lange getüftelt) im Sieben-Viertel Takt mit Sopran Saxofon. Schlussendlich einen Halbton höher, dabei zurück zum Fünfviertel. Man versuche mal, das nachzuspielen: vom Sieben-Viertel ansatzlos und standfest zurück zum Fünf-Viertel. Sting, Miller und Kollegen meistern das.

 

2021 8 Apr

Brückenbaukunst

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„Peace on my mind
If I’m dreaming
Make this dream reality
Peace on my mind
A cool light streaming
Let it be …“

 
 

Es sind die bridges, die verbinden. Zu meinen all-time-favorites zählt ein Song von Joni Mitchell mit dem Titel Sex Kills“ aus dem Album Turbulent Indigo. Er lief vor Dekaden in permanenter Dauerschleife, im Kassettenrecorder meines weissen Polos, alterierend mit zwei Songs der Pat Metheny Group. Was mir damals schon auffiel, war die Mitwirkung eines gewissen Michael Landau. Den Namen habe ich nie vergessen und auch seinetwegen höre ich „Sex Kills“ immer noch gerne. David Torn hätte seine Freude an dieser Art Gitarrenspiel. Noch eine Zeitreise: Joni Mitchell spielte zusammen mit Robben Ford auf dem Album Miles of Aisles. Zuletzt hatte ich einige Ford-Titel in Augenschein genommen, unter anderem das von mir favorisierte Stück Peace On My Mind“ aus dem Album Truth. Dort gibt es eine bridge, jenen Teil eines Songs, der zwischen zwei Strophen eines Liedes als Zwischenspiel intermittiert, das Leichtigkeit ins Ganze bringt. Grosse Meister dieser raffinierten Brückenbaukunst waren aus meiner Sicht auch Steely Dan gewesen. Robben Fords Seelenfriedenbrücke jedenfalls hatte ich bislang umgangen, weil sie mir zu windig erschien, doch ausgerechnet jener Gitarrist aus alten Tagen tauchte plötzlich wieder auf: via Mausklick und YouTube stand er als hilfreicher Wegbegleiter zur Seite. In meinem Elfenbeinturm in Klausur erklärte mir der (einst) gefragte Studiomusiker kenntnisreich die Baukonstruktion: G Minor 7, E Minor 7, B Flat Major 7, B Minor 11, C 11, E Minor 7, F Major mit E Flat im Bass. So, das hätten wir im Kasten! Es steht jetzt auf Papier notiert, denn der Mensch will Klarheit. Längst vergessen ist jene Epoche, in der man irgendetwas für nicht spielbar hielt. Ich muss es hören und dann weiss ich, was es ist. Und falls nicht, das Internet und all-time-folks wie Michael Landau können helfen.

 


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